Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 325 (1.12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2711899-2711947--4047-2717478- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 325 An alle Palästma.lnteressen«en! Patis Compais Tours Wien New Vork Offizielle Propagandastelle für Touristik für die Stadtgemeinde Tel-Awiw. Veranstaltet Gesellschaftsreisen zum PurinvKarneval, zu den Osterfeiertagen und zur Levante-Messe. Erteilt Informationen an Palästina-Interessenten. Für Vereine und geschlossene Gesellschaften Sonderbedingungen. Nächste Reise 19. Dezember 1933. Auskünfte und Anmeldungen im Weltreisebüro Compass Tours, Wien, IX., Spitalgasse 3. Tel, B-42-5-38. lehnt, ohne daß der Reichsbischof dagegen etwas eingewendet hatte. In der Erklärung der 3000 Pfarrer heißt es: „Wir Prediger des Evangeliums wollen nicht den Vorwurf der Propheten auf uns ziehen, stumme Hunde zu sein, sondern sind es unserer Gemeinde und unserem Volk schuldig, der Verfälschung der Wahrheit entgegenzutreten. Wir bekennen uns darum nachdrücklich zur Heiligen Schrift des Alten und Neuen Testaments." Viel Aufsehen erregt in deutschen Kirchenkreisen die Tatsache, daß ein Vortrag des nationalsozialistischen Rassontheoretikers Dr. Wilhelm Stapel über das Thema „Christentum und Deutschtum" an der Kieler Universität auf Wunsch der Studentenschaft und eines Teiles der Dozenten unterbleiben mußte. In einer Entschließung wurde darauf hingewiesen, daß Dr. Stapel den Grundsatz der Vereinbarkeit von Christentum und Deutschtum vertrete. Diese Auffassung entspreche aber nicht der Ueberzeugung der jungen Generation, die sich im Gegenteil zu der These von der Unvereinbarkeit beider Faktoren bekenne. Vor allem werde das aus dem Judentum abgeleitete Christentum in seiner überkommenen Form wegen der nichtarischen Abstammung seines Begründers abgelehnt und die Hinwendung zu einem rein germanischen Glauben angestrebt, der sich von allen orientalischen Bindungen freizuhalten habe. In der Studentenversammlung verwies ein Redner unter anderem auch darauf, daß Christus, wenn er heute lebte, nicht einmal als Pastor amtieren könnte. In der Entschließung wird zuletzt darauf aufmerksam gemacht, daß ein Vortrag von Dr. Stapel unter den heutigen politischen Verhältnissen zu Zwischenfällen und zur Störung der öffentlichen Ordnung führen könne. Dieser Auffassung schlössen sich auch die zuständigen Kieler Behörden an. Der Vortrag wurde im letzten Augenblick verboten. Das „Mitleid" darf itidht aufboren! Das Frankfurter orthodoxe Organ „Der Israelit" achildert im Leitartikel das imgeheure Leid der von Land zu Land gejagten und besonders im englischen Mandatsland gehetzten jüdischen Emigranten, besonders der Staatenlosen, und charakterisiert dieses Verhalten der Welt zu den jüdischen Märtyrern durch das folgende Gleichnis: „In einer alten Mussar-Erzählung wird voh dem simplen Dorfmann berichtet, der sich eine vom Rabbiner in der Stadt gehörte Mahnung, man müsse mit dem Nebenmenschen Mitleid haben, so sehr zu Herzen nahm, daß er fortan das Wort immer im Munde führte. Als einmal nachts ein müder und halberfrorener Wanderer oinlaßflehend an seine Tür klopfte, wiederholte der Güte immer und immer wieder, man müsse Mitleid haben. Aber er öffnete nicht die Türe. Denn, so dachte er, lasse ich den Armen ins Haus, so hört ja sein Leid und somit auch mein Mitleid auf; man müsse doch aber Mitleid haben... Das Mitleid der Welt mit uns Juden erinnert sehr stark an jenes gute Herz hinter den geschlossenen Türen des Dorfhauses. In Zeitungen und Versammlungen, zuweilen auch in den Parlamenten, zeigen die Völker rührend viel Mitleid mit den Hunderten und Tausenden, die, von Hunger gejagt oder von anderen Nöten getrieben, und verzweifelt an die Pforten ihrer Länder pochen. Geöffnet wird nicht, die Wirte sorgen dafür, daß das Mitleid nicht ausgeht." Antideutscher Boykott — die einzige Waffe Aus London: In einem Gespräch mit dem hiesigen JTA-Vertreter führte Lord Melchett aus: Wenn man mich fragt, ob ich meine Meinung, betreffend den Boykott deutscher Waren und Dienste geändert habe, so ist meine Antwort ein glattes und nachdrückliches „Nein". Der Boykott ist nicht nur unsere schärfste, sondern auch unsere einzige Waffe, die wir gegen den nationalsozialistischen Angriff auf das Judentum anwenden können. Was wir brauchen, sind nicht leidenschaftliche Kundgebungen und offizielle Proklama- Seefeld hervorragendster Wintersportplatz und Höhenluftkurort, das Sonnenparadies für Kinder, jede Art Wintersport, schneesicher. Pension Qftichwitter Schaar Bekannt erstklassige Verpflegung, Wiener Küche, Streng ^tP5 billige Preise. Telephon 28* Mitglied des Vereines zur Fürdeiung ritueller Speisehäuser, Hamburg. tionen, sondern eine durchgreifende Boykottbewegung, die, ich hoffe es, nun geschaffen werden wird. — Lord Melchett gab seiner Genugtuung über die Erklärung Philip Guedallas Ausdruck, daß der Jewish Representative Council als Organisator des antideutschen Boykotts nicht ein Rivale des Jewish Board Deputies sein will. „Ich hoffe aufrichtig", schloß Lord Melchett, „daß die Meinungsverschiedenheiten nun ein Ende haben und daß die neugeschaffene Organisation ihre Aufgabe wirksam wird erfüllen können, unterstützt von jedem Juden, dem seine Ehre mehr gilt als sein Eigeninteresse." Auch in Bulgarien Aus Sofia: Unter deutschem Einfluß entfalten die antisemitischen Gruppen in Bulgarien eine regere Tätigkeit als bisher. An der Spitze dieser Gruppen steht die Organisation der nationalen Legionen, deren Mitglieder vorwiegend Studenten und Gymnasialschüler sind. In der Donaustadt Russe fanden kürzlich Ueberfälle bulgarischer Studenten auf jüdische Choristen statt, die nachts von einer Chorübung nach Hause gingen. Kurz danach wurden an der jüdischen Schule mehrere Fensterscheiben eingeschlagen, ih den Straßen wurden jüdische Passanten mißhandelt. In Warna mehren sich seit Beginn des neuen Schuljahres Ueberfälle christlicher Schüler auf jüdische Kollegen. In einer Klasse wurde ein jüdischer Schüler von einem christlichen Mitschüler mit einem Dolch bedroht. Auch in Warna wurden jüdische Passanten auf der Straße beschimpft und belästigt. Der Präsident der Jüdischen Gemeinde Jacques Toledo erhielt einen anonymen Brief mit schweren Drohungen an seine Adresse wie an die der Gemeindemitglieder. Es heißt darin: „Es kommen schwere Zeiten. Wir werden nicht mehr warnen!" Auf Beschwerde des Gemeindevorstandes beim Kreisverwalter wurden entsprechende Maßnahmen ergriffen. 1 - f ■ .. , * Aus Sofia: Neben der politischen Propaganda der deutschen Nationalsozialisten in Bulgarien geht eine Tätigkeit vor sich, die auf die Ausschaltung der Juden aus dem Handel zwischen Bulgarien und Deutschland hinzielt. Die jüdische Zeitung „Razswiet" veröffentlicht das Faksimile eines Briefes der „Verbindungsstelle Hamburg der Atateilung für Außenhandel und Schiffahrt des Außenpolitischen Amtes der NSDAP." an die „Landesgruppe Bulgarien", in dem die Landesgruppe aufgefordert wird, die jüdischen Firmen, die in den Handel zwischen Bulgarien und Deutschland eingeschaltet sind, konsequent auszuschalten. Insbesondere werden Anweisungen gegeben, betreffend den Entzug der Vertretung der Firma Fresen & Co., Luedenscheid in Sachsen, und der Orient-Handels A. G. von den bisherigen jüdischen Vertretern dieser Firmen in Bulgarien. Die Firma Fresen hatte der „Verbindungsstelle Hamburg" geantwortet, sie seit mit ihrem jüdischen Vertreter zufrieden und finde keinen Anlaß, ihm die Vertretung zu kündigen, es sei denn, daß sein Verhalten gegen Deutschland ungünstig ist. Die Landesgruppe Bulgarien wird von der „Verbindungsstelle Hamburg" angewiesen, das Verhalten der jüdischen Vertreter Deutschland gegenüber zu „beobachten" und hierüber den deutschen Firmen Meldung zu erstatten. Die zionistische Flagge im Antwerpener Hafen Aus Antwerpen : Das jüdisch-amerikanische Schiff „Emanuel" mit Palästina-Touristen und -Wanderern an Bord ist mit der blau-weißen Flagge im Antwerpener Hafen eingelaufen. Die belgische Presse widmet dieser Tatsache große Aufmerksamkeit und weist darauf hin, daß nicht allein die Passagiere, sondern auch die Schiffsmannschaft Juden sind. Judendebatte im jugoslawischen Senat Aus Belgrad: Unter Hinweis auf Zeitungsmoldungen, wonach die jugoslawische Regierung einer Gruppe von 358 jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland die Erlaubnis zur Einreise und zu ständigem Aufenthalt erteilt habe, richtete im jugoslawischen Senat Dr. Ivan M a j s t o r o v i c die Frage an den Minister des Auswärtigen, ob diese Meldungen auf Wahrheit beruhen, wenn ja, ob die Regierung Aufklärung geben könne, wie diese Maßnahme mit dem Bürgerschaftsgesetz in Einklang zu bringen sei. Der Interpellant fand zwar verdammende Worte gegen den Antisemitismus und versicherte, daß die SUdslawen diese Seuche stets von sich fernzuhalten verstehen werden, erklärte jedoch, eine Vermehrung des jüdischen Elements in Jugoslawien sei nicht gutzuheißen. Er unterschied zwischen dem „lateinischen" Element, nämlich den sephardischen Juden, denen alle bürgerlichen Rechte auch weiter gesichert werden sollen, obwohl sie während vier Jahrhunderten es nicht über sich brachten, sich dem Slawentum zu assimilieren und noch immer die Sprache ihrer spanischen Urheimat sprechen, und dem „germanischen" Element, den aschkenasischen Juden, die stets die hartnäckigsten Träger der pangermanischen Kulturmission am Balkan waren und es noch sind. Die deutsch-jüdischen Flüchtlinge in Jugoslawien würden die völkische Homogenität der jugoslawischen Nation stören. Auch die berühmten jüdischen Gelehrten würden im Auslande nur die deutsche Kultur fördern. — Diese, wenn auch prosemitisch umrahmte, Interpellation des Senators Dr. Majstorovic, die von manchen anderen Aeußerungen jugoslawischer Parlamentarier, die von tiefer Sympathie für die Flüchtlinge zeugen, unvorteilhaft absticht, hat in der jüdischen Oeffentllchkeit Jugoslawiens peinlich berührt. Polen fordert Schadenersatz für zweihundert mißhandelte polnische Juden Aus Warschau: Vor geraumer Zeit hat die polnische Regierung der deutschen Regierung die letzte Liste in Deutschland zu Schaden gekommener polnischer Staatsangehöriger mit dem Ersuchen um Wiedergutmachung überreicht. Die Liste enthält 200 Namen von polnischen Juden, die in Deutschland durch schwere Mißhandlungen und Drangsallerungen zu Schaden gekommen sind. Nachdem die deutsche Regierung längere Zeit auf dieses Ansuchen nicht geantwortet hat, hat die polnische Regierung nunmehr in einer Note die Erledigung urgiert. 11.000 polnische Juden in zehn Monaten nach Palästina gewandert Aus Warschau: Vom Jänner bis Oktober 1933 sind 11.000 Juden aus Polen mit Zertifikaten des Warschauer zentralen Palästina-Amtes nach Palästina gereist. Etwa 1200 von ihnen sind Touristen. Die griechischen Antisemiten unter deutscher Führung Aus Saloniki: Die von der Regierung aufgelöste antisemitische Organisation Griechenlands hat sich jetzt unter Führung deutscher Nationalsozialisten zu einer politischen Partei umgebildet, der verfassungsgemäß eine legale Tätigkeit nicht untersagt werden kann. Die Parteigründung geschah nach der Rückkehr des Antisemitenführers Angelomatis aus Deutschland, wo er im Braunen Haus zu München von Hauptmann Röhm empfangen wurde. In Begleitung von Angelomatis befanden sich 25 deutsche Nationalsozialisten in braunen Uniformen, die unter dem Vorwand nach Saloniki gekommen waren, die deutsche Kolonie zu besuchen und die Gräber deutscher Gefallener auf dem Militärfriedhof zu bekränzen. Unter der Führung des deutschen Konsuls von Saloniki, Diehl, veranstalteten die deutschen Nazis gemeinsam mit Salonikier Antisemiten Verbrüderungsfeste, wobei Hitlerlieder gesungen und Filmaufnahmen gemacht wurden. Üeberfall auf eine Synagoge in Sowjet-Weißrußland Aus Minsk: Das jiddische Kommunistenblatt „O k t i a b r" teilt mit, daß in Mlawna, Weißrußland, die Schüler der dortigen Schule die Ortssynagoge stürmten, die Inneneinrichtung demolierten und die Wände mit antisemitischen Schimpfworten beschmierten. „Oktiabr" klagt, daß die Untersuchung nur sehr schleppend geführt wird. Große Tauffestlichkeit in Bialystok (Polen) Aus Bialystok: Am vergangenen Sonntag hat die Judenmission in Bialystok nicht weniger als 14 Juden und Jüdinnen, unter ihnen zwei Jeschlwah- Zöglinge, der Tauft» zugeführt. Aus diesem Anlaß fand eine große Festlichkeit statt, der zahlreiche Gäste, auch au« England, beiwohnten. Dr. Nahuni (xoldmann Vorsitzender des Gomite des Delegation» Juives Aus Paris: Das Comite des Dälegations Juives hat in seiner in Paris abgehaltenen Sitzung einstimmig und nach vorher telegraphisch eingeholter Zustimmung der ausländischen Mitglieder des Komitees Dr. Nahum Goldmann zum Nachfolger des verstorbenen Herrn Leo Motzkin als Vorsitzenden des Comite des Delegations Juives gewählt. Die Wahl gilt bis zum Zusammentritt des Jüdischen Weltkongresses, der bekanntlich von der Genfer Jüdischen Weltkonferenz für den Juli 1934 einberufen wurde. Auf der Tagung des Comite des Dölegations Juives wurde auch eine neue Exekutive gewählt, die sich aus folgenden Persönlichkeiten zusammensetzt: Mitglied der Jewish Agency Dr. Victor Jacobson, Robert Bollack, Isaac Naidisch und I. Jefroykin. ERFOLG R E ICH/TER KLAVIERUNTERRICHT Spezialistin für Unbegabte, Schwerlernende S X- UebunflSfldeflcnheir Nach bester, modernster Methode Ria Hahn, Wert //, Obtre Dondustraße 19/35