Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 328 (22.12.1933)
- Date
- 1933-12-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 328. ECKSTEIN'S FAMILIEN-PENSION * Rottauratlon, Kaffeehaus / Taglich 3-Uhr«Tee SEMHERING HSOBSitaaS"4* Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer rn.it Pension S 12.- aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm und Kaltwasser in jedem Zimmer, i Auskunft unter Telephon ^■■■■■■■■■■^■■■■■■■■■■■■■■^■■■■■■^■■■■■■■i abgewichen, es stimmt, wir bekämpfen ihre Methoden und Herrschaftsgelüste; es stimmt, wir verwerfen ihre Methoden des Klassenkampfes. Aber, spielt nicht leichtfertig mit dem Wort „Verräter" Menschen gegenüber, die zu den Pionieren des Landes gehörten! Vergeßt nicht alte Verdienste. Wer die Pioniere von gestern nicht schätzt, hat nicht das Verständnis für den Pionier von heute. Zionismus ist eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft. 7. Kein Konkurrenzkampf. Der Brith Hakannaim ist nicht dazu geschaffen worden, andere zionistische Jugendorganisationen zu bekämpfen. Er hat nicht die Absicht, einen Konkurrenzkampf zu führen. Im Gegenteil, er wird sich bemühen, beruhigend, ausgleichend zu wirken. Er will ergänzen (und nicht brecheil), in Freundschaft und Harmonie mit anderen Jugendgruppierungen arbeiten. Er hat sein „Ich glaube" und will seinen Platz in der Familie der jüdischen Jugend einnehmen. Er steht nicht unter dem Kommando einer Einzelperson. Er ist verbunden mit einer demokratischen Bewegung. Und doch wird er nicht ein Werkzeug einer Partei sein, er wird bloß unter der geistigen Aufsicht und dem direkten Einfluß der demokratischen Judenstaatspartei stehen, welche es als ihre Aufgabe betrachtet, eine Generation zionistischer Jugend zu erziehen, die der ihr bevorstehenden Aufgabe würdig sei. Au§ der Tschechoslowakei' Die Tschechoslowakei und der Antisemitismus Von Oskar Herlinger (M.-Ostrava) Wenn man mit Ausländern spricht, die kurze Zeit in. der Tschechoslowakei weilten, hört man die Ansicht, daß es hierzulande keinen Antisemitismus gäbe. Diese Tatsache wäre überraschend, leidet doch die Tschechoslowakei unter der Krise wie andere Staaten, gibt es doch auch hier eine jüdische Minorität, womit doch zwei Hauptgründe für den Antisemitismus gegeben erscheinen. Und es gibt auch einen Antisemitismus. Keinen, der vom Staate unterstützt, keinen, der „oben" gebilligt wird. Das-schließt ihn aber nicht aus. Er existiert in der Gasse und hie und da äußert er sich in Aktionen, die ihn den Jwden zum Bewußtsein bringt — bis sie ihn wieder vergessen! So mancher wird sich noch an den Horak- Prozeß erinnern; in welchem ein siebenfacher Judenmörder freigesprochen wurde. Viele werden auch von der Frage der „Staatenlosen" gehört haben, unter der besonders die Juden leiden, von jenem früheren Minister, der ein Schimpfwort verwendete, das man mit „Judensau" übersetzen kann. Wiederum andere werden von der Bewegung „Svuj k svemu" gehört haben, die man mit „K a u f t n i c h t bei Jude n" übersetzen kann, welche Parole alljährlich vor Weihnachten und in den Einkaufstagen vor Ostern ausgegeben wird. Und trotzdem: Minister kann ein Jude dennoch bei uns werden, ob aber auch z. B. Polizist, das ist zu bezweifeln,.^ Vor wenigen Wochen wurde hier, anläßlich des fünfzehnjährigen Bestandes der Republik, ein'Flugblatt verteilt. Dieses Flugblatt, wüstesten antisemitischen Inhalts, könnte aus dem klassischen Lande des Antisemitismus, aus Deutschland, stammen. Es enthielt einen Stadtplan mit den eingezeichneten „tschechischen" Geschäften. (Kaufe nicht bei Juden!) Karikaturen, die denen des „kikeriki" sehr ähnlich sahen. Der Inhalt war uns Juden nicht neu: Das jüdische aussaugende Weitkapital, das hier alles beherrscht; Arbeitslosigkeit, unter der angeblich die Juden gar nicht leiden, von der sie nicht betroffen werden; die Aufzählung einzelner sozialistischer getaufter und noch nicht getaufter Juden, die in ihrer Partei hohe Stellen und einträgliche Posten errungen haben usw. Nichts Neues für uns! Daneben eine Reihe von Gesetzen, die nicht „antisemitisch", aber tatsächlich gegen die Juden gerichtet sind. Jüdische Ausländer erhalten keine Aufenthaltsbewilligung, auch wenn sie . mit Kapital kommen und sich hier ein Geschäft aufmachen wollen. Sie können sich hier nicht als Äerzte oder Advokaten niederlassen, auch wenn sie hier studiert haben. Durch Steuerexekutionen werden jüdische Geschäftsleute ruiniert. Lauter Aktionen, die nicht ausschließlich gegen Juden unternommen werden. Viele tschechische Organisationen haben so etwas wie einen Arierparagraph und nehmen keine Juden auf. In vielen Teilen des Staates herrscht eine Art gesellschaftlichen Boykotts und weite Kreise der Landbevölkerung Itehen dem Juden ausgesprochen feindlich gegenüber. Es ist also unrichtig, wenn behauptet wird» daß es in der Tschechoslowakei keinen Antisemitismus gibt. Das Ist gefährliche Selbsttäuschung. Er besteht, und er gibt totder keine Garantie dafür, daß er nioht sehr bedrohlich | werden kann, wenn eine weitere Verschlechterung der; wirtschaftlichen Lage oder eine Aenderung der politischen Situation eintritt. Die Verhetzung der zionistischen Jugend Einer unserer Mitarbeiter aus der Tschechoslowakei schreibt: In einem Zeitpunkte, in welchem die Engländer unsere Aufbauarbeit in Erez Israel aufs Schwerste bedrohen, geht hier der Kampf der zionistischen Parteien untereinander weiter. Nicht nur das. Er nimmt beschämende Formen an. Es wurde in der letzten Zeit eine Schärfe in den Parteienkampf hereingetragen, die geeignet ist, viele Freunde der zionistischen Bewegung abzustoßen. Begonnen wurde damit schon vor dem letzten Kongreß, als man versuchte, Herrn Jabotinsky die Einreise zu verbieten, dessen Vorträge zu sprengen, Revisionisten bei der Polizei zu denunzieren usw. Man kann nun zu Herrn Jabotinsky. und den Revisionisten wie immer stehen, die Methoden, die von unserer Linken in den Parteienkampf hereingetragen worden sind, müssen von allen vernünftigen und anständigen Menschen abgelehnt werden. Zwei Nachrichten aus der letzten Zeit mögen als Illustration dienen: In Brno wird von den sozialistischen Parteien eine Antifaschisten-Ausstellung veranstaltet. Unsere Linken beteiligen sich an dieser. Neben Hitler, Göring und Göbbels hängen sie die Bilder von Großmann und Jabotinsky, neben den Zeitungen, die über die faschistischen Greueltaten der Deutschen berichten, legen sie Zeitungen, in welchen die Revisionisten des Mordes an Arlosoroff beschuldigt werden und ähnliches mehr. Von einer Feier der linken Jugend in M.-Ostrava, zugunsten des Mifal Arlosoroff, erhalten wir folgenden Bericht: „...und so kam ich hin, in der Meinung, der Feier einer nationalen Jugend beizuwohnen. War das aber eine zionistische Feier? Eine solche habe ich mir denn Jugendfonds! Die Streichholzsammeischachtel — Sammelmittel für den Barak und die Judenstaatsjugend Die als Sammelmittel so bewährte Streichholzschachtel tritt In Aktion, zur Stärkung des Jugendfonds des Barak und der Judenstaatsjugend. Dieser Jugendfonds soll die Möglichkeit bieten, die weitesten Kreise der jüdischen. Jugend zu erfassen und sie im jüdischnationalen Sinne zu erziehen. Daher sammle jeder Judenstaatler mit dieser Streichholzschachtel. Er fordere dieselbe an im Sekretariat der Judenstaatspartei, II., Untere Augartenstraße 38 (Telephon A-45-6-S4), täglich von 10 bis 14 Uhr. doch anders vorgestellt! Der Vorhang geht hoch. Im Hintergrunde der Bühne, auf einem breiten roten Bande, in tschechischer Sprache die Sätze: ,Wir wollen und bauen den Sozialismus! Es lebe das arbeitende Palästina!' Das war die Begrüßung. Dann kam das Programm. Vorausgeschickt sei, daß der geistige Urheber dieses Programms ein junger Mensch ist, der noch vor wenigen Monaten aktiv als Kommunist tätig war. Für ihn eine Entschuldigung, jedoch nicht für die Veranstalter dieses .zionistischen4 Abends. Es gab eine Reihe von Sprechchören, natürlich kein Wort über Zionismus, dafür war viel von Klassenkampf, Haß des ausgesaugten Proletariats usw. die Rede. Eine Rezitation endete: ,Wir klagen an! Vor wem? Wir wissen es nicht! Vor Gott? Wir kennen Gott nicht mehr!4 Dann der Höhepunkt des Abends: .Heitere* Szene: Hitler und Jabotinsky. Auf der Bühne begegnen einander Hitler und Jabotinsky, dargestellt durch zwei Jungen. Sie begrüßen einander mit ,HeiT, respektive ,Telphaj' und beginnen ein Gespräch. Im Verlaufe dieses erklärt Jabotinsky, daß ihnen beiden ja doch dasselbe jüdische Kapital zum Siege verhelfe, denn für Geld und schöne Worte sei ja alles auf dieser Welt zu haben. Dann erscheinen je vier verkleidete SA.-Männer und Betarim zu einer »Prüfung*. Sehr stolz war das Publikum, als der SA.-Mann auf eine dahin gehende Frage antwortete, daß er erschrecke, wenn er einen Marxisten sähe. Der Betar jedoch erklärte auf diese Frage, daß er vor einem Marxisten nicht davonlaufen würde, sondern ihn erschießen würde..." Wer sind nun diese Linken in Ostrava? Advokaten, Kaufleute, kurz, Mittelständler, die sich noch immer nicht,darüber klar geworden sind, daß der Kampf gegen sie geht; gegen ihre Existenz, gegen sie, als Vermittler zwischen Produzenten und Konsumenten. Sie geben viel Geld für diese Gruppen, deren „Klassenbewußtsein4* allerdings nicht soweit entwickelt ist, daß sie es ablehnen würden, dieses Geld auch zu nehmen. Ihre Kinder schicken sie Jn Jugendorganisationen, wo Gott verspottet wird und die Kinder gegen jede Autorität aufgewiegelt werden, wo halbreife Jugend mit moralischen, gesellschaftlichen, sexuellen und sonstigen Problemen belastet und in schlimmster, einseitiger Art erzogen wird. Werden, die Juden nie zu Vernunft kommen? Werden sie nie erkennen, daß ihre Kinder In diesem Kreise seelischen Schaden erleiden? Sehen sie nicht — oder wollen sie nicht sehen? Oha, MIT DER MARIENBRUCKE AUF DEM CONTE DI fAVOIA NACH PALÄSTINA 20. Februar bis 14. März 1934. Zehn Tage Palästina, zweieinhalb Tage Aegypten, Rom und Neapel. Auskünfte und Prospekte durch Reisebüro „Marienbrücke" (Palästina-Dienst), I., Rotenturmstraße 36, Telephone R-24-2-86 and R-24-2-87. wmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmammmmmmmmmm Jüdische Kun§istelle II., Aspernbrückengasse 2, Telephon R-48-2-91. Büro: 9 Uhr vormittags bis halb 7 Uhr abends. Den Mitgliedern stehen ermäßigte Karten für nachstehende Theater zur Verfügung: Staatstheater, Kammerspiele, Komödie, Scala, Stadttheater, Der liebe Augustin, Theater der Komiker, Jüdisches Theater, Jüdische Kleinkunst „Chad Gadjo" (Eröffnungsvorstellung mit Gertrude Krau^ Samstag, den 23. Dezember, halb 9 Uhr.) Konzerte: 26. Dezember, Dela Lipinskaj§, Gr. M.-S.; 28. Dezember, Lotte Lehmann, Gr. M.-S.; 12. Jänner, Artur Schnabel, Gr. K.-S. — Silvesterveranstaltung im Großen Konzerthaussaal. Jüdische Kleinkunstbühne Chad tiadjo Die neugegründete jüdische Kleinkunstbühne Chad Gadjo veranstaltet ihre ersten drei Vorstellung gen Samstag, den 23., Montag, den 25., Dienstag, den 26. Dezember, abends halb 9 Uhr im Theatersaal des Hotel Stefanie, n., Taborstraße 12. Endlich wird das jüdische Publikum Gelegenheit haben, das jüdische Lied, den jüdischen Witz, das jüdische Bild aus erster Hand zu genießen. Es treten auf: die Damen M eis eis, Swirth und Nettlau, die Herren Brind, Fiderer, Hönig und Tunis. Conference: Erich Mann. Gertrud Kraus hat für die ersten Vorstellungen ihre Mitwirkung zugesagt. Preise der Plätze S 1.— bis 2.50. Theaterzettel und Garderobe frei. Karten in allen Büros und bei der Jüd. Kunststelle. Jüdische Bühne, II., Praterstraße 60, R-43-4-59. „Perezl Lubliner", Komödie in drei Akten mit Gesang von Seidler. Beginn 8 Uhr 30. Ab Freitag, den 22. Dezember, täglich. Hanigun-Kabarett Die prominentesten Mitglieder des „Hanigun", die 30 Jüdischen Sänger, veranstalten am 25., 26., 31. d. M- und 1. Jänner 1934 fünf bunte Kabarettabende. Zu Gehör gelangen Chansons, Arien, Duette, Parodien auf prominente Schauspieler. Die Abende finden bei Tischen statt, und wird ein Eintrittt von S 1.50 erhoben. Beginn 8 Uhr abends. Große Schalom-Alechem-Jubiläumsakademie. Heute, Donnerstag, um K8 Uhr abends, findet im Saale des Hotel Stephanie, II., Taborstraße 12, die große S c h a 1 o m- Alechem-Jubiläumsakademie statt. Mitwirkende: Der jüdische Meisterrezitator Herz Großbart (Warschau), das Streichquartett Brandmanp-Ernst- Hammerschlag-Le wi tus und der jüdische Schriftsteller M. Groß. Herr Großbart, der einzigartige Schalom-Alechem-Interpret, wird Groteskszenen, Humoresken, Satiren des unsterblichen jüdischen Humoristen gestalten. Restliche Karten an der Abendkasse. Vierzigjähriges Zionistisches Jubiläum Vor kurzem veranstaltete die Zionistische Bezirkssektion Mariahilf-Neubau ein Bankett zu Ehren ihres langjährigen Vizepräsidenten Hermann Schwar z, welcher jetzt das Fest seiner vierzigjährigen Zugehörigkeit zur zionistischen Bewegung begeht. Der Abend, welcher über 200 Gäste versammelte, gestaltete Sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung. Die zionistische Leitung, die Kultusgemeinde und viele Korporationen hatten Ihre Vertreter entsandt, um den Mann zu ehren, welcher noch in der Zeit vor Herzl in die Reihen der Kämpfer für das jüdische Palästina getreten war. Den Höhepunkt des Abends bildete die UebeiTeichung des Diploms über die Eintragung des Jubilars in das Goldene Buch des N.-F. Eine in hebräischer und deutscher Sprache gehaltene Rede des Gefeierten bildete den würdigen Abschluß der Feier. Von der Levante Messe in Teh&wiw , Dänemark errichtet einen eigenen Pavillon. Eine Sonderdelegation traf in Tel-Awiw ein, um die Fragen des -Handelsverkehrs mit Palästina zu studieren. Es kamen u. a. Herr Ivar Egbjerg von der Exekutive des dänischen Industriellenverbandes und Herr Tb. Juncker- Hansen. Diese Herren besuchten Palästina im Zusammenhang mit der Errichtung eines eigenen dänischen Pavillons auf der Levant Fair 1934. Ausdehnung der Levante-Messe. Da die Anzahl der Anmeldungen zur Messe alle Erwartungen übersteigt, ist schon jetzt der, Plan einer Ausdehnung des Ausstellung^;» raumes aufgetaucht. Gebäude, die bereits fertig sind, werden vergrößert und die Pläne der in Vorbereitung befindlichen Bauten entsprechend geändert. Hauptsächlich soll; die für ausländische Firmen bestimmte Fläche bedeutend erweitert werden, da der verfügbare Raum bereits vergeben ist. r * > Auskünfte erteilt die österreichische Vertretung Bruno Rabinowitz & Richter, Wien, I., Rotenturn*» •traft« atv