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Die neue Welt · 1933-12-29 · Heft 329 (29.12.1933) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 329 (29.12.1933)
Date
1933-12-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 32£ DIE NEUE WELT Seite 3 Ein Diplomat vor Diplomaten Uber den Judenstaat Aus Bukarest; Der polnische Gesandte in Bukarest, Herr Miroslaw Arcziszewski, der soeben von einer Palästinareise zurückgekehrt ist, hielt vor einem auserlesenen Publikum, Mitgliedern des diplo matischen Korps, der rumänischen Regierung u. a. m einen Vortrag über sein Palästina-Erlebnis. Er sprach von der moralischen Kraft der Juden- Ii e i t in der ganzen Welt, die sich im jüdischen Palästina Wei*k kundgbt, und sagte, in Palästina sei in wirtschaftlicher und geistiger Beziehung ein pulsierendes Leben festzustellen. Palästina bildet eine Oase in der unter Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit leidenden Welt. Die Hälfte der Bevölkerung ist im Ackerbau tätig. Palästina nimmt die dritte Stelle in der Reihe der Orangen expor tierenden Staaten ein. Jährlich werden fast S% Millionen Pfund in Neubauten der Städte Tel-Awiw, Jerusalem und Haifa investiert. Die polnische Nation, erklärte zum Schluß Gesandter Arcziszewski, begleitet den Aufbau des jüdischen Nationalheims mit Sympathie. Zur Ver jyirklichung dieses schönen Ideals des Juden Staates in Palästina müssen alle Völker der Welt beitragen. töin Gesetz gegen den Antisemitismus in Holland Aus dem Haag: Der Justizminister brachte in der Kammer eine Gesetzesvorlage ein, wonach die öffentliche Beleidigung der Behörden, der staatlichen Ein richtungen und bestimmter Volksgruppen unter Strafe gestellt werden soll. Vorgesehen sind Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahren. Der Justizminister gab zu dem Gesetz entwurf eine Begründung, die sich besonders eingehend mit der „Strafandrohung für öffentliche Beleidigung einer bestimmten Gruppe der Bevölkerung" befaßte und ausdrücklich hervorhob, daß unter diesem Delikt Angriffe auf Juden und jüdischen Gottesdienst gemeint seien. Aber nicht nur tätliche Angriffe, sondern auch antisemitische Aeußerungen fallen unter das Strafgesetz. In holländischen parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß nach Verkündung dieses Gesetzes der Regierung eine Handhabe geboten sein wird, antisemitische Propaganda überhaupt zu unterbinden. In 4j(er schriftlichen Begründung zu dem Gesetz sagt die Regierung, .daß sie in erster Linie an „aktuelle Aeußerungen bezüglich unserer jüdischen Mitbürger" denkt. Tagung des amerikanischen Misrachi Aus New York: Der amerikanische Mis- »achi hat auf seiner Jahreskonferenz in einer einmütig angenommenen Resolution den Beschluß des Keren Kajerneth Lejisrael, in die Verträge mit den Siedlern auf Nationalfondsboden eine Klausel aufzunehmen, die den Siedlern die Einhaltung der Sabbatvorschriften zur Pflicht macht, wärmstens begrüßt. Mehrere Redner griffen die Leitung des Keren Hajessod an, weil diese nicht ebenfalls die Haltung des Sabbat in den vom K. H. unterstützten Betrieben zur Bedingung macht. Die Konferenz beschloß, innerhalb der zionistischen Bewegung mit Nachdruck gegen Nichtbeobachtung der Sabbatruhe zu kämpfen. Die Konferfenz nahm eine entschiedene Stellung gegen die zionistische Linke an, die jetzt innerhalb der Zionistischen Organisation an der Macht ist. «— Längere Ansprachen hielten Israel Brodie und Robert S z o 1 d vom Palestine Economic Committee. Antisemitischer Ueberfall auf das Pariser Judenviertel verhindert Aus Paris: Rechtzeitiges Eingreifen der Polizei verhinderte einen Angriff der antisemitischen „Camelots du Roi" auf das jüdische Viertel von Paris. Die Camelots waren zunächst in das „Foyer Israelite", eine jüdische Studentenmensa im Quartier Latin, eingedrungen und marschierten von dort aus, nachdem sie die Fensterscheiben des Lokals zertrümmert hatten, gegen das jüdische Viertel. Der alarmierte Selbstschutz der jüdischen Jugend eilte auf Motorrädern und in Autos herbei, um sich den Angreifern entgegenzustellen. Es gelang jedoch der Polizei, den Zug vor dem jüdischen Viertel aufzulösen. Kolonie der amerikanischen „Jüdischen Legion" in Palästina Aus New York: Der Vorsitzende der Zionistischen Organisation Amerikas Morris Rothenberg teilt mit, daß für Mitglieder der „Jüdischen Legion", die General Allenby geholfen haben, Palästina zu erobern und die jetzt in Amerika wohnen, eine Kolonie in Palästina geschaffen wird. Frau Rebekka Sundelewitsch aus Texas hat für diesen Zweck bereits 40.000 Dollar gespendet. Keine Juden aus den Konzentrationslagern entlassen Aus Berlin: Unter den '500 Häftlingen, die auf Grund der Weihnachtsamnestie des Ministers Göring aus dem Konzentrationslager in Dachau entlassen werden, ist kein einziger Jude. HECHALUZ HALEUMI Samstag, den 6. Jänner iQ33s in den Festsälen des Jüdischen Heimes, II3 Unt. Augartenstraße 38 «BOSSE AKADEMIE JIIT TANZ Beginn : 8 Uhr abends Eniree; S I.50 Der jüdische Handelsdampfer „Emanuel" in englischen Gewässern Aus London: Die englischen Zeitungen befassen sich viel mit dem jüdischen Handelsdampfer „Ernan u e 1", der dieser Tage im Hafen von Southampton mit einer Getreideladung eingelaufen ist. Seit 2000 Jahren sei es das erste Schiff aus Palästina, das unter jüdischer Flagge nach England kommt. Der Dampfer gehört einer jüdischen Rhederei, die Mannschaft besteht ausschließlich aus Juden. Die „Emanuel" führt bekanntlich die blau-weiße Flagge Palästinas mit dem Davidstern. 99 Prozent der jüdischen Bevölkerung Wilnas geben Jiddisch oder Hebräisch als Muttersprache an Aus Wilna: Das soeben erschienene statistische Jahrbuch der Stadt Wilna enthält bemerkenswerte Angaben über die Sprachverhältnisse der jüdischen Bevölkerung dieser Stadt. Nach der Volkszählung des Jahres 1931 hat Wilna 193.000 Einwohner, davon 55.000 Juden. Von diesen haben 88 Prozent Jiddisch, 11 Prozent Hebräisch und nur 0,9 Prozent eine nichtjüdische Sprache als ihre Muttersprache angegeben. Tschechoslowakische Juden in Deutschland verschollen Aus Prag: Laut „Prager Mittag" haben in den letzten Tagen die tschechoslowakischen maßgebenden Stellen von einer Reihe von Fällen erfahren, in denen tschechoslowakische Staatsbürger, die sich in Deutschland aufhielten, wegen angeblicher kommunistischer Umtriebe verhaftet und verschleppt wurden. Es handelt sich vorwiegend um Juden. Dem Prager Außenministerium sind mehrere solche Fälle bekannt. Es liegt im Interesse der Schritte, die zur Ausforschung und Befreiung der verschleppten Personen gemacht wurden, vorläufig konkrete SCHI II »KAM III ] Junger tüchtiger SCHAUFENSTER-ARRANGEUR außerdem junge TÜCHTIGE VERKÄUFER aus der Schuhbranche, welche auch Schaufenster dekorleren können, werden von polnischer Aktiengesellschaft gesucht. Polnische Staatsbürgerschaft Bedingung. Zuschriften unter: -Schuhbranche 2767*^ an die Annoncen-Expedition M. Dukes Nachf. A. O., Wien M Fälle nicht zu nennen; es werden jedoch, sobald als angängig, diese Verschleppungen tschechoslowakischer Staatsbürger in Deutschland mit konkreten Daten belegt werden. Denkmal für einen jüdischen General in Belgien Aus Brüssel: Unter Beteiligung hervorragender Persönlichkeiten der belgischen Gesellschaft und der belgischen Militärkreise wurde in Brüssel ein Komitee zur Errichtung eines Denkmals für den vor zwei Jahren verstorbenen jüdischen General der belgischen Armee, Bernheim, gebildet. Der König von Belgien hat dem Denkmalfonds einen größeren Betrag aus seiner Privatschatulle überwiesen. Oberst Nathan, der Kommandant der jüdischen Jugendbrigade in England, gestorben Aus London: In London ist Oberst Sir Frederic Lewis Nathan, der Ehrenkommandant der jüdischen Jugendbrigade, im Alter von 72 Jahren gestorben. Er war ein Bruder des ehemaligen Gouverneurs von Queensland Sir Matthew Nathan, des ersten Juden, der zum Kolonialgouverneur ernannt wurde. Während des Krieges hat Sir Frederic bei der Admiralität und im Kriegsamt Dienst getan. Von 1925 bis 1927 war er Präsident der Institution of Chemistry, 1906 war er in den Ritterstand erhoben worden. Verfallser§dieinungen Die Zeit ist traurig, aber man kann viel in ihr lernen. Systeme und Organisationen, welche als unerschütterlich galten, brechen zusammen und die Fäulnis, welche hinter einer glänzenden, starken Hülle seit langem wuchert, wird sichtbar. Menschen, welchen die Leitung von Organisationen anvertraut ist, können da viel lernen. Auch die Führer des Zionismus. # In einer vor kurzem erschienenen Schrift schildert der frühere Chefredakteur der „Vossischen Zeitung" und Abgeordnete im Deutschen Reichstag Professor Georg Bernhard den so plötzlichen und schmählichen Zusammenbruch der großen deutschen Sozialdemokratie, mit welcher er immer in engstem politischem Kontakte stand. Sie ist am Bürokratismus zugrunde gegangen, daran, daß das Führertum in ein Beamtentum gewandelt wurde. Partei- und Gewerkschaftsbeamte besetzten alle Posten von irgend einer Bedeutung, sie wurden Vorsitzende, Landespräsidenten und Minister, kein anderer wurde zugelassen. Mit den Beamten zog der für das allein herrschende Beamtentum charakteristische Geist ein: Machthungrige Brutalität nach innen, feige Schwäche nach außen. Der Parteigenosse, der nicht in allem parieren will, wird rücksichtslos unterdrückt. Jedem Kampfe mit dem äußeren Feinde, wenn er auch nur das geringste Risiko mit sich bringt, wird feige ausgewichen. Nur keine Erschütterungen! Ein guter Posten könnte verlorengehen. Satte Ruhe Uber alles! Bernhard beschreibt dramatisch, wie in den letzten Tagen vor der Machtergreifung durch Hitler die „bürgerlichen" Mitglieder der Ministerien in Deutschland, Zentrumsleute und Demokraten, vergeblich ihre „revolutionären" Kollegen, die sozialdemokratischen Minister, bestürmten, die noch gegebene Macht gegen die Hakenkreuzler in Anwendung zu bringen, einen entscheidenden Schlag gegen sie zu führen. Aber die roten Beamtenminister waren nicht vom Fleck zu bringen. Nur kein Risiko. Man sitzt so weich und so warm. Nur kein Risiko. Bis der „Leutnant und vier Mann" kamen und die Gesellschaft zum Teufel jagten und das rote Deutschland in braune Sklaverei versank. Am Bürokratismus ist die große deutsche Sozialdemokratie zugrunde gegangen, er hat sie denerviert und demoralisiert. So ruft Georg Bernhard warnend in die Welt. « Der Vorgang um die deutsche Sozialdemokratie hat hier und dort zum Nachdenken angeregt und gewisse Konsequenzen gezeitigt. So scheint die österreichische Sozialdemokratie, welche gleichfalls unter einer Beamtendiktatur steht, am Schicksal ihrer großen Bruderpartei etwas gelernt zu haben, wenn auch etwas spät, vielleicht zu spät. Vor einigen Wochen hat der Delegiertentag der österreichischen Sozialdemokratie den Beschluß gefaßt, daß in Hinkunft weder Beamte der Partei noch auch Beamte der Gewerkschaften im obersten, die ganze Bewegung kontrollierenden Parteirat sitzen dürfen. Angesichts des Zusammenbruches der Parteimaschine in Deutschland und im Augenblick eigener schwerer politischer Not hat man eben die Gefahr erkannt, welche einer Bewegung aus der Bürokratisierung erwächst. Man hat erkannt, daß ungezügelte Beamteawirtschaft eine Organisation moralisch und materiell ruiniert, in ihrem Innern jede Bewegung und Entwicklung abtötet und sie zum Kampfe gegen äußere Feinde untauglich macht. * Bs ist dringend notwendig, daß man auch in der. Zionistischen Organisation den Vorgängen in der deutschen und österreichischen Sozialdemokratie Beachtung schenke« und entsprechende Konsequenzen ziehe, denn der Zustand der Zionistischen Organisation ähnelt ganz fatal dem Zustande dieser zusammenbrechenden Parteien. Die Aehnlichkeit ist keine rein äußerliche und keine ganz zufällige. Die Bürokratisierung des Zionismus wurde von der Poale- Zion, von d|n zionistischen«Sozialdemokraten betrieben, das heißt von Menschen, welche zum überwiegenden Teil in der Schule der österreichischen und deutschen Sozial-* demokratie erzogen wurden. Sie haben die Methoden ihrer Lehrmeister getreulich ins Zionistische übertragen. Wo eine Stelle in der Zionistischen Organisation, in ihren Fonds und in ihren Unternehmungen geschaffen oder frei wird, muß ein Beamter der poale-zionistischen Partei, Presse oder Gewerkschaft eingesetzt werden. Die wenigen Funktionäre, welche formell der Linken nicht angehören, müssen sich dem Kommando von links fügen oder sie können nicht bleiben. Das Netz wird immer enger gezogen. Auf dem letzten Zionistenkongreß war die poalezionistische Fraktion die größte — hatten doch ihre Führer den ganzen Macht- und Wahlapparat in der Hand — und bestand zu gut achtig Prozent aus Beamten. Die oberste zionistische Leitung, die Exekutive, ist zum größten und wichtigsten Teil mit Parteibeamten besetzt. , Von oben beginnt es und setzt sich bis in die letzten Verästelungen des zionistischen Lebens fort. Die Fonds in Palästina und in der Galuth und alle ihre Unternehmungen werden fast ausnahmslos von beamteten linken Parteigängern verwaltet. Das gibt ihnen die Möglichkeit, sich alles in Palästina dienstbar zu machen. Wer der Parteimaschine nicht seinen politischen und materiellen Tribut entrichtet, kommt nur schwer nach Palästina. Und wenn er hinkommt, wird er solange ausgehungert, bis er klein beigibt. Wer nicht linker „Organisierter" ist, kann in Palästina nicht Arbeiter, nicht Lehrer, nicht Beamter werden. Der Unternehmer, der andere als linke „Organisierte" einzustellen wagt, wird sabotiert, boykottiert, seine Werkstätte wird gestürmt. In dieser Hinsicht herrschen in Palästina Verhältnisse, wie sie nirgends in der Welt mehr zu finden sind. Wo sie geherrscht haben, sind sie schon längst durch Gesetze als Wirtschaftsterror stigmatisiert und beseitigt worden. Es ist heute überall unter Strafe gestellt, einen Menschen wegen seiner Gesinnung und der Zugehörigkeit zu der oder jener Organisation ums Brot zu bringen. Auf Palästina liegt die Schande, daß der Jude wegen seiner politischen Gesinnung von Juden, welche die Macht a». sich gerissen haben, skrupellos ausgehungert wird. Diese nach innen so rücksichtslos und hart wirkende Alle Radioapparate, modernste Typen stets lagernd bei J. HAHN, WIEN IX, Wasagasse 12, Telephon A-13-5-20 Günstige Teilzahlungskonditionen. Kostenlose Vorführung in Ihrem Heim. Günstige Gelegenheitskäufe / Gebe 5% des Kaufwertes zu- , gunsten Jüdischer Institutionen nach Wahl des Käufers ab / Provinz- und Auslandversand

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