Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 328 (22.12.1933)
- Date
- 1933-12-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 2 DIE NEUSS WELT Nr, 328 EINE NEUE ZIONISTISCHE SCHRIFT ROBERT STRICKER WAS WILL DIE JÜDENSTAATSPART0? Die Schrift umfaßt das politische und wirtschaftliche Gebiet des Zionismus und gibt Aufschluß über seine Richtungen. Preis 40 Groschen. Bestellungen an den Verlag „Die Neue Welt", Wien, II., Unt. Augartenstraße 38, Tel. A-45-6-34. Jagdanzeigen und nicht selten kann' man lesen, daß Irgendwo ein junges Reh oder eine kräftige Hirschkuh verstümmelt in ihrem Blut aufgefunden wurden. Auch das — Humanität? Auch das — TierliebeV Auch das — Schonung vor Leid und Qual? Die Herren der „Reichspost" haben, wie sie jetzt sehen, ein weites Gebiet für ihre menschlich-sittliche Betätigung; sie haben das ganze .Jagdgebiet. Unter dem Deckmantel humanitären Wirkens für das arme Schlachtvieh parteipolitische Propaganda betreiben, die Judenfrage jetzt sozusagen von der „koscheren" Seite aufrollen — das wird der „Reichspost" nicht gelingen. Schön den Versuch werden alle klarsehenden österreichischen Staatsbürger als antisemitisches Manöver durchschauen. Diesmal gilt dieser Versuch gerade dem gesetz es treuen, die Tradition bewahrenden Judentum, von dem niemand behaupten kann; .daß es mit seiner religiösen Treue zersetzend wirke oder gar dem sogenannten „Külturbolschewismus" fröne. Denn die halb und ganz getauften oder dem Judentum entlaufenen „Kulturkämpfer" fühlen sich hier nicht getroffen. Ihnen tut die vor' Humanität triefende „Reichspost" im Kampf gegendäs rituelle Schächten nicht weh. '. jen ♦ ♦ ♦? Politisches Manöver um die jüdischen Rechtsanwälte in Oesterreich : . Die Bemühungen gewisser Kreise; eine Art „Gleichschaltung" auf Seitenwegen herbeizuführen, verschwinden nicht von der politischen Tagespresse. Es ist noch nicht lange her, daß mit der Parole „Zuviel, jüdische Aerzte!" Stimmung, gemacht wurde, Während auf der anderen Seite eine Benachteiligung jüdischer Aspiranten in den Spitälern und Kliniken konstatiert werden konnte. Gleich darauf wurde das Schlagwort „Verjudung des Lehrberufs" praktiziert. Und seit einigen Tagen tauchen in der Wiener Tagespresse Nachrichten auf, wonach von Regierungs wegen an einen Numerus clausus für jüdische Rechtsanwälte gedacht werde. Natürlich wird das Kind nicht beim Namen genannt. Es heißt, daß der „Verein arischer Rechtsanwälte" den Notstand unter den Advokaten, durch eine — Novellierung der Advokatenordnung beseitigen wolle und daß die kompetenten Stellen, vor allem das Justizministerium die „Erwägungen der arischen Anwälte" bzw. die vorgeschlagenen Mittel als annehmbar bezeichne. Auch hier taucht, um vor der Bevölkerung den Sehein patriotischer Gesinnung zu wahren, das ominöse Wort von den nichtbodenständigen Elementen auf. Die Mittel zur Einschränkung, bzw. Erschwerung des Rechtsanwältsberufes sollen sein: Verlängerung des Vorbereitungsdienstes für die Advokatur von 7 auf 10 Jahre; Ernennung der Rechtsanwälte durch das Justizministerium; Begrenzung der Zahl der Rechtsanwaltsanwärter.* Nach einer andern Version ist das Justizministerium im Begriffe, im Einvernehmen mit der Advokatenkammer bloß die Frage der beschränkten Zulassung von Rechtsanwaltsanwärtern zu erwägen, wobei die Entscheidung in dieser Hinsicht der Advokatenkammer überlassen bleiben soll. Man könnte über diese Mitteilungen und Pläne, die jeder Rechtsgrundlage entbehren, hinweggehen, wüßte man. nicht, daß von allen Seiten, vornehmlich aber auf Seitenwegen die Rechte der jüdischen Staatsbürger angegriffen werden. Die öffentliche Meinung des Landes soll irrgeführt und ein geistiger Zuatand erzeugt werden, in dessen Nebel die antijüdischen Attacken Aussicht auf Erfolg haben. So wagen es bereits einige nur-antisemitisohe Wiener Blätter, die Gültigkeit der Verträge, die Oesterreich unter Garantie des Völkerbundes abgeschlossen hat, in bezug auf den Rechtsschutz der Juden in Zweifel zu ziehen. Wir haben an einer anderen Stelle unserer heutigen Nummer den Versuch der christlichsozialen „Reichspost", die Koscher-Prage zu einem politischen Handstreich auszunützen, genügend charakterisiert. Die Schächtfrage, die Numerus clausus-Parolen auf den Gebieten des Lehrer-, Aerzte- und Rechtsanwaltsberufs, die bewußte Verwechslung der jüdischen (nationaljüdischen) Presse mit der sogenannten Judenpresse, das Jonglieren mit den Begriffen „Bodenständigkeit" und „kulturbolschewistische Elemente" — all das sind Symptome eines mehr oder minder gefährlichen Feldzugs gegen die jüdischen Staatsbürger der österreichischen Republik. Wir verzeichnen wieder einmal diese Tatsachen. Es hat keinen Sinn, unnötigen Alarm zu schlagen; es hat aber auch keinen Sinn, vor der Wirklichkeit die Augen zu schließen. Die österreichischen Juden werden wohl aus •\ der Erfahrung lernen und ihr Schicksal nicht mehr wie bisher dem Wohlwollen irgend einer außer jüdischen Partei oder Gruppe anvertrauen. Nur eine starke, geschlossene, nationale Organisation wird die legitimen Rechte der österreichischen Judenschaft zu schützen verstehen. Diese Organisation ist da, die Jüdische Volkspartei für Oesterreich, deren Programm wir in der letzten Nummer zum Abdrucke brachten. Jene österreichische Juden, welche den Zug der Zeit erkennen, werden sich hinter sie stellen. Der antideutsche Boykott ist wirksam Geständnis des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht Aus Berlin meldet die J. T. A.: Die ganze deutsche Presse veröffentlicht in großer Aufmachung Mittellungen Uber eine Rede, die der Präsident der Deutschen Reichsbank Dr. Hjalmar Schac.ht in der Baseler Handelskammer gehalten hat. In dieser Rede nämlich hat Dr. Schacht offiziell erklärt, daß der jüdische Boykott gegen, deutsche Waren Deutschland und seine Finanzen schwer geschädigt hat. ... Einige Zeitungen bringen Schachts Erklärung unter dem Titel „Schachts Frage an die Welt." „Es ist verständlich", führte Dr. Schacht aus,;,daß die jüdische Boykottbewegung deh deutschen * Export wesentlich eingeschränkt und dadurch die Fähigkeit Deutschlands, die Zinsen für seine Auslandsschulden zu zahlen, gemindert hat. Es ist deshalb sonderbar zu sehen, daß Führer des liberalen Wirtschaftssystems so heiße Anhänger der jüdischen Boykottbewegung sind. Es geschieht ihnen recht, wenn sie unter den Folgen dieser Sympathie selbst leiden, indem sie bei den verzinslichen deutschen Wertpapieren Einbußen über sich ergehen lassen müssen» Das ist nicht zu vermeiden, wenn man die jüdische Boykottbewegung gegen Deutschland stützt. Am stärksten ist der Boykott beim deutschen Export nach Amerika, England und Skandinavien fühlbar. Beklagenswert ist die Toleranz, mit der die' offiziellen Kreise -in den genannten Ländern den antideutschen Boykott aufnehmen." „Unser Export'4, schloß Dr. Sehacht, „besonders nach Amerika, England und Skandinavien, hat sich wesentlich verringert und. aus diesem.. Grunde ist D e u t&c hl a n d s . Z »,hlu n^g sf ä h i g k e i t g e s u nken.Jederf ' der J^eütsclrfands Bemühüiiigeii betreff» Niederhalturig des ' Boykotts beobachtet, wird davor Respekt bekommen, daß Deutschland bis jetzt die Zinsen eingeist 96 Prozent polnische Schnäpse, Tee, Rinn, alles offen Bringen Sie Flaschen 11 "iPEb JA Wien IX Porzellangasse 64, beim I b I Kfi, Franz-josct-Bahnhof / Tel. A-15-5-6S ■ für seine Auslandsschulden bezahlt hat. Wenn aber der Rückgang des deutschen Exports weiter anhalten sollte, ist es möglich, daß Deutschland die Zinsenzahlung wird einstellen müssen." Wie aus Basel berichtet wird, hat Dr. Schachts Rede einen ungewöhnlich starken Eindruck gemacht. Das Pikante an der Sitzung der Handelskammer bestand darin, daß sie unter dem Vorsitz des jüdischen Industriellen Hirsch stattgefunden hat, der der Präsident des „Deutschen Verbandes in der Schweiz" Ist. * Wir haben in unzähligen Aufsätzen und Berichten die Bedeutung des antideutschen Boykotts beleuchtet und festgestellt, daß er das einzig wirksame und mögliche Mittel ist, Hitler-Deutschland, das seine 600.000 jüdischen Staatsbürger außer Gesetz gestellt hat, zur Besinnung zu bringen. Auf dem Frager Zionistenkongreß hat die Judenstaatspartei eine Boykottresolution vorgelegt, die abgelehnt wurde, weil sie — zu scharf war. Hingegen hat der unter dem Diktat der Linken stehende Kongreß eine „Deutschland-Resolution" gefaßt, die ob, ihrer Verschwommenheit die Entschlußkraft der. jüdischen Massen in der ganzen Welt hätte lähmen können. Sowohl Lord Melchetts Kreise in London als auch die von S. Untermayer und Stefen Wise geführte Amsterdamer W e 11 w i r t s c h a f t s k o n f e r e n z, haben den antideutschen Boykott als die wirksamste Waffe gegen die Entrechtung der Juden festgestellt. Deij Führern der palästinensischen Histadruth, den linken Mitgliedern der zionistischen Exekutive, ist es vorbehalten geblieben, mit Hitler-Deutschland das sogenannte Transfer- Abkommen zu treffen und so die Boykottfront zu durchbrechen. Dr. Schachts Zugeständnis, daß der jüdische Boykott Deutschlands Wirtschaftskraft schwer getroffen habe und bei weiterer Wirksamkeit noch schwerere Schäden an Deutschlands Staatskörper hervorruf en würde, muß wohl alle diejenigen, die sich vom antideutschen Boykott keine Wirkung versprochen haben, eines besseren belehren. ■ , Wieder einmal die vu§s Ische Judenrepublik! Aus Moskau: Zwecks Ermunterung der Kolonisation in den fernöstlichen Ländern der Sowjetunion haben Stalin, und Molotow die fernöstlichen Gebiete von der landwirtschaftlichen Naturalsteuer befreit, und zwar die Kollektivwirtschaften für zehn Jahre und die Einzelbauern für fünf Jahre. Angekündigt werden ferner kolonisatorische Maßnahmen großen Formats in Sachalin und Kamtschatka und im jüdischen Ansied 1 un?g s-; gebiet-Biro-Bidschan. Der Kommissär für nationale Minderheiten, Smidowitsch, erklärte in einem Gespräch mit dem Vertreter der britischen Nachrichten-Agentur „Exchange. Telegraph", die Sowjetunion werde. in Biro-Bidschan eine autonome jüdische Republik. schaff en. Das Territorium von Biro-Bidschan sei dreimal so groß wie das Palästinas. Doch bedarf das Land technisch vorgebildeter Kräfte. Die Sowjetunion lade die in Deutschland verfolgten und die aus diesem Lande bereits ausgewanderten Juden ein, am Aufbauwerk der jüdischen Republik Biro-Bidschan teilzunehmen. In Biro-Bidschan fehlen heute noch Wohnhäuser, Wasserleitungen und ^lekr trische Anlagen. Diese Schwierigkeiten könnten angesichts des Naturreichtums des Landes leicht überwunden werden, wenn die Führer des We 11 j u d en t ums sich entschließen sollten, das von der Regierung der Sowjetunion geschaffene Kolonisationswerk in Biro-Bidschan zu fördern. Die Regierung der Sowjetunion habe die Absicht, NÄCHSTE PALÄSTIN ARE! S EN 16. Jänner 21. Februar Auskünfte: Reise« und Verkeh*S-Gesf (Orendi-Lokal) Wien I, Rotenturrastraße Nr. 20 (Flei$qnma>ktNr. 1), Telephon R:24r5,25 sich mit den großen jüdischen Organisationen wegen Abschließung eines Vertrages, in dem die Rechte und Pflichten beider ( Vertragsparteien konkretisiert werden sollen, in Verbindung zu setzen. Immer, wenn sich im Judentum eine stärkere Bewegung gegen Palästina zu bemerkbar macht, rücken die Moskauer Herren mit ihrer „Judenrepublik" in Biro-Bidschan vor. Der Kommissär Smidowitsch, welcher die deutschen Juden so freundlich einlädt, vergißt nur eine Kleinigkeit zu berichten: Daß bereits viele Tausende von Juden nach Biro-Bidschan kommandiert wurden, daß Tausende dort elend zugrunde gegangen und Tausende geflohen sind. Daß heute, neun Jahre nach Beginn des Aufbaues der herrlichen Judenrepublik an der chinesischen Grenze, zirka 5000 Juden dort leben, wenn man diesen Zustand leben nennen kann. Er lädt auch das Weltjudentum zur Mithilfe, d. h. zum Bezahlen ein. Das Weltjudentum ist schon einmal hineingefallen. Ein gewisser Kreis reicher amerikanischer Juden war schon einmal so dumm und boshaft, für das antizionistische Manöver mit der bolschewistischen Judenrepublik viele Millionen Dollar herzugeben. Diesmal dürften die Leute kaum auf den russischen Leim gehen. Denn die Millionen sind rar geworden. Alle Radioapparate, modernste Typen stets lagernd bei J.HAHN, WIEN IX, Wasagasse 12. Telephon A-13-5-20 Günstige Teilzahlungskonditionen. 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