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Die neue Welt · 1933-12-29 · Heft 329 (29.12.1933) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 329 (29.12.1933)
Date
1933-12-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 Groschen Jahrgang 7 Freitag/ den 2* T»'«. Vn ,v*rsitHt. Nr* 320 V« b« b» Zeitung vom Verleger versende! »Journal expedie par l'editenr% REVUE BEZUQSBEDINQUNQEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S4.20, ganzjährig S IG.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.— Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.»; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Sehwelz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel« jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, 7 et. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag Unordnung in der ludenfrage In unserem Blatt vom 29. Mai 1931 stellten wir in einem „Päpstliche Rundschreiben und Judenfrage" betitelten Aufsatz fest, daß die katholische Kirche seit jeher die Notwendigkeit erkannt habe, sich realen Gegebenheiten anzupassen, aber zur Judenfrage nichts zu sagen wisse. Wir stellten weiter fest, daß die Stellung zur Judenfrage zum Prüfstein für menschenwürdige und inferiore Gesinnung geworden sei. Seither hat, vornehmlich unter dem Eindruck des Hitlerischen Verfolgungszuges gegen die Juden, die Einstellung zur Judenfrage eine Aenderung erfahren: Die katholischen Kreise empfinden seit kurzem das Bedürfnis, ihren Anhängern, ihren Glaubensbrüdern Richtlinien für das „Benehmen" Juden gegenüber zu geben. Der Hirtenbrief der österreichischen Bischöfe, zu Weihnachten in die katho^ lische Welt geschickt, enthält u. a. einen Passus, der sich auf die Judenfrage bezieht. Dieser Passus beinhaltet, daß die österreichischen Bischöfe, d. h. die katholische Kirche, den Rassenantisemitismus ablehnen. . Es liegt zweifellos ein positiver Kern in diesem Bekenntnis. Die kathoüßGhe Kirche, die zufolge , ihrem Dogma alle Rassen und Völker unter das Dach des christlichen Glaubens bringen wiil, kann die jüdische Rasse von dem, was sie das Heil nennt, nicht ausschließen. Sie muß vielmehr dahin wirken, daß auch der „semitische" Teil der Menschheit in die Lage versetzt werde, in den alleinseligmachenden Schoß des Christentums einzukehren. Rassische Hemmnisse muß der Katholizismus in der ihm gestellten Aufgabe zurückstellen. Der Jude, der sich der christlichen Lehre unterwirft, hat Anspruch auf — Gleichberechtigung. So gesehen, könnte e i n e Komponente des Antisemitismus zum Absterben verurteilt sein. Aber die andere,- die den Juden in seiner Ehre, in seiner Würde, in seiner wirtschaftlichen Existenz und seinem sozialen Gefüge trifft, kann nichtsdestoweniger weiter fociert werden. Man sehe nur: Knapp vor Verlautbarung des Hirtenbriefs konnte Pater Prof. Schmitt, ein österreichischer Katholik, im Rahmen einer katholischen Versammlung eine Art A u s n a h m sg.e s e t z für die jüdischen Staatsbürger fordern, einen Numerus clausus auf zahlreichen Gebieten, und sich hiebei die Unterstellung leisten, daß die Juden selbst für ihre Ausschaltung aus zahlreichen Berufen seien. Die Judenfrage geriet hier in Verwirrung: gegenüber den N i c h t j u d e n, die dahin belehrt wurden, daß eine Verdrängung des jüdischen Elements ohne jede Kompensation eine Sache der Gerechtigkeit und ein Wunsch katholischer Kreise sei; Gegenüber den Juden hinwiederum, die in der Verneinung. des Rassenantisemitismus seitens der katholischen Hirten einen Schutz gegen alle Angriffe auf ihre staatsbürgerlichen Rechte aufgerichtet sehen wollen. Nein, so präzise lassen sich die Erklärungen der katholischen Führer Oesterreichs,, der katholischen Bischöfe und der katholischen Politiker, nicht deuten. Es müßte endlich einmal von diesen Seiten klar, gesagt werden, wie sie sich die — Auseinandersetzung mit den Juden vorstellen. Den. Antisemitismus — sei es auch der Rassenantisemitismus — verdammen und gleichzeitig in verklausulierter Form die Juden für gewisse Erscheinungen im österreichischen wirtschaftlichen und sozialen Leben verantwortlich machen, eine solche Haltung ist nur geeignet, die Situation zu erschweren, zu verwirren. Der gegenwärtige Vorstand der Christlichsozialen Partei Oesterreichs, Prof. Czermak, hat in seiner vielbesprochenen Abhandlung „Ordnung in der Judenfrage" den Versuch gemacht, das Judenproblem so hinzustellen, wie es sich einem katholischen Oesterreicher, einem akademisch , fundierten Beobachter, bietet. Die Schrift Czermaks zeigte einen Weg, der fern vom Lärm der Gosse, von den Schlagworten der Radaupolitiker lag. Wesentliches in seinen Ausführungen ist zurückzuweisen, der Blickwinkel seiner Betrachtungen wird sich - noch verschieben müssen. Aber es ist ein Anfang zur Aussprache über eine „Ordnung". Inzwischen ist — gerade durch laute katholische Stimmen — Unordnung in die Judenfr.age geraten. Diese Stimmen wenden sich, so scheint es, an jene Juden, die kein moralisch^ oder geistiges Kapital einzulegen haben; an jene - Schicht entlaugter, entjudeter Personen, die in Literatur, Presse, Theater und Gesellschaft an der Oberfläche schwimmen und fälschlicherweise für das „jüdische Element" gehalten werden. Anderseits sprechen ^im Namen des katholischen Oesterreich Gruppen:' und Kreise, " die ihr „Material" aus der Küche $es hakenkreuzlerischen Deutschland bezogen-haben Und ein schändliches Spiel - treiben, ohne von den wahren Vertretern Oesterreichs zurückgewiesen zu werden. Die Unordnung in der Judenfrage wächst. Sie wird erst dann verschwinden, wenn auf beiden Seiten verantwortungsbereite Männer "zu ' Worte 'kommen,- welche aas-Vertrauen von Nichtjuden und Juden genießen. Palästina mit den vorzüglichen, großen Salonschiffen der direkten Eillinei TRI EST—JAFFA des LLOYD TRIESTINO Abfahrten Jeden Mittwoch um f 3 II hr Ferner: « Luxuseillinien nach Athen, Istanbul, Alexandrien, Bombay, Ceylon, ■ Singapore, Shanghai Schnellste Schiffe Höchster Komfort Ausk.: Lloyd Trlestlno, Wien I, Karntnerrlng 6, Tel. U-47-5-60 Wegen der arbeitsfreien Tage am 25. und 26. Dezember erscheint die heutige Nummer ausnahmsweise bloß 8 Seiten stark, weshalb einzelne Berichte uiid Ankündigungen wegbleiben mußten. Wieviel ist die judische Volk§ehre wert? 2*2 Millionen Papiermark weniger 5 Prozent Kassaskonto Die .T. T. A. meldet aus Berlin: Die deutschen Zeitungen teilen mit, daß auf Grund des Ende August zwischen der deutschen Regierung und einer palästinensischen Einkaufsgesellschaft getroffenen Transferabkommens im Betrage von drei Millionen Mark im Verlauf der Monate September, Oktober, November um 2,210.000 Mark deutsche Fertigwaren nach Palästina abgesetzt wurden. Die deutsche Presse appelliert an die Zionisten in Palästina, den Warenbezug aus Deutschland kräftig fortzusetzen, worin sich das deutsche Interesse mit dem Interesse der aus Deutschland nach Palästina auswandernden Juden begegnet. Gegenwärtig erreicht der deutsche Export nach Palästina imganzen 10 Prozent der Gesamteinfuhr Palästinas. Die Presse macht Stimmung dafür, daß der Export deutscher Waren nach Palästina erhöht wird, verschweigt aber nicht, daß die Juden, die auf dem Wege des Warentransfers ihr Kapital aus Deutschland nach Palästina bringen, 5 Prozent der transferierten Summe verlieren. * Während die deutsche Regierung unerhörte Schmach auf das jüdische Volk lädt, bemühen sich ihre Agenten mit dem jüdischen Palästina Geschäfte zu machen. Und während das jüdische Volk sich in Schande und Schmerzen windet, machen Juden mit den Peinigern Geschäfte, und noch dazu Geschäfte für das Land, wo jüdische Ehre und Freiheit neu erblühen sollen, für das jüdische Palästina. Sie verkaufen jüdische Volksehre und geben fünf Prozent Kassaskonto. Die Hitler-Presse, welche vorne von den Juden als stinkendes Ungeziefer schreibt, darf hinten mit niederträchtiger Liebenswürdigkeit die Juden zu weiteren Geschäftchen ermuntern. Und die Welt darf die Juden verachten ... * Die kleine jüdische Hausfrau im polnischen und „Thtee Stars' Kohle Koks Anthrazit mmmmmumm höchster Qualitäten wmmmmmmm Bäsch/ IV, Argentinierstraße 22 * Tel« Serie U-47-5-40 rumänischen Ghetto hält ihr Haus von Waren mit der Hakenkreuzmarke rein. Sie bringt Opfer, um nicht ihre arme Hauswirtschaft und ihre Kinder mit Sachen in Verbindung zu bringen, an denen die Leiden der jüdischen Kinder Deutschlands haften. Aber das „s tarke, freie, jüdische Palästina" läßt sich Schiffsladungen jüdischer Schande ins Haus bringen. Zu Beginn dieses Jahrhundertsveranstaltete das zaristische Rußland eine Judenverfolgung. (An der "deutschen von heute gemessen eine kleine, beinahe geringfügige Angelegenheit. Es handelte sich um Plünderungen in einigen Provinzstädten.) Dann bewarb sich die russische Regierung um eine Anleihe. Ein Wiener Bankhaus, dessen Direktor auch in der Leitung der Wiener Judengemeinde saß, beteiligte sich zusammen mit anderen an dem Vertrieb der russischen Anleihe. Die damals noch kleine zionistische Organisation entfesselte einen Entrüstungssturm, und der Bankgewaltige, der als Zierde der Judenschaft galt, mußte seine jüdischen Ehrenämter zurücklegen. Damals beseelte der reine Geist Theodor Herzls die zionistische Organisation. Und heute? Heute treibt nicht irgend ein Wiener oder Warschauer Bankhaus den üblen Handel mit dem Volksfeind, sondern das jüdische Palästina, das Nationalheim. Heute duldet nicht nur die zionistische Leitung den üblen Handel, sondern ist sein Erfinder, sein verantwortlicher Träger. Auf dem Prager Touristen nadi Palästina fahren am besten und billigsten zu Purim, am 21. Februar 193 4, mit der „Conte di Savoia" und zurück mit der „Roma", durch das Weltreisebüro Compass Tours, Zehn Tage im Lande mit gründlicher Besichtigung um S 9 5 0.—, inkl. sämtlicher Spesen, ab Wien. Eventuell anschließender Ausflug nach Kairo. Für Vereine und Organisationen Sonderangebote. Näheres im Büro, IX., Spitalgasse 3, Tel. B-42-5-38. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt« liehen Notizen sind durch ein beigefügtes £ bez«irhs<

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