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Die neue Welt · 1933-11-17 · Heft 323 (17.11.1933) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 323 (17.11.1933)
Date
1933-11-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 323 gelegenheit der Weltjudenheit, die einen politischen Druck nach der Richtung einer Erhöhung der jüdischen Einwanderung ausüben müsse. Eine solche politische Arbeit werde gestützt durch die schöpferische Arbeit der Juden im Lande. Zum ersten Male geschah es, daß die Regierung eine kleinere Schedule gewährt habe, als es ihrer eigenen Abschätzung der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes entsprochen hätte. Elieser Kaplan, Schatzmeister der Exekutive, sagte, die kleine Schedule breche große Hoffnungen des Diasporajudentums. Dies, kann man nicht so ruhig hinnehmen. Ausgrabung einer biblischen Siedlung bei Haifa Aus Haifa: Das Departement für historische Altertümer bei der Palästina-Regierung hat zwischen dem Kischon-Fluß und dem Berge Karmel Ausgrabungen durchführen lassen, die interessante Ergebnisse gezeitigt haben. Es handelt sich um die Stätte der schon im Buch J o s u a h erwähnten Siedlung M i s c h e a 1, die zum Gebiet des Stammes Ascher gehörte. Im Buch Josuah wird gesagt, daß die Stadt bis an den Westabhang des Karmelberges reichte. 1500 Jahre vor Beginn der bürgerlichen Zeitrechnung war Mischeal (Tel Abu Hawan) ein blühendes Kulturzentrum. Zu Beginn des Zeitalters der Könige wurde die Stadt zerstört ui>d blieb bis zur Periode des zweiten Tempels unbewohnt. Von da an stand sie bis in die römische und byzantinische Aera hinein wieder in Blüte. &n S** \>e* „IRE Wir haben noch eine Anzahl unserer ausgezeichneten Original- "-OFEN vorrätig/ deren Preise wir wegen kleiner Schönheitsfehler TIEF HERABGESETZT haben IG. REICHl' OFENFABRIK WIEN IV, PRESSGASSE 28 m TEL B-20.2.28 Aus Italien Die italienische Judenschaft nimmt am jüdischen Weltkongreß teil Aus Genf: Die Union der jüdischen Gemeinden Italiens, in welcher das gesamte italienische Judentum zusammengefaßt ist und die die staatlich anerkannte Gesamtv ext r e t ung des italienischen Judentums bildet, hat das Exekutivkomitee für den Jüdischen Weltkongreß in Genf verständigt, daß es bereit sei, sich im Exekutivkomitee vertreten zu lassen. Die Union der jüdischen Gemeinden Italiens war auf den beiden Genfer jüdischen Weltkonferenzen vertreten^ Die diesjährige Genfer Konferenz hatte beschlossen, die italienische Judenheit einzuladen, einen Vertreter in das Exekutivkomitee für den Weltkongreß zu entsenden, welcher Einladung jetzt Folge geleistet wird. Die Union hat als ihren Vertreter den Oberrabbiner von Rom, Comm. Dr. Angelo Sa c e r d o t i, bestimmt. Zur Londoner Boykott- Konferenz Aus London wird uns unter dem 12. November geschrieben: In der ersten Novemberwoche wurde auf der Konferenz des Jewish Representative Council im Namen von 150.000 englischen Juden der deutsche Waren- und Dienstleistungsboykott beschlossen. Von den Persönlichkeiten, die an der Konferenz nicht teilnehmen konnten, liefen Briefe und Botschaften ein, die durchwegs betonten, daß das jüdische Volk im Bewußtsein seines Rechts den Abwehrkampf in Form des Boykotts führen müsse und auf diese Waffe unter keinen Umständen verzichten könne. Sir Robert Mond, der Onkel des jungen Lord Melchett, erklärte in einem Brief, daß „der Abbruch der Beziehungen" zu Hitler-Deutschland von Erfolg begleitet sein werde. Samuel Untermeyer, der Präsident der ameri- ' kanischen Liga zur Verteidigung jüdischer Rechte, er- I klärte in einer Botschaft an die Konferenz: „Unsere ein- | zige Waffe gegen die brutale Verfolgung der deutschen Juden und aller Juden durch die deutschen Machthaber ist der wirtschaftliche Boykott, der unter dem Titel „wirtischaftliche Sanktionen" vom Völkerbund als ein legitimes Mittel internationaler Politik anerkannt ist. Rabbi Stephen W i s e (New York) schrieb, kein Jude, der sich selbst achte, werde zu Deutschland Handedlsbeziehungen unterhalten. Der Vorsitzende der Konferenz, B. Horowitz, erklärte, daß die Konferenz sich im wirtschaftlichen Boykott eine Waffe schmieden müsse« ChachamDr. Gas ter und PhilippGuedella"betonten, daß es sich um die Bekämpfung einer Barbarei handle, die die ganze Welt beunruhige. Dr. Margosbes (New York) erklärte, daß in Amerika 4 Millionen Juden und 20 Millionen gewerkschaftlich organisierte Arbeiter den Boykott führen. Minzberg (Warschau) teilte mit, daß in Polen der Boykott vollständig sei. — Alle Redner erklärten, die Boykottwaffe würde erst dann niedergelegt werden, bis die Ehre des jüdischen Namens iö Deutschland wiederhergestellt sei. Die Hakenkreuzler arbeiten in Südafrika Aus Kapstadt: Der Vizepräsident des Ministerrates von Südafrika, General Smuts, ein bewährter Freund des Zionismus, erläßt einen Aufruf, in dem er nachdrücklich davor warnt, die sich in Südafrika entwickelnde, von außen hereingetragene, „finstere und gefährliche antisemitische Propaganda" zuzulassen. Das Justizamt, erklärt General Smuts, erfährt, daß in verschiedenen Teilen des Landes antisemitische Flugblätter verteilt und von Judenfeinden veranstaltete Versammlungen abgehalten werden. Diese Veranstaltungen zielen darauf ab, Störungen von Ruhe und Ordnung hervorzurufen. Bedauerlicherweise sind Anzeichen dafür vorhanden, daß durch eine organisierte Bewegung Rassen- und, Klassenhaß in :uiserem. Volke verbreitet werden soll. Der Versuch, den Haß und die Ranküne der Alten Welt nach Südafrika in Einern, Augenblick zu verpflanzen, da dieses die größten Anstrengungen mache, um unglückselige Spaltungen früherer Zeit zu überwinden, sei höchst unerwünscht. General Smuts warnt zum Schlüsse die antisemitischen Agitatoren und erklärt, auf diese würde die Schuld fallen, wenn ernste Unruhen ausbrechen sollten* iS n Aus Johannesburg: Auf einem in Johannesburg abgehaltenen zionistischen Massenmeeting hielt der südafrikanische Minister Grobler eine Ansprache, in der er erklärte, die Juden Südafrikas hätten keinen Grund, den Antisemitismus zu fürchten. Er könne die bestimmte Zusicherung geben, daß die Regierung es nicht zulassen werde, daß der Rassenkampf aus Europa nach Südafrika Ubertragen und das Gift des Rassenhasses in diesem Lande verbreitet werde. Von der Arlosoroff* Morduntersudtung Aus Jerusalem wird gemeldet: Nach einer kurzen Vertagung der Verhandlung hielt am 7. November Stawskys Verteidiger Rechtsanwalt Kaisermann eine Rede, in der er erklärte, von den Belastungszeugen seien Uberhaupt nur Frau Sima Arlosoroff, die Spurensachverständigen und der Polizist W e i ß b e r g von Bedeutung. Die Ausßagen aller übrigen Zeugen seien wertlos Hierauf unterzog Rechtsanwalt Kaisermann die Aussage von Frau Arlosoroff einer Analyse und wies auf offenkundige Fehlbeobachtungen hin, die er auf ihre Erregung zurückführte. So habe sie z. B. angegeben, sie habe das Repetiergeräusch der Pistole gehört, während nach dem Projektil zu urteilen der Schuß aus einem russischen Trommelrevolver abgegeben wurde. Auch die Identifizierung auf Grund von Haltung und Aussehen suchte der Anwalt dadurch zu entkräften, daß er darauf hinwies, daß ein Mann, der gegen das aus der Richtung vom Jaffa kommende Licht sich bewegte, von hinten nicht erkannt werden konnte. Am nächsten Tag setzte Kaisermann sein Plädoyer fort und verlangte die Freilassung Stawskys mit der Begründung, daß gegen ihn keine „prima facie"- Beweise, d. h. Beweise unmittelbar festgestellter Tat, vorliegen. Der Verteidiger Rosenblatts, Benjamini, führte aus, daß bei der Identifizierungsvorführung am 4. Juli Vier Personen als Täter bezeichnet wurden, während Rosenblatt erst am 23. Juli verhaftet worden sei. Der Verteidiger Achi Meirs, Dr. Zwi Cohen, legte dar, daß in der Untersuchung keine Beweise für die Mittäterschaft Achi Meirs erbracht werden konnten und daß aus den vor Gericht verlesenen Aufzeichnungen Achi Meirs zu ersehen gewesen sei, das er individuellen Terror ablehne. Nach längerer Beratung beschloß das Gericht, die gegen Achi Meir erhobene Anklage auf Grund von Artikel 4 des Strafgesetzes fallen zu lassen, da dieser Artikel von der Voraussetzung ausgeht, daß eine der Verschwörung zu einem Verbrechen angeklagte Person bei der Ausführung des Verbrechens zugegen sein muß, was bei Achi Meir nicht zutrifft. Zwei andere Anklagepunkte gegen ihn werden dagegen aufrechterhalten. Die Verhandlung wurde sodann auf den 15. November vertagt. Man rechnet damit, daß die Voruntersuchung am 23. November abgeschlossen sein wird. lieber 4000 Juden im September nach Palästina eingewandert Aus Jerusalem: Amtlich wird mitgeteilt, daß lmT Monat September 4062 Einwanderer, unter ihnen 3 9 0 3 Juden, nach Palästina gekommen sind. Von den Juden gehörten 450 der „Kapitalistenkategorie" an; diese haben 507 Familienangehörige mit sich genommen. Auf Arbeitereinwanderungszertifikate sind 1254 Personen mit 1175 Angehörigen eingewandert. 51 Touristen haben Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalt bekommen. 220 Personen wurde die Einwanderung verweigert. Beginn der diesjährigen Zitfusernte , Aus Jerusalem: Von Anfang September bis zum 22. Oktober wurden aus Palästina 18.928 Kisten Grape Fruits und 6809 Kisten Zitronen ausgeführt. Die Verkaufsgenossenschaft für Produkte jüdischer Siedlungen „Thnuvah" hat während der letzten Saison in Jerusalem, Tel-Awiw und Haifa 30.000 Kisten Grape Fruits abgesetzt und für sie einen Erlös von 10.000 Pfund erzielt. 20 junge Palästinenser sind als Instruktoren für die sachgemäße Verpackung von Zitrusfrüchten nach Zypern berufen worden, um die Verpackung der nächstjährigen Ernte zu überwachen. Juden scheiden aus der palästinensischen Polizei aus Aus Jerusalem: In der letzten Zeit sind sieben jüdische Polizisten aus der Jerusalemer Polizei freiwillig ausgeschieden, weil die Lohn- und die Fortkommensverhältnisse bei der Polizei sehr schlechte sind. Auch im Norddistrikt Palästinas sind letztens fünf jüdische Polizisten aus verschiedenen Gründen ausgeschieden. In Haifa wurden zwei jüdische Polizisten, die am Rosch-Haschana-Abend zum Dienst nicht erschienen waren, obwohl ihnen der erbetene Urlaub zum Synagogenbesuch verweigert worden war, vom Dienst suspendiert und vor ein Disziplinarge rieht gestellt. Die palästinensische Judenheit für Erhöhung der Einwanderung Aus Tel-Awiw: In einer massenhaft besuchten Versammlung, in der Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency als Redner auftraten, kam der einmütige Protest der palästinensischen Judenheit gegen die von der Regierung jüngst ausgegebene niedrige Einwandererschedule zum Ausdruck. David Ben-Gurion erklärte, die Maßnahme der Regierung sei dazu angetan, den jüdischen Unternehmungsgeist zu lähmen. Eine Zuweisung von nur dreitausend neuen Zertifikaten bedeute einen um so empfindlicheren Schlag, als die verfolgte deutsche Judenheit jetzt nach Palästina drängt. Die Palästina-Wanderung sei heute die zentrale An- Seefeld hervorragendster Wintersportplatz und Höhenluftkurort, das Sonnenparadies für Kinder, jede Art Wintersport, schneesicher. _ . » . Pension Geschwister Scheer Bekannt erstklassige Verpflegung, Wiener Küche, streng billige Preise. Telephon 18, Mitglied des Vereines zur Förderung ritueller Spelsebäuser, Hamburg. _ Faschismus und Hitlerismus Der italienische Oberrabbiner Dr. Sacerdoti, ein Freund Mussolinis, hat auf der Londoner Welthilfskonferenz erklärt, daß Grundsätze, Methoden und Geist des Faschismus von den Deutschen vollkommen mißverstanden werden; in keinem Lande sei der Antisemitismus eine Voraussetzung für nationale Erneuerung. Mussolini selbst, der Schöpfer des Faschismus, habe niemals auch nur im mindesten antisemitische Tendenzen bejaht. In den letzten Tagen hat nun auch das Mussolini besonders nahestehende „Giornale d'I t a 1 i a" in. aufsehenerregender Weise im Leitartikel an dem deutschen Nazismus scharfe Kritik geübt. Es heißt da: Mussolinis Idee vom Staat ist an keine biologische Rasse gebunden. Der faschistische Staat verfolge ein gemeinsames gleichberechtigtes Leben mit einheitlichen Zielen und Idealen. Blutsverwandtschaft ist hier nicht von Bedeutung. Reine Rassen kommen praktisch nicht vor. Die ersten Preußen tauchten erst am Ende des 12. Jahrhunderts auf als das Ergebnis einer gotisch-slawischen Mischung mit asiatischem Einschlag. Die stolzen Langschädel, denen es beliebt, den Italiener als Kurzschädel und somit als minderwertig anzusehen, mögen bedenken, daß auch Buschmänner Hottentotten und Kaffern Langschädel sind. Triest bekommt einen jüdischen Bürgermeister Aus Rom; Der Regierungschef Mussolini hat Herrn Enrico Salem zum Podesta (Bürgermeister) von Triest ernannt. Die Familie Salem stammt aus Portugal; sie flüchtete nach der Judenaustreibung nach Holland; 1780 kam der Urgroßvater des jetzigen Bürgermeisters nach Triest, sein Sohn war bis 1912 Präsident der Triesti* ner IsraelitUicben Kultusgem.eüiae, AUS DEUTSCHLAND Verschollen . . Aus Berlin: Die „Jüdische Rundschau" bringt folgendes Inserat: „Ich bitte Verwandte und Bekannte des Herrn Dr. med. Artur E1 k e 1 e s, ehemaliger Oberarzt der Infektionsabteilung des Virchowkrankenhauses, mir freundlichst Mitteilung von seinem Verbleib zu machen, da von ihm einfünfjährigesTöchterchen ohne Obhut hinterlassen wurde. Mitteilungen unter ,G 173* an die. .Jüdische Rundschau*, Berlin W 15, Meinekestraße 10," Mord vor einem jüdischen Geschäft in Mainz Aus Mainz: Der Judenboykott wird in Mainz so rücksichtslos durchgeführt, daß Kunden, die jüdische Geschäfte betreten, angerempelt und von der SA. photographiert werden. Ein alter Arbeiter protestierte gegen eine solche Behandlung. Als Antv/ort darauf schlug ihn ein blutjunger SA.-Mann mit dem Gummiknüppel zweimal über die Schulter, worauf der alte ERFOLGREICH/TER KLAVIERUNTERRICHT Spezialistin für Unbegabte, Schwei^ lernende S 3.—_ Uebunflsgclegennelt__ Nach bester, modernster Methode Ria Hahn, Wien II, Obere Donaustraßf 19/35

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