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Die neue Welt · 1933-12-15 · Heft 327 (15.12.1933) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 327 (15.12.1933)
Date
1933-12-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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SelU 2 DIE - NB ÜB WELT Nf.-327 Rücktritt Grttnbaums gefordert Das Zentralkomitee der Organisation der Allgemeinen Zionisten Palästinas bat auf seiner Sitzung vom 9. d. Beschlüsse betreffs der Verteidigung der Touristen angenommen, darunter auch folgende Resolutionen: 1. Das Zentralkomitee erblickt in den .Worten des Exekutivmitglieds I. Orünbaum gegen die sogenannte „illegale Touristik" eine Gefahr für die Rechte der Einwanderer und protestiert auf schärfste gegen die Ausdrucke des Herrn Grünbaum. 2. Die Allgemeinen Zionisten verpflichten ihre Vertreter in der Emwanderungskommisaion, bei . der Agency die Erklärung abzugeben, daß nach seinen. Ausdrücken bezüglich der „illegalen Touristik" Herr .Grünbaum nicht mehr an der Spitze des Einwanderungs-Departements stehen darf. 3. Die Allgemeinen Zionisten verpflichten ihre Mitglieder im Aktionskomitee, dafür Sorge zu tragen, daß Herr Grünbaum nicht mehr an der Spitze des Ein- Wanderungsamtes bei der zionistischen Exekutive stehe,' „illegaler Touristen" noch verschärft haben, und daß die Razzien im Jüdischen Nationalheim kein Ende nehmen, daß also — vorläufig wenigstens — die arabische Opposltionspolltik Oberwasser hat. Wenn eine zionistische Exekutive mit solchen „Erfolgen" in der Hand verlangt, man möge ihr weiterhin Gefolgschaft leisten, Ja, man möge mit, ihr zusammen eine Einheitsfront schaffen, eine nationale Konzentration in den Tagen der Gefahr zum Kampf für jüdisches Recht, so wird sie wohl nicht annehmen können, daß, man ihr einfach um den Hals fallen werde. Allzu stark ist das Mißtrauen gegen sie, was auch bei der Aktion des Mifal Arlosoroff zum Ausdruck kommt, die mangels des erwarteten Resultats verlängert werden mußte. Die hetzerischen Parolen des letzten Sommers Sind verraucht, das Gesicht des poalezionistischen Alltags zeigt höchst verdächtige Runzein. Die Proteste wegen der Einwanderünfc"»sbeschi-änkungen waren zwar gegen die Pal&stina-Regierung gerichtet, aber in ihnen lag gleichzeitig' eine Mißstimmung gegen jene Faktoren, deren Politik eben zur Törpedlerung des Mandats und des Judenstaatszionismus führte. Denn, ganz Spontan sozusagen! machte'sich" "der Gedanke und der Wunsch geltend, das zioniSti"s tihe Alttioiiskomitee zu einer außerordentlichenTagung 'embertifeti zu Sehen; Stimmungen, die sich bei den 'Jüdenstaatlem zu einer Forderung Verdichteten.'"Nichts natürlicher als der Drang, m Stünden der Gefahr die autoritative Körperschaft des A.-C. zur Arbelt, zu Entschlüssen zu* rufen. Aber auch jetzt wieder wlU die Exekutive zu halben, unzeitgemäßen Maßnahmen schreiten. „Was die Frage der baldigen .Einberufung des Aktionskomitees betrifft", erklärte vor einigen Tagen auf einer Londoner Pressekonferenz der Leiter der politischen Exekutive, Prof. Brodetzky, „so erwägen wir, ob es besser wäre, es jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt, In dem die Lage ruhiger und klarer geworden sein Wird, einzuberufen. Augenblicklich könnte das Aktionskomitee keinerlei wirksame Maßnahmen treffen. Wir betrachten das Problem der Einwanderung nicht , als eine Frage technischer Routine, sondern als ein großes politisches Problem. Wir hoffen, Schritte tun zu können, um dieses Problem auf eine breitere Basis zu. stellen.und Entscheidungen herbeizuführen, die sich auf einen größeren Kreis von Fragen beziehen." '. Eine breitere Basis des Problems bedeutet zugleich auch eine' breitere Basis für die politische Verantwortung oder — anders gesagt — die Notwendigkeit äeiner^ grundlegenden Rekonstruktion des Kabinetts. Dehn unter den gegebenen Personalverhältnissen" können sich die einzelnen zionistischen Gruppen nicht*; bereit^inden, die .-Exekutive zu unterstützen.- ' V-l *■<■'■■■■-'; i Der amerikanische Mlisrachi hat in der Vorwoche eine eindeutige Resolution „g£gen die Linke gefaßt, die jetzt an der tischt ist." 'Die^e,yVjB')ön|öte.n. brauchen ihre diesbezügliche StellungniB>me nichtheuer: dings im akuten Stadium der Notwendigkeit zum Ausdruck zu bringen. Was die Jüdenstaa.tXpartei betrifft, hat sie die ganze Zeit Über, s,eltj dem Präger Kongreß, der gegenwärtigen linken Exekutive ihr Mißtrauen bekundet und die eheste Einberufung des Aktionskomitees gefordert. Desgleichen wird die j.u d en s t a a tlerisehe B-Gruppe der Allgemeinen Zionisten der jetzigen Leitung ihr Vertrauen entziehen. Das sind also die n einsagenden Elemente, die der gegenwärtigen Exekutive niemals ohne Kontrolle die weitere. Arbeit überlassen werden. Gewiß empfindet die ganze Opposition die Not-, wendigkeit einer nationalen Konzentration. Aber, sie wird niemals ihre Grundsätze preisgeben, um der. zionistischen Welt eine Scheinharmonie vorzutäuschen; um zu ermögt liehen, daß. mit ihrer stillschweigenden Zustimmung eine politischer Kurs fortgesetzt werde, d,e.r zu nichts als zu Niederlagen geführt hat. Nationale Konzentration bedeutet zunächst. Rekonstruktion der Exekutive: Eliminlerung jener Personen, die das Vertrauen der zionistischen Welt nicht m»r genießen. EINE NEUE . ZIONISTISCHE SCHRIFT ROBERT »TRlCKBR WAS WILL DIE JUDENSTAATSPARTEI? Die Schrift umfaßt das politische und wirtschaftliche Gebiet des Zionismus und gibt Aufschluß .über seine Richtungen. Preis 40 Groschen. Bestellungen an, den Verlag „Die Neue Welt", Wien, DV Unt. Augartehstraße 38, Tel. A-45i6-34. .". Nach den Unruhen in Tel-Awiw . Aus Tel-Awiw: Bei dem samstägigett Zusammenstoß zwischen hauptsächlich revisionistischen Demonstranten und Polizei erlitt der jüdische Polizeiinspektor Goff er Kopf- und Unterleibsverletzungen und einen Bruch des Schulterblattes. Erheblich verletzt wurden der, jüdische Polizeisergeant W 0 r t m a n und die jüdischen Polizisten L u t k e r, G r i e b e r und S h a rm e i s t e r. Auch vier b r i t i s ch e Polizisten wurden verletzt, nämlich Sergeant Marshall, der operiert werden müßte; und die Polizisten File, Axel lind Taylor.' Von dun Verhafteten" ist einer Mitglied des .B'rith Thmipeldor, drei sind Yemenlten, vier wurden äüs der Menge heraus' festgenommen. Die Polizei verbot jede Straßenansammlung. Der Magistrat erließ eine^ Proklamation, in der die Unruhen beklagt werden und' ferner erklärt wird, die Polizei habe Ihre Pflicht getan, als sie eine unerlaubte Kundgebung zerstreute.. Bürgermeister Mayer Dizengoff übergab der J. T. A. eine Erklärung, in der,er die Zwischenfälle mit der .Unter der Bevölkerung wegen der ungewöhnlichen und einer zivilisierten Gesellschaft unwürdigen „Touristen-' j a gd'r herrschende^ Erregung begründet. w eingeist 96 Prozent polnisch« Schnäpse, Tee, Rum, alles Offen Bringen Sie Flaschen 11 TB ft Wien IX Porzellanqasse 64, beim Iii I Kii,.FranzJose^Baünüof /Tel.A-<5-5-6S Stürmische Sitzimg des Stadtrates von Tel-Awiw Aus-: T.e-l-.A-.wJ w:- :70er Stadtrat von Tel-Awiw hielt am Sonntag, den, 10. d.; eine außerordentliche Sitzung ab, die;ganz: den Vorgängen am. Samstag gewidmet, war und sehr ■■ stürmisch verlief. Die Vertreter der linken Richtung des Zionismus richteten sehr scharfe An-: griffe gegen die Rechte, die .nicht Jene radikalen Elemente im Zaum halte, die die blutigen Zusammenstöße mit der Polizei provoziert haben. Bürgermeister Mayer Dizengoff verurteilte die Schuldigen an den Zwischenfällen 'Und deutete an, daß eine Abschwächung des Systems der Touristenve|folgungen und der Spitzelei vielleicht eintreten könnte; dies hätten maßgebende Persönlichkeiten in Jerusalem in Aussicht gestellt. Dizengoff bezeichnete es als eine Scharide, daß seitens gewisser Polizeiprgane sogar Kinder zu Spitzelarbeit gegen.Lohn erzogen werden. : Stadträtin Rosa Cohen (Arbeiterpartei) griff heftig die Revisionisten und den Brith Trumpeldor an und nannte sie „zionistische Braunhemden". Dizengoff rief sie wegen dieses Ausdruckes zur Ordnung. Die. revisionistischen Stadträte griffen die Linke heftig an und sagten, diese hätte die Verleumdung der Revisionisten zu ihrem System erhoben. Die Linke tadelte den Magistrat, der in seiner Proklamation von unbekannten Unruhestiftern spricht, .obwohl doch die Schuldigen je dem bekannt sei-eh. Es sei «ine falsche Takt% durch Deckung der wirklich Schuldigen die gesamte Einwohnerschaft zu stigmatisieren. ■ - . Schließlich wurde von der Majorität der Rechten eine. Resolution angenommen, in der der Polizei Anerkennung für ihr Verhalten in schwieriger Situation ausgedrückt und Gewalttaktik von Zivilpersonen verurteilt werden. Die Majorität gelangte zu der Feststellung, daß die erneuten Touri.stenrazzieh die Ursache der Erregung der jüdischen Bevölkerung seien. Die Linken stellten einen Antrag gegen .diese, Feststellung» aber ihr Antrag wurde abgelehnt. Die Spitzelangst in Palästina Aus Jerusalem: Die Angst vor Spitzeln, die „illegal" im Lande Wohnende gegen eine „S Chi Hin gäbe loh nun g" der Polizei angeben, nimmt namentlich unter den orientalischen Juden immer mehr zu. Der georgische Jude Meschiaclv Darkaschvilli, der der Polizei Spitzeldienste geleistet haben soll, wurde in der Nahe• des Hadassa-Hospitals von Juden schwer m i ß h a n d e 1t. Er wurde von der Polizei in das Regterungshosfcltai eingeliefert, Wo §idi die Wege sdiei'den Zur Jadenfrage in Oesterreich Antisemitisch eingestellte Parteien und Gesellschaftskreise hat es in Oesterreich immer gegeben. Immer haben zwischen größeren Teilen der nichtjüdlschen Bevölkerung und der jüdischen Spannungen bestanden. Das ableugnen zu wollen ist töricht. Und noch törichter ist es, darüber hinwegsehen zu wollen, daß unter dem Eindruck' der Judenverfolgung im großen, eng benachbarten und nationalverwandten Deutschen Reich diese Spannungen in Oesterreich größer geworden sind. Die Judenfrage ist a k u t e r geworden. Ein Zeichen dafür — und gewiß nicht das einzige — ist die große Bewegung, welche die schriftlichen und mündlichen Aeußerungeh der politischen Führer des Katholizismus in Oesterreich, der Professoren Caermak und Schmidt, zur Judenfrage in der Oeffentlichkeit hervorgerufen haben. Beide haben eine offene Aussprache gefordert und hiebe! auch Gedanken aufgezeigt, welche den Einfluß der nationalsozialistischen Propaganda unverkennbar erscheinen lassen. Dadurch ist das österreichische Judentum zur Stellungnahme genötigt. Es muß einerseits in die Aussprache eintreten und anderseits gegen den Versuch, den jüdischen Bürger In seiner politischen und bürgerlichen Gleichberechtigung zu beeinträchtigen, energisch Stellung nehmen. Es ist selbstverständlich in höchstem Maße wünschenswert, daß das österreichische Judentum bei dieser Gelegenheit einheitlich vorgehe. Nun ist . das österreichische Judentum innerlich nicht einheitlich eingestellt. Einer jüdischnational empfindenden Gruppe steht eine assimilatorisch orientierte gegenüber. Es ist daher nötig, zu. prüfen, wieweit eine einheitliche Stellungnahme möglich . ist Diese Prüfung braucht keinen theoretischen Charakter zu tragen. An Hand der faktisch vorliegenden Probleme des Tages läßt sich diese Prüfung vornehmen. Wenn von irgend einer Seite die Judenfrage aufgeworfen. wird, reagiert der Assimilationsjude in der Weise, daß er den Bestand der Judenfrage ableugnet. Auf die Aufforderung Professor Czermaks. zur Aussprache über die Judenfrage hat auch jetzt die assimilatorisch eingestellte Wiener Presse, die liberale und sozialistische, prompt erwidert: „Es gibt überhaupt keine Judenfrage! Man redet der urteilslosen Masse nur ein, daß es eine solche gibt! Es. kann daher auch eine Aussprache über sie nicht geben..." Der national eingestellte Jude erachtet diese Stellungnahme als unklug, unwürdig und gefährlich. Eine zweitausendjährige Vergangenheit und eine Gegenwart voll jüdischer und anti» jüdischer Bewegung haben ihn gelehrt, daß die Judenfrage-immer da war und .da, .irt,;,daa man ihr nicht aus-, Welchen. kann und soll, daß man sie beantworten _ und lösen muß. Auch die heute so /unglücklichen. .Juden Deutschlands haben bis-zum Schluß sich und der Weit einreden wollen, daß es keine .Judenfrage gibt., — Hier gehen die Wege auseinander. Die Assimilationsjuden verlangen ihre Anerkennung als Deutsche, als Angehörige der deutschen, Nation, und erst ..a 1 s s o 1 c h e die Gleichberechtigung in Oesterreich. Angesichts der fast einmütigen Ablehnung von deutscher Seite greifen sie zu verzweifelten ,und wenig würdigen Mitteln. In der Diskussion mit Professor Czermak haben sie auf die Juden der Tschechoslowakei gegriffen.'* in " dein Zeitungen war zu lesen," daß diese Juden Immer Deutsche waren und sind. So war in Wiener Zeitungen eine „Erklärung" zu finden, daß die Juden in der Tschechoslowakei noch heute „Wahrer des Deutschtums", deutscher Kunst, Sitte, Sprache und Geselligkeit sind", und in tschechischen Städten „treu" deutsch bleiben. Tatsache ist, daß die Juden der Masaryk-Republik sich von der alten -deutschen Assimilation.freigemacht und „treu" zu ihrem jüdischen Volkstum und zur Tschechoslowakischen Republik stehen. Aber im verzweifelten, nutzlosen Ringen um „Deutschtum" verschmähen es gewisse österreichische Juden nicht, der Wahrheit ins Gesicht zu schlagen, und die Juden der Tschechoslowakei schwer zu schädigen. Hier scheiden sich die, Wege. Der volksbewußte Jude will als Jude anerkannt werden und fordert als, Jude; die volle bürgerliche Gleichberechtigung. Er sucht nicht den Umweg übers Deutschtum,, um zur Gleichberechtigung als Bürger , zu gelangen, Er bringt, der deutschen und christlichen Eigenart der Umwelt in Oesterreich tiefen Respekt entgegen, fordert ihn aber auch für seine jüdische Eigenart. Er fügt sich ganz und gar dem österreichiscehn Staate . ein, erfüllt . die Pflichten diesem Staate gegenüber bis zur letzten. Aber er erachtet nicht die P r e i sgabe seiner Ei gen a r t als bürgerliche Pflicht. , Seine Ueberzeugung und die traurigen Erfahrungen der jüdischen Assimilation in aller Welt und zu allen Zeiten lehren ihn, daß die Preisgabe jüdischer Eigenart die Stellung der Juden im Staate nicht festigt, sondern schließlich unhaltbar macht. Die österreichische Judenschaft muß der aufgeworfenen Judenfrage offen und . entschlossen begegnen, zu rückhaltloser Aussprache bereit. Halb- und. Viertel- Judentum und Deutschtümelei nützen nichts. Sie verwirren und verschlechtern nur die Lage, und reißen in böse Unklarhelten hinein. Nur der Entschluß, den Kampf für die Gleichberechtigung des jüdischen Bürgers mit offenem Visler zu führen, kann es dahin bringen, daß all« österreichischen Juden in dieser schweren Zeit einet W«f («fcea."1

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