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Die neue Welt · 1933-11-24 · Heft 324 (24.11.1933) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 324 (24.11.1933)
Date
1933-11-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIB NEUE WELT Nr. 324 Es Überflügelt durch sein Renommee, seine riesige Wiikung DIANA FRANZBRANNTWEIN mit Menthol sämtliche ausländischen Erzeugnisse und Hausmittel An Nervosität und Kopfschmerzen Leidende wenden nur eine Massage an, um sich zu erfrschen und. ihre ermüdende Tagesarbeit fortsetzen zu können. In jedem besseren Geschält erhältlich bereits Boden gefaßt, haben und produktiv tätig sind, ausweisen — ein solcher Zustand entspricht weder den Bestimmungen des Mandats noch den tatsächlichen Verhältnissen des Landes, die der Oberkoramissär als Richtschnur für die englische Regierung angesehen wissen will. Ja, mehr noch: Sir Arthur Wauchope hat erklärt, er werde, falls die neuen Maßnahmen nicht ausreichen sollten, die Meldepflicht einfuhren, und das System der zwei Lichtbilder (eilies bei der Landung, eines beim Verlassen des Landes) handhaben. Wie man sieht, will die Regierung ihr neues „Razzien"-System rigoros durchfuhren. Unter solchen Umständen steht die zionistische Exekutive, bzw. die positische Vertretung der palästinensischen Jewish Agency einer Gefahr gegenüber, deren Tragwelte sich zur Zeit gar nicht abschätzen läßt. Die Exekutive ist daher auf den naheliegenden Gedanken gekommen, sich aus ihrer Isoliertheit zu retten und eineis Zusammenschluß aller Parteien zugunsten eines gemeinsamen Vorgehens gegen den Anschlag der Palästina- Regierung anzustreben. Der politische Leiter der Agency, Mosche Shertok, hat auf der Besprechung des Waad Leumi die Anregung zur Schaffung einer einheitlichen nationalen Front gegeben, die allein die Möglichkeit einer energischen Abwehr gewährleisten könnte. Wie es heißt, hat der Misrachi seine Teilnahme an der Einheitsfront von gewissen Voraussetzungen abhängig " gemacht. Die Allgemeinen Zionisten Palästinas sind sich zwar der Wichtigkeit dieser Aktion bewußt, haben aber noch keine definitive Antwort , gegeben, ebenso wie die Revisionisten, die eine abwartende Haltung einnehmen. Die' Vertreter der J u d e nstaat sparte! befürworten prinzipiell die Schaffung einer Einheitsfront, wollen aber bei dieser Gelegenheit den Anstoß zu einer grundlegenden Umformung der derzeitigen zionistischen Exekutive geben, die das Vertrauen der zionistischen Massen heute noch weniger genieße als unmittelbar nach dem Prager Kongreß. Niemals ist der Fehler, das Schicksal des jüdischen Nationalheims einer nichtnationalen Partei, wie es die linke Arbeiterpartei ist, anzuvertrauen, bitterer empfunden und sichtbarer geworden als gerade jetzt, da die Grundlagen, des Palästina-Aufbaues durch eine gehässige Administration in Gefahr geraten sind, und niemals fühlte man klarer als heute, daß nur der patriotische, judenstaatlerische Zionismus eine geschlossene Einheitsfront ermöglicht. Ebenso wie alle Kräfte angespannt werden müssen, um den einheitlichen Willen des jüdischen Volkes zu dokumentieren, genau so gründlich muß mit dem Monopol und der Gewaltherrschaft der linken Histadruth-Parteien aufgeräumt werden. Die eine Aufgabe ist nur durch die Durchführung der zweiten lösbar. * Im nachfolgenden bringen wir die im Zusammenhang mit den Maßnahmen der Palästina-Regierung stehenden Nachrichten. Die Politik der arabischen Exekutive Jerusalem, 13. November. Die arabische Exekutive hat auf ihrer letzten Sitzung beschlossen, eine Proklamation an die arabische Bevölkerung zu erlassen, in der dieser die Anerkennung^ für den durch den Generalstreik bekundeten tapferen Widerstand gegen die Regierung ausgesprochen wird. Ferner,wird eine Antwort auf die letzte Erklärung des Kolonienministers vorbereitet In das Verwaltungsbüro der Exekutive wurden an Stelle der bei den Unruhen verhafteten Mitglieder Auni Bey. Abdul Hadi, Jamal al Husseini und Izzak Darwaza, der Neffe des Groß-Mufti Ishac Darwish, der Advokat Omar Saleh el Barguthy und der Herausgeber der Zeitung „Sow Es-Shaab" Eissa el Bendak, ein christlicher Araber, berufen. Eissa el Bendak hat vor kurzem in Paris mit dortigen Arabern eine Beratung über neue Methoden zur Bekämpfung der Juden in Palästina abgehalten. An dieser Beratung haben auch den Nationalsozialisten -nahestehende Araber teilgenommen, die eigens zu dieser Beratung aus Berlin nach Paris gekommen waren. In gemäßigten arabischen Kreisen nimmt die Unzufriedenheit mit dem von der arabischen Exekutive eingeschlagenen Kurs einer auch vor Gewaltanwendung nicht Zurückschreckenden radikalen Politik zu. Die tragischen Folgen, die diese Politik gezeitigt hat, haben den Herausgeber der gegen reaktionäre Bestrebungen kämpfenden Zeitung „Meraat el Shark", Boulos Effendi Shehadeh, einen Führer der gemäßigten arabischen Richtung, der sich vergeblich bemüht hatte, die Exekutive von ihrem yerhängnisvollen Schritt abzuhalten,. veranlaßt, aus der arabischen Exekutive auszuscheidexi. ' Gegen „illegale" jüdische Einwanderer Jerusalem, 14. November. Die vom Kolonienminister Sir Philip Gunliffe-Lister jüngst im englischen Unterhaus angekündigte Aktion zur Ermittlung und Ausweisung der illegal nach Palästina Eingewanderten hat am Montag, den 13. November, eingesetzt und richtet sich vorläufig ausschließlich gegen jüdische Einwanderer. Die Regierung h&t für die Ermittlung von illegal eingewanderten Personen Belohnungen ausgesetzt. An der Nordgrenze Palästinas ist die Kontrolle außerordentlich verschärft worden, bisher wurden aber ausschließlich jüdische Personen zur Ausweisleistung aufgefordert. In den Haifaer Gewässern streift ständig ein Motorboot der Hafenpolizei auf der Suche nach illegalen Einwanderern. Der Haifaer Hafen und das ganze Küstengebiet werden von englischen und arabischen Polizisten, die von arabischen Bauern unterstützt werden, abgesucht, ob sich nicht dort illegale Eingewanderte befinden. Die Bestimmungen gegen „illegale" Einwanderung Jerusalem, 15. November. Unter der jüdischen Bevölkerung Palästinas wächst die Unzufriedenheit und die Erbitterung über die einseitig gegen jüdische Einwanderer sich kehrende Art, in der die vom Kolonienminister angekündigten Maßnahmen gegen „illegale" Einwanderung nach Palästina gehandhabt werden. Das Vorgehen der Einwanderungsbehörden ist dazu angetan, nicht allein illegal Eingewanderte empfindlich zu treffen, sondern auch den für die Palästina-Wirtschaft so außerordentlich wichtigen legalen Touristenverkehr schwer zu beeinträchtigen. Durch arabische Bauern verstärkte Abteilungen englischer und arabischer Polizisten veranstalten längs der Küste Razzien nach illegal eingewanderten Juden. Die verhafteten Männer werden in das Gefängnis der Festung Akko, die Frauen in das Frauengefängnis zu Bethlehem, die Kinder in ein Waisenhaus in Haifa gebracht. An der Nordgrenze Palästinas wurde die Kette der Grenzwachabteilungen verdichtet. An der Grenzstation Ras-el-Nakura halten englische und arabische "Polizisten alle aus Syrien kommenden Autobusse" und1 Privatautos an und fragen die Chauffeure, ob sich nicht Juden unter den Passagieren befinden. Bei der Paßkontrolle werden die "Reisenden nach dem Religionsbekenntnis befragt. Aus Akko wurden Polizeiabteilungen an die Nordgrenze abkommandiert, um ein Durchschmuggeln jüdischer Reisender abseits der Straßen zu verhindern. Aus Deraa CSyrien) wird berichtet, daß dort eine Besprechung zwischen dem französischen. Gendarmeriekommandanten und .palästinensischen Beamten. zwecks gemeinsamen Vorgehens gegen illegale jüdische Einwanderung aus Syrien nach Palästina abgehalten wurde und daß die Behörden dfes Libanon bereits daran gehen, die Wachen an der Grenze gegen Palästina zu verstärken. Die Jerusalemer Tageszeitung „Haarez" erfährt, daß arabische kreise in Syrien und im Libanon von arabischen Politikern Palästinas aufgefordert wurden, die 'Palästina-Regierung in ihren Bemühungen; illegales Ueberschreiten der syrisch-palästinensischen Grenze, durch; Juden zu.,unterbinden, tatkräftig zu unterstützen. (. ''- ' '. :i . , ... . Der Kampf um die jüdische Einwanderung Jerusalem; 17. November. Auf der letzten unter dem Vorsitz von I. Ben Zwi abgehaltenen Sitzung des Jüdischen Nationalrates Palästinas (Waad Leumi) wurde beschlossen, eine aus neun oder zehn Personen bestehende politische Kommission einzusetzen, in der die Exekutive des Nätionalrats und die "verschiedenen Gruppen des Jischuw vertreten sein sollen. Diese Kommission wird alle Fragen zu behandeln haben, die. sich aus der momentanen besonderen politischen Situation ergeben. In der Versammlung, der Mitglieder , der Exekutive der Jewish Agency, die Vorsteher der Jüdischen Gemeinden Jerusalem, Tel- A w i w und Haifa, Vertreter der Kolonienausschüsse in Judäa, in der Saron-Ebehe und in Galiläa, sowie einige hervorragende Persönlichkeiten aus dem Ausland beiwohnten, besprach Ben Zwi die Herabsetzung der Einwanderungsquote, die strengen Maßnahmen . gegen Touristeneinwanderurtg und die schwierige wirtschaftliche Lage, in die der Jischuw durch die Verminderung der Arbeiter ein Wanderung... geraten muß. Er erwähnte auch die letzten Unruhen und wies darauf hin, daß die arabische Presse die judenfeindliche Propaganda fortsetzt. „Der Leiter des politischen Departements der Agency Mosche Shertok erstattete einen genaueren Bericht über die Lage und besprach eine Reihe aktueller politischer Fragen. Nach einer eingehenden Debatte, die durch David Ben Gurion abgeschlossen wurde, wurde der Beschluß, ein repräsentatives gemeinsames Komitee zur Behandlung dringender politischer Angelegenheiten zu schaffen, gefaßt. Schließlich kamen noch Fragen des Unterrichtsbudgets zur Verhandlung. Es wurde beschlossen, eine Anleihe von 30.000 Pfund zur Liquidierung der Schulden des Schulwerkes aufzunehmen und eine dreigliedrige Kommission zur Behandlung der Schulfragen einzusetzen. Istaklalpartei will die Palästina-Regierung im Haag verklagen Die Leitung der ultranationalistischen Istaklalpartei, deren linker Flügel, wie vor kurzem festgestellt wurde, eine enge Verbindung mit den Kommunisten aufrechterhält, hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, angesichts der augenblicklichen Lage die Politik der arabischen Exekutive zu stützen und an der Vorbereitung des Berichtes, den die Exekutive dem Völkerbund erstatten will, mitzuarbeiten. Außerdem sammelt die Partei Material für eine „Klage gegen die Palästina-Regierung vor dem internationalen Schiedsgericht s h o f i m H a a g". Arabische Exekutive erkennt die Murison-Kommissiou nicht an Jerusalem, 19. November. (J. T. A.) Die Kommission, die unter dem Vorsitz von Sir William Murison die Ursachen der jüngsten Araberunruhen in Palästina untersuchen soll, wurde, wie die Jüdische Telegraphen- Agentur erfährt, von der Palästina-Regierung im Einverständnis mit dem Colonial Office bereits ernannt. Die arabische Exekutive hat beschlossen, die Murison-Kommission zu boykottieren und am 9. Dezember eine Gedächtnisfeier für die bei den letzten Unruhen getöteten Araber zu veranstalten. * Bekanntlich hat die arabische Exekutive auch, die nach den Unruhen des Jahres 1929 eingesetzte Kommission JUQENITAATSPAPTEI Mittwoch, am 29. November, um V29 Uhr abends im Heime, II, Untere Augartenstraße 38 V o r t r Gegenstand: England und wir Redner: Dr. S. Wolf Frei zugänglich Regiebeitrag 20 g unter Sir Walter Shaw nicht anerkannt. Später jedoch gingen die Araber .von diesem ihrem Standpunkt ab und beauftragten den Anwalt W. H. Stöker mit ihrer Vertretung vor der Shaw-Kommission. Die Hintergründe der Palästina-Unruhen Der High Commissioner kündigt an, daß eine Kommission zur Untersuchung der Ursachen und Hintergründe der jüngsten Araberunruhen in Palästina, die zum Protest gegen eine angeblich zu hohe jüdische Einwanderung organisiert worden waren, eingesetzt wird. Leiter der Kommission ist Sir William Murison, der seit 1925 bis vor kurzem Oberstrichter der Straits Settlements und vorher Richter am Appellationsgericht von Ostafrika gewesen war. Er ist 61 Jahre alt. Gegen Englands mandatewidrige Politik In. Palästina Jerusalem, 19. November. (J. T. A.) In Jerusalem und in anderen Städten fanden mehrere, massenhaft besuchte Versammlungen statt, in denen Redner aller jüdischen Parteien und Richtungen des Jischuw gegen die Einwanderungspolitik der Palästina-Regierung protestierten und dieser Politik schärfsten Kampf ansagten. Die von der Regierung in der Einwanderungsfrage befolgten Richtlinien wurden als eklatante Verletzungen des Mandats bezeichnet. Die Redner aller Parteien traten für innerjüdischen Burgfrieden ein, . damit der Kampf gegen die englische Palästinapolitik mit vereinten Kräften geführt werden könne. Es kam nirgends zu irgendr welchen Ruhestörungen. Weitere Kundgebungen im .ganzen Lande'sind ^angesagt., . , .. r. * In Polen Warschau, 20. November. Vor den Gebäuden der hiesigen britischen Vertretungen kam es gestern und vorgestern zu z i o n i s t i s c h e n K u n d g e b u n g e n. Einige Dutzend Juden warfen mehrere Fensterscheiben der englischen Botschaft ein. Zwei Täter konnten festgenommen werden. Sie erklärten, daß sie gegen die Haltung Englands in Palästina protestieren wollten. Ferner haben unerkannt entkommene Täter die Fensterscheiben des englischen Konsulats zertrümmert. Die Steine waren in Flugschriften eingewickelt, worin gegen die Beschränkung der Einwanderung nach Palästina protestiert wird. In England London, 20. November. Die Einwanderungsbeschränkungen in Palästina haben zu Demonstrationen Unter den Juden geführt. Die Angelegenheit wurde am Sonntag bei einer Sitzung des jüdischen Deputiertenausschusses zur Sprache gebracht, wobei die Einwanderungserschwerung als ein. Bruch des englischen Regierungsversprechens bezeichnet wurde. Kundgebung der Wiener ludengemeinde Der Vorstand hat an die Jewish Agency in London nachstehenden Protest mit dem Ersuchen übermittelt^ ihn der britischen Regierung zur Kenntnis zu bringen: „Die Judennot in aller Welt, besonders das fürchterliche Schicksal der JudenDeutschlands rechtfertigt die aus dem Palästina-Mandat fließende Forderung, eine möglichst große Zahl von Juden in entsprechend kurzer Zeit nach Palästina zu bringen und dort zu verankern. Die von der Regierung Sr, Majestät und von der britischen Mandatsverwaltung Palästinas jüngst getroffenen Maßnahmen stehen weder mit dem Geiste und der Absicht des Mandadtsvertrages im Einklang noch entsprechen sie den durch die ungeheuere jüdische Not gebotenen Rücksichten, die vor allem vom britischen Weltreich zu erwarten waren. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien als der zweitgrößten Judengeraeinde Buropas gewärtigt in tiefster Sorge um das Schicksal der jüdischen Massen Ost- und Westeuropas, daß die Regierung Sr. Majestät im Sinne des Palästina-Mandats zur Normalisierung des Lebens der Juden durch Errichtung eines nationalen jüdischen Heimes in Palästina alle widersprechenden Anordnungen widerrufen und die Einwanderang jüdischer Kapitalisten, Mittelständler und Arbeiter auch mit Rücksicht auf die dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisse des Landes in ausgedehntestem Maße zulassen wird. Alle müssen es wissen, daß Tonello renoviert, seine Preise reduziert und seine Küche reformiert hat. Bei gleichbleibender Güte und Qualität erhalten Sie ein Menü zu S 1.50 und S 2.—. Vegetarier erhalten alle Arten von vegetarischer und Roh-Kost, ferner für Diätkranke Spezialküche. Wer einmal bei Tonello an der „Marienbrüdje" speist, kommt täglich wiecbr.

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