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Die neue Welt · 1933-11-10 · Heft 322 (10.11.1933) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 322 (10.11.1933)
Date
1933-11-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 322 SCHIFFMANN's mmmwmmm Die jüdische Welthnlfskonferenz m London Ana 29. Oktober wurde die jüdische Welthilfskonferenz, die vom Joint Foreign Coxnmittee (London), der Alliance Israelite Universelle (Paris), dem American Jewish Congress (New York), dem American Jewish Committee (New York) und dem Comite" des Delögations Juives (Paris) einberufen worden war, in London eröffnet. Nach den seinerzeitigen Bemühungen Lord Molche 11 s, eine großzügige politische Aktion zugunsten der verfolgten deutschen Juden und damit der Weltjudenheit zu unternehmen, mußte man annehmen, daß diese von den. großen jüdischen Organisationen einberufene Tagung politische Perspektiven zeigen würde. Dem war aber nicht so. Kein politischer Charakter Schon im Frühjahr 1933, als nationaljüdische Pührer eine Konferenz großen Stüs planten, wurde ihre Arbeit von den assimilatorisch eingestellten Kreisen in den einzelnen Ländern gestört, ja zum Teil sogar unterbunden. Diesmal erklärte der Vorsitzende Neville Laski in seiner Eröffnungsrede ohne Umschweife, daß die Konferenz keinerlei politische Aktionen unternehmen werde, sondern ausschließlich Aufgaben konstruktiver Hilfe gewidmet sei: die mittellosen Auswanderer müßten untergebracht und die. jüdischen Gemeinden in Deutschland unterstützt werden. Welzmanns Ressort Unter den eingesetzten Komitees befindet sich auch ein Palästina-Komitee. Es sollen 2 Millionen Pfund aufgebracht werden, von denen die Hälfte für die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina bestimmt ist. Prof. Weizmann, dem bekanntlich vom Prager Zionistenkongreß das Recht der Hilfsaktion zugunsten der deutschen Juden Uberantwortet wurde, sagte nichts Uber sein Programm, sondern sprach die Hoffnung einer Verständigung zwischen Juden und Arabern aus. Die anderen Redner, wie Avigdor Goldsmid (London), S. Magoshes (New York), Lewis Straus, J. H. Hertz (Oberrabbiner yon England), u. a., entwickelten humanitäre Pläne, ohne die politische Grundtendenz einer solchen Konferenz zu berühren. Zionistischer Protest Der Repräsentant des Comite" des Del$gations Juives in Paris, Leo Motzkin, erklärte, daß die Londoner Konferenz ursprünglich als politische Konferenz zur Erörterung von Weltfragen des Judentums gedacht gewesen sei und bedauerte protestierend die Einengung des Programms, das auf tbloße Hilfeleistungstendenzen zusammengeschrumpft sei und sogar dieFragedesantideutschen Boykotts ausgeschaltet habe. Humanitäre Maßnahmen Wie bereits erwähnt, sollen 2 Millionen Pfund innerhalb eines Jahres aufgebracht werden, und zwar durch eine besondere Sammelaktion, die mit den Sammlungen für die zionistischen Fonds nicht kollidieren werden. In. der Kommission für Völkerbundarbeit wurden die Beziehungen zum Flüchtlingskommisflär James Mac- Donald erörtert. Ursprünglich war beabsichtigt worden, einzig und allein Dr. Weizmann einzuladen, in die Verwaltung des Flüchtlingsamtes einzutreten. Auf Intervention mehrerer nichtzionistischer jüdischer Orgnisationen wurde beschlossen, neben Dr. Weizmann je einen Vertreter des Joint Distribution Committee und der Alliance Israölite Universelle für den Verwaltungsrat zu nominieren. Das Generalsekretariat des Völkerbundes hat sich dieserhalb bereits mit dem Hochkommissär James MacDonald in Verbindung gesetzt, der mit der Entsendung von drei jüdischen Repräsentanten in den Verwaltungsrat sich einverstanden erklärt hat. So wurde das vom Zionistenkongreß inaugurierte Ressort fUr deutsche FlUchtlingshllfe seines zionistischen Charakters entkleidet und in ein rein humanitäres verwandelt, wobei allerdings höchst fraglich iBt, ob die erforderlichen Summen für das Hilfswerk auch aufgebracht werden. In ihrer Schlußsitzung am 1. November hat die Weltkonferenz die Einsetzung eines aus den Vertretern der 45 Organisationen, die die Konferenz beschickt haben, zu bildenden Großen Rats für Hilfe und Aufbau beschlossen. Außerdem wird ein Vollzugsausschuß eingesetzt, dem Vertreter der Jewish Agency for Palestine sowie der Organisationen angehören werden, die die Konferenz einberufen haben, nämlich des Joint Foreign Committee, der Alliance Isra61ite Universelle, des American Jewish Congress, des American Jewish Committee und des Comitö des Dölegations Juives. In London wird ein Hauptbüro eröffnet, das die Aufgabe haben soll, alle zur Besserung der Lage der deutschen Juden ausgearbeiteten Pläne zu prüfen und eigene Vorschläge für Hilfe und Aufbau auszuarbeiten. Die Geldmittel sollen für folgende Zwecke Verwendet werden: Erleichterung der Ansiedlung deutscher Juden auf dem Lande; Förderung der Industrie; Kredite für Handwerker; Kredite für Kleingewerbetreibende; Errichtung von Häusern und Zuteilung von kleinen Grundstücken für Chaluzim in den Kolonien; Wohnungsbeschaffung in den Städten durch Zusammenarbeit mit bestehenden Institutionen und durch andere Mittel; Wasserversorgung und Bodenbewässerung; Unterstützung wissenschaftlicher und akademischer Institutionen; landwirtschaftliche und handwerkliche Ausbildung von Männern und Frauen; Ueberführung von Kindern nach Palästina und ihre Ausbildung; soziale Wohlfahrtsarbeit und andere noch all wünschenswert erscheinende Aufgaben. Notwendigkeit des Jüdischen Weltkongresses Die nationaljüdischen Organisationen, die vor der Londoner Konferenz ihre Tagungen abhielten, waren der Meinung, daß die Londoner Konferenz, an der sich 45 Organisationen beteiligten, den für das Frühjahr 1934 einberufenen Jüdischen Weltkongreß überflüssig machen werde. Aber gleich nach der Eröffnung der Londoner Weltkonferenz sah man, daß diese keine Konkurrenz für den jüdischen Weltkongreß bedeute. Im Gegenteil. Nachdem der Zionistenkongreß sich der Aufgabe, die großen Probleme der jüdischen Galuth zu lösen, entäußert hatte und die Londoner Welthilfskonferenz jedes politische Programm ausschaltete, kann der Kampf für die deutsche Judenheit im Besonderen und f ür die Interessen der Weltjudenheit im Allgemeinen nur vom Jüdischen Weltkongreß geführt werden. Die Einberufung des auf demokratischer Basis konstituierten Jüdischen Weltkongresses wird gerade unter dem Eindruck der Londoner Tagung als Notwendigkeit ersten Ranges empfunden werden, Nädi§te PaläslinaffReise* 6. Dezember 1933 Die vom Reisebüro Marienbrücke (Reiseleitung: Berta Taubes) veranstaltete Palästina-Reise ist, trotz des Generalstreiks in Palästina, programmgemäß mit minutiöser Pünktlichkeit im Lande eingetroffen. Die Ueberfahrt wurde mit dem 14.000 Tonnen großen Dampfer „T e v e r e" des Lloyd Triestino zurückgelegt und hat alle Teilnehmer restlos befriedigt. Dieser Dampfer führt eine ausgezeichnete JH. Klasse spezial, deren Kabinen früher zur I. Klasse gehörten und daher allen Ansprüchen in bezug auf Bequemlichkeit und Ausstattung genügen. Ein gemütlicher Speisesaal und gute, reichliche Verpflegung tragen ebenfalls dazu bei, die Reise angenehm zu gestalten. Auch die nächste Palästina-Reise wird mit dem gleichen Dampfer zurückgelegt, so daß den Reiseteilnehmern die beste Gewähr für die volle Zufriedenheit ge* boten werden kann. Aufruf! Der „Bond jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs1' veröffentlicht: „Bestien in Menschengestalt» vandallsche Grabschänder haben den Hohenauer jüdischen Friedhof zerstört. Es ist eine heilige Pflicht der österreichischen Judenschaft, die Mittel zur Wiederherstellung der Gräbor beizustellen. Wir stellen uns hiemit mit einem Betrage von S 100 an die Spitze dieser Aktion. Wie rufen hiemit die jüdische Oeffentlichkeit auf» diese Mittel durch Spenden rasehest aufzubringen und bitten alle jüdischen Korporationen, Vereine und Einzelpersonen, ihre Spenden an uns zu leiten (Postsparkassenkonto B 157.651) und werden wir diese Spenden öffentlich ausweisen." Eröffnung der „Jüdischen Bühne'* Wie bereits gemeldet, findet am 11. November diel Eröffnung der Jüdischen Bühne in der Praterstraße 60 statt. Der bekannte und bewährte Schauspieler. Adolf Bell hat als Direktor die Leitung des Theaters übernommen und die beiden Warschauer Stars Chane Lermer und David Zajdermann als Gäste verpflichtet. Man sieht dem Auftreten des Künstlerpaares mit viel Interesse entgegen. Verlobung. Schriftsteller Dunek Schmid (Wien), Sekretär der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt, hat sich mit Fräulein Salka Beßles (Stanislau) verlobt. Zweite Auflage „Sch'aleni" „Frage mich" Von hak Herzberg ist soeben erschienen. Erste Auflage war in 4 Wochen Vorgriffen. Bestes Lehrbuch der hebräischen Sprache für Korse und Selbstunterricht. Preis S 1.80. — Verlag Josef Belf, Wien, I., Rabensteig 8.

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