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Die neue Welt · 1933-11-24 · Heft 324 (24.11.1933) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 324 (24.11.1933)
Date
1933-11-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 324 SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI i i Zentrale; IX., Berggasse »9, Iet. A-17-3-99 n. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für «tryElelsch; unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr Kultusgemeinde Wien Autozuatellung kostenlos IX. Berggasse 15 / XVIII., Währinger str. S7 Ein merkwürdiger Voredilag England soll das Palästina-Mandat an Polen abtreten schlössen werden mußte, weil die Mehrheit der sie besuchenden Kinder jüdischerRasae war; dieser Schule wurde die Erlaubnis zur Uebersiedlung nach England erteilt, wo die jüdischen Kinder auf Kosten ihrer in Deutachland verbliebenen Eltern ihre Schul« ausbildung fortsetzen können. Außer den beiden Leiterinnen, die Deutsche sind, sind noch sechs Mitglieder des Lehrkörpers und eine verheiratete Frau als „Hausmutter" — Deutsche — mit herübergekommen; es wurde aber ausbedungen, daß das gesamtehäuslichePersonal aus Engländern, bzw. Engländerinnen bestehen soll und daß im Frühjahr 1934 mindestens sechs englische Lehrkräfte engagiert werden sollen. Aus London: Der Jewish Representative Council für Durchführung des Boykotts deutscherWaren und Dienste wählte m seiner soeben abgehaltenen Sitzung einstimmig Sir Robert Mond zum Präsidenten, Chacham Dr. Moses Gaster, Philip Guedalla und die Unterhausmitglieder Thomas Levy und Lyons zu Vizepräsidenten und Ratsherrn M. H. Davis und P. Horowitz zu Vorsitzenden. Sir Robert Mond, der aus Gesundheitsrücksichten der Sitzung nicht beiwohnen konnte, sandte eine Botschaft, in der er ausführte: „Stärkster finanzieller Druck ist das einzig wirksame Mittel, um die nationalsozialistische Regierung zu veranlassen, mit der Bedrückung und Entrechtung der Juden aufzuhören. Eine dauernde und zähe Arbeit muß einsetzen, andere Belieferungsquellen als deutsche müssen gefunden und den Käufern verfügbar gemacht werden; eine Dauerausstellung sollte arrangiert werden, in der deutsche Waren und ihr nichtdeutscher Ersatz nebeneinander gezeigt werden, damit man sich ein Bild davon macht, daß deutsche Erzeugnisse sowohl in der Qualität als auch im Preise sehr wohl ersetzbar sind. P. Horowitz schätzte, daß zur Führung des Boykotts etwa 100 Pfund monatlich erforderlich seien. Diese Summe werde bald zur Verfügung stehen. Philip Guedalla verlas ein Schreiben des Oberhauptes der M ethodisten-Kirche, Sir Herbert Perks, der versichert, daß 15.000 Kirchen mit fünf Millionen Methodisten in England mit Abscheu und Entsetzen von der Behandlung, der die Juden in Deutschland ausgesetzt Bind, erfahren haben. „Hosrudc nadh Palästina!" In England würde kürzlich die Frage der Stellung der unabhängigen Liberalen zur Regierung behandelt, welche von Sir Herbert Samuel geführt werden. Man sprach davon, daß die Liberalen, welche bisher der Regierungskoalition angehört haben,' in die Opposition gehen werden, was inzwischen eingetreten ist. Im Zusammenhang mit dieser Möglichkeit schrieb „Daily Mail" in einem Leitartikel: „Die unabhängigen Liberalen sind niemandem nützlich. Sir Herbert Samuels Gerede, daß sie bei den nächsten Wahlen 400 Kandidaten haben werden, kann nur als lächerlicher Bluff betrachtet werden. Wenn die 34 liberalen Samuelisten zu keinem Einverständnis kommen werden in der Frage, wohin sie gehen sollen, würden wir vorschlagen, Sir Herbert Samuel möge sich mit Major Nathan (!) und noch einigen anderen Führern seiner Gruppe beraten und sie mögen sich die Frage vorlegen: „Was ist mit Palästina?" Wir in Mitteleuropa lebenden Juden kennen diesen Ton. Bei uns erklingt er etwas deutlicher und weniger nuanciert. Die Engländer mit ihrer alten parlamentarischen Traditidn drücken sich zurückhaltender aus. Jedenfalls aber muß man feststellen, daß „Daily Mail" den jüdischen liberalen Führern den alten antisemitischen Ruf hinwirft: „Ho-ruck nach Palästina!" Auch schon in England beginnt man den Zustand, daß Juden eine englische politische Partei führen, als unangenehm zu empfinden. Judenstaatspartei Oesterreichs Sonntag, den 26. November 1933, l/»10 Uhr vormittags, im Heime, II, Untere Augartenstraße 86 I. Landeskonferenz (Generalversammlung — Nur für Mitglieder I) 1. Programm und Weg / Fritz Richter 2. H chscharah u.Jugendorganisation/Th.Grubner 3. (ieneraldebatte 4. Wahl der Parteibehöiden ersehenen riter Mitglieder Pflicht I ZioiHStiidtes Jugendseminar Veranstaltet von der Judenstaatsjugend Dienstag, den 28. d., um halb 8 Uhr abends, findet im Heim, II., Untere Augartenstraße 88, der vierte Vortrag statt. Es spricht Dr. Salomon Wolf Uber „Das Palästina-Mandat". Jugendliche Gäste unterschiedslos willkommen J I Im polnischen Regierungsorgan „Slovo" (Wilna) tritt der bekannte polnische Publizist Wladislaw S t u dnizky in einem Leitartikel mit der Forderung heraus, England möge das Mandat Uber Palästina an Polen abtreten. Der Verfasser geht von der Schilderung der Unbeholfenheit aus, die die englische Mandatarmacht bei der Unterdrückung der arabischen Unruhen an den Tag gelegt habe, und weist auf die mächtige Entwicklung der, jüdischen Siedlungen in Palästina hin „Juden", schreibt „Slovo", „nehmen in Palästina auch in der Bodenwirtschaft eine wichtige Position ein. Schon in der nächsten Zeit wird Palästina, dank der jüdischen Orangenplantagen einen angesehenen Platz im internationalen Handel einnehmen. Dagegen befinden sich die arabischen Bauern und Kaufleute noch immer auf einer sehr niedrigen kulturellen Stufe. Die Araber können sich kulturell mit den Juden in keinen Wettstreit einlassen; sie tun das nur physisch, da sie viel größer an Zahl sind. Das Tolerieren der arabischen Unruhen seitens der Mandatsmacht stört die Entwicklung der jüdischen Kolonisation in Palästina." Wenn man die Frage der Kolonisation nur vom Standpunkt der Ziffern betrachtet, wird man denken, daß diese Angelegenheit keine Rolle bei der Lösung der Judenfrage in den verschiedenen Ländern spielt, zumal in Polen, wo der normale jüdische Bevölkerungszuwachs 25.000 bis 30.000 jährlich beträgt, während Palästina durchschnittlich bloß über 5000 Menschen (!) jährlich aufnimmt. Aber eine tiefere Analyse des ganzen Problems läßt zu anderen Folgerungen gelangen. Bei intensiver Bodenkultur und bei der Entwicklung eines Auslandshandels, bei einer entsprechenden Entwicklung der Industrie kann Palästina ungefähr drei Millionen Einwohner beherbergen und in der Zukunft eine Art Belgien im Vorderen Orient werdÄn., Jetzt handelt es sich nur darum, daß die jüdische Kolonisation in Palästina keinen Schwierigkeiten begegne. Es wäre unbedingt erwünspht und möglich, eine arabische Auswanderung , aus Palästina zu organisieren. Mesopotamien, Syrien, Aegypten, Sudan, Tripolis, Tunis, Algier, Marokko sind Länder arabischer Zunge, dünn bevölkert und mit großen Bodenflächen für eine arabische Kolonisation versehen. Wegen Seefeld in Tirol ff 200 m) hervorragends*er Wintersportplatz unn Höhenluftkurort, das Sonnenparadies für Kinder, jede Art Wintersport, schneesicher. Pension Geschwister Scheer Bekannt erstklassige Verpflegung, Wiener Küche, Streng billige Piei e. Telephon 28 Mitglied des Vereines zur Fördeiung ritueller Spelsehäu'-er, Hamburg. seiner Mohammedaner wird England so etwas nicht unternehmen können. England wird auch nicht das Mandat an Frankreich abtreten wollen, mit welchem es in Vorderasien konkurriert. Auch Deutschland kann nicht in Frage kommen. Hingegen kann England auf das Mandat zugunsten Polens verzichten. Polen als europäischer Staat, der per« zentuell die größte Anzahl Juden besitzt, ist die natürliche Mandatsmacht für Palästina. Juden, die in der polnischen Armee dienen, würden in Palön'Jaa dienen können, und das wäre eine sichere Wehr für die jüdische Kolonisation bei arabischen Ueberfällen. Palästina wäre auch ein Absatzgebiet für unsere Industrieprodukte und eine Brücke für unseren kleinasiatischen Handel. Man muß sich mit der Zionistischen Organisation verständigen und Unterhandlungen mit der englischen Regierung bezüglich des Abtretens des Palästina-Mandats an Polen beginnen." * Am 15. November, kurz nach dem Erscheinen dieses Artikels im polnischen Organ, brachte die Warschauer jüdische Tageszeitung „Der Moment", welche den Zionisten-Revisionisten nahesteht und deren Hauptmitarbeiter Wladimir J a b o t i n s k y ist, in großer Aufmachung folgende Nachricht: „Polen übernimmt von England das Palästina- Mandat! Bei der Stadthauptmannschaft Warschau- Nord ist gestern ein Gesuch um amtliche Eintragung und Legalisierung eines Vereines eingebracht worden, welcher den Namen führt: „Gesellschaft zur Förderung der Uebernahme des Palästina-Mandats durch Polen". Das Programm der Gesellschaft besagt, daß Polen die geeignetste Macht ist, das Palästina-Mandat von England zu übernehmen. Polen kann keine Kolonien übernehmen, wohl aber ein Völkerbundmandat. Die Gesellschaft wird Filialen in der ganzen Welt, vor allem in Europa, gründen, um diesen Grundgedanken überall zu propagieren. Ordentliche Mit- . glieder der Gesellschaft können nur Juden sein, außerordentliche auch Nichtjuden, welche der Idee sympathisierend gegenüberstehen. Das Gesuch an die Stadthauptmannschaft ist von 15 Personen unterzeichnet, darunter „Offizieren" (Führer) des „Brith Hachajal" und des „BrithTrumpeldor". „Brith Trumpeldor" und „Brith Hachajal" sind zionistisch-revisionistische, nach militärischem Prinzip eingerichtete Organisationen, welche der Befehlsgewalt Wladimir Jabotinskys unterstellt sind. Aus der Meldung des „Moment" ist nicht zu ersehen, ob die unterfertigten Mitglieder der revisionistischen Union in dieser Angelegenheit Führer oder nur Teilnehmer sind. Jedenfalls ist-die Verbindung zionistischer Verantwortlichkeit mit einem Unternehmen, dessen politische Abenteuerlichkeit klar auf der Hand liegt, nicht zu begrüßen. Erklärung der Londoner Exekutive! , London, 17. November. (J.T.A.) In einem im Anglo Palestine Club gehaltenen Vortrag erklärte das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Dr. Selig. Brodetsky, daß die von der Jewish Agency durchgeführten Untersuchungen über die jeweilige Aufnahmefähigkeit Palästinas sich als zuverlässiger erwiesen haben als die Berechnungen der Regierung. Es ist eine unbezweifelbare Tatsache, führte Professor Brodetzky aus, daß die jüdische Einwanderung die Ursache des hohen Aufschwungs ist, der Palästina von seinen Nachbarländern unterscheidet. Trotzdem wurde zu gesetzlichen Gegenmaßnahmen insbesondere auf dem Gebiete des Bodenkaufs gegriffen. Jahrelang wurde das Märchen verbreitet, die jüdische Arbeit in Palästina untergrabe die Stellung der Araber. Dies ungeachtet der Tatsache, daß die arabische Bevölkerung seit 1922 in einem die Gesamtzahl der heutigen jüdischen Bevölkerung Palästinas übersteigenden Maß sich vermehrt hat, ja, trotz auch der weiteren Tatsache, daß die Zunahme der landwirtschaftlich tätigen arabischen Bevölkerung zahlenmäßig größer ist als die gesamte landwirtschaftlich tätige jüdische Bevölkerung. Diese starke Zunahme der arabischen Bevölkerung ist vor allem auf unsere Arbeit in Palästina zurückzuführen. Wir haben Palästina einerseits gesünder gemacht, andererseits hat die wirtschaftliche Prosperität, die wir in Palästina geschaffen haben, dieses Land zu einem magnetischen Anziehungspunkt für die Araber des gesamten Nahen Ostens gemacht. Die Araber-Einwanderung nach Palästina war in den letzten Jahren besonders stark. Nach den palästinensischen Gesetzen können Araber aus Transjordanien ohne Paß und ohne vorherige Erlangung einer Erlaubnis nach Palästina kommen. In den nächsten zwei Jahren wird die Frage der Bodenpolitik die Exekutive in erster Reihe beschäftigen. Aber das schwierigste Problem ist das der Einwanderung. Eine Quote von 5500 Zertifikaten für das nächste Halbjahr wird von jedermann als unzureichend und unbefriedigend erachtet werden, besonders wenn man sie mit der Zahl der von uns nach sorgfältigster Untersuchung der Aufnahmefähigkeit des Landes angeforderten Zertifikate vergleicht. Diese Kürzung hat eine sehr ernste Situation geschaffen, die durch die Anschneidung der Frage der illegalen Einwanderung noch weiter kompliziert wurde. Die Palästina-Frage berührt unsere Gesamtstellung als Volk. Das ist der Grund, warum ich so viel Wert auf die Prärogative der Jewish Agency lege. Die Anerkennung der Tatsache, daß Palästina nicht eine bloß die palästinensische Judenheit, sondern die G e s a m tj u d e n h e i t betreffende Angele-—heit ist, bildet einen der wertvollsten Punkte des Mandats. Zum Schluß wandte sich Dr. Brodetzky gegen die Versuche, die Arbeit der Exekutive zu stören. Die Jewish Agency sei eine international anerkannte jüdische Vertretung. Diese Anerkennung der nationaljüdischen Einheit müsse als die bedeutendste jüdische Errungenschaft seit Jahrhunderten behütet werden. Die Stellung der Agency untergraben, bedeute daher eine der wichtigsten jüdischen Stellungen untergraben. Trotzdem werde der Versuch gemacht, die wich« tigtsen Prärogativen der Agency zu verletzen, ihr in den Rücken zu fallen und die Einigkeit der Judenheit Palästinas.zu zerstören. ArbeitseinscbränHung infolge Arbeitermangels Aus Jerusalem: Die Zementfabrik Nesher in Haifa hat vor kurzem ein neues Investierungskapital in Höhe von 150.000 Pfund zur Durchführung einer Bau- und Betriebserweiterung bereitgestellt. Jetzt stellt es sich heraus, daß die Fabriksleitung wegen akuten Mangels an Arbeitern, der seine Ursache in der Einschränkung der jüdischen Einwanderung hat, die geplanten neuen Anlagen nicht in Angriff nehmen kann. Die Leser unseres Blattes werden auf den von der Firma Hahn, IX., Wasagasse 12, gewährten öprozentigen Nachlaß zugunsten jüdischer Institutionen aufmerksam gemacht.

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