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Die neue Welt · 1933-12-08 · Heft 326 (8.12.1933) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 326 (8.12.1933)
Date
1933-12-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Bette* DIE NEUE WELT Nr. 326 SIEGM. KORNMEHL OROSSFLeiSCHHAUfiAtl Zentrale; IX., Berggasse »9, Tel. A-17-3-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Jä^!£i!l£^£!^!lM^^iäch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Tar. Kultusgemeinde Wien Autoxu*tellung kostortlot. IX. Barggasse 15 / XVIII.» Währingcrstr. 07 keit. In einem Land ohne gesetzliche Sonntagsruhe ist die Arbeitsruhe am Sabbat, noch dazu auf dem Boden des Jüdischen Volkes, eine selbstverständliche Sache, die auch nichtgläubige Juden nie zum Gegenstand eines Streites hätten machen dürfen. Die Haltung der Zionistischen Arbeiterpartei, welche bisher die Aufnahme der Klausel heftig bekämpft und verhindert hat, ist in dieser Präge, wie leider auch in vielen anderen, unverantwortlich und mit der Idee der nationalen Solidarität unvereinbar. Olli Eisenberg Jakob Goldstein Wen //. Wim IL V«/7o6te WIm, Im Ottttvbtr 1933 rikä und Europa machen ihre Mitarbeit an dem jüdischen Siedlungswerk in Palästina von der Preisgabe aller Prinzipien abhängig, die von der Arbeiterschaft in den Zionismus hineingetragen wurden ... ... Ihr Programm atmet unverhüllte Feindschaft gegen die Arbeiterschaft. Wenn sie (die Bourgoisie) so Uberragenden Einfluß in der zionistischen Organisation und der Jewish Agency ausübt, ist das als ein Beweis für den Sieg des kapitalistischen Prinzips im Zionismus zu betrachten." (Bemerkung der Red.: Dieser feine Erforscher des Zionismus weiß nicht einmal daß die Leitung der zionistischen Organisationen heuto ganz in den Händen der Arbeiterpartei liegt.) Und schließlich die irrsinnige Behauptung: „Hier (Arbeitereinwanderung) wie in anderer Richtung zeigt es sich schon, daß sich eine Zusammenarbeit der jüdischen Kapitalisten und des en gl lachen Imperialismus sowie des erwachenden, aber sehr schwachen arabischen Kapitalismus entwickelt." Herr Stechert, der betonte Nichtjude, ist ein Freund der sozialdemokratischen Phraseologie. Was in sie nicht hineinpaßt, wird verfemt. Er liebt Streiks im werdenden Palästina, verabscheut religiöse Empfindungen als reaktionär und banal. Woher hat Herr Stechert, der Freund des Klassenkampfes, der jüdisch-arabischen Klassensolidarität, seine Informationen? Woher die Grundlagen seiner Betrachtungen? Keinesfalls von einer Seite, die Palästina zum jüdischen Nationalheim machen wird und zu nichts anderem: weder zu einer englischen noch zu einer sozialistischen MachtpoSitior. Wasser predigen, Wein trinken Zu den berüchtigtsten Schlagworten der arabischen Nationalisten gehört das vom Verratam Islam durch Verkauf arabischen Bodens in Palästina an Juden. Der große Kampf, den die arabischen Führer „offiziell" gegen den Zionismus führen,- bezieht seine Popularität aus der Fiktion, daß die Juden den armen arabischen Fellachen den Boden ablisten, sie arbeitslos machen und jene riesige Schär > „landloser Araber" geschaffen haben, die eine Gefahr für Palästina bedeuten. Bekanntlich haben sich die sogenannten englischen Experten, wie die Herren Shaw, Simpson und Frehch, diese These zu eigen gemacht und der britischen Regierung den Vorwand für die Einschränkung der jüdischen Einwanderung und die Sistierung des Bodenkaufes geliefert. Aber die Wirklichkeit, auch die palästinensische, versteht es, derlei Machinationen als das, was sie sind, zu entlarven. Die hebräische Zeitung „Haaretz" berichtet, daß der Bürgermeister von \ Jerusalem, Rayheb Bey Naschaschibi, vor kurzem Ö000 Quadratmeter zu 250 MUls per Quadratmeter an einen Juden verkauft hat. Der Führer der Bürgermeister-Delegation, die jüngst bei Gouverneur Wauchope gegen jüdischen Bodenkauf und jüdische Einwanderung protestierte, der Mann, der alle jüdischen Beamten aus der Jerüsalemer Stadtverwaltung hinausdrängt und auch sonst den radikalen Nationalisten spielt, hat sich nicht gescheut, den Verkündern der heiligen arabischen Erde eine Nase zu drehen und das von ihm selbst gepredigte Prinzip zu durchbrechen. Herr Naschaschibi ist kein armer Fellache. Er wurde auch nicht landlos gemacht. Im Gegenteil. Er besitzt noch Boden genug und hat überdies ein hübsches Sümmchen (2200 Dollar per Dunam) am jüdischen Kunden verdient. Die britische Palästina-Verwaltung möge einmal die Herren arabischen Führer unter vier Augen fragen, was sie von der Legende der landlos gemachten Fellachen halten ... Sabbatsdiuf? auf Nationalfondsboden Aua Jerusalem: Wie die Jüdische Telegraphen- Agentur erfährt, hat das Direktorium des Jüdischen Nationalfonds beschlossen, in die Verträge mit den Siedlern, denen Nationalfondsboden zugeteilt wird, eine Klausel aufzunehmen, durch die den Siedlern die Einhaltung der Sabbatvorschriften zur Pflicht gemacht wird. Durch diesen Beschluß wird einer besonders in letzter Zelt mit großem Nachdruck erhobenen Forderung des M18 r a c h i entsprochen. Der Mlsrachi steht auf dem Standpunkt, daß der Sabbatschutz in allen Siedlungen, die auf Nationalfondsboden errichtet sind, und die Kaschruth in den aus nationalen Mitteln erhaltenen Arbeiterküchen gewährleistet sein müssen. * Eine offizielle Bestätigung dieser J.-T.-A.-Meldung liegt bisnun nicht vor. Hoffentlich beruht sie auf Richtig- Weizmann spricht wie ein Judenstaatler Der Sieg des Judenstaatsgedankens Proteste gegen die antijüdische, antizionistische Palästina-Politik der britischen Regierung und Insbesondere gegen die lokale Palästina-Administration des Oberkommissärs Sir Artur Wauchope sind seit einiger Zeit in jüdischen Massenversammlungen der ganzen Welt zu hören. In London war es die Zionistische Vereinigung für Großbritannien und Irland, die eine Kundgebung für das Recht auf jüdische Einwanderung nach Palästina veranstaltete. Prof. Brodetzky sprach über das Zertifikatsystem, Ben Gurion über die von der Palästina-Regierung geübte Ausweisungspraxis. Der Hauptredner des Abends aber War Dr. Chaim Weizmann, der gewesene Präsident der Zionistischen Weltorganisation, den der letzte Zionistenkongreß mit der Aufgabe betraute, deutsche Juden nach Palästina zu überführen. Nach einer Darlegung der psychischen und materiellen Lage der Judenhelt wendete sich Weizmann in seiner Ansprache der Frage der Palästina-Einwanderung zu. Nach einer Meldung der J. T. A. sagte er u. a.: „Wir werden um unsere Rechte kämpfen. Das jüdische Volk Ist entschlossen, keines der Rechte aufzugeben, die ihm durch das Palästina-Mandat zugestanden worden sind. In diesem Jahre sind schon 30.000 Juden nach Palästina gekommen, aber das ist noch immer wenig, nur England erscheint es schon viel. Man wird einen Kampf darum führen müssen, daß den Notwendigkeiten des jüdischen Volkes in seiner schwierigen Lage mehr Rechnung getragen werde als bisher, und es ist zu hoffen, daß das englische Volk, das Gefühl für Gerechtigkeit besitzt, sich den Forderungen nicht verschließen wird, die der Not eines 16-MJllionen-Volkes entspringen." Das sind kämpferische Worte, die aus dem Munde Dr. Welzmanns zu hören gewiß Uberraschend wirken muß. Auch sprach Weizmann von den außerordentlichen Möglichkeiten die für die jetzige Generation in Palästina bestünden. Allein der Haifaer Hafen und die Irakeingeist 96 Prozent polnische Schnäpse, Tee, Rum, alles offen Bringen Sie Flaschen II TD A WienIX Porztllanfj?8ee64, beim ■ tm I I* M/ Fnni Jos8 —Bahnhof / Tel. A- 5-5-6t Petroleumleitung böten Möglichkeiten von ungeahntem Ausmaß. Haifa, dessen Umgebung in jüdischen Händen ist, werde mit Leichtigkeit eine Bevölkerung von 60 0.0 00 Seelen aufnehmen können und Alexandrien an Bedeutung nicht nachstehen. Diese 600.000 Neueinwanderer müssen Juden sein. Verglichen mit der seinerzeitigen Behauptung Weizmanns, daß die Kapazität Palästinas sehr gering sei, erscheinen diese großzügigen Auspizien zweifellos als Fortschritt. Weizmann sagte aber noch etwas anderes, etwas, das seine ganze politische Vergangenheit und zumindest seine politischen Aspirationen von 1925 bis 1931 Lügen straft Er erklärte nämlich in der großen Massenkundgebung, Palästina sei der Prüfstein für das gesamte Judentum; danach, was die Juden in Palästina leisten, würden sie in der ganzen Welt beurteilt werden, und schloß mit den Worten: „Das Wichtigste für die Juden ist die eigene Plagge, der eigene Paß und eine eigene Vertretung im Völkerbund." Eigene Flagge, eigener Paß, eigene Vertretung im Völkerbund — das sieht nicht aus wie das Bild einer Kleinkolonisation, einer Siedlung von Menschen, die aus den Ghcttis der Welt irgendwo zusammengeströmt sind. Das, was Weizmann als das „Wichtigste für die Juden" ansieht, ist nicht mehr und nicht weniger als der Judenstaat. Die J. T. A., die diese Meldung ausgibt, ziert sie mit der Ueberschrift: „Weizmann bekennt sich zum Judenstaatsgedanken.0 Es gab eine Zeit, da Weizmann anders dachte. Auf der Aktionskomiteesitzung in Berlin, August 1930, war Präsident Weizmann von seiner heutigen Haltung noch weit entfernt. Er sagte damals den Führern der zionistischen Weltorganisation, alten Herzl-Zionisten, ins Gesicht: „Nie wird es einen Judenstaat geben! Im Nebel der Kriogsjahre und der ersten Nachkriegsjahre haben Balfour, Lloyd George und ich an den Judenstaat geglaubt. Damals habe ich gesagt: Palästina soll so jüdisch werden wie England englisch ist! Die Nebel sind verflogen. Ich sehe klar und habe den Glauben an den Judenstaat verloren. Er wird nie sein. Im Mandat steht: Nationalhelm in Palästina, nicht Palästina als Nationalhelm. Das ist kein Judenstaat. Vom Judenstaat zu reden, ist nur gefährlich. Ich glaube nicht an den Judenstaat." Auf den Zwischenruf Robert Strickers „Aber wir glauben! Wenn Sie den Glauben verloren haben, dann dürfen Sie nicht mehr führen!" hatte Weizmann keine andere Antwort als: „Ich beneide Sie um ihren Glauben." Und heute, drei Jahre später, welche Wandlung! Hat Weizmann unter dem Druck der Ereignisse seine politisch-zionistische Anschauung einer Revision unter* zogen? Ist er zur Erkenntnis gelangt, daß nur der große, ganze, kompromißlose Herzl-Zlonlsmus des Judenstaatsgedankens die Kraft hat, die Judenhelt aufzureißen und die Mandatarmacht zur Besinnung zu bringen? Vorläufig, nach der Meldung der J. T. A. zu schließen, steht Weizmann im Bereich der erweiterten Agency-Exekuttve mit seiner veränderten Haltung allein da. Noch wird die politische Arbeit in London und Jerusalem von Männern geleitet, welche die Priorität des nationalen Gedankens im Aufbau des jüdischen Palästina nicht anerkennen. Die jüdische Welt wartet gespannt auf die nächsten Entscheidungen. Werden sie im judenstaatleTischen Sinne ausfallen, dann besteht die Hoffnung, daß auch die gegenwärtige schwere Krise tiberwunden werden wird. XjonisfR§die$ Jugendseminar Veranstaltet von, der Judenstaatsjugend Dienstag, den 12. Dezember, um halb 8 Uhr abends findet im Helm, IL, Untere Augartenstraße 88, der 6 Vortragsabend statt. Thema: Fortsetzung der Diskussion. Jugendliche Gäste unterschiedslos willkommen! Der Prozeß gegen die Führer des Jerüsalemer Aufruhrs Aus Jerusalem, 3. Dezember: Das Gericht In Jerusalem setzte heute die Verhandlung gegen drei Mitglieder der arabischen Exekutive, die als Führer der Jerüsalemer Demonstration vom Oktober dieses Jahres angeklagt sind, fort. Die Angeklagten verteidigten sich damit, daß ihnen nicht bekannt war, daß die Regierung Demonstrationen in der ganzen Stadt Jerusalem verboten hat. Das Gericht sprach die Angeklagten schuldig, setzte aber die Urteilsverkündung aus, weil die Zulassung mildernder Umstände noch zu erwägen sei. Nach dieser Verkündung zerstreuten sich die Zuhörer, unter ihnen zahlreiche .In schwarze Schleier gehüllte Moslemfrauen. Zu Zwischenfällen war es nirgends gekommen. Für Montag, den 4. Dezember, hat die arabische Exekutive aus Anlaß der Fortsetzung der Gerichtsverhandlung gegen Anführer und Teilnehmer an der so blutig verlaufenen Demonstration in Jaffa am 27. Oktober wiederum den Streik proklamiert. Eine neue religiöse Schule in Tel-Äwlw Die Leitung der Schule teilt uns mit: Inder neugegründeten religiösen Schule „Morlah'* wurde mit dem Unterricht am 22. Oktober 1933 begonnen. Die Gründung der Schule entspricht den immer dringender werdenden Wünschen weiter Kreise der Bevölkerung Tel-Awiws, welche durch mancherlei traurige Verfallserscheinungen im religiösen Leben dieser Stadt in steigende Besorgnis versetzt sind. Die neue Schule will die Jugend zu bewußt thoratreuen, im Lande verwurzelten Menschen erziehen und so das Ihrige zur Stärkung des überlieferten Judentums im neuen Jischuw beitragen. Der Unterricht in den jüdischen und profanen Disziplinen erfolgt nach modernen pädagogischen Methoden. Die Unterrichtssprache ist hebräisch. Für neueingewanderte Schüler, die der hebräischen Umgangssprache noch nicht mächtig sind, wurden besondere Hilfskurse und Förderklassen eingerichtet. In jede Klasse kann nur eine beschränkte Anzahl von Schülern auf« genommen werden. Es empfiehlt sich daher, die Anmeldung von neuen Schülern und Schülerinnen so bald wie möglich vorzunehmen. Zuschriften sind an die Leitung der Schule „Moriah", Tel-Awiw, Allenbystraße 92, Haus „Jasha Haifez" zu richten, die auch zu jeder näheren Auskunft gerne bereit ist. Elektrischer Strom tut Nazareth Aus Jerusalem: Nazareth, bekanntlich eine rein christliche Stadt, hat mit der Palestine Electric Corporation (Ruthenberg-Werke) einen Stromlieferungsvertrag abgeschlossen, der Ende 1933 in Kraft tritt. Die Elektrifizierung Palästinas durch die Ruthenberg-Werke macht immer weitere Fortschritte. Unmittelbar nach Fertigstellung der Werke hatten arabische Städte die Stromabnahme vom jüdischen Ruthenberg-Werk aus politischen Gründen abgelehnt. Nunmehr bricht sich auch hier die wirtschaftliche Vernunft Bahn. Nach Polen und Czernowitz fahren Sie am besten im geheizten Sondcr-D-Zug am 21. Dezember. Rückkunft 8. Jänner. Sichern Sie sich rechtzeitig Platzkarten beim Reisedienst der „Czernowitzer Allgemeinen Zeitung", I., Schulerstraße 1-3 („Der Tag"), Telephon R-21-6-78. Gesamtdurchführung „Francopol", HL, Rennweg L, Tel. U-16-4-90, wo auch Anmeldungen eft folgen. «

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