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Die neue Welt · 1933-12-01 · Heft 325 (1.12.1933) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 325 (1.12.1933)
Date
1933-12-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 325 DIE NEUE WELT Seite 7 Palästina und die politische Wirklichkeit Allmählich erst beginnt die jüdische Welt das, was die Maßnahmen der Palästina-Regierung in bezug auf die jüdische Einwanderung bedeuten, in seinem ganzen Umfang zu fassen. Auf eine Epoche der Empörung und Erbitterung folgt die Zeit kühler, sachlicher Ueberlegung, des klaren Bewußtseins des Rechts und damit zugleich des unbedingten Willens, diesem Recht Geltung zu verschaffen. Und noch etwas hat der momentane antizionistische Kurs der britischen Palästina-Politik erwiesen: die Tatsache, daß der zionistische Oedanke, Herzls große Schöpfung, aus den Merzen und Hirnen der ganzen Judenheit nicht mehr eliminiert werden kann, daß man jeden Schlag, der dem jüdischen Nationalheim, dem kleinen Stück palästinensischer Erde versetzt wird, als Schlag gegen sein eigenes Stück Leben, gegen sein teuerstes Herzensgut empfindet. Im Glutfeuer historischen Geschehens hat »ich der Zionismus als unverzehrbar, unvemlchtbar erwiesen. Er hat wieder einmal seine Unzerstörbarkeit der Welt vor Augen geführt. Im Glutfeuer historischen Geschehens, im Hexenkessel böser Gewalten ... Seit einigen Tagen erfahren wir von den verschiedenen Interventionen des jüdischen Jischuws beim Oberkommissär. Wir hören wieder davon, daß die zionistische Exekutive In der Lage sei, gegenüber den britischen Einwendungen die Notwendigkeit kontinuierlicher, breiterer Einwanderung mit Ziffern zu belegen; wir lesen von praktischen Vorschlägen, die der jüdische Nationalrat Palästinas dem High Commissioner in bezug auf die Kontrolle der Immigration unterbreitet hat. Wir lesen ferner von weitgehenden Erklärungen jüdischer und britischer Funktionäre betreffs der Aufnahmsfähigkeit des Landes. Aber eines fehlt uns vorläufig in all diesen Dingen: ein wohlwollender Reflex seitens der englischen Palästina- Verwaltung und der britischen Regierung. General Wauchope in Jerusalem hat die jüdischen Führer mit viel Interesse angehört. Er hat aus Ihrem Munde vernommen, daß gerade die zionistische Arbeitsmethode Raum für alle jene Möglichkeiten geschaffen hat, die sich nun zugunsten aller Einwohner Palästinas, also eben auch der Araber, ergeben. General Wauchope hat aber nicht mit einem Kompliment für die jüdische Initiative und geleistete Arbeit reagiert, sondern die — sagen wir es rundweg heraus — zynische Hoffnung ausgesprochen, die zionistische Exekutive werde mit ihm zusammenarbeiten, damit die „ungesetzliche" Einwanderung in Zukunft unterbleibe. Solch eine Zumutung zeugt wahrlich nicht von großem Respekt der Palästina-Regierung vor der zionistischen Leitung. Auch der Reflex in London ist vorläufig nicht sehr ermutigend. Dort wurde der Kolonienminister Cünliffe-Lister über verschiedene Palästina- Fragen interpelliert und wußte nicht viel mehr zu sagen, als daß die Errichtung eines Parlaments, eines Legislative Council bevorstehe, wobei er sich auf das berüchtigte Passfieldsche Weißbuch vom Oktober 1930 berief, auf jenes Statement, das unsere Exekutive als längst überholt der jüdischen Welt deklarierte. Im Kreuzfeuer der Anfragen im englischen Unterhaus gab der Kolonienminister, der Chef Wauchopes, höchst verdächtige Antworten. Nicht minder verdächtig war das, was er unbeantwortet ließ. Auf die Frage des Abgeordneten Barnett J a n n e r — wir wollen hier diese eine Frage herausheben — wie es sich mit der Einwanderur <* von Arabern aus Transjordanien nach Palästina verhalte, erwiderte der Kolonienminister, diese Einwanderung zu verhindern, würde de»', Bruch des Mandats bedeuten. Auf die weitere Frage Janners, ob ihrerseits Juden aus Palästina ungehindert nach Transjordanien einwandern könnten, erteilte der britische Kolonienminister keine Antwort. Wir kennen diese Methode des Schweigens schon aus den Tagen des Oberkommissärs Chancellor und des Kolonienministers Passfield. Der Reflex in London ist also vorläufig negativ. Er beweist uns, daß die englische Regierung bei der einseitigen Auslegung der Mandatsbestimmungen verharrt, ja daß sie versucht, die revoltierenden Araber auf Kosten der jüdischen Bevölkerung Palästinas zu besänftigen, ja zu belohnen. Aber es gibt schließlich im Bereich der Palästina- Politik noch einen dritten Faktor — jenen großen Teil des jüdischen Volkes, das alle seine Anstrengungen auf die Errichtung des jüdischen Nationalheims konzentriert, wofür er bereits die schwersten Opfer gebracht hat. Der Reflex dieses Faktors ist allerdings ermutigender. Dieser Teil des jüdischen Volkes hat auf die brutalen und mandatswidrigen Maßnahmen der Palästina- Administration betreffs der sogenannten „illegalen" Einwanderung, insbesondere der Landesverweisung von Juden, die bereits im Wirtschaftsleben Palästinas Fuß gefaßt haben und dem Land nur Nutzen bringen, mit »türmischen, offenen und energischen Protesten reagiert. In allen jüdischen Zentren der Welt haben die zionistisch Führer in Massenversammlungen auf die Gefahren hingewiesen, die dem gesamten Aufbauwerk durch den gehässigen Formalismus der palästinensischen Behörden drohen, und die strikte Durchführung der völkerrechtlich fundierten Mandatsbestimmungen verlangt. Der palästinensische Jischuw ohne Unterschied seiner spezifischen politischen Einstellung ist in der Ablehnung der britischen Kolonialpraxis einig und wird versuchen, durch geschlossenes Auftreten gegenüber der Administration eine Aenderung der neuen Einwanderungspolitik herbeizuführen. Dieselbe Tendenz zeigen uns die Massenversammlungen mit ihren Protesten in der ganzen Welt. Man muß sich nicht Illusionen hingeben, wenn man annimmt, daß sich unter dem kontinuierlichen Druck einer geschlossenen nationalen Front, unter der Wucht eines stabilisierten patriotischen Zionismus in der teils feindseligen, teils indolenten Haltung der britischen Behörden eine Wandlung vollziehen wird. Die zionistische, für den Aufbau des jüdischen Nationalheims verantwortliche Welt ist im Begriffe, mit verstärkter Aktivität hervorzutreten. Sie wird es um so leichter können, wenn sie das Mißtrauen beseitigen wird, das gegenüber der gegenwärtigen zionistl- IflNOPROORAMME fl| Hm DIESER WOCHE W I, Wollzeile 17 Tel. R-24-2-16 KREUZ-KINO Vom 1. bis 8. Dezember 1933: «»Der geheimnisvolle Reiter" Nach dem berühmten Roman von Zane Orey Sonn- und wochentags: 4, 5.45, 7.30, 9.15 Uhr SCHWEDEN-KINO Vom 1. bis 4 Dezember 1933: »Zwischen gester« und morgen' mit Sylvia Sidney. Ab 5. Dezember: „Ein Königreich für ein Herz" mit ClaudeUe Colbert, Frederic March Beginn wochentags: 8/45, 7. V,l<) Öhr. Sonntags ab 3 Uhr sehen Exekutive herrscht. Männer, die Jeden Entschluß davon abhängig wachen, ob er ihren Klasseninteressen dient, Männer, div sich dieenglisch-arabische Legende von r einer „illegalen'!, jüdischen Einwanderung selbst zueigen machen, sind zur Führung eines Kampfes um das judische Recht auf Palästina nicht sehr geeignet. Nichts ist unter den heutigen. Verhältnissen dringender als eine Klarstellung der innerzionistischen Verhältnisse, d. h. eine Umgestaltung der gegenwärtigen zionistischen Exekutive. Die Parole von der geeinten nationalen Front muß alle anderen Bestrebungen in den Hintergrund rücken. Gleichzeitig aber ist es notwendig, im Bereich der Mandatarmacht selbst zu neuen Methoden der Propaganda zu greifen. Wir werden das, was die zionistische Exekutive der Great Rüssel Street ein Jahrzehnt lang versäumt hat, in raschem Tempo nachholen müssen: Die öffentliche Meinung Englands aufklären, die britische Macht in Palästina bei Durchführung mandatsgerechter Maßnahmen gegen die Feinde des Zionismus unterstützen, die Stellung der Mandatarraacht gegenüber jenen Elementen festigen, die sich die Untergrabung von Balfour-Deklaratlon, Mandat und Völkerbund zum Ziel gesetzt haben! Die jüdischen Massen sind auf dem rechten Weg, wenn sie von öffentlicher Tribüne ihr Recht auf Palästina fordern, wenn sie eine geschlossene nationale Front der schändlichen Politik der Palästina-Regierung entgegenstellen. o. r. Rund um die Arlosoroff* Aktion Mißliche Feststellungen. — Bin olfener Brief an M. M. Ussischkin. In der zionistischen Welt gibt es niemand, der seine Stimme der Ehrung des ermordeten Dr. Chaim Arlosoroff verweigern würde. Nichtsdestoweniger machte sich sogleich bei der Inaugurierung der Arlosoroff - Aktion, der Mlphal-Arlosoroff, in verschiedenen zionistischen Kreisen Mißtrauen geltend, da hinlänglich Grund vorhanden war, eine parteiische Verwendung des Fonds anzunehmen. Auf dieses Mißtrauen ist auch das schwerfälligeTempoderAktion zurückzuführen, sowohl in Palästina wie auch in den Galuth-Ländern, wo die Vorherrschaft der klassenkämpferischen Histadruth als äußerst drückend und entmutigend empfunden wird. Tatsächlich hat sich die Zionistische Exekutive veranlaßt gesehen, die Arlosoroff-Aktlon in allen Ländern bis 2mm 1. Dezember (statt 15. November) zu verlängern. In Palästina ist die Verstimmung gegen die „Linken" weiter im Wachsen, Sogar der über allen Parteien stehende M. M. Ussischkin, der Leiter des Keren Kajemeth, Zionistisches Jugendseminar Veranstaltet von der Judenstaatsjugend Dienstag, den 5. Dezember, nra halb 8 Uhr abends, findet im Helm, II., Untere Attgartenstraße 38, der 5. Vortragsabend statt. Thema: Zusammenfassung der bisherigen Vorträge. — Diskussion. Jugendliche Gäste unterschiedslos willkommen! Marinka Erzählung von Cftt. N. Bialik beginnt wegen Raummangels erst von der nächsten Nummer ab zu erscheinen. wird in den politischen Kampf hineingezogen und muß, nach 30jähriger parteifreier Tätigkeit für den Jüdischen Nationalfonds, den Vorwurf, er habe den heiligen Fonds des jüdischen Volkes einer Partei ausgeliefert, über sich ergehen lassen. Es geschieht dies in einem Offenen Brief, den der „Hazioni Haklali", das Organ der Allgemeinen Zionisten Palästinas, in seiner Nr. 44 veröffentlicht und der von einem Jugendfreund Ussischkins namens Raskin gezeichnet ist. Nachdem der Verfasser des Offenen Briefes die großen Tugenden und die historische Mission Ussischkins ins rechte Licht gerückt hat, fmirt er aus: „Jetzt, in einer Zeit der Bestürzung rm iLande, der Verwirrung der Geister und Verhärtung der Herzen, wichen Sie von der geraden Linie, die Sie bis jetzt verfolgt haben, ab und lieferten die Fahne des Keren Kajemeth l'Israel einer Partei aus, die sie in ihrem Zeichen hissen wird. Wohin, Ussischkin? Wie konnten Sie in diese Falle geraten? Wie sind' Sie hineingelockt worden? Sie, den eisernen, unerschrockenen, willensstarken Mann mißbrauchte man zur Herabsetzung der allen Juden heiligen Sache. Ben Gurion brüstete sich: ,Wir (die Linken) haben den Kongreß erobert, wir werden auch die .Diaspora erobern.' Jetzt wurde die Macht im Nationalheim erobert und zur Magd degradiert, zur Dienerin neuer ängstlicher Herren, die sich geweigert haben, Ihre Forderung wegen Unberührbarkeit des Keren Kajemeth-Schatzes zu erfüllen, der durch Götzendienst profaniert wurde. Angst spricht aus ihren Kehlen. Wehmutsvolle und unwillige Aeußerungen vernimmt man auch unter Ihren Freunden, den Allgemeinen Zionisten; wonach Sie Parteilichkeit in unparteiische. Körperschaft'' hineingebracht haben» Wenn der Kongreß eine Geld-0 Sammlung zwecks Errichtung eines Denkmals für den verblichenen Arlosoroff beschlossen haV was hat denn das mit dem Nationalföhdä zu tun, dem F o n d s,'der allenf Juden heilig ist? Aber die Exekutive, die ihre Bisten* einer Zufallswahl zu verdanken hat, befürchtet; daß das Volk auf ihren Ruf nicht hören werde, besann sich und wandte sich um Hilfe an die Fonds <— die noch in den» Volksmassen beliebt sind —, in der Hoffnung, dadurch saniert ZU' werden. Sie, Herr Ussischkin, reagierten' freundlich und tauschten die Ehre des Einheitsgedankens aller Juden, der in der Ideologie dieses Fonds enthalten ist, in den Einheitsgedanken einer Klasse gemäß dem Willen der Exekutive ein. Ihr Vorgehen, Herr Ussischkin, wird uns bis zur Lösung dieses Rätsels unbegreiflich erscheinen." t' > ' Die Verwüstungen, die die Vorherrschaft' der klassenkämpferischen Histadruth auch in bezug auf die Unparteilichkeit der Fonds angerichtet hat, können nicht deutlicher charakterisiert werden, als es hier im Offenen Brief an M. Ussischkin geschehen ist. 4 Wichtig für Paläsd'na- Interesstnfen „Palästina, Wirtschaft und Verwaltung" betitelt sich eine Schrift, die soeben vom American Economic Committee for Palestine in Tel-Awiw (Rothschild Bouevard 18, P. O. B. 52) herausgegeben wurde. Das in Rede stehende Komitee ist die offizielle Auskunftsstelle für industrielle Fragen, d. h. das „Zentrale Informationsbüro für Industrie". Diese Institution wurde notwendig, damit den neuen, für Industrie interessierten Einwanderern objektive und authentische Nachrichten über die wirtschaftlichen Möglichkeiten in Palästina gegeben werden können. Das Büchlein enthält Auskunft Über Steuern und Zölle, Maße und Gewichte, Kosten der Lebenshaltung, Kredit und Banken und über die jüdischen Arbeiter; außerdem vermerkt es den Import und Export, die Industriegesetzgebung und das Bauwesen. — Die Erteilung der Informationen erfolgt kostenlos. Bei schriftlichen Ausarbeitungen sind die technischen Kosten (Schreibarbeiten, Papier, Porto, Fahrgelder) zu ersetzen. Das Büchlein selbst kann gegen Einsendung eines halben Shilling (25 Müs) vom American Economic Committee bezogen werden. Grete Sigall Wien XX, Hannovergasse 19 Norbert Berat. Wien IX, Qrünentorgasse 16 empfehlen sich als Verlobte Wien, Im Dezember 1933

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