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Die neue Welt · 1933-12-08 · Heft 326 (8.12.1933) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 326 (8.12.1933)
Date
1933-12-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Auf diese Weise kann sie eine viel exaktere Kontrolle ausüben. Außerdem will man so die judische Landwirtschaft zwingen, in der bevorstehenden Saison arabische Arbeiter einzustellen, und zwar in einem viel höheren Ausmaße, als es bis jetzt der Fall war. All diese Maßnahmen , versetzen den judischen Jischuw in eine sehr schwierige Lage. Im letzten Jahr sind viele Menschen mit Kapitalien nach Palästina gekommen. Die meisten haben bereits ihre Projekte ausgearbeitet und sind nun daran, Wirtschaftsunternehmen, Werkstätten, Fabriken usw. zu errichten. Sie sind nun gezwungen, die Verwirklichung ihrer Pläne zu verschieben, weil keine Arbeitskräfte vorhanden sind. Viele Bauunternehmer sind gezwungen, Aufträge abzulehnen, weil sie nicht über die notwendigen Arbeitskräfte verfügen. Dieser Zustand hat den Verband der jüdischen Industriellen veranlaßt, der Regierung ein detailliertes Statement zu unterbreiten, worin der Oberkommissär auf die Ünhaltbarkeit des gegenwärtigen Zustandes aufmerksam gemacht wurde. Der Oberkommissär erklärte den Vertretern der Industrie, daß er das Memorandum in manchen Punkten sehr interessant finde und bereit sei, eine Delegation der Wirtschaftsführer zU empfangen. In den nächsten Tagen wird eine solche Abordnung beim Hierh Gommissioner . vorsprechen., <V i. Hand in-Hand mit; .diesen Maßnahmen geht die Regierung nun daranr auch die 3 od an frage .zu j,regeln". Außer den vielen Privatpersonen, die in Palästina Boden kaufen, gibt es einige von der Regierung registrierte Gesellschaften, die als Bcdenlcäüfer und -Verkäufer auftreten. Vor einigen Tagen sandte die Regierung an alle solche Gesellschaften, Zirkuläre mit der Aufforderung, Rechenschaftsberichte einzusenden, worin die Zweckmäßigkeit ihrer Existenz nachgewiesen ist. Jedem, der die Tendenz der Regierung kennt, ist es klar, worum es geht. Die Regierung will einfach den meisten dieser Gesellschaften die Konzession entziehen. Sie will den Bodenkauf der Juden auf ein Minimum beschränken. Die Verwirklichung dieser beiden Maßnahmen — Unterbindung der Einwanderung und des Bodenkaufes — bedeutet eine Stillegung der jüdischen Arbeit im Lande. All dies geschieht zu einer Zeit, wo das Land — das einzige Land der Welt — dank der jüdischen Initiative sich in einer Periode des Aufblühens befindet. Sollte jetzt eine ökonomische Krise im Lande entstehen, so wäre das nicht etwa eine Folge von Kapitalmangel oder , zu geringer Initiative der Juden, sondern lediglich ein Folge einer willkürlichen Politik der Regierung. Die ökonomische Aufnahmsfähigkeit des Landes ist heute sehr groß. Der Nutzen für die Araber ist jedem ersichtlich. In keinem arabischen Lande lebt die Bevölkerung so gut wie in Palästina. Dank diesem Umstand ist Palästina geradezu ein Immigrationsland für viele tausende Araber der Nachbarländer geworden. Aus Marokko, Sudan, Transjordanien strömen Araber nach Palästina, wo sie Arbeit finden. Es ist jedem klar, daß das Motiv von der Aufnahmsfähigkeit des Landes nur dazu geschaffen worden ist, um den Prozeß der Judaisierung des Landes zu untergraben. Welche Konsequenzen ergeben sich aus dieser Situation für die zionistische Organisation und für den Jischuw? Der Jischuw hat eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Er hat ruhig und besonnen auf der Wacht zu stehen. Und wirklich, die Haltung des Jischuw verdient Anerkennung. Es sind Mittel und Wege geschaffen worden, um sich nicht von den Maßnahmen der Regierung kleinkriegen zu lassen. Der Hauptteil des Kampfes muß von der Galuth, und zwar von einer starken, alle, umfassenden zionistischen Organisation geführt werden. Gerade in diesen schweren Augenblicken kommt es sJJen zum Bewußtsein, welch schwere Fehler der 18. Zionistenkongreß begangen hat, indem er eine einzige Gruppe Jmit der Füh; ng der Bewegung betraut bat Die Exekutive ist sich heute dieser Tatsache be- .wußt. Wird sie daraus die Konsequenzen ziehen? Das ist 4ie Frage» die der Jischuw stellt Judenstaatspartei Mittwoch, den 13. Dezember, 7,9 Uhr abends, im Saale des Heimes, II. Untere Augartenstraß« 38 Große Makkabäer feier AUS DEM PROGRAMM : LchterzUnden, Festrede Rabb. Dr. Zwi Kanner / jüdische und hebräische Lieder F>1. Lewickaja / Gesang M Lichtmann / Rezitationen Karenvormeikung: Adm. der „Neuen Wel M, II, Untere Aiigartenstraße 38, Tel. A-45-6-34; Frau Paula Stricker, Tel. A-4vl-b9 Touristenjagd in Palästina Aus Jerusalem: Die Verfolgung der „illegal" Eingewanderten in Palästina nimmt immer mehr organisierte Formen an. Tn Tel-Awiw wurde unter der Leitung des Polizeiinspektors Robinson, eines englischen Ariers, dem jüdische Polizisten unterstellt sind, eine spezielle Abteilung zur Ausfindigmachung und Festnahme von Touristen eingerichtet. Die oberste Kontrolle über die Touristenverfolgungen hat weiterhin Herr Spies, der Assistent des Jerusalemer Polizeioberinspektors Alfred Riggs. Spies hat sich wegen seiner Praktiken bei der Touristenverfolgung so verhaßt gemacht, daß er bei seinem fiesuch in Tel-Awiw von der Menge tätlich angegriffen wurde. In der Jaffastraße zu Jerusalem, wurde, ein . Mann beim Plündern des Auslagefensters eines Juwelierladens, erwischt. Der Dieb wurde als Spitzel erkannt und von der Menge der Polizei übergeben. Auf Intervention des Oberinspektors Riggs wurde er aber bald gegen Kaution freigelassen. Den Einwohnern Jerusalems und Tel-Awiws sind •Spitzel bekannt, die im Dienste der Polizei arbeiten. Wegelagerer fordern Vorbeigehende zur Ausweisleistung auf und versuchen, „Illegale" zur Polizei zu schleppen, um sich die ausgesetzte Belohnung von wenigen Schillingen zu verdienen. Direktor Noyomeysld warnt die Regierung Aus Jerusalem: Der Direktor der Tote- Meer-Konzession M. Novomeyski warnt in einem von der „Palestine Post" veröffentlichten Artikel die Regierung vor einem Festhalten an ihrer kurzsichtigen Politik in der Einwanderungsfrage und schreibt, diese Politik sei dazu angetan, eine Wirtschaftsstok- WEIHN ACHTSR EISE nach OW a "ÄhI TOT M i Wf^A JL^Sk . -'und- .....•' ••'; '• ••':' : •'• " " CZERNOWETZ Sonder D-Zug. Platzkarte. Samroelpaß. Ab'ahrt: Donnerstag £\ "Drzehibet, H'aü Uhr. Rückkunft: Mo tag «. iJtnnei Auskünfte und Prospekte: kcisedie s , Czernowltzer Allgeme<no Zoltunn". I, chulei siraße 1— 3 < D r i Wiener Tag"< Telephon R-21 6-78 und Polri. Veikenfsburo „Froncopol *. >il, Rennweg I, lelephon U-1C-4-90 Anmeldungen täglich von tf bm 18 Unr k.ung herbeizuführen. Schon im Jänner d. J. machte sieb: ein Mangel an. qualifizierten und halbqualifizierten Arbeitern bemerkbar, Ende August konnte man schon von einer Arbeitskrisis sprechen; die Totc-Meer- Gesellschaft (Palestine Potash Company) konnte wegen Mangel an Arbeiterhänden ihr beschlossenes erweitertes Arbeitsprogramm nicht durchführen. Ende September wurde die Lage unhaltbar. Die Gesellschaft sah sich genötigt, nicht jüdischer Arbeiter einzustellen, die aber nicht genug qualifiziert sind. Zahlreiche industrielle und andere Unternehmungen blicken mit Sorge in die Zukunft Infolge des Steigens der Arbeiterlöhne ist die Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Auslande bedroht. Erfahrene Industrielle kommen aus Deutschland, Oesterreich, Tschechoslowakei und Amerika, um Kapitalien zu investieren, angesichts des Arbeitermangels müssen sie aber von der Einrichtung neuer Betriebe absehen. Die natürliche Entwicklung des Landes erfährt eine gefährlich - Hemmung, die zu einer JLähmung führen kann. Die Regierung trage eine schwere: Verantwortung. Sie möge dessen eingedenk sein. 200.000 Beduinen in Palästina? Aus Jerusalem:" Im „Doar Hajom" stellt Abraham Haruwenl, ein Bruder des Präsidenten des Waad Lcumi Ben Zwi, fest, daß von 1922 bis 1928 sich die MoslembeVölkerung um 70.000, die christliche um 6000, von 1928 bis 1931 aber die Moslembevölkerung um 100.000, die christliche um 12.000 Seelen vermehrt hat. Der natürliche Zuwachs der nichtjüdischen Bevölkerung hätte nicht mehr als 4 2.0 0 0 ausmachen können; dieser wird aber um 100.000 Seelen überstiegen. Dies sei nur daraus erklärlich, daß Beduinen aus Trans Jordanien, Syrien, Irak, Hedschas und Aegypten eingewandert sind und Arbeitsplätze eingenommen haben. Eine gleiche Zahl sei in den Jahren 1932 und 1933 eingewandert. Dieser Zustrom bilde einen wichtigen Faktor in der Berechnung der arabischen „Arbeitslosigkeit", die bei der Bemessung der jüdischen Einwanderung von der Regierung mit ins Kalkül gezogen wird. Sie kennen -'bestimmt ToneUo, aber Sie wissen nicht, wie billig Sie jetzt dort speisen können. Restaurant ToneUo, Wien, II,, An der Marienbrücke. E 1 Melden Sie sich raschest zur nächsten Polen-Reise am 23, Dezember, 10 Uhr abends im Reisebüro „Marienbrücke", I., Rotenturmstraße 26, Tel. R-24-2-S6 Uttd R-24-2-87. E Die Tagespresse zur Ze t der Makkabäer* Von Dr. Israel Zwi Kanner Im Jahre 590 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung predigte der Priester Jeremias auf dem Marktplatz zu Anatoth dem Stamm Benjamin Abkehr von den Götzen. Wegen seiner scharfen Worte wurde er von jüdischen Händen ergriffen und zur Schlachtbank geführt. Im Jahre 167 v. d. g. Z. hielt der Priester Mathatias vor dem Stamm Benjamin in Modin gleiche Predigt. Der Erfolg war, daß die Lauschenden sich aus tiefster Erniedrigung erhoben und als Gleichgesinnte an seine Seite stellten. Was war im Zeitraum zwischen Jeremias und Mathatias vor sich gegangen? Jeremias hatte vor Juden gesprochen, die das Exil, die Verbannung noch nicht kannten. Mathatias aber hatte vor Nachkommen von Exulanten gesprochen. Darin besteht der tragische Unterschied. Zu innerer Sammlung kommt es bei Juden erst nach einer äußeren Katastrophe. Zur selben Zeit, als das kleine, unansehnliche Judäa gegen die Riesenschlange Syrien ankämpfte, zur selben Zeit wehrte sich Karthago gegen die Uebermacht Roms. Welch Unterschied in der Behandlung dieser beiden g&- schichtlichen Ereignisse! Während jede einzelne Täf Hahnibals, Roms und Karthagos dem Schüler geläufig sein muß» weiß vom Kampf Judas selbst der jüdische Schüler oft kein Wort. Gleichwohl ist auf die Entwicklung der Menschheit der Einfluß der Makkabäerkriege von einer ungleich größeren Bedeutung als die Kämpfe der beiden Städte. Die Makkabäer zogen das Schwert ebenso für ihre, geistigen wie für die nationalen Güter, während sich dort nur das Ringen der rohen Kräfte abspielte. Und deshalb sind die Makkabäer nicht bloß jüdische Helden. Sie sind Männer, welche für alle monotheistischen Religionen bohe weltgeschichtliche Bedeutung besitzen. Von nun ab nimmt die jüdische Religion an Ansehen zu und wird In späterer Folge zur Wiege aller anderen. Um das Jahr 149 berichtete die Tagespresse In Extraausgaben und Riesenbuchs^ben..vpnrdem4ge^al^g^n Kampf der G^wheu, und- Römer . gegen iiüeV Rasse. Der Kampfplatz gliederte sich in zwei Fronten: in eine afrikanische und in eine palästinensische. V>lQ Karthager erblickten um das Jahr 146 im Kampf gegen die Römer das Abendrot ihrer Geschichte. Sie, die .von ihrem Mutterland Phönizien sich weit entfernt hatten, gingen endlich zugrunde. Die Römer obsiegten im Weste n. In jenen Jahren aber erklärte die Familie der Makkabäer, die sich an die Spitze des jüdischen Volkes gestellt hatte, den Griechen im Osten den Krieg. Die griechischen Könige hatten anfangs die Kraft Judas unterschätzt und ihm bloß Unteroffiziere entgegen* gestellt. Als aber die Macht Judas sich bemerkbar machte, rückte der König selbst , heran. Es kam zu einem gewaltigen Ringen. Die Juden obsiegten im O s t e n. Juda aus dem Haus der Makkabäer war bloß Krieger. Er mußte die angehäuften Verbrechen mit den* Sehwerte beseitigen. Sein Nachfolger" Jochanän war bereits Diplomat. Er konnte schön durch ruhige, unblutige Verhandlungen den jüdischen Staat sicherstellen. Die beiden Brüder hatten also der Welt jüdische Krieger und jüdische Politiker gezeigt. Welch Wunder nun, wenn Simon sich den Griechen als Repräsentant des jüdischen Volkes, als Kämpfer und Diplomat in einer Person, als erster jüdischer König nach dem Exil zeigen konnte! Kein Neid und keine Eifersucht herrschten: unter den Brüdern. Jeder wartete, bis die Reihe der Herrschaft an ihn kam. Denn sie wollten das vermeiden, woran das jüdische Volk stets krankte: die Zersplitterung durch verschiedene Führer. Sie waren diejenigen, die wirklich einen Judenstaat schufen. (Bis dahin gab es zwei jüdische Staaten, die durch ihre Spaltung den Keim des Untergangs in sich trugen. Deshalb war es auch den Feinden ein leichtes, einzelne Stämme anzugreifen. Aber es kam der Augenblick^ wo die Weltpresse Palästina als Feste bezeichnen mußte, deren Wächter die Makkabäer seien, um deren Gunst man buhlen müsse. Oft kämpften die Makkabäer um Positionen, von denen sie wußten, daß sie verlieren werden: sie sollten nicht kampflos in die Hände der Feinde fallen. Die Kampfesweise der Makkabäer diente in späterer Zeit manchen Völkern als Muster, und selbst nach mehr als zweitausend Jahren sehen wir die Buren in Südafrika, wenn auch nicht mit dem gleichen Erfolg, die Taktik der Makkabäer anwenden und sie bis ins kleinste befolgen. Diese und jene wurden von einem Teil der Tagespresse Rebellen genannt, die Geschichte registriert sie unter lern Schlagwort: Nfttionaltruppen, Nationalhelden. Oberbaurat Rober^ Stricker und Frau gratu* lieren Fräulein Cilli Eisenberg anläßlich ihrer Verlobung aufs herzlichste.

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