Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 327 (15.12.1933)
- Date
- 1933-12-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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8ette6 DIE NEUE WELT Nr. 327 An alle Palästina«!« ter essen Jen! Paus New Vork Wien Compas Tours Offizielle Propagandastelle für Touristik für die Stadtgemeinde Tel-Awiw. Veranstaltet Gesellschaftsreisen zum Purim-Karneval, zu den Osterfeiertagen und zur Levante-Messe. Erteilt Informationen an Palästina-Interessenten. Für Vereine und geschlossene Gesellschaften Sonderbsdingungen. Nädisfe Reise 19« Dezember 1933 Auskünfte und Anmeldungen im Weltreisebüro Compass Tours, Wien, IX., Spitalgasse 3. Tel. B-42-5-38. •'IIIIIIIIIIInlllllllllllllllllllllilllllllllllllllllH meiner nationaler Interessen sprechen und selbst ein Werkzeug der Machtsucht werden, indem sie die nationale Front brechen hilft. Das geht nicht. Das ist für die Jugend eine zu große Versuchung. Sie kann sie nicht bestehen. Der „Brith Hakannaim" muß hier an den fatalen Fehlern lernen, die andere begangen haben. Briet aus der Tschechoslowakei Von unserem Berichterstatter Der „Tagesbote", die Brünner Tageszeitung mit dem jüdischen Abonnentenkreis, bringt in Nr. 545 vom 12. d. M. folgende Notiz: Puppen und Spielzeuge. „Sehr beliebt ist ein Puppenjunge. Er muß entweder einen Matrosemnzu^ mit langen Hosen, einen Sepplanzug oder eine SA.-Uniform tragen. Man kann das sehr gut aus abwelkten braunen Kleidungsstücken oder dunkelblauen Kleidungsstücken machen." Der „Tagesbote" ist in Deutscher»'1 nicht verboten. Er erkauft sich diese zweifelhafte Ehre dadurch, daß er von Zeit zu Ztit hitlerfrrundliche Art'kel bringt, die schon wiederholt einen Entrüstungssturm *ei der Judenschaft Brünns und der CSR. hervorgerufen haben. Aber' immer wieder flaut der Sturm ab. Daß sich unsere „«rermanischen" Juden dazu verstehen, Nachsicht walten zu lassen, ist noch verständlich. Daß aber zionistische Vereine und die Zionistische Organisation als solche jährlich schwere Tausende für Ankündigungen ihrer Veransta1 tunken dem „Tagesboten" in den Rachen werfen, das ist wed<*r befrreifUch, noch zu entschuldigen. Die Juden in der CF-R. müssen sich endlich ihre eigene Tageszeitung' echaffrn, um solchen beschämenden Zwischenfällen in H'nvunft nicht mehr ausgesetzt zu sein Wenn unsrre rnirh^n Fabrikanten ihr G°ld statt zur Formierung des Brünnor deutschen Th°aters zur Gründung einer jüdischen Tageszeitung verwendeten, würden sie in mehrfacher Welse klu" daran tun: Sie ersparen uns d*n Vorwurf der tschechischen Presse, daß die Jud^n trotz der Vor^ärpre in klu'r daran tun: Sie ersparten uns den Vorwurf der tschechischen Brllnn stützen und sich selbst und allen anderen Juden verschafften sie die Gelegenheit, alle Nachrichten, von wplchen sie sich einreden, man könne sie nur im „Torr^oten" lesen, in einer Zeitun«5zu finden, welche sich stimmt nicht mit der Fra°re befassen wird, wie m?n *us 'ftb^io^ten braunen Kleidungsstücken S A.- Pur>pen anfertigt # : Trotz der in einem früheren Artikel veröffentlichten Warnung, die JSJ. (Zionistische sozialistische Jugend) Brünns möge sich doch nicht dazu hergeben, eine antifaschistische Ausstellung der Brünner deutschen Sozialdemokrat-sehen Jugend zu beschicken, haben es die verantwortlichen Herren der JSJ. für recht befunden, andere Zionisten vor der nichtjüdischen Oeffontlichkeit zu „jvermossern", das heißt in schmutzigster Weise zu denunzieren. St" haben ein mit Bildern und Ze^tun^sprtlkeln beklebtes Plakat' ausgertel.lt, das so aussieht: In der ersten Reihe sieht man die Bilder von Jnbotinsky, Gmßmann. eine Grurroenaufmhme vom B r i t Trumpe 1 dor und eine vom Brit Hakannim. D?nn kommt •e'n*j ~roße Aufschrift: „Der jriische Faschismus und sein Wng!" und gleich darauf das Bild des ermordrtran Arlosoroff mit Trauerrand. Darunter befinden sich einige Hetzartikel des „Neuen Wenr", welcher bekanntlich in der Blu'hetse gegen die Revisionisten eine führende Rolle gespielt hat. Das Vorgehen der JSJ. Brünns geht also über gewöhnliche „Vermosserung" noch hinaus, denn di»1 oben g—-'-"'^rte Anordnung sagt doch klipp und klar: Revisionisten und Ju d e n s t a a t s p a r t e i 1 e r sind am Tode Arlosoroffs schuld ' Nach fünf Monaten Untersuchung, des Mordfalles hat da«? palästinensische Gericht auch nicht den Schatten eines Beweises gegen die verdächtigten Revi^ion'st^n feststellen können. Aber die zionistisch-sozial<sti°che Jugend lüuft zu den Nich'-- juden hin und beschuldigt in \ erlogen ~ter A.rt iüdische Bruder des Mordes. Das ist ein Resultat der Erziehung, welche die zionistische Link«, also die Partei, welch»? die ziouift'snhe Organisation heute beherrscht, ihrer Jugend än^ed^ihen läßt. Es wäre ein leichtes, die edlen- Herren wegen dieser Verleumdung vor Gericht zu laden und ich weiß nicht, ob die Betroffenen es nicht tun werden. Wichtiger sch int es mir das schändliche Vorgehen der JSJ. Brünns der jüdischen Oeffentlichkeit zur Kenntnis zu bringe n, um sie jener Verachtung preisgegeben, auf die sie Anspruch hat. Mit solchen Zionisten i?) soll man dann auf Wunsch der Exekutive eine E'n- Heitsfront wegen der Vorgänge in Palästina bilden. Die Solidarität der JSJ. Brünns betätigt sich gleichzeitig bei einer internationalen Angelegenheit, was um so verwerflicher ist, als die deutsche Sozialdemokratie Brünns von den zionistischen Brünner Sozis nichts wissen will, wie es durch immer wiederkehrende Bemerkungen in der sozialdemokratischen Zeitung „Der Volksfreund" ersichtlich gemacht wird. Also verlogen und kriecherisch. Zipp. Gegen die Ueberschwemmung der Tschechoslowakei mit deutschen Filmen Aus Prag: Im Verlaufe der Budgetberatung im tschechoslowakischen Parlament ergriff der Ageordnete der Jüdischen Partei, Advokat Dr. Angeio Gold» et ein, das Wort, um zu den auf dem Filmmarkt herrschenden Verhältnissen Stellung zu nehmen. Abgeordnete aller Parteien strömten in den Saal und lauschten interessiert, oft lauten Beifall bezeugend, den Ausführungen des jüdischen Parlamentariers, der auf die Gefahren hinwies, die aus der Ueberschwemmung der Tschechoslowakei mit reichsdeutschen gleichgeschalteten Filmen dem Staate erwachsen. Von 130 in der letzten Periode eingeführten Filmen, sagte Dr. Goldstein, stammen 67 aus dem Dritten Reiche. In den deutschen Gebieten der Republik haben die aus Deutschland stammenden Filme eine Monopolstellung. Dies bedarf einer dringenden Remedur, denn alle diese Filme verfolgen eine antidemokratische, eine hakenkreuzlerische Tendenz. Mag auch die Zensur die offenkundig antistaatlichen Partien aus den Filmen herausschneiden, der Geist bleibt, und bestenfalls bekommen wir einen verwaschenen Film ohne Tendenz. Die Demokratie aber darf sich nicht damit begnügen, eine verfassungsrechtliche Form zu sein, sie hat auch eine eminente erzieherische Aufgabe; daraus erwächst uns die Pflicht, das Volk jeder Nationalität, Religion und Sprache durch das heute verbreltetste und wirksamste Propagandamittel, den Film, zur Demokratie zu erziehen. Deutschland entrichtet zwar eine Kompensation, durch die die tschechoslowakische Filmproduktion angeblich gefördert werden soll. Dieser Beitrag wird aber dazu verwendet, daß in den P r a g e r Ateliers deutsche Filme mit einer bestimmten Tendenz — diese Bestimmung ist ausdrücklich im Vertrag festgelegt — hergestellt werden, so daß man sie auch in Deutschland vorführen könne. Eine Konzession nur wurde seitens der deutschen Herren gemacht: es dürfen an den hier hergestellten Filmen auch nichtgleichgeschaltete Schauspieler, beileibe aber keine Eigranten, mitwirken. Der Effekt ist und bleibt: Produzierung gleichgeschalteter Filme mit deutschem Kapital in Prag. Abgeordneter Dr. Goldstein appellierte zum Schluß an die Regierung der Tschechoslowakei, die Filmfrage nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaft, sondern vor allem unter dem Aspekt der Volkskultur und• der Volkserziehung zu demokratischer staatlicher Gesinnung, zu betrachten. Verhaftungen von Zioniston-Revisionisten in Riga Aus Riga: Im Zusammenhang mit einem Angriff auf das englische Konsulat in Riga wurden zahlreiche Revisionisten verhaftet, unter ihnen der Chefredakteur und alle Milarbeiter der Zeitung „Abendpost". Die jüdischen Emigranten in Belgien Aus Brüssel: Entgegen den in letzter Zeit verbreiteten Gerüchten, daß über 20.000 Emigranten aus Deutschland sich auf belgischem Gebiet aufhalten, wird auf Grund der von der belgischen Regierung vor kurzem eingesetzten Kommission gepflogenen Erhebungen amtlich festgestellt, daß die Zahl der Emigranten auf belgischem Gebiet niemals höher als 280C war und jetzt bereits auf weniger als 2000 gesunken ist. In dem Kommunique heißt es, Belgien habe, entsprechend seiner traditionellen Politik, die Emigranten aus Deutschland mit offenen Armen aufgenommen. De Flüchtinge können aber Belgien im Hinblick auf die im Lande herr- NÄCHSTE PALÄSTINA REISE Mit dem Lloyd - Dampfer „Tevere" (l4«000 Tonnen) über Rom und Neapel» Abfahrt von Wien 17» länner 1934 sehende Wirtschaftskrise nur als Zwisohenstation betrachten. Das jüdische Hilfskomitee in Belgien, das eine große Zahl von Emigranten laufend unterstützt, ist diesen auch bei der Weiterreise, die in den meisten Fällen nach südamerkanischen Ländern, besonders Argentinien» geht, behilflich. Niederlassungserlaubnis in Belgien selbst wurde Emigranten nurin wenigenFällen gewährt» Ein Weißbuch über die Judenverfolgungen in Deutschland Aus Antwerpen: Das Komitee zur Vertei« digung der jüdischen Rechte hat soeben unter dem Titel „Das Dritte Reich und die Juden" in französischer und flämischer Sprache ein „Weißbuch" herausgegeben, das ein außerordentlich reiches Dokumentenmaterial Uber die Entrechtung und physische Mißhandlung der Juden in Deutschland seit der Ergreifung der Macht durch Hitler enthält Von den jüdischen Ärzten Kein Boykott deutscher Fachärzte durch jüdische Aerzte. — Niederlassungsmöglichkeiten im Auslande. — Die Aussperrung jüdischer Aerzte den Wiener Spitälern dauert an Den von der „Vereinigung jüdischer Aerzte In Wien" herausgegebenen Mitteilungen entnehmen wir: In einem Mittagblatt ist in den letzten Tagen die Mitteilung erschienen, daß die Vereinigung der jüdischen Aerzte, angeblich angeregt durch die Einzelaktion eines Kollegen, einen Boykott gegen die deutschen Fachärzte beschlossen habe. Abgesehen davon, daß es äußerst unklug und unrichtig im Sinne der von uns angestrebten Gleichberechtigung wäre, gegen irgendwelche Gruppen unfreundlich oder gar feindlich vorzugehen — verspüren wir es ja selbst seit Jahren am eigenen Leib, welche wirtschaftlichen und moralischen Folgen eine solche, wenn auch nur im stillen und von einer Gruppe geübte Parole der Boykottierung zeitigt — wäre es gegen unser Programm und geradezu un» jüdisch, einen solchen Beschluß zu fassen. Im Gegenteil haben wir, wie der Aerztekammer in diesem Zusammenhang mitgeteilt wurde, den betreffenden Kollegen zu uns berufen und ihn vor seiner unverantwortlichen Aktion gewarnt. Es ist auch seither unseres Wissens jede weitere Intervention von dieser Seite unterblieben. * In Rumänien müssen Aerzte, die im Ausu^a erworbene Diplome besitzen, die „Libera practica'' ablegen. Diese Prüfung bietet, natürlich vorausgesetzt, daß der Bewerber rumänisch spricht, keine besondere Schwierigkeit. Die Aussichten für eine Praxis sind verhältnismäßig gute, im Gegensatz zu Bulgarien, wo sie schlecht sind; dasselbe gilt für die Türkei. In Aegypten verlangt ein Gesetz für die Zulassung die Ablegung einer .Prüfung vor- .einer ^ständigen Kommission, und zwar in einer der folgenden Sprachen: Arabisch, Französisch, Englisch oder Italienisch. Wer sich niederlassen will, muß damit rechnen, daß er sich die ersten zwei Jahre selbst erhält. Aerzte, welche nur für kurze Zeit nach Aegypten kommen (Reisesaison), können auch einen Erlaubnisschein für drei Monate ohne Prüfung bekommen. Von der Prüfung sind Professoren medizinischer Kliniken, ebenso Aerzte, die fünf Jahre an einem großen ausländischen Spital Dienste machten, befreit. In Persien ist momentan die Zulassung ausländischer Aerzte aufgehoben. In Britisch-Indien ist die Ausübung der Heilkunde an sich frei. Jedoch kann ein ausländischer Arzt weder eine amtliche Stellung bekleiden noch ein Lehramt erhalten oder ein Zeugnis ausstellen. Die Aussichten für eine lohnende Praxis sind nicht groß. Gut sind die Aussichten in Mexiko. Die Ausübung der Heilkunde ist frei, aber die ausländischen Aerzte sind einer strengen Kontrolle durch das Gesundheitsamt unterworfen. Neuestens wird die Wiederholung der Schlußprüfung vor der mexikanischen Landasuniversität verlangt, und zwar in spanischer Sprache. * Die Lage bei den Spitalsärzten ist im abgelaufenen Monat fast unverändert geblieben: Mit einer einzigen Ausnahme wurde kein Jude zum Sekundararzt.in Wien ernannt, obwohl Stellen frei sind und jüdische Kollegen seit langem die nächsten Anwärter sind. Jüdische Aspiranten wurden überhaupt nicht ernannt. Unser dem Bundeskanzleramt vorgelegtes Memorandum wurde bisher nicht beantwortet. * Die letzte Nachricht aus den „Mittellungen" verdient besondere Aufmerksamkeit. Mit der Ernennung eines jüdischen Arztes soll dem Protest gegen die in letzter Zeit durchgeführte Aussperrung der jüdischen Aerzte von der Spitalspraxis die Spitze abgebogen werden, Man schafft sich einen Parade-Juden an, ein bUliges Mittel, den Vorwurf nationaler und konfessioneller Engherzigkeit salbungsvoll ablehnen zu können. Arrangement und Reis eleltung Frau Berta Taube« Auskünfte: Reisebüro Varienbriicke (Palästinadienst, Wien I, Rotenturmstraße 26. Tel. R-24-2-86, täglich von 10 bis I Uhr Die vom Reisebüro „Marienbrücke" veranstaltete Polen-Reise ist programmäßig am 10. Dez. d. J. abgefertigt, worden, wobei die exakte, reibungslose Durchführung allgemein auffiel. Anmeldungen zu dem am Samstag, den 23. d., 10 Uhr abends abgehenden Polen- Zug nur noch wenige Tage im Reisebüro „Marienbrücke", I., Rotenturmstraße 26. Tel. R-24-2-86 und R-24-2-87, Melden Sie sich also rascheaU B