Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 326 (8.12.1933)
- Date
- 1933-12-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 Groschen Jahrgang 7 Freitag/ den 8* Dezember 1933 Nr* 326 V+fcfc* Zeitung vom Verleger verfendei «-»nal expeMie par rMite«?*. •,un VU BEZUOSBEüINÜUNÜEN: Oesterreich monatlich S IM. vierteljährig S4.20 sänzjährta: S16.-; Polen monatlich Zloty;2.-, vwrteliäliri« Zloty 6.~ Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc 15.-; Ingoslawlen monatlich Dinar 14.-, vierteljährig Dinar 40.—; Rnmlnlta monatlich Lei 40.-. viertellähriR Lei 120.-: OentschlHitd monatlich Mark 1.—, vlerteliähriiz Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa,40.-, vierteljährig Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 5.-. vierteljährig Lire 14.-; Schweiz und die übr igen Lander monatlich Schweizer Francs 1.30. vierhri» iährif» Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, Tel. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag ■■■■■ ' y ' ' s—^-^T REVUE Wohin I Solange es vorkommt, daß auch nur ein einziger Mensch hungert oder in seiner Lebenshaltung nicht gesichert ist, so lange taugt die ganze Gesellschaftsordnung nichts... Popper-Lynkeus. Der Sozialismus marxistischer Prägung in allen Beinen Abarten, von der gemäßigten Sozialdemokratie im Westen bis zum Bolschewismus im Osten, erlebt jetzt seinen ideellen und faktischen Niederbruch. In der Zeit nach dem Weltkriege ist in vielen Ländern West- und Mitteleuropas die Regierungsgewalt ganz oder zu maßgebendem Teile den sozialistischen Klassenkampfparteien überantwortet worden. Sie wurden so in "die Lage versetzt, ihr Programm praktisch in Anwendung zu bringen, und haben versagt. Sie haben hier und dort das staatliche und kommunale Fürsorgewesen gut oder schlecht reformiert, aber darüber hinaus nichts geleistet. Es ist ihnen nirgends gelungen, die Wirtschaft in «ozialitsischem Sinne um-, zuformen'oder gar die Wirtschaftskrise zu beheben.. Die Unfähigkeit des marxistischen Sozialismus, die Lebenshaltung der Massen zu heben, tritt gerade dort in augenfälligste Erscheinung, wo er die politisch© Macht ganz unbeschränkt behalten hat, wo es keine Gegenkraft gibt, die ihn an der Verwirklichung seines Planes hindern kann, in R u ß 1 a n d. Nach sechzehnjähriger -: absoluter Herrschaft marxistischer Sozia-. listen — - hungrige, verelendete Massen, über ihnen eine mit der-politischen ■ Macht .ausgestattete bürokra-.. tische und militärische, Qberschicnt. A$x£ keinem Gebiete -I5ce|he4^3l^c»ll .veiserneiv. blutiger-Zwang. Das in^rjc i s,t *sjo h e R uMft n;&,;i^^^V^-^^i^ Wirkung mit demrza i?i sMs-c'Ü;jB:»*^Äe^i3tiJi®fe"'\«- Öj*^1 'iac und die Großfürsten sind? abgetreten, Stalin, und. <Üte Vojfcskommissäre nehmen ihren. Platz( ein.. Ein, hungriges.; - geknechtetes Volk lebt weiter r in Hunger, und Knechtschaft. , <; : .: TJeberall wenden sich die-Massen enttäuscht von; der sozialistischen Bewegung - ab; allen, voräri die' Jugendlichen. Der zerfallende marxistische Sozialismus' ist-Nährboden reaktionärer, auf dem Grundsatz der> Diktatur, der Herrschaft weniger über viele beruhender Parteien geworden, denen jetzt die' Enttäuschten" * als leichte, billige Beute zufallend Dem Irrtum des* Marxismus folgt die politische und soziale Reaktion/ . . . Diese , Erscheinung gibt auch in Hinsicht auf ihj£e Wirkung im j ü d i s c h e n " Lager zu großem Beäeriken. Anlaß. Der Zusammenbruch des marxistischen -Sozialsmusmuß auf, die geistige Verfassung der Juden noch erschütternder wirken als anderswo, weil hier seine geistige^ Herrschaft'am-stärksten ge-r gründet war. Im letzten Jahrzehnt hat ein vehementer. Zulauf von Juden zum. marxistischen So>aaüsmus fitattgefunden. Nicht nur die-breiten Massen sind in diese Bewegung geraten. Der S a 1 o n- und G.e 1 e h r-, t e n - M a r x i s m u s,. der Salon-Bolschewismus, hat; unter den Juden stärker grassiert als anderswo, ja, er wurde: zu einer jüdischen Spezialität. .Und was; das Bedenklichste;ist: Die;j ü'di s \c h;erJug;end ist fast ausschließlich in marxistisch-sozialistischem Geiste erzogen worden,/bistieft hineinin die: n a t i on a 1». jüdischen und zionistischen Reihen. Was wird hier werden?-Wie wird sich hier die Enttäuschung auswirkenden der Form gewiß anders als in der nicht jüdischen Umwelt. *In den Reihen hinter den Diktatoren und den Mähhern, welche die Diktatur anstreben, ist kein . Platz für Juden. Die Ausschaltung des - Marxismus ist" fast überall mit a n t iaemitisöhen,>' auf Ausschaltung des jüdischen Elements gerichteten Tendenzen verbunden. Aber im Wesen, in geistiger Beziehung droht auch ■ hier der tjmfall von einem Extrem ins andere. Es besteht auch hier, bei den Juden, die Gefahr, daß breite1 Schichten, und vor allem die Jugend, nach der marxistischen Enttäuschung einer geistigen Reaktion verfallen, daß auch hier der Sinn für soziale Gerechtigkeit und die Achtung für die Freiheit des Einzelmenschen verschwinden werden. Schon hört man in manchen Kreisen de3 jüdischen Lagers bittere Ausfälle gegen die „Demokratie" als Idee von der Freiheit des Individuums. Schon beginnen sich viele — darunter solche, welche noch gestern die „nichtswürdige" Gesellschaftsordnung zertrümmern und nach marxistischem Rezept umformen wollten — mit dieser Gesellschaftsordnung stumpf abzufinden. Man beginnt die Unterdrückung der Freiheit des Individuums und Hunger und Verelendung der Massen als unabänderliche Dinge hinzunehmen, mit denen sich zu beschäftigen nutzlosen Zeitverlust bedeutet, ja, man beginnt diese Erscheinungen als naturgewollt, gottgewollt, zu respektieren. Das Hinabgleiten des' jüdischen Menschen in politische und soziale Abstumpfung muß Kbrrumpierung und Niedergang des Judentums nach. sich ziehen. Ein Judentum ohne Gefühl für die Heiligkeit , des Rechtes des Einzelmenschen'und der Völker auf Freiheit und Brot hat sich selbst sein Urteil gesprochen. Ein Judentum, das sich den ' Strömungen einer verwilderten Zeit hingibt und an" politischer Vergewaltigung, sozialer. Knechtung und wirtschaftlicher Verelendung der Menschen und Völker stumpf vorbeigeht, hat den Anspruch darauf Veribren; Gerechtigkeit und Freiheit für sich zu fördern. Daran sollen in ersterLinie jene denken, die nach nationaler Aufrichtung und Befreiung des "jüdischen- Volkesstreben, in erster Linie die Zionisten; Irrweg^ W6Mn ' njfcnv? Vom falschen j&disi Prophetenfznin^ Prikten. In derselben Stadt, in welcher Theodor Herzl wirkte, und;zur gleichen Zeit hat ein jüdisches Genie des v Herzens und des Geistes, J o s e f!P o p p e r- Ly n k'e'u s, die Lehrer von der ^Nälirp^tclijt"| ver-; kündeti; Zwei Sätze stalte er seinem Werke voran." Zitierst den Satz: '„Die Welt; igt um j e d e s. e i n z e lr' nen Menschen willen erschaffen." Grundsatz einer gesitteten Gesellschaft muß die unbedingte - Anerkennung der Heiligkeit des Lebens und der Freiheit jedes Einzelmenschen sein. Popper-Lynkeus ist Gegner jedes körperlichen und geistigen Zwanges» Er ist gegen den Zwang zur Kriegsdienstpflicht« Auch hier soll der Mensch frei in seinem Handeln seih. Er ist gegen den geistigen Zwang, wie ihn die streitbare Kirche und gleicherweise der Marxismus ausüben,* indem sie den Menschen unter Anwendung von Zwangsmitteln eine bestimmte Art des Glaubens und1 Den« kens aufnötigen wollen. 1 Und dann der Satz: „N i c h t s w ü r d i g - ist eine Gesellschaftsordnung, welche auch nur einen Menschen hungern läßt!" Das Recht auf Nahrung^ Kleidung, Obdach und sonstige unumgähgliöhe Lebensnotwendigkeiten ist ein jedem Menschen a rigeborenes, unveräußerliches^ und unantastbares Recht. Um a 11 e n Menschen die Lebenshaltung zu; . gewährleisten, stellt' der^ Staat^di£ ,|N ä h r-a r ni e e" auf, in welcher jeder i Staatsbürger eine2 bestimmte Zahl von Jahren zu dienen, das heißt an der Erzeugung der notwendigen Lebensmittel für alle -zü arbeiten hat. Nach Ablauf dieser Dienstpflicht gegenüber der. Allgemeinheit ist der Staatsbürger frei. Er: hat hiedurch auch seinerzeit' den Anspruch/ auf t?»ir friedigung. seiner . Lebensnotwendigkeiten durch :deV Staat erworben und kann nun leben und arbeiten; wie '; er will. Nur so kann eine Ordnung der Gesell eitstehen, in. welcher es: keinen Z^arig; Hunger, also keinen ständigen Anreiz zu mörderis^nifch^ Kämpfen .z^s^henJ.Vöikerii, Kund Manschen' gibt; ' ~'" :pie ■ jüdische Gesellschaft'"* n^t'?&n;,r JS^ei^-be^.: ~" ^"J r ^^^'^f^S^, vor den Tiiimn^ern' emes,^v^stems, ratlos fähr, ins Leere oder in politische und.''w^'^w^; iu sink^en^.Derj^^g zur Rettung.'der jüdischen —^und .mit ihr >des Judentums,— aus geistigen* und sozialem Chaos liegt, offen dia. Er führt vom falsch«« jüdjisc^f»:Pro^^t,en_ .zum echten jüdischen'Prophteteh, von Karl M&^k.'Jsa J ose f P o p per - L y n k e u s. i: i'• ■'■''.);;,i Bobert Stricker.. Der EmKanderung§*SkandaI m Palästina Arbeitende Juden werden verjagt -r- Arbeitslose Araber aus Transjordanien, Syrien, Irak, Hedschas und. Aegypten werden ins Land eingelassen -; i Die Bemühungen der britischen Palästina- Regierung, den elementaren Zustrom von Juden nach' Palästina zu hindern, äußern sich in immer brutalerer Form. -.Das Märchen von der mangelnden'.'Fassungskraft ' des. Landes ist zusammengebrochen,' a 11 eJuden arbeiten und doch herrscht M a n g e 1 a n" Arbeitern. Da hat die Regierung zu einem teuflischen Plan gegriffen. Sie - läßt verelendete arabische 'Beduinen und Fellachen aus - dem A u s 1 a n d e in Scharen nach Palästina, erzeugt künstlich Arbeitslosigkeit, alles, um einen Vorwand gegen die jüdische Einwanderung zu haben. Es besteht die Gefahr, daß die antizionistische Regierung schließlich noch eine Wirtschaftskrise überdas jetzt blühende jüdische Palästina - heraufbeschwören wird. •' Vor großen politischen Entscheidungen (Brief aus Palästina) Jerusalem,. Anfang Dezember. '■ -1 Die politische Situation in Palästina-ist nach wie vor .ernst. [ Der neue Kurs der Palästina-Regierung, der Three §fars' IIOK§ HÖCHSTER QUALITÄTEN Basdi/ IV/ Argentinierstraße 22 * Tel. Serie U-47-5-40 7 '^ i' I! r im Grunde g'ehommeh eine Fo^rt^e tzu'ng '-d-e'l* Passfieldschen Politik bedeutet; wird mitvää|eii: Mitteln - 'fortgesetzt.; Der- Kampf gegen die - Touristik bekommt ' systematischen ' * Charakter. - Wohl - ist:rsich \ die/: Regierung - dessen - bewußt, 1 daß ' es ihr nicht' gelingen? wird, nur den Grx>^teil: der sogenannten „iUegälen'1, Bin-, wanderer aus, dein Lande zu: schaffen,'abe^ die 'Praxis,?die sie anwendet, wird zweifelsohne viele Hunderte, -j8i"/^R»l*i. leicht Taüsen'de trjpffen. Es steht auch' außerr Z^rSifeV daß die Regierung ihren Maßnahmen noch^ ein an^iefres Ziel verfolgt; einen-* weiteren Zustrom7 vonv Töuris^eh^aai verhindern. Bis vyfa heutigen Tag hat' die Re^erun^über 170 Ausweisungsbefehle erteilt. 'Außerdem Versendet'-sie an alle'ihr bekannten,-im- Lahde sich' aufhaltenden Touristen, deren Aufenthaltsfrist zu Ende geht,^die 'schriftliche Auf forderang,c nach Ablauf ihrer Visa dw '-Land^?iu verlassen,' widrigenfalls sie zwangsweise ausgewiesen ^rürden. Solcher „Äufförderungen" sind bis nun-über 3Q^0 ergangen. Die „Razzien" werden fortgesetzt, " die " Aufgegriffenen werden arretiert und warten auf ihre^- Abschaffung. - » . : V '■ ' ' ■ Die Durchführung dieser neuen Bestimmungen - hat zu manchem Konflikt 'zwischen dön' Organen der-slmftiigration und der Regierung geführt.- So * bestätigt! stäa z. B. die Meldung von: der. Demissioia"des Heiro M i i'ifl e n, eines-hohen Beamten^des immigrätionsdepartements^der sich angeblich gestattet hat, der'!Regierung 'nahezulegen', sie möge. die neuen Bestimmungen . nicht mit äußerster Rigorosität durchführen! Ja, es verlautet^ daß sogar. Herr Hyaraso n, der Emwanderangskominissär sein ' Anat werde verlassen müssen, da er keine Gewähr dafür'biete; daß die neuen'Bestimmungen nach Wünach^der Regie'ruug ausgeführt werden.' Es ' wird hier mit Bestimmtheit; angenommen, daß die jüngst erfolgte Aehderahg-inv Privat- Ahe im rcdaktninellen TeilJ beiindltchen entv(e^* liehen "Soti^o sind durch «»n beijfetüute»'E b«44i9Mfl