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Die neue Welt · 1933-12-08 · Heft 326 (8.12.1933) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 326 (8.12.1933)
Date
1933-12-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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■ßtfa 6 DIE NEUE WEM Nr. 326 ..illllllllilllllllllllllflllllllllllllllllllllllllllfllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllH An alle Palä§ti'na?lntere§senten! Paris New York Wien Compais Tours Offizielle Propagandastelle für Touristik für die Stadtgemeinde Tel-Awiw. Veranstaltet Gesellschaftsreisen zum Purim-Karneval, zu den Osterfeiertagen und zur Levante-Messe. Erteilt Informationen an Palästina-Interessenten. Für Vereine und geschlossene Gesellschaften Sonderbedingungen. Nächste Reise 19* Dezember 1933 Auskünfte und Anmeldungen im Weltreisebüro Compass Tours, Wien, IX., Spitalgasse 3. Tel. B-42-5-38. 'nillllilllllllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIM Erste Veranstaltung der Judenstaatszionlsten in Zagreb Aus Zagreb wird uns gemeldet: Vorige Woche hat die Provisorische Landesleitung der „Judenstaatszionisten" in Jugoslawien eine Zusammenkunft ihrer Gesinnungsgenossen in Zagreb zwecks Gründung einer Ortsgruppe einberufen, welche einen sehr günstigen Verlauf nahm. Herr D. Spitzer begrüßte die eingeladenen Damen und Herren, die sich in stattlicher Zahl im Heime des „Jüdischen Nationalvereins" (Zionistische Ortsgruppe) eingefunden hatten, und kündigte das Referat des Herrn A.* Platzner, Thema: „Für Aufbau und Frieden in Palästina", an. In dem einstiindigen Referate schilderte Herr Platzner die Zustände in Palästina auf Grund der letzten Meldungen aus Palästina. Er kam sodann auf Weg und Ziel der „J u d e n s t. a a t s p a r t e i" zu sprechen, welche die einzig richtige Lösung in ihrem Programm aufzeigt. Das Referat, der Form sowie dem Gehalte nach auf hohem Das Referat, der Form sowie dem Inhalt nach auf hohem Niveau, zeichnetee sich besonders durch eine ruhige, sach- und rief begeisterte Zustimmung der Anwesenden hervor. An das Referat schloß sich eine Diskussion, an welcher mehrere Redner rege teilnahmen, darunter auch Angehörige anderer zionistischer Fraktionen. Der Referent wußte zum Schlüsse alle an ihn gestellten Fragen im Sinne des Programmes der „Judenstaatspartei" erschöpfend zu beantworten. Die Ortsgruppe wird von nun nun ab ihre Zusammenkünfte fortsetzen. —ieg. Zum jüdischen Weltkongreß Ein an den Vorarbeiten für den Jüdischen Weltkongreß beteiligter bekannter Publizist, der vor dem Hitler-Regime in Deutschland wirkte, Ubermittelt uns diesen Artikel. Er ist gegen die Bestrebungen einer Gruppe von „Notabein", das heißt reicher Juden in England und Amerika gerichtet, welche die Einberufung eines jüdischen Weltkongresses auf demokratischer Basis verhindern wollen und die Vertretung der Judenheit für sich in Anspruch nehmen. Es besteht kein Zweifel darüber, daß der Parlamentarismus heute im öffentlichen Bewußtsein eine Krise durchmacht. Es gibt in Europa nur wenige Länder, in denen er noch funktioniert. Sieht man von den nordischen Staaten, von England und der Schweiz ab, , sq ist im übrigen Europa der Parlamentarismus tot oder er leidet an schweren Gebresten. Aber nicht nur in den einzelnen Staaten, sondern auch im internationalen Bezirk bietet der Parlamentarismus ein nur wenig erfreuliches Bild. Man vergegenwärtige sich die Verhältnisse im Völkerbund und erinnere sich an die? Weltwirtachafts- und Abrüstungskonferenz, die zweifellos ein Fiasko bedeuten. ■ ■ a . . Es herrscht in der Welt Parlaments- und Konferenzmüdigkeit, und auch im jüdischen Leben mächen sich. ähnliche Tendenzen bemerkbar. Der klassische Ausdruck des modernen jüdischen Parlamentarismus, der Zionistenkongreß, ist nicht nur wegen mancher Unzulänglichkeiten seiner Verhandlungsmethoden, sondern auch als Einrichtung selbst Gegenstand ablehnender Kritik. Nicht besser ergeht es anderen jüdischen Konferenzen in der öffentlichen jüdischen Meinung. „Was bat schon: die Genf er Weltkonferenz gebracht?" „Was ist schon Großes bei der Londoner Hilfskonferenz herausgekommen?" Solche und ähnliche liebenswürdige Fragen kann man sowohl von berufsmäßigen „Besserwissern" und „Besserkönnenden" wie auch von dem einfachen Mann auf der Straße hören. i Natürlich bieten parlamentarische Einrichtungen und Konferenzen, wie alles Menschenwerk, genügend Anhaltspunkte zu berechtigter Kritik. Aber man wird gut tun sich zu fragen, wer hinter der systematischen Kampagne gegen Parlamentarismus und gegen dein o kratische Beratungs- und Regierungsformen steht. Man. muß mit Blindheit geschlagen sein, um nicht zu sehen, daß der seit Jahren mit Vehemenz und mit Aufwendung von viel Tinte, Druckerschwärze und viel Geld geführte Kampf gegen Demokratie und Parlamentarismus im Interesse bestimmter Kreise liegt und folgerichtig auch von diesen Kreisen finanziert wird. Man kann gegenüber den öffentlichen Vertretungskörpern die verschiedensten berechtigten und unberechtigten Vorwürfe erheben. Ein Verdienst aber muß man ihnen lassen: daß sie Kontrolle ausüben und in Schlupfwinkel hineinleuchten, die von Interessenten gern in ägyptischer Finsternis gehalten werden möchten. So sonderbar es klingt, so ist es doch nicht weniger den Tatsachen entsprechend, daß auch hinter der Konferenz- und Kongreßmüdigkeit im jttdiscaea Leben Interessenten stehen, die überdies der lauteren JJeberzeugung sind, daß ihre Ablehnung demokratischer Formen im jüdischen Leben den wahren Interessen der jüdischen Gesamtheit entspricht. Man erinnere sich an die Geschichte des Ziönistenkongresses und anderer Versuche, die Judenheit auf demokratischer Basis au organisieren und dem jüdischen Volk eine parlamentarische Tribüne zu schaffen. Wer sind allezeit die heftigsten G e g n e r derartiger Bestrebungen gewesen? Beim Zionistenkongreß waren es die Groß Juden, ihre „Protestrabbiner" und die oligarchisch verwalteten jüdischen Gemeinden, Mit einem Wort, es sind stets die ^otabeln" gewesen, welche am liebsten hinter; erschlossenen Türen beisammen saßen und sich in der Rolle von Wohltätern und Vormündern der jüdischen Gesamtheit wohlfühlten. Der Geldjude und der Großjude sahen es nicht gern, wenn „Schnorrer" aus den Judenvierteln Westeuropas und Amerikas oder gar aus Polen und Rußland ihre Stimme erhoben, Forderungen stellten, Kritik übten und Anspruch auf Gleichberechtigung im jüdischen Leben machten. Hiebei pflegten sich Jahrzehnte hindurch die jüdischen Notabein darauf zu berufen, daß sie die Zahlenden sind und darum den wohlbegründeten Anspruch haben, nach eigener „h ö h eren Einsicht" und nach ihrer größeren Erfahrung über die Verwendung der Mittel zu entscheiden, Welche naturgemäß bei der Inangriffnahme und Durchführung aller Aktionen notwendig sind. Kehren wir zum Ausgangspunkt unserer Ueberlegungen zurück! Der Parlamentarismus bietet in den Formen, in welchen er von vielen Ländern, nach dem Vorbilde alter Demokratien, wie Englands und der Schweiz, nur unvollkommen kopiert und gründlich mißverstanden wurde, genügend Anlaß zu Kritik und Reform, ständen geführt. Damit ist aber höchstens bewiesen, daß die Formaldemokratie in mechanischer Auffassung einer Remedur bedarf, keineswegs aber dargetan, daß diktatorische oder oligarchische Regierungsformen oder, jüdisch gesehen, Notabeinwirtschaft grundsätzlich einer von der Gesamtheit des Volkes getragenen und kontrollierten Ordnung vorzuziehen sind. Die Gegner des parlamentarischen Systems übersehen, daß sogar Diktatoren das größte Gewicht darauf legen, den Nachweis zu erbringen, sie handelten im Einvernehmen mit der M e h rheit der von ihnen Beherrschten. Das geschieht bei Völkern, die immerhin, verglichen mit dem jüdischen Volk, als „jung" bezeichnet werden müssen und bei denen vor allem der Begriff der individuellen Persönlichkeit noch nicht allzutief im Volksbewußtsein verankert ist. Was z. B. für Engländer und Schweizer gilt, ist in noch weit höherem Maße für die Juden zutreffend. Wozu noch kommt, daß infolge der anormalen Situation des jüdischen Volkes jedes von den Juden für die Juden unternommene Werk den Charakter der Freiwilligkeit tragen muß, weil doch die Zwangsmittel fehlen, tun den Willen einer Gruppe allen aufzuzwingen. NÄCHSTE PALÄSTINA RE I S E Mit dem Lloyd - Dampfer „Tevere" (14*000 Tonnen) über Rom und Neapel/ Abfahrt von Wien 17. Jänner 1934 Arrangement nndReleeleitang Frau Berta Tau bot — Auskunft«: Reisebüro Marlenbrücke (Palädtlnadlenet), Wien I, Roteatomistraße 26, Tel. R-24-2-86, tlglloh von 10 ble 1 Uhr Dieser Charakter der Freiwilligkeit äußert sich namentlich in dem wichtigsten Punkt: dem der Steuerleistung, ins Jüdische übertragen, der freiwilligen Hingabe von Mitteln zur Durchführung bestimmter Absichten. Nun sind die Zeiten längst vorüber, in denen einzelne Geld Juden die Last der jüdischen „S t e u e r 1 e i s t u n g" trugen. Heute muß in allen Fällen, in denen sich die Aufbringung von Mitteln notwendig erweist, oder in denen es tunlich erscheint, im Namen der Gesamtheit aufzutreten, an diese Gesamtheit appelliert und um ihre Zustimmung geworben werden. Wie es dann möglich sein sollte, diese Gesamtheit von der Mitwirkung und Mitbestimmung bei der Durchführung der notwendigen Aktionen auszuschließen, ist eine Frage, um deren Beantwortung sich die Gegner jüdischer Kongresse und jüdischer Konferenzen die Köpfe nicht allzu sehr anzustrengen scheinen. Sicherlich kann man weder von einer allgemeinen Konferenz noch auch von einem auf breitester demokratischer Grundlage zuständegekommenen jüdischen Kongreß alles Heil und die Lösung der brennenden jüdischen Probleme erwarten. Gegner jüdischer Kongresse führen dieses Argument gern im Munde und meinen hämisch, daß es doch überflüssig sei, Anstrengungen zur Veranstaltung von die jüdische Gesamtheit repräsentierenden Kongressen zu machen, wenn man von vornherein weiß, daß erstens nicht alle Juden sich an ihnen beteiligen und zweitens, daß ihr Ergebnis keine zureichende Heilkraft haben werde. Könnten diese Kreise zweckentsprechendere Vorschläge machen und bessere Wege zeigen, wie man die Sache des jüdischen Volkes in der ganzen Welt zu führen vermag, so würde es sich vielleicht verlohnen, mit ihnen Diskussionen zu führen. Bessere Vorschläge haben sie nicht, ihre bisherigen Methoden haben sich zweifelsfrei als unzulänglich, mitunter sogar als schädlich erwiesen. Das jüdische Problem kann am besten nur von den Juden selbst gemeistert werden. Und zwar muß dies entsprechend dem Charakter und der spezifischen Lagerung der jüdischen Gemeinschaft in der Welt geschehen. Schließlich sind wir Juderein altes Kulturvolk und außerdem wie kein anderes' Volk auf dieser Erde in all unseren gemeinsamen Aktionen auf das Prinzip der Freiwilligkeit angewiesen. Darum ist die dem jüdischen Volke adäquateste Form die Demokratie mit ihren Institutionen, dem allgemeinen Wahlrecht, der Oeffentlichkeit der Auseinandersetzungen und der Kontrolle alles Tuns durch die wahren Träger aller vorhandenen moralischen und materiellen Machtmittel, durch die großen Massen des Volkes. Wenn man sich jetzt anschickt, einen jüdischen Weltkongreß einzuberufen, so kann dies am zweckmäßigsten nur in der Form geschehen, daß man auf den Charakter derjenigen Bezug nimmt, für die und in deren Interesse die gesamte Veranstaltung getroffen wird. Der Czortkower gestorben Freitag, den .1. Dezember, ist der Czortkowev Großrabbiner Israel Friedman nim 79. Lebensjahre verschieden. Der verstorbene Rabbi war ein Enkel des Rabbi Israel Friedmann (bekannt unter dem Namen der Ri-' schiner „Der Erste"), des Begründers der berühmten *. Sadagorer Rabbinerdynastie. Der Verstorbene selbst, mit dem wohl die größte lebende Persönlichkeit des orthodoxen Judentums und ein Talmud Chacham von Weltruf dahingegangen ist, kam nach Kriegsausbruch von Czortkow nach Wien. Er war ein Geistesaristokrat im wahrsten Sinne des Wortes und von bezwingender Herzlichkeit und Güte. Es ist daher begreiflich, daß Rabbi Israel Friedmann, der auch der älteste lebende Rabbi war, Tausende von Juden zu seinen Anhängern zählen konnte*. Und zwar nicht „fanatisierte Massen", von denen die Wiener Tagespresse spricht, waren es, sondern orthodoxe Juden, die in dem großen, gütigen Rabbiner und Ge-_ lehrten ihren Führer sahen. Das Leichenbegängnis, das Sonntag, den 3. ds., stattfand, gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung. Es dürften wohl zehntausend. Juden gewesen sein, die dem verehrten Rabbi das letzte Geleite gaben. Tel-Awiw Tel-wiw, die Stadt der Industrie, der Messe und der Seebäder Tel-Awiw, die rein jüdische Stadt, ist durch Organisation, Verkehr und Lebenstempo in die Reihe der modernsten Städte Europas gestellt. Die wunderbare Lage und jüdische Initiative haben dazu beigetragen, daß Tel-Awiw als Messestadt den ersten Platz im Nahen5 Orient einnimmt. Die Levantemesse, die vorläufig einmal in zwei Jahren stattfindet, ist heute ein unentbehrlicher Faktor für den wirtschaftlichen Aufschwung des ganzen. Gebietes im allgemeinen und des jüdischen Palästina im besonderen. Der herrliche Meeresstrand von Tel- Awiw und das gesunde Klima haben der Stadt die Qualitäten einer Kur- und Ruhestätte gegeben, und die Verwaltung dieser Stadtgemeinde ist bemüht, alles das zu schaffen, was Tel-Awiw zu einem wirklich fashionablen Seebadeort machen soll. Besuchen Sie Palästina und besonders Tel-Awiw Purim-Karneval, zu den Osterf eiertagen und zur Levantemesse! Das Reisebüro Compass Tours ist die offizielle Propagandastelle für Fremdenverkehr der Stadtgemeinde Tel-Awiw und die Vertriebsstelle für die Messepermanenzkarten. Compass Tours arrangiert Gesellschaftsreisen wie auch Einzelreisen, erteilt Informationen an alle Palästina-Interessenten. Besonders günstige Angebote für Gruppenreisen, für geschlossene Vereine und Gesellschaften. Auskünfte und Prospekte im Reisebüro iCompass Tours, Wien, IX., Spitalgasse 3. Tel.: B-42-5-4»,

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