Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 327 (15.12.1933)
- Date
- 1933-12-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 327 DIE NEUE WELT Seite 7 Hebräisdt in lateinischen Leitern Von Dr. Israel Zwi Kann er In Palästina ist die erste Nummer der von Ittamar ben Avi herausgegebenen hebräischen Zeitung „Dror", in lateinischen Lettern gedruckt, erschienen. Plakate in lateinischer Schrift kündigen in den Straßen von Tel-Awiw die neue Zeitung an. Zu dieser neuartigen Erscheinung nimmt unser Mitarbeiter Dr. I. Z. Kann er Stellung. Seine Ausführungen werden zweifellos in der jüdischen Welt Interesse erregen und das Problem „Hebräisch in lateinischen Lettern" zu gründlicher Diskussion stellen. Zwei Männer hatten Paris verlassen, mit dem Ziele, zum jüdischen Volke zu gehen und seine Führer zu werden. Bevor sie beim jüdischen Volke anklopften, streiften sie ihre assimilatorischen Namen ab. Aus Theodor wurde — Benjamin, aus Elianoff — Ben Jehuda. Noch bevor Herzl das Licht der Welt erblickte, hatte Elieser ben Jehuda bereits die einfache Formel aufgestellt: „Ein Volk muß ein Land, ein Land muß seine Sprache haben." Daraus zog er den Schluß, daß er nach Palästina gehen und dort hebräisch sprechen müsse. Die Konsequenz, mit der er sein Vorhaben ausführte, stempelte ihn in den Augen der anderen zum Verrückten, zum Narren. Schon auf dem Schiffe, das ihn nach Palästina trug, beantwortete er alle Fragen des Kapitäns in hebräischer Sprache. In derselben Weise antwortete er Zeit seines Lebens auf der Gasse dem Araber, der ihn fragte, wie spät es sei« Darum konnten seine Kinder als erste im Lande Hebräisch als ihre Muttersprache bezeichnen. Vor Elianoff hatte die hebräische Umgangssprache zwei Stadien zu durchlaufen. Das Stadium der Haskalah und das Stadium der Melizah. Die Haskalah wollte nur solche Worte zulassen, die in der Bibel vorkommen. Die Melizah, die auf die Haskalah folgte, war noch rigoroser. Nicht nur einzelne Worte, sondern ganze Satzwendungen und Perioden sollten ausschließlich der Bibel entnommen werden. Es war klar, daß durch solche Ansprüche das Hebräisch nur die Sprache der Gelehrten werden, konnte. Da tritt Ben Jehuda auf und schafft die Volkssprache, die Sprache des Alltags. Er erlaubt alle Worte, die das Judentum seit seiner Zerstreuung in seinen Schriften niedergelegt hat; ja, selbst vor falschen Wortbildungen scheute er nicht zurück, wenn man nur an ihnen die hebräische Wurzel erkannte. Fremdwörter schließt er. gänzlich aus, während er von ihm selbst geschaffene und in Palästina entstandene Worte dem Sprachschatz einfügen läßt. Fehlende Ausdrücke des täglichen Lebens wurden der arabischen Sprache, dieser Verwandten des Hebräischen, entnommen oder ihr nachgebildet. Dieses freie Walten machte ihm die Gelehrten zu Feinden, die Laien zu Freunden. Das gemeine Volk verehrte ihn, denn es durfte nun Hebräisch sprechen, wenn auch ein falsches Hebräisch. Da aber das heranwachsende Kind in dieser Sprache lallen und denken lernte, entwickelte es aus sich heraus die ungefälschte neuhebräische Sprache. * Ben Jehuda hinterließ bei seinem Tode zwei Kinder. Das eine war die hebräische Sprache, das andere Ittamar ben Avi. Das erste hatte das Judentum regeneriert, das andere will das Judentum renovieren. Dem jüdischen Volk die hebräische Sprache wiedergegeben zu haben, bedeutet eine große Leistung auf dem Wege zur nationalen Erhebung. Das hebräische Alphabet aber durch das lateinische ersetzen zu wollen, ist ein Verbrechen an seiner Tradition. Ittamar ben Avi, der Sohn Elia Elianoffs, will nichts weniger als ein jüdischer Kemal Pascha werden. Haben die Chinesen, haben die Araber, haben die Griechen ihre Schrift latinisiert? Eine Latinisierung der hebräischen Schrift würde die Berechtigung einer neuhebräischen Sprache gänzlich aufheben. Das hebräische Wort hängt am hebräischen Buchstabenzelchen. Ittamar führt aber zwei Gründe dafür an, warum er die alten hebräischen Blockzeichen durch lateinische Lettern ersetzen will. Einen praktischen und einen historischen. Erstens würden nach Wegfall der Leseschwierigkeiten die neuen, sprachunkundigen Einwanderer rascher hebräisiort werden. Zweitens sei das Lateinische nichts anderes als eine Verballhornung der alten hebräischen Schrift, die vor Esra Gültigkeit hatte. Er bezwecke also nicht die Latinisierung des hebräischen Alphabets, sondern die Rehebräisierung des lateinischen. Die hebräische Sprache soll in der Hülle, in der sie auf uns gekommen ist, verbleiben! Der hebräische Buchstabe mutet uns bei jeder Gelegenheit heimischer an. Die Blockschrift auf einer Marke oder auf dem Schilde eines Fleischhauerladens spricht zu uns oft mehr als ganze Bände fremder Buchstaben. Ein §dhöne§ Pa!ästina=Budi Rabbiner Dr. ' L Goldschmied (Prosnitz) kommt im Alter von 65 Jahren in das Land, das seinem schaffensreichen Leben Sinn und Inhalt gegeben hat. Er Ist kein Tourist, kein schnellschreibender Reporter, kein Wirtschäftspolitiker. Er ist ein jüdischer Mensch, dem die geistig-seelischen Voraussetzungen für eine Reise durclr Erez Israel als ein Natürliches mitgegeben sind. So konnte aus der Feder dieses klarblickenden, religiös durchi ulsten Gelehrten eine Schrift über Palästina kommen, die gerade von den differenziertesten Regungen und Strebungen etwas zu sagen weiß. „Palästina", Ein Tagebuch, Verlag „Erez Israel", Praha, I., Dlouhä 41, stellt einen wertvollen Beitrag zur Palästina-Literatur dar. Besonders diejenigen, die sich gerne mit Büchern über Palästina beschäftigen, werden an Dr. Goldschmieds Tagebuch ihre Freude haben. Es ist belehrend, unterhaltend, echt. Wer seinen jüdischen Freunden, vor allem aber jungen jüdischen Freunden, eine Freude und - inen Genuß bereiten will, der gebe ihnen dieses Buch. O e*« schreiben über das jüdische Palästina, wenige sind dazu berufen. Dr. Goldschmied ist eine Berufener, fd» Restaurant T o ne Ho II, An der iWarlenbrOofce Renoviert — reformiert — Preise reduziert! Normalkost-Menü 1.50 und 2.— / Im Abonnement 1.35 und 1.80 Aue Arten Veg tarische und Rohkost Diätkost Heu erflffneti AUS PALÄSTINA Der palästinensische Industriellenverband fordert erhöhte Einwanderung Aus Tel-Awiw: Auf der unter dem Vorsitz von Nahum Lifschitz abgehaltenen Jahresgeneralversammliing des Industriellenverbandes wurde eine Resolution gefaßt, in der mit stärkstem Nachdruck gefordert wird, daß die Zahl der zuzulassenden Einwanderer erhöht werde, da die Betriebe unter dem Arbeitermangel schwer zu leiden haben. Massenzustrom syrischer und transjordanischer Araber nach Haifa Aus Haifa: In den letzten Monaten sind massenhaft Beduinen aus Trans Jordanien und dem Hau ran nach Haifa gekommen und haben dort Arbeit Seefeld "«"S hervorragendster Winterspnrtolatz uno Höhenluftkurort, das Sonnenparadies für Kinder, jede Art Wintersport schneesicher. Pension Geschwister Schee? Bekannt eritniasslge Verpflegung, Wiener Küche. StreilQ billige Preise. Telephon 28 Mitglied de« Vereine« zur Fflrdeiunp ritueller Speisehäuser, Hamburg. gefunden. Man schätzt ihre Zahl allein in Haifa auf über 20ÖÖ. Sie nächtigen in halbfertigen Gebäuden oder in den Straßen. Ueber 500 von ihnen werden bei den Zollwachen oder im Hafen beschäftigt, einige bei der Irak-Petroleumgesellschaft, andere arbeiten als Träger und ungelernte Bauarbeiter. Während Acco als Festung wegen der Spionagegefahr gegen diese illegale Einwanderung geschützt wird, kommen Araber, von der in den Nachbarländern herrschenden Hungersnot getrieben, in ganzen Bataillonen ungehindert über die Ostgrenze nach anderen Teilen Palästinas. Bei einer Schlägerei in den Straßen von Haifa wurden über 200 Araber verhaftet; keiner der Angehaltenen konnte sich durch Papiere ausweisen. Es wurde festgestellt, daß von den Exzedenten Uber 100 aus Syrien und fast 100 aus Transjordanien gekommen waren. Aber die Razzien gegen Juden gehen weiter Aus Jerusalem: Ein seit drei Jahren mit Mutter, Bruder und Schwester in Jerusalem lebender jüdischer Arbeiter wurde verhaftet und soll deportiert werden, weil er keine Aufenthaltsbewilligung hat. Bei einer von der Polizei in Tel-Awiw durchgeführten Razzia wurde eine Gruppe von zehn ägyptischen Juden verhaftet. Auf der Straße Jaffa—Tel-Awiw wurden drei Personen festgenommen. Drei jüdische Touristen wurden an anderer Stelle bei einem Spaziergang verhaftet. In Safed wurde eine siebenköpfige Familie festgenommen. Im Jaffa-Viertel Newe Schalom wurden zehn Touristen bei einer nächtlichen Razzia festgenommen. In der jüdischen Hotelpension Margalit in Jaffa wurden mehrere Personen festgenommen und bis zum Verhör gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. 80.000 Einwohner in Tel-Awiw Aus Tel-Awiw: Dem letzten Bulletin der Stadtverwaltung von Tel-Awiw ist zu entnehmen: Die Gesamtbevölkerung der Stadt ist auf etwa 8 0.00 0 Einwohner angewachsen. Die Zahl der Geburten betrug 2108 gegen 1030 im Vorjahre, die Zahl der Sterbefälle 680 gegen 634. Die Zahl der Eher Schließungen ist von 757 auf 001 gestiegen, aber auch die Zahl der Scheidungen von 176 auf 240. Die städtischen Einkünfte betrugen im August 15.886 Pfund, die Gesamteinahmen im Halbjahr April bis September 83.783 Pfund gegen 54.771 Pfund im gleichen IflNOPROGRAMME Im DIESER WOCHI KREUZ-KINO '■ Wo$äV7*.2.» Vom 15. bis 22. Dezember i933: Joan Crawlord und Gary Coop«r in dem Meislerwerk ,,Zum Leben verurteilt" Sonn- und wochentags. 4, 5.45, 7.30, 9.15 Uhr SCHWEDIN-KlNO Vom 15. bis 22 Dezember 1933: „Ein Königreich tür ein Herz" mit Ctaudet'e Colhert, Frederle March Beginn wochentags: */,5, 7. 10 Uhr Sonntags ab 3 Uhr Zeitabschnitt des Vorjahres. Die Einkünfte aus Bau» taxen haben sich verdreifacht, die aus Wassergebühren verdoppelt. Von Jänner bis Oktober wurden 1S77 Baubewilligungen für 8224 Wohnräume und 256 täden mit einer Baufläche von 276.901 Quadratmeter erteilt. Während der ersten zehn Monate des Jahres 1933 wurden nur 1150 Bauvorhaben für 2265 Wohnräume und 129 Läden auf 85.868 Quadratmeter genehmigt. — Durch den Hamaavir-Autobusdienst wurden im Verwaltungsjahr sechs Millionen Fahrtouren durchgeführt. Gegen die Denunzianten Aus Jerusalem: Jerusalem ist mit Flugblättern Uberschwemmt, auf denen die beiden gefährlich» sten „Touristen jäger", der nicht jüdische Polizeinspektor Robinson und der jüdische SeN geant E d i o n i, abgebildet sind und die Bevölkerung aufgefordert wird, sie zu meiden. Laut „Falastin" haben französische Gendarmen an der syrischen Grenze nach Palästina zwölf Juden verhaftet, die versucht haben, illegal nach Palästina zu gehen. Sie wurden nach Beirut gebracht und werden sich dort vor Gericht zu verantworten haben. Das Urteil im Prozeß gegen die Urheber der Jerusalemer Oktoberunruhen Aus Jerusalem: Das Jerusalemer Gericht hat nunmehr das Ausmaß der Strafen für die im Prozeß wegen der Araberunruhen gegen die jüdische Einwanderung, am 13. Oktober in Jerusalem verurteilten arabischen Führer festgesetzt. Der Sekretär des Obersten Moslemitischen Rates, Jamal el Husseini, ein Vetter des Großmufti, und Edmond Roch, einer der christlichen Führer der christlich-mohammedanischen Vereinigung, wurden zu je einem Monat Gefängnis verurteilt. Der dritte Angeklagte, Scheich Abdul Kader Muzzafar, ein Mitglied der arabischen Exekutive, mußte eine Kaution von 100 Ffühd für weiteres Wohlverhalten hinterlegen, für weitere 100 Pfund muß eine dritte Person Bürgschaft leisten. Die Anklage gegen die drei Verurteilten wurde wegen Teilnahme an einer verbotenen Versammlung auf Grund des Artikels 25 der Aufruhrverordnung vom Jahre 1929 erhoben. Die Höchststrafe für dieses Vergehen beträgt sechs Monate Gefängnis. Es sind aber auch Geldstrafen zulässig. Meist wird eine Kaution für eine bestimme Zeit verlangt. In der am Mittwoch, den 6. Dezember in Jaffa. begonnenen Verhandlung gegen die ' Rädelsführer der arabischen Unruhen in Jaffa am 27. Oktober haben sich die drei Verurteilten abermals wegen desselben Vergehens zu verantworten. Im Jaffaer Prozeß stehen insgesamt 20 arabische Führer unter Anklage, unter ihnen der Führer der extrem-nationalistischen Istaklalpartei und Sekretär der arabischen Exekutive Auni Bey Abdul Hadi, der Vorsitzende des arabischen Jugendverbandes Jacob Bey AI Ghussein, der Istaklalführer Izzat Effendi Darwaza, Saliba Arida, Said AI Khalili und Selim Bey Abdel Rh am an aus Tulkarem, Nimr AI Mosri aus Ludd, Tewfik Abdul Razzak aus Tulkarem, Freid Fakhri el Din aus Beisan, Abdul Ghani aus Yenin und Tewfik Manaa und, Zuhdi AI Imman aus Jaffa. Vor den Stadtwahlen in Jerusalem Aus Jerusalem: Im Jänner oder Februar 1934 sollen in Jerusalem die Wahlen zum Stadtrat durchgeführt werden. Das Stadtterritorium soll in zwölf Wahlbezirke, nämlich in vier jüdische und acht raoslemitische, arabisch - christliche, europäischchristliche und gemischte moslemitisch-christliche, eingeteilt werden. Auf diese Weise soll laut „Doar Hajom" den Juden, die die Mehrheit der Gesamtbevölkerung bilden, die Möglichkeit genommen werden, eine ihrem W PAG-Pattii ab Wien 26 Dezember 1933 II. Klasse Sttttf S 440 — / L Klasse Schiff S 560 komplett ab Wien mit Verpflegung (Speisewagen), aufgelöst« Rückfahrt / Prospekte durch „PAG" nn«. tai // Telephon B 25-3 81 //