Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 329 (29.12.1933)
- Date
- 1933-12-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2711899-2711951--4089-2717524- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seile 2 DEE. NEUE WELT Nr. 329 Zionistenkongreß sind die zionistischen Sozialdemokraten, welche jetzt die Exkutive der Zionistischen Weltorganisation bilden, als stärkste Kngreßfraktion für das „Transferabkommen" und gegen den Abbruch der wirtschaftlichen Beziehungen zu Hitler-Deutschland eingetreten. Vom Geiste' Theodor Herzls verlassen, versündigen sie sich als Zionisten und Sozialdemokraten und laden Unehre auf den Zionismus und Palästina. Können sie die Führer sein? Eine Partei war es, die auf dem Prager Zionistenkongreß die Initiative ergriff und von der Tribüne aus die Frage aufrollte, um die Ehre der jüdischen Nation und des Zionismus zu schützen. Es war die neugegründete Partei des Herzl-Zionismus, die Judenstaatspartei. Manche fragten: Wozu eine neue Partei? Die Antwort ist gegeben. JUDENSTAATSPARTEI Mittwoch, d«n 27. Desomber 11133, um >/,0 Uhr abonds im Heim«, II, Untere Augarteitif rafte 38 VORTRAG RABBIN1R PROPISSOR DOKTOR ARMAND KAMINKA „POLITISCHE UND KULTURELLE VORGESCHICHTE DER MAKKABISCHEN ERHEBUNO1* Frei zugänglich Eintritt 20 Groschen RUNDSCHAU z/Es benachteiligt freilich Ein erfreuliches Ereignis in England: das weitverbreitete, angesehene englische Tagblatt „Manchester Guardian" veranstaltet soeben eine Sonderausgabe seines Handelsteiles, die ausschließlich Palästina, d. h. dem jüdischen Aufbauwerk inPalästina gewidmet ist. Die Artikel dieser Sonderausgabe behandeln die wichtigsten Fragen von Wirtschaft und Industrie Palästinas, eine Reihe trefflicher Aufnahmen gibt ein Bild des werdenden Judenstaates. Zweifellos wird dieses Palästina-Heft auf die englische Oeffentlichkeit Eindruck machen und ihr die Kenntnisse über das Land vermitteln, dessen Verwaltung seitens der englischen Mandatarmacht wegen seiner Mandatswidrigkeit so viel Kritik ausgesetzt Ist. Besitzt .der Engländer noch ein Gefühl für fair play, dann wird er die jüdischen Leistungen in Palästina und die schandbare Handhabung des Mandats durch seine Regierung in eine Beziehimg bringen, die zweifellos zugunsten unserer Ansprüche ausfallen wird. Das Sonderheft sagt mit Recht: Palästina ist jüdisch l Was dort geleistet wird, ist das Resultat jüdischer Initiative, jüdischer Energie, jüdischen Idealismus, jüdischer Wirtschaftskräfte. Aber die Berliner „Jüdische Rundschau", .die Seelenverwandte der heutigen zionistischen Leitung, ist nicht zur frieden. Zwei Seelen wohnen in ihrer Brust, von denen die eine stets den Arabern zugewendet ist. Die „Jüdische Rundschau" will „gerecht" sein bis zum Selbstmord. Sie schreibt über das'Heft des „Manchester Guardian": „Es benachteiligt freilich die Vollständigkeit des Bildes, daß der arabische Teil Palästinas in der Darstellung fast gar nicht berücksichtigt ist." Die „Rundschau" ist immer noch binational eingestellt — nach den blutigen arabischen Attacken und Mordüberfällen, die schon so viel jüdisches Blut gekostet haben! fie§duditsbetradif ung der reidi§deut§chen judischen Front* Soldaten Schön ist das Wort „Makkabäer", schön das Wort „Makkabäer-Erbe"! Aus dem Mund stolzer junger Juden klingt es wie Verheißung, wie Gegenwart. Die letzte Epoche der deutschen Geschichte hat diesem Wort in bezug auf das deutsche Judentum neuen Inhalt gegeben. Abertausende deutscher Juden haben den Sinn der jüdischen Schicksalsgemeinschaft jetzt erfühlt und eine seelische Umstellung vollzogen. Die Menschen mit dem entferntesten Verhältnis zum Judentum konnten sich diesem Prozeß nicht entziehen. Das Bewußtsein der jüdischen Gemeinschaft nach außen und innen war für sie — inmitten der fürchterlichen Krise — das große, wunderbare Erlebnis. Was früher war, erscheint ihnen als für immer erledigter Irrtum. Diese Betrachtung ist in jüdisch-deutschen Kreisen allgemein. Auch der „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" hat sich darüber Gedanken gemacht. In einem Aufsatz „Makkabäer-Erbe" schreibt sein Organ „Das Schild": „Wir deutschen Juden haben wohl selten in den fast 2000 Jahren, die wir auf deutschem Boden wohnen und in Deutschland unsere angestammte Heimat verehren, Augenblicke erlebt, in denen wir das Erbgut der alten Makkabäer notwendiger gehabt hätten als heute. Insbesondere unserer jungen Generation wünschen wir, daß dieses Erbgut sich in ihr voll auswirken möge. Sie wird sich nur dann im Geiste unserer makkabäischen Ahnen bewähren, wenn sie, als deutsche Juden, nie abläßt von unserer Liebe, unseren Rechten und unseren Pflichten für diese deutsche Heimat." Welch , kühner Kopfsprung! Man iwird. wohl fragen dürfen, was die staatsbürgerliche Pflicht der deutschen Juden mit den Makkabäern zu. tun hat;. denn selbst der in der Geschichte nicht gerade sattelfeste Jude wird wissen^ daß die Treue der Makkabäer, dessen Erinnerung uns immer teuer bleiben wird, sich ausschließlich auf das Judentum und auf sonst nichts bezieht. . . Aber der Autor des Makkabäer-Aufsatzes geht jn seiner Berufung auf die großen jüdischen Helden noch weiter, wenn er erklärt: „Sie wird dann auch der Anschauung zum Siege verhelfen, daß wir in der deutschen Bevölkerung zwar eine Sonderart, eine andere., Mischung der a^n sich, gleichen rassischen Bestandteile darstellen, . aber niemals minderartig oder auf diesem auch uns seit ] vielen <■; Generationenangestammten deutschen Boden fremd rassig sind." Die „arischen" Mitbürger der jüdischen Frontsoldaten inv heutigen Deutschland,-insbesondere die Führer und Unterführer, denken-bekanntlich in rassischen, Dingen anders. Die Berufung ,auf die „an sich gl ei-. W eingeisf 96 Prozent polnische Schnäpse; Tee, Rum, alles offen Bringen Sie Flaschen ■ I TA A Wien IX, Porzellangasse 64, beim ■ Iii KM/%iiz- Josef-BahnhotV Tel! A-15-5-68 ch en rassischen Bestandteile" ist angesichts der in Hitler- Deutschland herrschenden Theorie und Praxis derart absurd, daß sich jede Entgegnung' erübrigt. Der Geist der reichsdeutschen jüdischen Frontsoldaten ist, soweit sich dies aus dem zitierten Aufsatz schließen läßt,' trotz, seiner /ms^abäi^chen Anwandlung, sehr weit vom jüdischen yplkstum, von der jüdischen Gemeinschaft entfernt. Allerdings hoffen wir, daß die jüdische Jjugend, auch die in Deutschland lebende, sich nicht wird weismachen lassen, der Makkabäer-Geist sei mit den, Aspirationen dieser deutsch-jüdischen Frontsoldaten identisch. Der Magnet „Jüdisches Palästina." hat. auch hier schon wohltätig gewirkt Die Sprache eines jüdischen //Unterniens! hen" Die reichsdeutschen Nazis haben allerlei Methoden der Propaganda: vom Köpfe-Einschlagen und Konzentrationslager bis zum liebevollen Werben. Hiebei gibt es kein Mittel, das sie verabscheuen, insofern es nur — deutsch ist. So überschütten Hitler-Deutschlands Firmen ihre deutschen Kunden in der Tschechoslowakei mit Propagandaschrifteh, und ebenso wie sie behaupten, keine Tarnung zu dulden, tarnen sie sich selber. Die Propagandaschriften, die nichts als antisemitische Hetze enthalten, sind nämlich nicht in der Sprache der nordischgermanischen Helden, sondern in Esperanto abgefaßt. Esperanto! Eine schöne, geniale Kunstsprache, der auch die nationalsozialistischen Pogromhetzer ihren Respekt bezeugen. Zufälligerweise ist aber der Erfinder dieser Sprache ein jüdischer Untermensch, der Warschauer jüdische Augenarzt Lazar Zamenhof! Da kann man wirklich Goethes Vers variieren: „Ein echter deutscher Mann mag keinen Juden leiden, doch seinen Geist bestiehlt er gern!" Jüdische Opfer des Bürgers kueges auf Kuba Aus Havanna: Die Wirren auf Kuba haben auch jüdische Opfer gefordert: keine Zufallsopfer, sondern solche antisemitischer Verhetzung. Mob und Soldateska überfielen ein von Juden bewohntes Haus, töteten NÄCHSTE PALASTINAREISEN 16. Jänner 21. Februar Auskünfte: Reise, und Verkehrs~Ges. (Orendi-Lokai) Wien I, Rotenturmstraße Nr. 20 (Fleischmarkt Nr. 1), Telephon R-24-5-25 zwei Juden und verletzten einen dritten schwer. Auch sonst wurden im Verlauf der Unruhen Juden angegriffen und verletzt. Am 19. Dezember wurden die zwei getöteten Juden zu Grabe getragen. Die Jüdische Gemeinde, die im Hinblick auf die fortdauernde antisemitische Verhetzung weitere Angriffe auf ihre Mitglieder befürchtet, hat die französische Legation um Schuzt gebeten, der auch zugesagt wurde. Der Chef des Militärkommandos von Havanna hat fünf Juden, die angeklagt waren, Spionage .betrieben oder zu Aufruhr gegen die bestehende Ordnung aufgerufen zu haben, freigesprochen, nachdem sich ihre völlige Schuldlosigkeit eklatant erwiesen hatte. Sie waren die Opfer böswilliger Denunziation antisemitischer Kreise. Auf Intervention des Jewish Centre wurden sechs andere Juden, die sich seit mehreren Monaten unter falscher Beschuldigung an antimilitärischen Unternehmungen teilgenommen zu. haben, in Haft befanden, befreit. Fortgesetzt finden U e b e rfälle auf jüdische Kaufleute und Ausraubung jüdischer Geschäfte statt. Auch Erpressungen an Juden werden verübt. Der Präsident des Jewish Centre Louis J u r i k, ein amerikanischer Bürger, wurde am hellichten Tage auf der Straße mißhandelt und ausgeraubt. Ein großer Teil der deutschen Kolonie hat sich in den Dienst antisemitischer Hetze gestellt und eine Propaganda für den Antisemitismus eingeleitet. An der Spitze der Bewegung steht der deutsche Generalkonsul in Havanna Erik Trope 1. Todesstrafe und Prügelstrafe im palästinensischeil Strafgesetzentwurf Aus London: Im Unterhaus richtete der liberale Führer, frühere Innenminister und erste High Commissioner von. Palästina, Sir Herbert Samuel, an den Minister' für die Kolonien Sir Philip Cunliffe-Lister die Frage, ob ihm bekannt sei, daß der jetzt dem Colonial Office vorliegende Entwurf eines Strafgesetzes für P a,l ä s t i n a die Möglichkeit vorsieht, die Todesstrafe in Fällen zu verhängen, die nach dem derzeit geltenden Strafgesetz nicht in die Kategorie des Mordes fallen und daß in dem Entwurf zum ersten Mal auch die Prügelstrafe für bestimmte Vergehen vorgesehen wird. Sir Herbert Samuel fragte, welche Maßnahmen der Minister in diesem Zusammenhang zu treffen gedenke. . Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte: Der palästinen» sische Strafgesetzentwurf basiert auf englischem R e c h t: Vor: kurzem habe ich kritische Einwendungen gegen die erwähnten Bestimmungen erhalten und habe eine entsprechende Anfrage an den High Commissione? gerichtet. Die einlangende Antwort werde ich Sir Herbert mitteilen. Aus Ungarn . Aus Budapest: Die Zeitung „NSpszava" greift den Rektor der Budapester Technik scharf; an, weil er sechs Versammlungen der Studenten erlaubt hat, in denen in des R e k t o r s G e g e n w a r t gegen die Juden gehetzt wurde. Er versicherte sogar die Skandalmacher seiner Solidarität. An der Volkswirtschaftlichen Hochschule stellte sich der dortige Rektor an die Seite der Hetzer. Den jüdischen Studenten gab der Rektor den Rat, sich von der Hochschule fernzuhalten. . „Aus Budapes t: Der Rektor der jetzt infolge der antisemitischen Siudentenunruhen geschlossenen Budäpester Technischen Hochschule, dem die fortschrittlichen Zeitungen offen vorwerfen, daß er die barbarischen Ausschreitungen gegen die jüdischen Hochschüler seitens de* christlichen Hochschülerschaft direkt ermuntert hat, hat gegen fünf jüdische und vier christliche Studenten das Disziplinarverfahren eingeleitet. Wie es heißt, hat der Rektor schon jetzt vier Stundenten, unter ihnen drei Juden, relegiert und über die fünf anderen Disziplinarstrafen verhängt. Diese Maßnahmen erregen um so mehr Aufsehen, als bisher von keiner Seite auch nur behauptet wurdet daß die jüdischen Hochschüler anders denn als der leidende Teil in den Hochschulwirren aufgetreten waren. 8000 Pfund für die Ueberführung jüdischer Kinder aus Deutschland nach Palästina Aus London: Am 20. Dezember abends fand im Savoy-Hotel zu London unter dem Vorsitz von Anthony de Rothschild ein Vortragsabend zugunster der Aktion zur Unterbringung jüdischer Kinder aus Deutschland in Palästina statt. Der Veranstaltung wohnten 300 Personen, unter ihnen Lady Oxford und Lady Erleigh, bei. Für die Aktion wurden noch am selben Abend 8000 Pfund aufgebracht. Staatssubventionen für das hebräische Schulwesen in der Ischechoslowakei Aus Prag: Das tschechoslowakische Schulministerium hat für das hebräische Schulwesen folgende Subventionen für das Jahr 1934 bewilligt: Hebräisches Volksschulwesen 50.000 Kronen (1933: 30.000 Kronen); hebräisches Gymnasium Mukacevo 10.000 Kronen (1933: Keine Subvention); Organisation Tarbuth 10.000 Krönen (1933: 10.000 Kronen). Die Erhöhung der Subventionen ist \ der Intervention der Abgeordneten der Jüdischen Partei zu verdank«.