Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 326 (8.12.1933)
- Date
- 1933-12-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 326 DIE NEUE WELT Seite 3 Unberufene Wortführer Der frühere österreichische Unterrichts« minister und derzeitige Obmann der christlichsozialen Reichspartei, Professor Dr, Emmerich Czermak, hat vor einigen Wochen in einem Buche und vor einigen Tagen in einer öffentlichen Versammlung seine Meinung über die Möglichkeit einer Lösung der Judenfrage in Oesterreich zum Ausdrucke gebracht Seine Ausführungen klingen dahin aus, daß in dieser Frage alle unberufenen Mittler auszuschalten sind und eine offene Aussprache von Volk zu Volk, das heißt zwischen christlichen Deutschen einerseits und ihrem Volkstum und ihrer Religion treuen Juden anderseits eingeleitet und durchgeführt werden muß. Professor Czermak lehnt den Radauantisemitismus wiederholt entschieden ab, vermeidet dementsprechend jede beleidigende Herabsetzung des Judentums und spricht von denjenigen Juden, die sich offen als solche bekennen und danach handeln, mit gebührender Achtung. Damit hat er die Aufnahme einer Aussprache von jüdischer Seite ermöglicht. Unter seinen konkreten Vorschlägen sind solche, die abzulehnen 3ind und gewiß abgelehnt werden. Seine auf Erstellung eines jüdischen Sonderrechtes für bestimmte Gebiete hinzielenden Aeußerungen werden im Verlaufe der Aussprache gewiß abgelehnt werden. Denn gerade ihrem Volkstum treue Juden verschmähen jede von nervöser Angst diktierte Politik und sind nicht gewillt, unter dem Drucke einer noch so gefährlichen Situation von ihrer verfassungsmäßig zuerkannten bürgerlichen Gleichberechtigung etwas preiszugeben. Aber das ist kein Grund für sie, den Vorschlag Professor Czermaks zur Aussprache abzulehnen. Im Gegenteil! Weil sie als innerlich freie Menschen in den Meinungsaustausch eintreten wollen, begrüßen sie eine solche Aussprache und erachten sie, wie Professor Czermak, als unbedingt notwendig. Nun haben sich zwischen die aufgerufenen Juden und Professor Czermak und seine Freunde Wortführer gedrängt, welche in heftiger, man kann sagen, hysterischer Weise jeden Versuch einer Aussprache verhindern wollen. Ein Teil der von Männern jüdischer Abstammung geleiteten liberalen und sozialdemokratischen Presse leistet sich die Behauptung, daß die Ausführungen Professor Czermaks sich „unter jedem kulturellen Niveau" bewegen und es mit der ..Würde von Staatsbürgern" nicht vereinbar ist, auf sie auch nur zu reagieren. Diese Behauptung ist einfach falsch. Es ist begreiflich und bedauerlich, daß sie der obenerwähnten christlichsozialen Versammlung den Anlaß bot, gegen die Arroganz und Respektlosigkeit einer gewissen judenstämmigen Journalistik loszuziehen. Es ist auch notwendig, von jüdischer Seife her festzustellen, daß diese Herren, die in der Mehrzahl getauft, aus dem Judentum ausgetreten oder von ihm ganz entfernt, völlig unberufen sind, in Hinsicht auf jüdisches Interesse und gar jüdische Würde ein beachtenswertes Urteil abzugeben. Woher die Besorgnis und Entrüstung dieser entjudeten Herren in einer jüdischen Angelegenheit? Sie haben es bisnun verstanden, ja als zu ihrem Handwerk gehörig betrachtet, jüdischen Dingen aus dem Wege zu gehen, an Juden begangenes Unrecht totzuschweigen. So war z. B. in dieser Presse nie etwas darüber zu lesen, daß man die Juden von öffentlichen Diensten fernhält, sie nur zuläßt, wenn sie sich taufen lassen oder austreten, daß große Firmen keine Juden anstellen usw. Und ziehen sie jetzt gegen Professor Czermak los, weil er die Rechte von Juden, ihrem Judentum treugebliebener Bürger durch ein Sonderrecht einzuschränken vorschlägt? Nein! Sie ziehen los, weil Professor Czermak getaufte und ausgetretene Juden nicht als Angehörige der deutschen Nation anerkennen will. Weil er überhaupt von einer Judenfrage spricht und Weglaufen vom Judentum, Taufe und Austritt nicht als Lösung dieser Frage anerkennen will! Darum geht es ihnen, das ist ihnen Hauptsache! So schreibt eine Wiener Tageszeitung der geschilderten Art in einem Artikel gegen Professor Czermak: „Man rede dem Volke keine Judenfrage ein, dann wird es keine geben ...", „Die Juden haben ein Recht, als Deutsche anerkannt und geehrt zu werden...", und zum Schlüsse mit bezwingender Offenheit: „Wer behauptet, daß die Assimilation, deren Erfüllung doch die Taufe ist, unmöglich sei, der leugnet eine der wichtigsten Grundlagen der katholischen Kirche, die göttliche Wirksamkeit der Tauf e." So steht es im „Wiener Tag". Das also ist des Pudels Kern. Die Gleichberechtigung der jüdisch gebliebenen Juden ist eine nicht gar so wichtige Sache, darüber ließe sich noch reden. Hauptsache ist, daß man den Getauften und Ausgetretenen als Prämie fürs Weglaufen vom Judentum gleiches Recht gibt und sie als deutsche Nationsgenossen und Vollgermanen anerkennt &3 kann nicht deutlich und nachdrücklich genug gesagt werden, daß ehrliches österreichisches Judentum mit diesen Ideen und ihren Verkündern nichts gemein hat, Der seines Volkstums bewußte Jude will sich keiner anderen Nation aufdrängen und will in keiner anderen Nation, gerne oder ungerne gesehen, aufgehen und verschwinden. Nicht darum hat das jüdische Volk Jahrtausende überdauert. Er fordert als Jude die bürgerliche Gleichberechtigung. •» Unberufene Wortführer drängen sich zwischen Volk und Volk und sie können großen Schaden stiften, weil ihnen ein großes Machtmittel zur Verfügung steht: die pseudo-jüdische Tagespresse. Die nichtjüdische Umwelt kennt nur diese Presse und erblickt in ihr den Ausdruck des jüdischen Willens. Das ist ein Unglück! Noch nie hat sich der Mangel einer ehrlich-jüdischen Tageszeitung so fühlbar gemacht, wie gerade in dieser schweren Zeit. Noch nie sind die sträfliche Gleichgültigkeit und Gesinnungslosigkeit, mit welcher die österrreichischen Juden ihre Tageszeitung — die jüdischnationale „Wiener Morgenzeitung" — fallen ließen, so schmerzlich fühlbar geworden wie jetzt. Raslere dien besser: Nim die einzige schwedische Weltmarke Wird der verhängnisvolle Fehler gutgemacht und wieder ein jüdisches Tagesorgan geschaffen werden? Die Frage ist leider offen. Unbeschadet dessen muß mit allen Mitteln danach getrachtet werden, der jüdischen Umwelt klarzumachen, daß die österreichischen Juden anders denken als die unberufenen Wortführer und daß sie zu ehrlicher Aussprache bereit sind, über eine Presse hinweg, die jüdisch scheint und nicht jüdisch ist. r. st. <Mä- Ein Film der Lachsalven, wie „Unschuld vom Land«" Lucie Englisch SSThÄSS. in dem großen Lustspielschlager jmmmmamtmmmmammmmmmmmmm^ Sehnsucht nach Wien :,|VBHBHHBSHHBHDHHHHBHHHBHIHHiHiHHBI^ ab heute: Imperial-Kino, I., Löwen-Kino, III. Wienzaila-Kino, VI., Maria-Theresien-Kno, VII. Flieger-Kino, IX., Schloß Kino, XII. Theater-Kino, XVII. ■ Monopol! Lux.Fllm ' i n RUNDSCHAU Die Kinderholle m Deutschland Unter diesem Titel haben wir Über das entsetzliche Martyrium jüdischer Kinder in deutschen Schulen berichtet. Weitere charakteristische Meldungen liegen vor. Aus Berlin: Ein Ehepaar, das sich noch nicht gleichgeschaltet hat und der immerhin gemäßigteren Stahlhelm-Richtung treu geblieben ist, hat einen achtjährigen Sohn, der aber schon „im weltanschaulichen Gegensatz" zu seinen Eltern steht und der Hitler- Jugend angehört. Kürzlich kam die Mutter gerade hinzu, wie ihr Söhnchen einen bisherigen jüdischen Spielgefährten in der unflätigsten Weise beschimpfte und ihm zum Schluß erklärte, nicht mehr mit ihm zu spielen, weil er ein „J u d e n s c h w e i n" sei. Die Mutter war darüber sehr empört und machte ihrem Sprößling energisch Vorhaltungen, worauf ihr der vom „neuen deutschen Geist" erfüllte achtjährige Sohn die Drohung zurief; „Mutter, wenn du das noch einmal sagst, melde Ich dich!" Man schreibt der „Prager Presse": Was Graf Sforza über eine württembergische Schule erzählte, um zu zeigen, was jüdische Kinder gegenwärtig in deutschen Schulen erleben, ließe sich vielfach ergänzen. Hier sei eine Szene berichtet, die sich in einer Berliner Mädchenklasse abgespielt hat. Unterricht in Rassenkunde. Die Lehererin will die „typischen Merkmale der jüdischen Rasse" am lebendigen Objekt demonstrieren. Sie ruft zu diesem Zweck ein jüdischesKind vor und fordert die Klasse auf, selbst die Merkmale an dem kleinen Mädchen zu benennen. Die Schülerinnen stellen nacheinander fest: gebogene Nase, Rundschädel, krauses Schwarzhaar, volle Lippen. Dann fällt ihnen nichts mehr auf. Die Lehrerin läßt den fragenden Blick in der Klasse herumschwreifen. „Seht ihr sonst nichts?" fragt sie. Schweigen, sie sehen sonst nichts. „Nun", sagt darauf die Leherin mit erhobener Stimme, „und der verlogene Blick?" Das kleine Judenmädchen errötet tief und wird wieder in die Bank geschickt. Restaurant Tonello II, An der MarlenbrOoke Renoviert — reformiert — Preise reduziert! Normalkost-Menü 1.50 und 2.— / Im Abonnement 1.35 und 1.80 d^ATs" Vegetarische und Rohkost Neu eröffnet! „Ein Wort fehlt* . ." Aus der Tragik des Schicksals der deutschen Juden schöpften wir die Hoffnung, daß ein Neues, Erhebendes in ihre Seele einziehen werde: der Glaube an das jüdische Volk und die unzerstörbare Schicksalsgemeinschaft. Vielfältig waren die Reflexe der deutschen Juden, als ihnen ihr Judesein aufgezwungen wurde, abgesehen von jenen, die der Zionismus an die Judenheit der ganzen Welt mit ihren guten und bösen Tagen geschmiedet hatte. Jude sein und bleiben, die Parole, die nach der Außerkraftsetzung der Emanzipation in Hitler-Deutschland ausgegeben wurde, konnte über vieles hinwegtrösten . . . Aber es gab und gibt immer noch solche, die aus dem Bereich des sogenannten nationalen Aufbruches Trost ziehen wollen. Die moralischen und physischen Fußtritte, die klare Entscheidung von Millionen Deutschen, mit dem Juden nichts zu tun haben zu wollen, die Tendenz derer, die das Dritte Reich leiten, all das genügte dem unterwürfigen Assimilantentura nicht. So beklagt sich ein „deutscher Jude" in der p. V.-Zeitung nach zehn Monaten hakenkreuzlerischen Regimes darüber, daß der. deutsche Nationalsozialist für den entlassenen Juden, mit dem er jahrelang zusammen gearbeitet hat, kein Wort des Dankes, kein Wort menschlicher Teilnahme, kein Wort des Abschiedes übrig habe. Es fehlt ihm dieses Wort: „Ein Wort des Abschieds, ein Wort, das zeigt, daß die menschlichen Beziehungen bestehen, wenn auch die Verhältnisse stärker sind. Fast nirgends haben wir ein solches Wort gefunden, das doch zu nichts verpflichtet." Aber noch etwas meint der „deutsche Jude", soir dieses Wort bedeuten, und drückt das folgendermaßen aus: „Ein Wort, das viele ältere Menschen unserer jüdischen Ge* meinschaft brauchen, weil es ihnen zeigen könnte, daß. ihr Leben nioht sinnlos war." Solch ein Wort will der jüdische Zentralvereinler aus demselben Munde hören; der seit Jahren den Helden« sang „Wenn*s Judenblut vom Messer spritzt"- herdenweise gröhit. Dem deutschen Assimilanten fehlt ein Wort? Wir werden es ihm sagen. Es heißt: „Hoffnungslos..." Audi Paläslmasliteratur ♦ ♦ ♦ Die Konjunktur für Palästina-Bücher schwemmt auch einen „P a 1 äs t i n a - B e r i c h t" auf den Tisch, dessen Autor' (er heißt Kurt Stechert) sich auf dem Titelblatt — Nichtjude nennt. Diese Deklaration besagt nichts. Sie nützt und schadet dem Buch nicht. Sie ist so belanglos wie die Ansichten des Verfassers selbst, belanglos im Sinne von „unstichhältig". Der Autor entlarvt sich nämlich sehr rasch als ein Mensch, der, mit einer politischen Anschauung in der Tasche, nach Palästina gereist ist und versucht hat, die dortigen politischen, religiösen, wirtschaftlichen, kulturellen Verhältnisse in den Rahmen seiner — marxistischen Ideologie hineinzupressen. Was bei solch einem Versuch herauskommt, kann man sich nicht schwer vorstellen. Herr Kurt Stechert will nicht sehen, was sich in Palästina unter zionisti* scher, nur-zionistischer Arbeit vorbereitet. Er versucht, sowohl den patriotisch-nationalen wie auch den patriotisch-religiösen Zionismus in ein schiefes Licht zu stellen und so zu tun, als wäre der marxistische Chaluz das einzig aufbauende Element des Landes. Nationaler Wille sei Chauvinismus, religiöse Tradition sei Reaktion und Finsternis. Herr Stechert schreckt hiebei auch vor Verfälschungen und — man könnte sagen — Denunziationen nicht zurück. Beispiele von irritierendem Zuschnitt: „Die revolutionäre Kraft des Landes liegt in der jüdischen und in der langsam werdenden arabischen Arbeiterschaft." Oder: „Misrachi ist nämlich die Zentrumspartei Palästinas und zweifellos keinen Deut weniger schwarz als das Zentrum in Deutschland." „Die zionistische Organisation, die, nicht von der Arbeiterschaft beherrscht wird, versucht natürlich auf die Schule (Arbeiterschule in Tel-Awiw). ihren Einfluß geltend zu machen. Hier spielt sich ein wesentliches Stück Klassenkampf um den Menschen ab." „Die Vertreter der jüdischen Bourgeoisie in Arne- Jüdischer Wehrsport- und Schützenvereiu „Häganah". Uebungsabende in der Zentrale, Wien, IX., Nußdorferstraße 16. Montag und Donnerstag von 19 bis 22 Uhr, im Kreis West, Wien, XV., Markgraf-Rüdiger- Straße 4, Dienstag von 20 bis 22 Uhr. Alle Kameraden, die skilaufen (auch Anfänger), mögen stob in 4Ü Zentrale melden.