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Die neue Welt · 1933-11-10 · Heft 322 (10.11.1933) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 322 (10.11.1933)
Date
1933-11-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 322 heit, bestimmt, die Welt irrezuführen, und die Freude an der Verhöhnung der jüdischen Opfer. Der deutsche Jude kann ja Doktor werden, er kann das Doktordiplom bekommen. Er muß nur auf die deutsche Staatsbürgerschaft verzichten! Approbation, das heißt Zulassung zur Ausübung des ärztlichen Berufes, erhalten nur deutsche Staatsbürger! Also: Einigen Juden wird wohl gestattet, fünf oder sechs Jahre für teures Geld Medizin zu studieren,, aber Aerzte in Deutschland können sie.nicht sein. Zu bemerken ist noch, daß hier keine Ausnahme für Frontkämpfer gemacht wird. 725 Juden aus den Berliner städtischen Krankenhäusern entfernt Aus Berlin: Der Staatskommissär für Berlin Dr. Klein teilt heute mit, daß vom 15. März bis 1. Oktober 1933 725 Personen jüdischer Abstammung aus dem Dienst in den Berliner städtischen Krankenhäusern entlassen worden sind, davon waren 161 Aerzte, 320 Schwestern, etwa 200 Arbeiter und Angestellte, 20 Köche und 24 andere Angestellte. Die Säuberung der Krankenhäuser von Juden geht weiter. Aufbau der jüdischen Schule in Deutschland Aus Berlin: Aus dem Bericht der Reichsvertretung der Juden Deutschlands ergibt sich, daß der Erziehungsausschuß an etwa 50 größere jüdische G e m ein den Deutschlands, in denen bisher , keine jüdischen Schuleinrichtungen bestanden häben, wegen Gründung jüdischer Volksschulen, und an etwa 40 Gemeinden, die bereits jüdische Volksschulen haben, wegen des Ausbaues dieser Schulen und der Ausgestaltung des Unterrichts in der den besonderen Bedürfnissen der jüdischen Jugend entsprechenden Weise herangetreten ist. Eine große Zahl dieser Gemeinden hat bereits in grundsätzlich zustimmendem Sinne geantwortet. Schon auf Grund der bisherigen Verhandlungen dürfte die Schaffung von 8 bis 10 neuen jüdischen Volksschulen zu erwarten sein. Dabei soll die Gründung von Zwergschulen aus pädagogischen und finanziellen Gründen; vermieden werden. Vielmehr soll eine Anzahl von Schulen zu Bezirksschulen für größere Landesgebiete ausgestattet werden. — Der Ausschuß empfahl grundsätzlich die Schaffung von Einh e i t s s c h u 1 e n für alle Richtungen, wobei entsprechend . 400.0000 Pfund Ueberschuß in vier Monaten Aus Jerusalem: Die Bilanz der Finanzverwaltung der Palästina-Beglerung weist im Hon a t A u g u »t einen Ueberschuß der Einnahmen gegenüber den Ausgaben von 82.000 Pfund auf. Damit ist der Gesamt- Uberechuß, der in der Zeit von April bis August 3.933 erzielt wurde, auf 40 0.000 Pfund gestiegen. Rapide Entwicklung von Tel-Awiw Aus Tel-Awiw: Wie von der Städtverwaltung Tel-Awiws mitgeteilt wird, trug diese rein jüdische Stadt zu den direkten Regierungseinnahmen im Jahre 1931 18 Prozent bei, erhielt aber nur 8 Prozent der Summe der Regierungsbeihilfe an die palästinensischen Städte. — Die Bevölkerung von Tel-Awiw, die 1930 noch 42.000 Seelen betrug, ist jetzt auf 75.0 0 0 Seelen angewachsen. Das Budget der Stadtverwaltung hat sich von 85.000 Pfund im Jahre 1930 auf 180.000 Pfund im Jahre 19331 erhöht. Die Regierungsbeihilfe für Tel-Awiw hat sich aber seit 1930 um nichts erhöht. — Von Jänner bis September 1933 wurden Bewilligungen zum Bau von 6 0 84 Wohnräumen und 160 Läden mit einer Gesamtbaufläche von 203.856 Quadratmeter, gegen 1612 Wohnräume und 99 Läden mit insgesamt 62.104 Quadratmeter in der gleichen Periode des Vorjahres, erteilt. Allein im August wurden Bewilligungen zum Bau von 1104 Wohnräumen und 14 Läden auf einer Gesamtfläche von 37.329 Quadratmeter, gegen 353 Wohnräume und 8 Läden auf 12.917 Quadratmeter im August 1932, gegeben. Dabei lagen Ende August 1933 noch unerledigte Gesuche, betreffend 1297 Wohnräume und 60 Läden auf 46.700 Quadratmeter, vor. Infolge der großen Nachfrage nach Wohnungen — jedes Schiff bringt hunderte Neueinwanderer — macht die Bautätigkeit in Tel-Awiw Riesenfortschritte. — in den Monaten Juli und August 1933 wurden' im Schlachthaus von Tel-Awiw 5 2 5 8 StückVieh geschlachtet, das Doppelte der Zahl der in der gleichen Periode des Vorjahres geschlachteten Tiere. Offizielle Beteiligung Belgiens an der Levante-Messe in Tel-Awiw Aus Brüssel: Die Regierungskommission für Ausstellungen und Messen trifft Vorbereitungen zu einer imposanten Beteiligung Belgiens an der im Frübjahr'1934 in Tel-Awiw stattfindenden Levante-Messe. An alle belgischen Produzenten wurden Rundschreiben versandt, in denen sie aufgefordert werden, ihre Erzeugnisse auf der Levante-Messe auszustellen. Unter der Aegide der Regierungskommission werden Informationskonferenzen abgehalten, in denen der Sekretär der Handelskammer von Jaffa-Tel-Awiw, Katz, Vorträge über die Bedeutung der Tel-Awiwer Messe für den Handel im Nahen Osten halt. Registrierung neuer Gesellschaften in Palästina Aus Jerusalem: Die wachsende Prosperität Palästinas kommt in der Registrierung einer weiteren den lokalen Verhältnissen gegebenenfalls eine Teilung des Religionsunterrichts eintreten soll. Er sprach sich ferner dafür aus, daß in der Regel die jüdische Gemeinde Träger der Schulen werden soll. Der Verband der christlichen Nichtarier und getauften Juden Aus Berlin: Am 3. November abends fand in Berlin die konstituierende Versammlung des Verbandes der christlichen Nichtarier Deutschlands bei Anwesenheit von Vertretern der Regierurig und der Nationalsozialistischen Partei, sowie von Vertretern der katholischen und der evangelischen Kirche statt. Dem Verband wurde aufgetragen, eine Liste seiner Mitglieder der Geheimen Staatspolizei zur Kontrolle einzureichen. Ungeachtet dieser offiziellen Anerkennung der christlichen Nichtarier hat das Landgericht in Breslau einer offenen Handelsgesellschaft, in der ein Gesellschafter Sohn eines getauften Juden ist, die Führung der Bezeichnung „Christliches Spezialgeschaft" untersagt. Der Beschluß, dessen Inhalt in der „Preußischen Justiz" mitgeteilt wird, stellt fest, daß der betreffende Gesellschafter zwar evangelisch sei, gleichwohl aber nichtarischer Rasse. Gerade auf die Rassenzügehörigkeit komme es aber entscheidend an. Deshalb sei die Bezeichnung „Christliches Spezialgeschäft" irreführend und zugleich sittenwidrig, da sie nach den übrigen Beweisen zu Zwecken des Wettbewerbs geführt sei. Damit die Juden nicht übermütig werden Aus Berlin: Der Reichsinnenminister Dr. F r i c k hat eine Verordnung erlassen, derzufolge die reichsangehörigen deutschen Juden wahlberechtigt sind und anläßlich der am Sonntag, den 12. November, stattfindenden Reichstagswahlen nebst Volksabstimmung über die Außenpolitik der Regierung nicht belästigt werden dürfen. Wie von maßgebender Regierungsseite verlautet, darf die Verordnung der Regierung über Teilnahme der Juden an den Wahlen vom 12. November nicht als Vorwegnahme für die Zukunft betrachtet werden; bald nach den Wahlen, so heißt es, wird die Regierung ein Gesetz erlassen, das die Position der Juden im neuen Staate endgültig festlegen wird. Es verlautet ferner, daß die Regierung besonders auf dem flachen Lande, wo die jüdische Bevölkerung vielfach Angriffen ausgesetzt ist, besondere Vorkehrungen zum Schutze der an der Wahlurne erscheinenden Juden getroffen hat. großen Reihe neugegründeter Gesellschaften zum Ausdruck, darunter eine Gesellschaft für Wasservers p r g u n g in Beer Tuvia> , eine . D r o.g e n-E n g.r p sf i r m a, zwei Bänke n, *" mehrere Gesellschaften für Orangenkulturen, eine Gesellschaft zur Erhaltung eines Symphonieorchesters und von Chören, eine Theater- und Filmgesellschaft, eine Agentur zur Förderung des Touristenverkehrs zwischen Palästina und Italien, ein kooperativer Buchverlag u. v. a. Eine Gesellschaft hat die Ausgestaltung eines Teiles der Kolonie Nathaniazu einer Sommerfrische in Angriff genommen. Praxiserlaubnis für 81 neueingewanderte Aerzte in Palästina Aus Jerusalem: Das Regierungsdepartement für Gesundheitswesen hat 81 jüdischen Aerzten, die sich in Jerusalem, Tel-Awiw, Haifa und Petach Tikwah niedergelassen haben, darunter 16 Frauen, die Erlaubnis zur Ausübung der Praxis erteilt. Die Uberwiegende Mehrzahl der zugelassenen Aerzte stammt aus Deutschland. Gleichzeitig wurde 21 Zahnärzten (darunter 3 Frauen), 8 Apothekern und 5 Hebammen die Erlaubnis zur Ausübung ihres Berufs gegeben. Unter den neu zugelassenen Apothekern befinden sich zwei Araber. Eine große Bierbrauerei in Palästina Aus Wien (J. T. A.): Der Vertreter Baron Rothschilds in Palästina, Direktor Schapira, machte in Wien, wo er sich auf der Rückreise von Amerika nach Palästina, kurze Zeit aufhielt, dem JTA.-Vertreter Mitteilungen Uber industrielle Neugründungen in Palästina. Herr Schapira wies insbesondere darauf hin, daß die notwendigen Vorarbeiten getroffen wurden, um die Biererzeugung in Palästina in nächster Zeit in großem Maßstabe aufzunehmen. In der Kolonie Rischon le Zion wurde unter Führung der jüdischen Pariser Finanzierungsfirma Gaston Dreyfus in Gemeinschaft mit einer großen internationalen Braufirma, die seit Jahren im ganzen Orient von Aegypten bis Singapore die Bierfabrikation betreibt, eine Aktiengesellschaft mit einem Stammkapital von 5 0.0 0 0 Pfund gebildet. Die Ingenieure und Brauereifachleute der Gesellschaft haben in deren Auftrag die technischen Installationen in Rischon le Zion bereits durchgeführt. Die Probeerzeugung wird schon in den nächsten Tagen aufgenommen und es ist Vorsorge getroffen, daß zu Sommerbeginn, im April oder Mai, zum ersten Mal gutes Palästina-Bier auf dem Markt erscheint. Das Kontrollpaket der Aktiengesellschaft verbleibt statutengemäß in den Händen von Rischon le Zion, das die nötigen Räumlichkeiten für den Brauereibetrieb zur Verfügung gestellt hat. Der Grundsatz jüdischer Arbeit bei der neuen Produktion wurde gesichert. Die Erzeugung wird in solchem Umfang aufgenommen, daß die Anlage in Rischon le Zion den Inlandsbedraf Palästinas auf Jahre hinaus vollkommen zu decken vermag. Die Aufnahme der Biererzeugung in* der Weinkolonie Rischon le Zion wird keineswegs zu einer Einschränkung der berühmten Weinproduktion dieser Kolonie führen. Der Weinabsatz hat sich in Palästina in letzter Zeit stark gehoben; es wird jetzt pro Woche in Palästina ebensoviel Wein konsumiert wie früher bloß in der Pessachwoche. Der palästinensische Weinbau erstreckt sich jetzt weit nach Samaria hinein, das allmählich zum Weinzentrum dea Landes wird. Die Mutterkolonie b.chron Jakob Wird in den nächsten Jahren zirka i5.000 Hektolit'-r Wein auf den Markt bringen. In der letzten Zeit war der Export von Palästina-Wein nach Aegypten dadurch erschwert, daß die dortige Regierung den Einfuhrzoll auf das Fünffache erhöht hat« Auf Intervention Herrn Schapiras bei der Palästina- Regierung hat High Commissioner Sir Arthur Wauchope Verhandlungen mit der ägyptischen Regierung aufgenommen, von denen erwartet wird, daß sie in kurzer Zeit die Erleichterung des Exports von Palästina-Weinen nach Aegypten bewirken werden. Bemerkung der Redaktion: Gleichzeitig mit der Pariser Dreyfus-Gesellschaft haben andere drei Kapitalistengruppen in Wien, Prag und Berlin große Brauereiprojekte in Palästina in Angriff genommen. Es handelt sich hier auch um durchaus seriöse Gruppen. Nun ist die Pariser Gruppe den anderen mit der faktischen Aufnahme des Betriebes zuvorgekommen. Bis jetzt ist nicht bekannt, ob die anderen Gruppen ihre Projekte aufgeben oder weitere Brauereien in Palästina errichten werden. Die Palästina-Regierung kauft Boden zur Ansiedlung angeblich depossedierter Araber Aus Jerusalem: Wie die hebräische Tageszeitung „Haar ez" erfahren haben will, hat die Palästina- Regierung 11.500 Dunam Boden, davon 3600 Dunam im Tel Shok-Distrikt, im Beisan-Tale, ferner Landflächen in Mittel-, und Südpalästina, zur Ansiedlung arabischer Bauern, die behaupten, durch die jüdischen Bodenkäufe depossediert worden zu sein, käuflich erworben. In Tel- Shok und in Äshrafiya geht man an die Errichtung von 100 Häusern zur Seßhaftmachung von Beduinen. Diese Aktion der Regierung liegt im Zuge des French- Landentwicklungsplans. Der Bau der Wasserleitung für Jerusalem Aus Jerusalem: Mit dem Bau der Wasserleitung von Ras el Ain bei Petach Tikwah nach Jerusalem wurde begonnen. Drei englische Vorarbeiter, -leiten-die Arbeiten. Man rechnet damit, daß die Wasserleitung in anderthalb Jahren fertiggestellt sein wird. Palästinas Industrie und Handel Industrie. Das statistische Departement der J e w i s h Agency hat dieses Jahr einen Industrie-Zensus durchgeführt. Diese Zählung hat folgende Ergebnisse gezeigt: Die Zahl der: 1933 1929 Unternehmen........» 3.132 2.475 Beschäftigte Arbeiter inkl. Besitzer . 16.900 10.968 Jährliche Ausgaben (pal. Pf.) . . . 2,680.000 1,925.000 Jährliche Produktion (pal. Pf.) . . . 3,590.000 2,510.000 Kapital (pal. Pf.)......... 4,630.000 2,235.000 Die Verteilung unter den verschiedenen Industrien ist wie folgt: Unter- Beschäftigte Ar- Jährliche Innehmen bei er u. PlOvestiertes 1. Nahrungsmittel¬ Besitzer duktlon Kapital industrie . . . . 246 2.085 760.000 680.000 2. Textilindustrie . , . 48 824 140.000 180.000 3. Bekleidungsindustrie . 694 2.006 250.000 100.000 4. Metallu. Maschinenindustrie ..... 589 2.445 440.000 200.000 5. Holzindustrie . . < , 399 2.002 400.000 140.000 6. Lederindustrie . . , 420 1.235 270.000 90.000 7. Druck- und Papierindustrie . . , . > 158 976 160.000 140.000 8. Chemische Industrie k 26 1.263 170.000 670.000 9. Stein- und Zementindustrie ...44 23 806 180.000 1,640.000 10. Elektrizität .... 121 2.038 690.000 580.000 11, Diverse in d. Industrie 45 288 50.000 50.000 12. Diverse im Handwerk . 296 704 70.000 50.000 3.069 16.673 3 ,580.000 4,610.000 Zahlen, die nach Abschluß des Zensus eingereicht wurden ....... 63 197 10.000 20.000 3.132 16.870 3,590.000 4,630.000 Handel. Die Palästina-Regierung veröffentlicht die Zahlen für die ersten drei Monate des Jahres 1933. Der Import in den ersten drei Monaten 1933 beträgt 2,437.000 gegenüber 1,496.000 pal. Pf. in derselben Periode des Jahres 1932. Allerdings wird diese gewaltige Steigerung des Imports durch die Tatsache abgeschwächt, daß im Jahre 1933 Goldmünzen für 44.700 gegenüber 7600 pal. Pf. im Jahre 1932 importiert wurden, was mit der Wirtschaft des Landes nichts zu tun hat. Ferner wurden für die Iraq Petroleum Company Waren für 189.000 pal. Pf. importiert, während dieser Import in derselben Periode des Jahres 1932 nur 5500 pal. Pf. betrug, Trotzdem ist die Steigerung sehr groß und' eröffnet Möglichkeiten für die Entwicklung eigener Produktion in einigen Wirtschaftszweigen. Der Import ist hauptsächlich in folgenden Waren gestiegen: Getreide und Mehl (infolge der Dürre), AUS PALÄSTINA

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