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Die neue Welt · 1933-11-24 · Heft 324 (24.11.1933) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 324 (24.11.1933)
Date
1933-11-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 324 AUS DEUTSCHLAND Mulige Theologen Die Forderung der Hitler-Leute, die evangelisch getauften Juden aus der Kirche auszuschließen, hat den Widerstand einer Gruppe protestantischer Theologen hervorgerufen. Und man muß anerkennen, daß diese Männer vielleicht die einzigen in Deutschland sind, welche sich zu einem offenen Worte gegen den braunen Terror aufgerafft haben, welche der ungeheuren, in jeder freien Meinungsäußerung liegenden Gefahr furchtlos ins Auge sehen. Sie bleiben Männer, trotz Konzentrationslager und Stahlrute. * Aus Marburg wird berichtet: Fuhrerin im Protest der 2000 protestantischen deutschen Theologen gegen die kirchliche Gleichschaltung seitens der „Deutschen Christen" ist bekanntlich die Marburger theologische Fakultät. Erst jetzt wird der Wortlaut des Gutachtens dieser Fakultät betreffend den Arierparagraphen der Evangelischen Kirche veröffentlicht, das von offizieller nationalsozialistischer Seite so scharfe Zurückweisungen erfahren hat. In dem Gutachten wird ausgeführt: „In der theologischen Arbeit JNeanders, der geistlichen Liederdichtung Spittas und in der Kunst Steinhausens, alles judenstämmige Christen, wird niemand einen undeutschen Zug erkennen. Sie alle sind vielmehr Vertreter der eigentümlich deutschen Ausprägung evangelischer Frömmigkeit ... Es ist unbestreitbar, daß Gott sein Wort in der Welt nicht nur im Alten, sondern auch im Neuen Testament durch Juden verkündigt und seinen Sohn aus den Juden erwählt hat. Die Versuche, in Jesus einen arischen Menschen zu erkennen, sind ohne jede geschichtliche Grundlage und bleiben zudem wirkungslos, da seine Botschaft Gesetz und Propheten der Juden als Gottes Offenbarung vorausgesetzt und seine Apostel jedenfalls Juden waren. Seiner Geburt aus Davids Stamm mit dem Hinweis auf seine Gottessohnschaft die heilsgeschichtliche Bedeutung absprechen, heißt den Glaubenssinn der Gottessohnschaft völlig mißverstehen. Aus der Kreuzigung Jesu durch das jüdische Volk einen Grund für die Entrechtung von Christen jüdischer Abstammung zu machen, ist pharisäische Verirrung. Mit alledem wird die Heilsgeschichte, die Gott geschehen ließ, von Menschen gerichtet, die sich ihrer schämen, -und der Dienst der Weltgeister neben dem Christi aufgerichtet." (Das Gutachten ist gezeichnet von Dekan D. von Soden.) Besondere Kirchengemeinden für getaufte Juden und ihre Abkömmlinge. — Ausschaltung des Alten Testaments Aus Berlin: In einer von der „Glaubensbewegung Deutscher Christen" im Berliner Sportpalast veranstalteten Kundgebung wurde eine Entschließung angenommen, in der u. a. gefordert wird, daß entsprechend dem von der Generalsynode beschlossenen Kirchengesetz der Arierparagraph ohne Abschwächung durchgeführt und alle fremdblütigen evangelischen Christen in besonderen Gemeinden ihrer Art zusammengefaßt würden. Der Berliner Gauleiter Dr. Krause forderte die Ausschaltung des Alten Testaments als Religionsbuch. In der Entschließung wurde auch, die Ausmerzung, aller undeutschen Bestandteile aus dem Gottesdienst und die Verkündung einer arischheldischen Christus-Gestalt gefordert. Emil Ludwig hält die Position der deutschen Juden für hoffnungslos Aus Los Angeles: Auf der Jahrestagung der Loge Bne Brith in Los Angeles, an der mehr als 700 Logenbrüder teilnahmen, hielt der bekannte Schriftsteller Emil Ludwig eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Es ist dies das zweite Mal, daß ich vor einer jüdischen Zuhörerschaft spreche; ich frage mich selbst, ob ich, der ich nicht als religiöser Jude erzogen wurde, ein Recht habe, vor jüdische Menschen hinzutreten. Ich bin ein verlorener Sohn, der zur Familie zurückgekehrt ist; immer mehr verlorene Kinder Israels kehren zur Gemeinschaft zurück. Ich aber bin glücklich, daß ich schon vor mehr als zwölf Jahren die Intuition und den. Mut fand, zu Israel zurückzukehren. Verlanget nicht von mir, daß ich über Hitler und die Nationalsozialisten so spreche, wie ich denke; ich habe Verwandte in Deutschland, die ich nicht der Rache der Nazis preisgeben will. Aber eines muß ich sagen: Die Position der deutschen Juden ist hoffnungslos. Die Nazis waren nicht in der Lage, von den 21 Punkten ihres Programms 20 zu erfüllen und so stürzten sie sich mit wahrhaft teutonischem Mut auf den 21. Punkt, den Judenpunkt; dorthin, wo die Linie des geringsten Widerstandes war. Sie griffen die Juden an, die sie am schnellsten und gefahrlosesten ruinieren konnten. Mord und Selbstmord des Chirurgen Meyer Aus Berlin: Dieser Tage hat der berühmte Berliner Chirurg und Leiter des Krankenhauses Westend Prof. Dr. Artur Woldemar Meyer seine Frau und sich selbst vor den Augen seines siebenjährigen Knaben erschossen. Die Tat schien allen ein Rätsel, das sich nun aber aufgeklärt hat. Es wurde bekannt, daß Meyers Großvater Jude war, daß Meyer dies aber nicht verraten wollte, um nicht das Opfer des Arierparagraphen «u werden, Um den Verdacht von sich abzulenken* nahm Alle Radioapparate, modernste Typen stete lagernd bei J. HAHN, WIEN IX, Wa8agas8e 12, Telephon A-13-5-20 Günstige Teilzahlungskonditionen. Kostenlose Vorführung in Ihrem Heim. Günstige Gelegenheitskäufe / Gebe 5% des Kaufwertes zugunsten jüdischer Institutionen nach Wahl des Käufers ab / Provinz- und Auslandversand Meyer einen radikal-nationalen Standpunkt ein und entfernte vom Westend-Krankenhaus sowie von dem ihm auch unterstehenden Franzens-Krankenhause und aus seiner Privatklinik rücksichtslos sämtliche jüdischen Aerzte. Als auch ihm der Fragebogen vorgelegt wurde, verschwieg Dr. Meyer, daß sein Großvater Jude war. Dies blieb aber nicht verborgen, der Vorfall wurde untersucht und am Tag vor seiner Tat wurde er aufgefordert, sich zu rechtfertigen. Aus Furcht vor Strafe und Existenzverlust, vielleicht auch aus Gewissensbissen, hat er die Verzweiflungstat begangen. Die Bathenau-Straße wird Theodor-Fritsch-Straße Aus Leipzig: Der Magistrat hat beschlossen, die Rathenau-Straße in Theodor-Fritsch-Straße, zur Ehrung des verstorbenen Lehrers der Radau-Antisemiten, umzubenennen. Von Juden erhobene Doppelpreise für Strom und Gas Aus Königsberg: In einigen ostpreußischen Städten wurde gemäß Beschluß der städtischen Körperschaften seit 1. April von Juden ein hundertprozentiger Zuschlag zu den Gas- und Stromgebühren erhoben. Der zuständige Landrat hat nun verfügt, daß die von April bis Oktober gezahlten Zuschläge den jüdischen Einwohnern wiedererstattet werden. Die Magistratsbeschlüsse wurden annulliert. . Wie Handelsschüler in Deutschland erzogen werden Aus Berlin: In der Handelsschule zu Berlin wurde zu Beginn des Wintersemesters der folgende Anschlag angebracht: „Kennst du dies Zeichen? Man beachte einmal unsere Fünf- und Zehnpfenriigstücke. Man kann dabei folgende Entdeckung machen: 1. Die Wertangabe steht auf einem Viereck, das bedeutet den Kubus der Freimaurer, das höchste Zeichen der Vollkommenheit, zugleich ein S t e i n zum Tempelbau Salomonis. Der Tempelbau ist das Zeichen zur Aufrichtung der Jude n h er r s c>h,a&t über, die ganze Welt (siehe Talmud). 2. Aus diesem K&bus ragen in, der Linksrichtung vier Eichenblätter. In Deutschland dreht sich, von der Kaffeemühle angefangen, alles nach rechts. Die Juden schreiben von rechts nach links. Der Kubus mit den Eichenblättern bedeutet das Zeichen des Sieges, denn nicht die Franzosen, Engländer oder Amerikaner haben den Krieg gewonnen, sondern die Juden: 4 Eichenblätter — 4= Kriegsjahre. 3. Die Rückfläche zeigt, oberflächlich betrachtet, den Segen der Landwirtschaft. Die Kreuzung der Aehrenhalme und ihrer Stützen ergibt ein gleichseitiges Dreieck, das ist die Freimaurerkelle. 4. Rechts von diesem Dreieck hat jeder Aehrenhalm eine Stütze, drei Stützen, 3 die heilige Zahl der Juden. 5. Links vom Dreieck hat die obere Aehre zwei Stützen, die mittlere keine, die untere eine Stütze, das Freimaurerklopfzeichen. 6. Die Kreuzung der Halme und Stützen bildet 22 Rhomben; sie bedeuten die 22 Buchstaben des jüdischen Alphabets. 7. Das Karo, das durch die Kreuzung der Halme gebildet wird, ist das Muster des musivischen Fußbodens, der vor jedem Logen- oder Synagogenaltar liegt. Die musivische Kunst stammt aus dem Orient, Persien und Aegypten. 8. Auf der Vorderseite sieht man zwischen „Deutsches Reich" und „Reichs- oder Rentenpfennig" rechts und links einen Judenstern (Davidstern) 7 Punkte. Sollte das alles Zufall sein?/' Juden dürfen nicht Schöffen und Geschworene sein Aus, Berlin: Der preußische Justizminister Dr. Kerrl teilt mit, die Justizreform sehe vor, daß Juden nicht als Schöffen oder als Geschworene fungieren dürfen. AUS PALÄSTINA 15.000 jüdische Einwanderer von Jänner bis August 1933 Aus Jerusalem: Nach der offiziellen Statistik sind in den ersten acht Monaten des Jahres 1933 14.905 Juden zu dauerndem Aufenthalt nach Palästina gekommen. Im Jahre 1932 waren im ganzen 3841, im Jahre 1931 3049 Juden in Palästina eingewandert. Die Gesamtzahl der jüdischen Einwanderer seit Kriegsende beläuft sich aur*132.930. Mittelstandssiedlung der Allgemeinen Zionisten in Wadi Hawarith Aus Tel-Awiw: Die Kolonisationskommission der Allgemeinen Zionisten Palästinas hat mit der Anlage einer Mittelstandssiedlung auf einem Gebiet von 1000 Dunam in Wadi Hawarith begonnen. Zunächst werden ein Brunnen gebohrt und eine Wasserleitung angelegt; die ersten Pioniere nehmen in den nächsten Tagen die Arbeit . auf. Die Kooperative „Hazioni" hat südlich von Tel Awiw 60 Dunam zur Anlage einer neuen Vorstadt mit etwa 100 Häusern erworben. 3000 Dunam Wadi Havarith-Boden kehren in den Besitz des Jüdischen Nationalfonds zurück Aus Jerusalem: Der Teil des Wadi Havarith- Bodens, der von* der Jewish Agency für die Dauer von zwei Jahren an die Palästina-Regierung verpachtet worden war, damit die Regierung eine Gruppe Beduinen des Wadi Havarith vorübergehend dort ansiedeln kann, ist jetzt in den Besitz des Jüdischen Natfonalfonds zurückgeführt worden. Der Boden — es handelt sich um 2965 Dunam — wurde sofort von Juden besetzt, die mit der Bearbeitung des Bodens bereits begonnen haben. Fünfstöckige Häuser in Jerusalem Aus Jerusalem: Die lebhafte Bautätigkeit in Palästina hält weiter an. In Jerusalem ist man im Gegensatz zu den übrigen Städten, in denen ein- bis zweistöckige oder villenartige Häusertypen bevorzugt werden, dazu übergegangen, fünfstöckige Gebäude zu errichten. Mehrere solcher Hochhäuser sind in der King George V. Avenue, einer breiten asphaltierten Straße, die die Jaffa-Straße mit der jüdischen Vorstadt Rechavia verbindet, im Bau. Die Häuser werden in ihrer Mehrzahl von jüdischen Bauherren errichtet. Errichtung einer Kleiderfabrik bei Tel-Awiw Aus Tel-Awiw: In der an Tel-Awiw angrenzenden Kolonie Bnei Brak wird von der aus Glasgow stammenden Familie Sunderland eine große Kleiderfabrik errichtet. Internationaler Kongreß für städtische Hygiene in Tel-Awiw? Aus Tel-Awiw: Der Bürgermeister von Tel- Awiw Meir Dizengoff lud den Verband für städtische Hygiene ein, den für Dezember 1934 geplanten Internationalen Kongreß für städtische Hygiene in Tel- Awiw abzuhalten. Sollte dieser Einladung Folge geleistet werden, so wird die jüdische Stadt Tel-Awiw in ihren , Mauern zum ersten Mal einen internationalen Kongreß beherbergen. Ein zweites Einwandererheim in Jerusalem für deutsche Juden Aus Jerusalem: Die Bnei Brith-Loge in. Jerusalem hat für jüdische Einwanderer aus Deutschland ein zweites Einwandererheim eröffnet, da das bisherige Heim sich als. unzureichend erwiesen hat. Der Jerusalemer Hilfsfonds, die Hadassah und Privatpersonen haben die Mittel zur Einrichtung beider Einwandererheime zur Verfügung gestellt. In beiden Heimen zusammen^- werden mehrere hundert Personen Unterkunft für die; erste Zeit ihres Aufenthalts in Jerusalem finden, Mißstimmung in Griechenland über die geplante An« Siedlung von Juden in Gypern Aus Athen: Die vor einiger Zeit durch die aus« ländische Presse gegangene noch unverbürgte Nachricht, es sei beabsichtigt, in Cypern 50.000 deutsche Juden anzusiedeln, hat in der öffentlichen Meinung Griechenlands ein unfreundliches Echo gefunden. Die in Athen erscheinende Zeitung „Imerissios Kyrix" schreibt: „Auf, den Beschluß, 50.000 Juden in Cypern anzusiedeln, könnte man sehr gut damit antworten, daß man die 6 0.0 0 0 Juden Salonikis ersucht, sich anderswo einen Aufenthaltsort zu suchen." Der Widerstand griechischer. Kreise gegen eine jüdische Kolonisation in Cypern ist darauf zurückzuführen, daß man in Griechenland noch immer an einen Wiederanschluß Cyperns an Griechenland denkt und die Voraussetzungen hiefür, die Erhaltung der griechischen Bevölkerungsmehrheit, durch die angeblichen Siedlungspläne gefährdet sieht, Gegen die Juden Danzigs Aus Gdynia: Die Leitung des Danziger Schulwesens hat die Entfernung aller Bücher jüdischer Autoren aus den ßchulbibliotheken angeordnet. In den höheren Klassen wurde die Lektüre von Hitlers „Mein Kampf" obligatorisch gemacht. Auf einer in Danzig abgehaltenen Versammlung jüdischer Angestellter wurde festgestellt, daß ungeachtet der Erklärung des Senatspräsidenten Rausch« nig, daß Juden nicht depossediert werden sollen, eine unterirdische Arbeit zur Entfernung aller jüdischen Angestellten eingesetzt hat. Zahlreiche jüdische Angestellte verschiedener Warenhäuser und Büros wurden bereits entlassen. Das große Warenhaus Sternfeld kündigte seinen jüdischen Angestellten und machte dabei kein Hehl daraus, daß der Zug dahin geht, „Angehörige der jüdischen Rasse, die der Kundschaft nicht er« wünscht sind", aus den Warenhäusern zu entfernen, ERFOLGREICHSTER KLAVIERUNTERRICHT Spezialistin für Unbegabte, Schwei^ lernende S 3.—_ Uebungsgelegennelt__ Nach bester, modernster Methode Ria Hahn, Wen II, Obere Donaustraße 19/35 mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm

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