Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 320 (27.10.1933)
- Date
- 1933-10-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 320 DIE NEUE WELT Seite 3 1 Judenstaatspartei Oesterreichs Mittwoch, am 1. November, um V29 Uhr abends im Heime, II, Untere Au'gartenstraße 38 Vortrag Gegenstand: Die Schande der 5500 Zertifikate Redner: Ooerbaarat Rotiert Stricker Frei zugänglich Regiebeitrag 20 g Zi'oiu'§fi$die§ Jugend* §eminar Veranstaltet von der Judenstaatsjugend Samstag, am 28. Oktober, beginnt das Seminar »eine Kurse im Heime, II., Untere Augartenstraße 38, mit dem 1. Vortrage des Herrn Oberbaurat Robert Stricker über „Herzl und seine Zeit". — Eintritt frei, f— Jugendliche Gäste unterschiedslos willkommen! stoßen gab es auf beiden Seiten Verletzte, von denen vier Ins Hospital gebracht wurden. Die Polizei veahaftete Bieben Personen, unter ihnen ein Mitglied der Leibwache des Naziführers Heinz Spannknöbel, bei dem ein geladener Revolver gefunden wurde. Razzien int jüdischen Nationalheim Schöne Worte konnte man aus englischem Munde über die Notwendigkeit tiefgreifender Maßnahmen zugunsten der deutschen Juden und Judenflüchtlinge hören — im englischen Parlament, von der Genfer Völkerbundtribüne herab, auf Massenversammlungen in London. Insbesondere die Zusicherungen, die die englische Regierung im Unterhaus gegeben hat — Gewährung jeder nur möglichen Erleichterung der Einwanderung für die aus Deutschland geflüchteten Juden —, stimmte die Welt optimistisch. Wenn man noch hinzufügt, daß auf dem Prager Zibnistenkongreß ein „Ressort" für die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina geschaffen und Prof. Weizmann mit dessen Betreuung betraut wurde, so kann man wohl sagen, , daß der Durchführung des Ansiedlungsproblems nichts im Wege stünde, wenn nicht — Dies „Wenn nicht" gehört zu den alten Leiden des jüdischen Nationalheims. Sie heißen: Verhinderung des Aufbaues durch die Palästina-Verwaltung, deren Maßnahmen dahin gehen, die Mandatsbestimmungen falsch auszulegen, zu sabotieren oder zu ignorieren. Wir kennen das gefährliche Wort vom Gleichgewicht, das der berüchtigte Untersuchungskommissär Shaw geprägt, Sir Hope Simpson ausgebaut, der High Com missioner gehandhabt hat. Die Verhinderung der Einwanderung, das Schikanieren der sogenannten „illegalen" Einwanderer geht weiter. In den letzten Tagen wieder kann die J. T. A. aus Palästina melden: Die Polizei ist fortwährend auf der Suche nach Touristen, die über die ihnen gewährte Frist hinaus im Lande bleiben wollen; unter solchen Touristen sind viele deutsche Juden, die Gesuche um Gewährung dauernder Niederlassung eingereicht haben. Die Polizei veranstaltete eine Razzia im Büro der Histadruth Olej Germania (Organisation deutscher Einwanderer), revidierte die Personaldokumente und verhaftete acht Personen, die sich noch immer in Polizeigewahrsam befinden und wahrscheinlich nach Deutschland ausgewiesen werden würden. Der aus Deutschland eingewanderte Augenarzt Dr. Sulm a n, der sich hier eine Praxis geschaffen hat, wurde von der Polizei aufgefordert, das Land zu verlassen, wenn er es nicht auf eine formale Ausweisung ankommen lassen will. Die letzte Ausgabe des Publikationsorgans der Palästina- Regierung enthält wie die beiden vorangegangenen Nummern eine lange Liste von auf Befehl des Generalinspektors der Polizei ausgewiesenen Personen. Allein die letzte Liste enthält 35 Namen von ausgewiesenen Juden. Wenn man sich diese Tatsachen vor Augen hält, so verliert man im Augenblick den Respekt vor der vom Kongreß inaugurierten Hilfsorganisation und nicht weniger vor dem amerikanischen 25 Millionen Dollar-Ansiedlungsplan, den wir ja schon seinerzeit sehr skeptisch betrachtet haben. Aber kehren wir zur palästinensischen Meldung der J. T. A. zurück. Die Meldung ist nämlich mit der „Liste der ausgewiesenen Juden" nicht zu Ende. Wir erfahren noch etwas besonders Pikantes: An der Spitze der Pollzeitruppe, die nach im Lande verbliebenen „Touristen" sucht, steht ein christlicher Araber, dessen Stab erweitert wurde, damit er der ltDrohung" deutsch-jüdischer Invasion gewachsen sei, Wir haben schon in einem anderen Zusammenhang hingewiesen» wie die Herren Araber auf die Geschenke der Histadruth (Sammlung eines Fonds zugunsten streikender Araber) reagieren. Die großen Demonstrationen der Araber gegen die jüdische Einwanderung geben ein Beispiel davon. Und jetzt wieder ein Araber, der so viel mit der Verhinderung der jüdischen Immigration zu tun hat, daß er sich einen ganzen Stab von Beamten halten muß! Was sagen jetzt jene Zionisten, die auf dem Prager Kongreß die Exekutivgewalt den Herren der Histadruth in die Hände gespielt haben, der Histadruth, die in den Zeiten der tragischesten Judennot nichts besseres zu tun hat, als streikende Araber mit jüdischem Gelde zu versorgen? Kommt der //Große Brodchaus" auf den Scheiterhaufen? Ein Leser aus der Tschechoslowakei schreibt uns: Hitler hat doch Wunder bewirkt. Bisher haben unsere deutschen Sozialdemokraten, wohl ihren vielen getauften und ausgetretenen jüdischen Genossen zuliebe, es vermieden, sich mit der Judenfrage zu befassen. Wenn ihre Zeitungen schon vom Judentum sprechen, dann in einer höhnischen Form. Im Kampfe gegen Hitler greifen sie aber nach jedem Argument. So findet sich in einer der letzten Nummern des Prager „Sozialdemokrat" ein Artikel gegen den hitlerischen Antisemitismus. Er ist flach und beschränkt sich auf die abgedroschenen Formeln der unwirksamen „Abwehr" aus der liberalen Aera. Er arbeitet mit dem Argument, daß alle Staaten, welche ihre Juden schlecht behandelt haben, zugrunde gegangen sind, und bringt Spanien und Portugal als Beispiel. Er ist also nichts weniger als originell. Aber er schließt mit einer ganz netten Entdeckung des Verfassers, der den Niedergang Portugals auf die Vertreibung seiner Juden im 15. Jahrhundert zurückführt und das Aufblühen Hollands darauf, daß Holland diese Vertriebenen seinerzeit aufgenommen hat. Er schreibt: „Portugal ohne, Holland m i t Juden. Ist diese Entwicklung rein zufällig? Man schlage den soeben erschienenen 14. Band des „Großen Brockhaus", des wegen seiner Objektivität allgemein anerkannten d e u t- KAMMER. SÄNGE*. ALFRED PICCAVER NORA GREGOR. VU OEM GR>QSSTONFILM SZÖ'KE SZAKALL WALTER RILL A -SUSI L ANN EP, EINE MUSIKALISCHE KOMÖDIE INSZENIERT VON Rl CHARD OSWALD | MUS I K; KAPERuJURAAANN BUCW:WERMUTH-SCHUUfARKA81 UKAUF FÜHRUNG ABH61M6 B U RGKINO i. $CHOmNftlNO<KI NO*. ELITE KINO*- LUSTSPIELTHEATERE¬ SASCHA PALAST »• FLOTTE N Kl NO vi. EIN PAN-FI IM IM VERLEIH OER AT LAN TIS sehen Konversationslexikons, auf. Dort liest man unter „Portugal" folgendes: „Dem spanischen Königspaar zu Gefallen, vertrieo er (König Emanuel I. von Portugal) in den Jahren 1496/97 die Juden und die nach dem Fall Granadas ins Land gekommenen Mauren oder ließ sie zwangsweise taufen. Damit aber beraubte er Portugal der fl e i ß i gs t e n und wirtschaftlichsten Volksteile.; Die Glanzzeit Portugals trug überhaupt schon den Keim des Verfalles in sich." Das paßt wahrlich schlecht zu Hitlers Theorie, daß die Juden es sind, die den Verfall ihrer Wirtsvölker. herbeiführen. — Wird nun übrigens auch der „Große Brockhaus" auf den Scheiterhaufen der deutschen Bücherinquisitoren wandern? Jüdisdie Sporlehre gegen Hitler*Deut§cMand Die Kulturvölker haben angesichts des barbarischen Hitlerismus, der große Teile der deutschen Bevölkerung, vor allem die Juden, entrechtet und entwürdigt, um das hakenkreuzlerische Deutschland eine moralische Abwehrwand gezogen. Die führenden Geister in ,allen Ländern meiden jede Berührung mit dem Dritten Reich: Es ist dies keine Frage politischer, sondern menschlich - ethischer Gesinnung. Das deutsche Hakenkreuz ist bis in die Bezirke der privaten geistigen und körperlichen Betätigung eingedrungen und hat dort seine Diktatur errichtet. Es gibt im heutigen Deutschland kein freies gesellschaftliches Leben mehr. Und die Berührung mit Juden ist sozusagen Hochverrat. Im Jahre 1936 soll die nächste Olympiade, das größte internationale Sportfest, stattfinden. Berlin ist für Rasiere dicii besser! die einzige schwedische Weltmarke dieses Fest ausersehen. Wem an jüdischer Ehre nichts liegt, wird sich mit dieser Wahl zufrieden geben. Hat doch beispielsweise ein tschechoslowakischer Germanojude namens Bondy — während in Prag die jüdische Makkabiade tagte —den von ihm geführten Deutschen Fußball-Club (D. F. C.) im Hitler-Deutschland antreten lassen . . < Aber es gibt zum Glück auch, in überwiegender Zahl, würdigere Stimmen. Wie aus New York gemeldet wird, hat der unter der Leitung von Stephen Wise stehende American Jewish Congress, die offizielle Vertretung der amerikanischen Judenheit, an das amerikanische olympische Komitee einen Appell gerichtet, seine Teilnahme an der 1936 in Berlin stattfindenden Olympiade abzusagen, weil der deutsche Ausschuß für die Olympiade entgegen seiner seinerzeit abgegebenen strikten Zusicherungen jüdische Sportler boykottiert und von der Teilnahme an der Olympiade auf deutscher Seite ausschließt. Es fiel dem American Jewish Congress nicht schwer, dem amerikanischen Olympiade-Ausschuß reichhaltiges Material betreffs Diskriminierung jüdischer Sportler vorzulegen. Das, was das Hakenkreuz zur Ausschaltung der Juden aus allen Berufen, akademischen und nichtakademischen, tat, das besorgte es auch auf dem Gebiet des Sports. Man erinnere sich nur an Daniel Prenn, Lisa Mayer und andere. Im Schach vertritt der Russe Bogoljubow den deutschen Geist, seitdem die großen jüdischen Meister eliminiert wurden. Wie wir erfahren, hat sich der amerikanische Olympiade-Ausschuß eingehend mit dem erwähnten Antrag beschäftigt, die Entscheidung aber bis zum Zusammentritt des Olympischen Konvents in Washington am 22. November 1933 vertagt. Die amerikanische Einstellung gegenüber der vom nationalsozialistischen Deutschland geübten Diskriminierung der jüdischen Rasse ist bekannt, Man erwartet also allgemein, daß der Olympische Ausschuß auf die Ehre der Teilnahme an der( Berliner Olympiade verzichten wird. Nichts liegt den amerikanischen Sportlern ferner, als ihre jüdischen Sportkollegen zu verletzen: Das offizielle Deutschland versucht hier wie auch sonst überall mit scheinheiliger Miene die Nichtteilnahme von Juden auf deutscher Seite zu motivieren: es gebe Zurzeit in Deutschland keinen Juden, der olympiareif wäre und daher sei es unmöglich, einen Angehörigen jüdischen Stammes für die Olympischen Spiele zu nominieren. Ein sehr windiges Manöver . . , Aber darum geht es nicht. Die jüdischen Sportler, die etwa noch in Deutschland im Jahre 1936 leben sollten, werden ohnehin nicht das Bedürfnis haben, unter der Hakenkreuzflagge zum Start anzutreten. Es geht hier um die sportliche Ehre derjenigen ■ Juden, die in den zahlreichen Ländern mit ihren nicht- . jüdischen Freunden Sport betreiben, Wettkämpfe ausf tragen, sportliche Ausbildung genießen. Und es geht um die sportliche Ehre des jüdi- ' sehen Palästina, das erst kürzlich auf Grund eines Beschlusses des in Wien stattgefundenen olympischen Kongresses zur Olympiade zugelassen wurde. Wir brauchen unseren jüdischen Sportfreunden, vov. allem dem prächtigen und wohlorganisierten Makkabi* Weltverband, nicht erst auseinanderzusetzen, welch wichtige Aufgabe ihnen hier im Abwehrkampf gegen das pogromistische Hakenkreuz-Deutschland anvertraut ist. Der jüdische Sportler hat in den Schicksalstunden des jüdischen Volkes, in der Epoche tragischer Judennot, die Verpflichtung, sich in die Front des Abwehrkampfes zu stellen. Der nationaljüdische Sportler wird in aUen Ländern seine Sportkollegen COMPASS TOURS WIEN NEW YORK PARIS IX, Spitalgasse 3, Tel, B«42-5»38 6. Gesellschaftsreise nach Palästina 1. November 1933 - Sonderfahrt mit dem Luxus-Expreßdampfer »VULCANIA« (36.000 Tonnen) über Rom, Neapel. Athen ' H ' Auskünfte und Anmeldungen: Wien IX, Spitalgasse 3 Telephon B-42-5-38