Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 324 (24.11.1933)
- Date
- 1933-11-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 324 Dtß JSrißtJEWELI Ilm den Airlösoroff'Mord Der Prozeß wird zur Schande für Palästina — Ein übel beleumdetes Frauenzimmer und ein Dieb als Lockspitzel — Die Bolle der Frau Arlosoroff Aus Palästina wird uns geschrieben: Der Prozeß gegen die des Mordete an Dr. Arlosoroff beschuldigten Revisionisten Stavsky 'und Rosenblatt wächst sich zu einer Schande für das Land aus. Ein Teil der Justiz arbeitet unter dein Diktat der hier all mächtigen zionistischen Arbeiterpartei. Diese Partei hat sich nicht damit begnügt, durch Skrupel-' lose Ausnützung des Mordes an ihrem Parteigenossen den Zionistenkongreß an sich zu reißen. Sie hat die Atmosphäre im Lande vergiftet und beeinflußt durch gefügige, pflichtvergessene jüdische Polizeibeamte das Gerichtsverfahren. Es ist nicht zuletzt ihrer Einwirkung zuzuschreiben, wenn mit den anrüchigsten Mitteln im Prozesse gearbeitet wird, wenn Diebe und 'verwahrlöste Frauenzimmer als Lockspitzel eingesetzt, werden. Eigentümlich wird auch die Rolle, welche die Witwe des Ermordeten, Frau Arlosoroff, die ebenfalls unter dem Einflüsse der Arbeiterpartei steht, in dem Verfahren spielt. Mit derselben Sicherheit, mit weldher Frau Arlosoroff die beiden Angeklagten Stavsky und. Rosenblatt als Mörder erkannte, hat sie auch andere Personen beschuldigt, deren Unschuld sich einige Stunden ' nach ihrer Aussage erwies. Und doch bildet dieses mehr als zweifelhafte Zeugnis der Frau Arlosoroff das Um unfd Auf der nun fünf Monate währenden Untersuchung. Nichts als zweifelhaften Klatsch hat diese famose Polizei bisnun zusammengetragen. Die ehrlichen Menschen in Palästina sind tief beschämt über die Vorgänge um den Arlosoroff-Prozeß. . . -: 2 Aus Jerusalem wird gemeldet: : Bei der Fortsetzung des Verhöres im Mordfall Arlosoroff führte Abraham St a v s k y. Beschwerde dagegen, daß er vor der Identif iaieruhgsVorf ührung, bei der er von Frau Arlosoroff als einer der beiden Täter. „bezeichnet worden war," photographi.e.rt ... wurde, und sprach den Verdacht aus; daß man seht photographisches. Bild Frau Ariosoröff vorher gezeigt hÄbe. Jedettfalls habe Inspektor Stafford;bei der Vorführungselbst die Aufmerksamkeit der Frau Arlosoroff Uuf1 ihn. gelenkt.' Auch *' die S p u r e n s: a c h y e fständigen hätten ihn noch; vor "der ideÄtifMerun|r:-ge^ . siheu. Im Krö'uzve'rhör stellte; Inspektor S h i t r i t '(an ' ^avsky"dre Frag&;warum, er Palästina: o h n** &W&ils *Mp- . -«jT . ■ c*«ts»*wp. *«&*»*&~ -s*,. -./'jfi^.-x .;„• ty-m*; .•* ei a »WIM» v^lBJ^^^p^---^(^^tlMeiae^'- guten* Weg für die Rückkehr ^Ä-'p'älästina^# e^derte' Stavsky; ,*,ich hätte gleichzeitig Freunde aus Polen mit ' «jlttg; e s c h moi g g e 11." -Dasbei ihm .gefundene Geld. sei dazu bestimmt gewesen, die ill egale, Ein wän-* d e r ü n g seiner Freunde zu erleichtern. Die Urheberschaft an der angeblichen- Grabinschrift für' Ben Gurion leugnete Stavsky. Schließlich erklärte er: „Ich bin unschuldig. Dieses Verfahren ist für mich eine Komödie. Für meine Eltern aber bedeutet es eine Tragödie." Zwi Rosenblatt, der zweite der Angeklagten» beteuerte heute vor dem Untersuchungsgericht seine Unschuld und erklärte, er habe an dem Abend, an dem der Mord geschah, in KfarSabah geweilt. Er habe dort am Mordabend am 16. Juni an einer Versammlung seiner Gruppe teilgenommen und das Wort ergriffen,' um seinen Austritt aus der Arbeitsgruppe zu erklären. ReBekkah Feigin, die ihn bei der Polizei als Mörder angezeigt . hatte, habe ihn dreimal im G efängnis besucht und von ihm gefordert, daß er ein Geständnis ablege; er aber habe jedesmal erwidert, daß er unschuldig sei. Die Feigin brachte ihm auch angeblich von seinem Freunde und Führer Achi-Meir geschriebene Zettel, in denen er beschworen wird, in Interesse der Partei ein Geständnis;v?Aileger.; er aber habe die Zettel als Fälschungen erkannt. (Anm. der Red.: Rebekkah F-' -in ist neben Frau Arlosoroff die Hauptbelastungszeugi'n. Sie war abwechselnd revisionistisch und poalezionistisch organisiert und steht in üblem Rufe.) Auch Frau Arlosoroff habe ihn besucht und ihm gesagt, es lägeschwerwiegende Beweise gegen ihn vor, er solle .gestehen. Aber auch der Frau Arlosoroff erwiderte er, daß er unschuldig sei. Niemals, be'-------te Rosenblatt, habe er gegenüber, seinem Zellengenossen Moses Cohen Geständnis abgelegt, wie dieser, der unter der Beschuldigung des Diebstahls verhaftet Gewesene, ausgesagt hat. Wohl habe sich Cohen ihm unter der Vorgabe, er sei Revisionist, zu nähern gesucht, aber ein. Geständnis habe,, er,. Rosenblatt, nicht abgelegt. Rosenblatt bezeichnete Cohen als Lockspitzel .der P^'^ei. K DIESER WOCHE . K RJE. II ZKl N 0| If ^Telfß -24 - 2 -16 . 'Vom 24. November,bis h Dezember 1933: , »ENTFESSELTE MENSCHEN« Sonn- und wochentags i 5.4Ö, 7.30, 9.15 Uhr SCHIItfEDEM-KIN<d^^#^ Vom '24. November bis 1. Dezfetober. 1933:; ,Zwischen gestern und morgen' mit SYLVIA SIONEY ' Beginn wochentags: %5, 7,. 7*10 Uhr; .Sonntags: ab 3 Uhr Aktuelle zionistische Probleme Meir Großmann über den Wert der Zionistischen Organisation und über die revisionistische Boykottparole betreffs der Zertifikate In einem „Auf den alten Wegen des Brechens" betitelten Aufsatz vom Hajnt, den 17. November, beschäftigt sich Meir Großmann mit den Bestrebungen einzelner Teile der revisionistischen Union, die Einheit der Zionistischen Organisationzu „brechen". Indem Großmann den Weg der bisherigen Versuche zeichnet, kommt er zu folgenden Betrachtungen: „Ich glaube kaum, daß man eine Menge Argumente bringen muß, um jemand zu überzeugen, daß jeder Versuch, die besondere, im Mandat" festgelegte Stellung der Jewish Agency zu brechen, eiu Verbrechen am Zionismus und insbesondere an der ju den staatler lachen Auffassung des Zionismus ist. Die Jewish Agency, d. h. die vom Kongreß gewählte Exekutive, mag gut oder schlecht sein, aber sie symbolisiert und verkörpert die erste Stufe der jüdischen Staatlichkeit. Die besondere Punktion, die sie erfüllt, besonders die Kontrolle und Regelung der Einwanderung nach Palästina, ist der Ausdruck unserer politischen Eroberungen seit dem Weltkriege. Die Eroberungen sind vielleicht klein und werden immerzu beschnitten, aber eben darum muß man sie nicht bloß erhalten, sondern auch vertief en und stärken. Das steht gar nicht im Widerspruch mit dem Recht der Parteien, die Agency und ihre Mäßnahmen scharf zu kritisieren, ja mehr noch: die Mandatsmacht aufmerksam zu machen, daß man mit der schwachen Haltung und den geringen Ergebnissen unserer politischen Vertretung unzufrieden sei. Es ist bitter, zweifellos. Aber wenn wir Juden, insbesondere Zlonisten und gar Judenstaatler, unser eigenes politisches Organ torpedieren, wird dies bloß die Position der palästinensischen Administration stärken und unsere Stellung im Land und in der Welt schwächen. Man fange nur einmal an! Zuerst werden zur Regierung einzelne Parteien gehen und sich wegen der Zertifikate beschweren. Dann werden unsere wirtschaftlichen Körperschaften gehen und schließlich -rjeder Jude, der sich für einen Paktor hält . . . Parteien werden gegen andere Parteien ausgeliefert werden. Bs werden „gute Juden" und „schlechte Juden" sein. Eine wahre Demoralisation, die natürlicherweise Korruption zur Folge haben muß . ... Weshalb haben wir es eigentlich der trennungsorthodoxen Aguda verübelt, als sie direkt zur Regierung ging und Zertifikate verlangte? Und was werden wir der Regierung; antworten können, wenn sie in den Galuth- Lähdern eigene Palästina -Aemter errichten und Zertifikate an jene Juden verteilen sollte, die ihr sympathisch sind? Es ist ein gefährlicher Weg. Gefährlich nicht nur für den Weiterbestand der Zionistischen Organisation, sondern auch für 'jene Rechte, die uns i m Mandat verbürgt sind. Je früher wir die neue Attacke-abschlagen, desto kleiner wird der Schaden sein. In unseren eigenen Reihen aber wird noch lange ein unangenehmer Nachgeschmack bleiben. Die parteiische Enge und der Egoismus schaffen eine Atmosphäre zum Ersticken. Die Kampfmittel nehmen selbstmörderischen Charakter an. Deshalb muß klar und unzweideutig der wahre Sinn des in Szene gesetzten Manövers mit den privaten Zertifikaten aufgedeckt werden, das bloß eine Fortsetzung des alten Planes ist: die Zionistische Organisation zu zerbrechen." Ueber die Bestrebungen" der Revisionisten, bzw. Über die Parole ihres Führers Jabotinsky an die revisionistische Jugend, keine Zertifikate anzunehmen und somit die Einwanderung zu stoppen, schreibt Meir Großmann:. ■.. ' Wj. v ftEin Boykott gehört zweifellos zu den wirksamen Protest* und Kampfmitteln, aber bloß für den Fall, daß er zweckmäßig angewendet werden kann. Im gegenwärtigen Fall, unter den jetzigen Umständen würden wir durch Ablehnung von Einwanderungsmöglichkeiten genau das entgegengesetzte Resultat erreichen. Wir würden in unserem blinden Aerger nur Oel gießen in das Feuer unserer Gegner. Darum ist die derzeitige Nichtannnahme von Zertifikaten eine leere Geste, besonders dann, wenn diese Geste nicht von der ganzen Zionistisch e n O r ga n i sa t i o n gemacht wird, sondern bloß von einer Partei. Selten begegnete ich einem politischen Schritt, der so unzeitgemäß gewesen wäre und so weit von jeder Realität, so wirklichkeitsfremd wie, der Vorschlag, die Zertifikate zu boykottieren. Denn die politischen Nöte im gegenwärtigen Augenblick diktieren uns geradezu eine andere Handlungsweise: nämlich die, unter allen Umständen, unter Anwendung aller Kräfte jede Möglichkeit auszunützen, damit der volle Marinka Von Ch. N. Bialik In der nächsten Nummer unseres Blattes beginnen wir mit der Veröffentlichung der Erzählung „Marinka" von Ch. N. Bialik. Die Erzählung ist vor mehr als zwanzig Jahren in hebräischer und jiddischer Sprache erschienen und hat Bialiks Schaffen in einem nenen Licht gezeigt. Der Dichter, dessen balladeskes Stoffgebiet und dessen antikes Hebräisch eine neue Epoche jüdischen Schrifttums einleiten, zeigte sich in der Erzählung „Marinka'' als Meister realistischer Darstellung, als Gestalter von Dingen und Empfindungen des Alltags, als Schilderer täglichen Lebens und Gehabens, als unsentimentäler Betrachter der Natur. Das, was man im naturalistischen Sinn „Milieu" nennt, fand in Gh. N. Bialik einen mitleidlosen Pointillisten. „Marinka" erscheint zum erstenmal in deutscher Sprache. So werden die ira: deutschen' Sprachbereich stehenden jüdischen Leser Gelegenheit haben, eine Seite des großen hebräischen Dichters, der heute ganz andere Wege wandelt, durch die Lektüre von „Marinka" kennen zu lernen und ihr mit jenem Gefühl bewundernder Teilnahme zu begegnen, die dem ganzen erhabenen Lebenswerk Bialiks gilt. Die Uebersetzung von „Marinka" besorgte Oskar Rosenfeld. Umfang der jüdischen Einwanderung nach Palästina ausgenützt werde. \ Außer dem rein negativen Kampf gegen die Begrenzung unserer Einwanderung wie allgemein g e g e n die antizionistische Politik der Mandatarmacht haben, wir auch drei wichtige'positive Aufgaben zu erfüllen: '. 1. Mit allen Mitteln das Tempo unserer Aufbauarbeit in Palästina aufrechtzuerhalten und vor allem "jedwede Unterbrechung in der jetzigen günstigen Wirtschaftslage zu vermelden. Jede Störung oder Verlangsämung, insbesondere; eine Panik durch die .Losung „Stop emigratiön!" vät schädlich. 2. Dahin;zu Wirken/ daß der Einwanderungsstrom nicht verkleinert werde, um" sowohl den Arabern als auch den Engländern zu beweisen, daß es sich um einen mächtigeii historischen Prozeß handelt, . dein sie nicht mit Unruhen oder Verfolgungen Einhält; ^gebieten können. Auch'psychologisch ist das für unsere1. Arbeit in Palästina ungeheuer wichtig, zumal im Orient, wo'' psychologische Wirkungen eine große Rolle spielen. '' 3. In der Galuth jene hohe Interesse für Palästina zuerhalten, \ das jetzt in alieh-'vVolUskreisen herrscht. Dieses Interesse*" ist ein gewaltiges Aktiv um, das nicht verlorengehen darf Wir haben;. Wifihtige politische . und ökonomische ■Aufgaben': zu.: erfüllet Vor allem: K o n t+i h üi t ä-t\l u f salleh Gebieten! Kein Rückzug in irgend 'welcher Förth!, Jede: Position im Lande nicht bloß erhalten, sondern stärken und ausbauen!" Abdullahs Einmischungsversuch . 1 Jerusalem, 13. November. Jerusalemer arabische Zeitungen teilen mit, daß Emir Abdullah von Transjordanien in einem vom 18: Oktober datierten Memorandum an den High Commissioner Wauchope Vorschläge betreffend die Regelung der jüdischen Einwanderung nach Palästina gemacht hat. In einem Antwortschreiben des High Commissioner wird dieser Versuch einer Einmischung in die palästinensische Mandatäpolitik in höflicher, aber entschiedener Form zurückg e w i,e s e n. Dagegen lud Wauchope den Emir zu sich, um mit ihm die Fragen der öffentlichen Siqherheit in Transjordanien zu besprechen. Abdullah leistete dieser Einladung Folge und weilte in diesen Tagen in Jerusalem. ' Neue Fahrpreise des Lloyd Triestino für Emigranten Wie wir erfahren, treten am 22. November für Emigranten aus Oesterreich die nachfolgend angegebenen Preise in Kraft, die neben der Ueberfahrt von Triest nach Jaffa oder Haifa auch den Transport und Einschiffung des Gepäckes und die Einschiffungstaxe in Triest einschließen: III. Klasse für Kategorie A, G, H ..... S 254.25 III. „ „ „ B, C, D ..... S 166.15 HI. B. „ „ „ B, C, D ..... S 144.15 Deck „ „ B, C, D , . . , . S 120.45 Diese Preise gelten für die direkte Eillinie Triest- Palästina. Auskünfte erteilt: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6, und Palästina-Amt, I., Kärntnerstraße 28. wfir ^ren SP* Wir haben noch eine Anzahl unserer ausgezeichnete Original- II Inflkt WMB RE -OFEN vorrStig, deren Preise wir wegen kleiner Schüehtitifehler TIEF HE»ABQESfeTKT haben IG. REICH' OFENFABRIK WIEN IV, PRESSGASSE 28 * TEL ß-20.2.«t