Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 323 (17.11.1933)
- Date
- 1933-11-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Mörder wurde angeklagt, zu fünfzehn Monaten Gefängnis verurteilt ... und begnadigt. Eine Stadt treibt ihre jüdischen Bürger aus Aus Königsberg: Der Bürgermeister von Heidenberg in Ostpreußen hat sämtliche in der Stadt lebenden Juden, 125 Seelen, aufgefordert, bis zum 31. Dezember 1933 die Stadt zu verlassen. In einer Öffentlichen Vei'sammlung erklärte der Bürgermeister: „Am 1. Jänner 193 4 darf sich kein Jude mehr in Heidenberg aufhalten." Erpressung Aus Saarbrücken: Das sozialdemokratische Organ „Die Freiheit" teilt den folgenden Vorfall mit, der sich in einer größeren deutschen Industriestadt ereignet hat: „Eine Reihe jüdischer Familienväter, darunter 60- bis 70jährige Menschen, wurden unter dem Vorwand, beleidigende Aeußerungen gegen die Regierung gemacht zu haben, verhaftet und in SS.-Kasernen geschleppt, wo sie wochenlang unter Drohungen und Mißhandlungen schwerste Arbeit verrichten — in erster Linie Steine klopfen — mußten. Den Frauen und Kindern, die sich alle erdenkliche Mühe gaben, ihre Angehörigen freizubekommen, wurde durch Unterhändler der nationalsozialistischen Gauleitung mitgeteilt, daß eine Freilassung nur in Frage käme, Wenn sie sich bereit erklärten, namhafte Spenden für die Fonds der „Geheimen Staatspolizei" herzugeben. Bei reicheren Familien wurden 20.000 RM, bei ärmeren 1000 RM als »namhaft* angesehen. Die betroffenen Familien erklärten sich bereit, die Lösegelder zu bezahlen, dort, wo mau nicht über die geforderten Summen verfügte, lieh man sich das Geld aus,' worauf die angeblichen Verleumder der Regierung anstandslos freigelassen wurden. Um .Greuelmärchen' vorzubeugen, wurde ihnen bei ihrer Entlassung ausdrücklich bedeutet, daß die Lösegelder ihrer Familien freiwillige Spenden seien. Dieser kurze Bericht", schließt "Die Freiheit", „— die genauen Einzelheiten müssen wir uns im Interesse des absolut glaubwürdigen Berichterstatters und der Opfer vorbehalten — mag wieder einmal zeigen, was von Beteuerungen der Göbbels und Co., daß den Juden in Deutschland kein Haar gekrümmt wird, zu halten ist." Das Ende eines jüdischen Arztes Aus Prag: Ueber das von der JTA. bereits gemeldete mysteriöse Ableben des Nürnberger Arztes Doktor Katz in Dachau wissen Zeitungen noch zu berichten: Dr. Katz befand sich seit dem Frühjahr im Konzentrationslager Dachau, zuerst als Häftling, dann als Arzt des Lazaretts. Da er aber als Lagerarzt eine ganz eigenartige Praxis auszuüben hatte (Behandlung von Gefolterten), äußerte er anläßlich eines Verwandtenbesuchs Befürchtungen über seine Zukunft. „Es wird mir schlecht gehen", sagte er. Vor einigen Wochen wurde Dr. Katz von seinen ärztlichen Pflichten entbunden und ins Lager zurückversetzt. Schließlich wurde auch sein Gesuch um Entlassung aus dem Konzentrationslager bewilligt, nachdem er sich zuvor schriftlich verpflichtet hatte, aus Deutschland auszuwandern. Einen Tag vor seiner Entlassung wurde Dr. Katz erhängt aufgefunden. Strafe für „Rasseverrat", bevor noch das Rassegesetz in Kraft ist Aus Berlin: Der Karburger Polizeipräsident hat die folgende Mitteilung ausgegeben: Die SA. hat der Polizei einen nichtarischen Handlungsgehilfen und eine 20jährige deutsch-christliche Expedientin übergeben. Die SA. hatte festgestellt, daß zwischen den beiden jungen Leuten ein Liebesverhältnis bestand. Man traf sie beide in der Wohnung des Handlungsgehilfen und brachte sie zum Polizeipräsidium,; ,wo beide ihre Schande eingestanden. Der Handlungsgehilfe befindet sich in Gewahrsam und wird aus Harburg entfernt werden. Die Polizei macht alle auf das eindringlichste aufmerksam, daß man künftig auf das schärfste gegen solche Rassenschande einschreiten wird. Dies wird geschehen ungeachtet dessen, daß das geplante Rassegesetz noch nicht in Kraft getreten i s t. Konzentrationslager oder Arrest droht nicht nur der nichtarischen Seite, sondern auch der deutschen, die ihre deutsche Rasse so schamlos preisgeben kann. Die Judengemeinden unter Kontrolle der Geheimen Staatspolizei Aus Berlin: Zufolge einem Regierungserlaß wurden jetzt alle jüdischen Gemeinden und Organisationen in Preußen unter die Kontrolle der G eheimen Staatspolizei gestellt, bei der zu diesem Zweck eine eigene jüdische S ektion eingerichtet. wurde. Beamte dieser Sektion besuchen jetzt fleißig die jüdischen Institutionen, stellen strenge Verhöre, auch über ganz abseitige Dinge, an und lähmen dadurch die Arbeit dieser Institutionen. Ausländische jüdische Hilfsinstitutionen, besonders amerikanische, werden zwar nicht besucht, aber auch deren Tätigkeit wird durch indirekte Maßnahmen gehemmt. Jüdischer Gesangverein Graz — Generalversammlung Am 25. Oktober d. J. fand die 12. ordentliche Generalversammlung statt. Der Obmann Herr Kurt Engel begrüßte die sehr zahlreich erschienenen Gäste! Schuiftführer Herr Leo Benedikt berichtete über die Tätigkeit im verflossenen Vereinsjahr. Vereinskassier Herr Samuel Schkolnik erstattete einen erschöpfenden Kassenbericht. In der .sich anschließenden interessanten Wechselrede sprachen die Herren Direktor Steiner und Tempelvorstand Grünschlag dem Gesangverein den Dank dafür aus, daß heuer zum erstenmal der Tempelchor in selbstloser und opferfreudiger Weise vom Verein unter Ausschaltung der christlichen Chorsänger beigestellt wurde. Kultusrat Herr Julius Preis versprach : seitens der Kultusgemeinde die; bestmögliche Unterstützung. Es wurden folgende Herren in den Ausschuß gewählt: Obmann: Stephan Freiberger, Obmannsteilveiv Vertreter Samuel Stern, Kassier Samuel Schkolnik, Schriftführer: Leo Benedikt, Sangrat: Oberkautor Heinrich Katz, Leopold. Gottlieb. Dr. Siegmund Weiß, Kurt Engel und Kurt Einstein.