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Die neue Welt · 1933-10-27 · Heft 320 (27.10.1933) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 320 (27.10.1933)
Date
1933-10-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 320 pflichteten, Arbeiter ausschließlich durch das Vermittlungsbüro der Histadrtith zu engagieren." . Dm Ist die Meldung. Sie beinhaltet einen nüchterneh Tatbestand. Sie gibt ein Stück Alltag aus dem sozialen Leben Palästinas wieder. Muß maxi da erst des weiteren ausführen, wie stark, wie brutal, wie unmenschlich, wie unnational, wie unpatriotisch die Faust der klassenkämpferischen Histadrüth auf der ringenden Wirtschaft Palästinas lastet? Dem judischen Unternehmer, der sich in Palästina eine Existenz sucht und „den Druck, welchen die Judenfr&ge auf das Weltgewissen ausübt, ein wenig mildert", können die Führer der linken Arbeiterpartei die Faust «eigen; den jüdischen Arbeiter, der nur; Zionist sein will und eine Einpferchung in die rote Front der II. Internationale ablehnt, können sie drangsalieren, ja 'brotlos machen. Aber dem braven Herrn Oberkommissär gegenüber sind Sie kleinlaut. Ihre großsprecherischen Ankündigungen haben sich als Schall und Rauch erwiesen. Der brave Herr Oberkommissär wird über die Schandzahl von 5500 Zertifakate'n keinen Juden ins Land lassen. Das Debakel ist da. Was nutzten auf dem Kongreß die Warnungen aller patriotischen Zionisten? Daß das Schicksal des zionistischen Aufbauwerkes einer einzigen Partei, und zwar einer klassenkämpferisch betonten, engstirnigen, antinationalen Linkspartei anvertraut wurde, mußte bittere Früchte tragen. Versteht man jetzt allmählich die Notwendigkeit einer nationalen Konzentration? Versteht man jetzt endlich die Notwendigkeit einer nur-nattonalen Judenstaatspartei? Vor kurzem noch respektlos bekrittelt, beginnt die Judenstaatspartei ihre Mission zu erfüllen: die Konzentration des nationalen Willens und der nationalen Arbelt. ., . RUNDSCHAU Stimmungsbild aus der Schweiz Alis Zürich: Hier fand ein Prozeß'statt, welcher: beweist, wie sich unter dem Einfluß der Hitler-Propa* ganda Stimmungen bilden, die früher in der Schweiz: Unbekannt waren. Gegenstand des Prozesses bildete ein Vorfall, der sich am 29. Juni d. J. abgespielt hatte. Ein städtischer Friseur, Meier-Hartmann, der als „Frontler" bekannt ist, betrat eine Gastwirtschaft in der Altstadt und bemerkte dort einen jüdischen Reisenden aus Basel. Er holte zwei Mitglieder der Nationalen Front, die das Schweizerkreuz mit dem Morgenstern im Knopfloch trugen, und einen Anhänger des „Bundes nationalsozialistischer Eidgenossen" mit dem Hakenkreuz am Rockkragen, und erklärte ihnen* es sitzen Jude in der Wirtschaft; das sei etwas für sie! Er lud sie deshalb zu einem Bier ein. Der Jude wurde von den vier Helden aufgezogen und belästigt. Ein Frontist meinte, „die Saujuden können nach Palästina gehen". Ein anderer ergänzte, die Schweiz habe es nicht nötig, von ihnen „beschissen" zu werden. Als der Angegriffene das Lokal verließ, folgten ihm die \ Frontisten, die abgemacht hatten, „de n Jud zu verj hauen", in eine andere Wirtschaft und schließlich auf den Bahnhof platz, wo sie ihn umringten und festhielten, während ihm ein Nationalfrontist, von Beruf Mechaniker, zwei Faustschläge ins Gesicht versetzte, so daß er erheblich verletzt wurde und seither an einer Verschlimmerung seiner Herzkrankheit leidet. Zwei von ihnen wurden vor Gericht gestellte . der fünfmal' vorbestrafte Mechaniker wegen vorsätzlicher Körperverletzung, der Friseur als Anstifter. Der Untersuchungsrichter beantragte je zehn Tage Gefängnis. Der Verteidiger verlangte Überdies noch eine angemessene Entschädigung und erklärte, man müsse von allem Anfang an derartigen Roheiten, die aus politischen und konfessionellen Gegensätzen entspringen, mit der nötigen Schärfe entgegentreten. Das Bezirksgericht ging über die Anträge des Bezirksanwaltes hinaus und verurteilte die beiden Angeklagten zu je drei Wochen Gefängnis, zu den Kosten und 700 Fr. Entschädigung an das Opfer. " Israeliten evwun§di*! Den deutschen Hakenkreuzlern geht es in der Tschechoslowakei augenblicklich so schiecht, daß sie eine Anlehnung an die Juden auch nicht verschmähen. Herr Konrad Henlein , Turnwart und oberster Führer des „Deutschen Tur'nverbandes" in der Tschechoslowakei, hat nach Auflösung der nationalsozialistischen und der deutschnationalen Partei den Versuch gemacht, durch Schaffung der „Sudetendeutschen Heimatfront" das Deutschtum in der Republik zu einen. Er verkündete in einer Pressekonferenz, daß seine „Heimatfront" keine Rassenvorurteile kenne, und er lud auch die Juden zum Eintritt ein. NÄCHSTE PALÄSTINA R E I S E Mit dem Lloyd - Dampfer „Tevere" . (14*000 Tonnen) Aber Rom und Neapel/ Abfahrt von Wien 7* Dexember 1933 Preis von S 39$ aufwärts Arrangement und Releeleltung Frau Berta Taube* - Auskünfte: Reisebüro Marienbrücke (Paläitlnadlenstj, Wien I, Rotenturmetraße 26, Tel. R-24-2-86, tffglloli von 10 ble t Uhr In diesem Zusammenhang weist der Prager „Sozialdemokrat" auf das rassenantisemitische Programm von Henleins Turnverband hin und zitiert u. a. folgende Stellen aus der „Deutschen Volkskunde, Leitfaden für politische Erziehung, herausgegeben vom Deutschen Turnverband (1921)": „Eheschließungen nur mit Angehörigen der germa<- nischen Rasse, keinesfalls aber mit Angehörigen einer fremden (jüdischen, mongolischen usw.) Rasse, weil die Nachkommenschaft immer, sowohl körperlich Wie geistig, der niedrigen Rasse folgt ... Mit Juden und Judenstämmlingen keine Ehe eingehen. Keine jüdischen Erzieher und Lehrer nehmen; Nur bei Deutschen e i nkaufen und alle Geschäftsverbindungen mit Juden meiden. Night zu jüdischen Aerzten' und Rechtsanwälten gehen. Dich und die Deinen vom Verkehr mit Juden fernhalten. In deinem Hause keine von Juden geschriebene oder mit Geld unterstützte Z e i t u n g, kein von Jud engeist durchsetztes Buch dulden. Dein Geld nicht in J u d en b a n k e h tragen. In deinem Geschäfte keine Juden anstellen." Weiter wird von den Juden gesagt, -sie seien die „schlechteste Ausprägung der semitischen Rasse und ihre Geschichte ist ausgefüllt mit .Schlechtigkeit alle» Art ... stetig'wachsende sittliche Gefahr für unser Volk ... eingefressen in die Völker, die Rassen'durchsetzt, verschändet, die Kraft durchbrochen, alles mürbe und morsch gemacht ... Ehrenhafte Völker erringen Siege durch Männer? die Juden durch Buhldirnen." „Sozialdemokrat'' meint, dieser "Leitfaden sei als heute noch geltender Katechismus des deutschen Turnverbandes anzusehen. ¥ Unter der Ueberschrift „Eine falsch verstandene Frage" befaßt sich die Prager' zionistische „Selbstwehr"- mit de* neuen politischen Geste des Turnwarts Konrad Henlein und schreibt: „... Herr Henlein irrt, wenn er glaubt, daß in jüdischen Kreisen auch nur einen Moment das Verlangen nach irgend einer Teilnahme an seiner Heimatfront geherrscht habe. Was interessiert und insbesondere von einem Manne, der in das Leben einer Minderheit führend einzugreifen gedenkt, ist seine Stellung zu der Art und Weise, wie Deutschland seine ►Judenfrage „löst", ob er zu dieser allen Menschenun|d Mlhderheitenrechten ins Gesicht" schlagenden. „Lösung**? ja oder nein sagt; ob die seinem Rufe' folgenden Deutschen in diesem Staate ein anständiges Verhältnis zu ihren jüdischen Mitbürgern finden wollen oder ob die antisemitische Verhetzung, die nach reichsdeutschem Muster in den vergangenen Monaten in den deutschen Gebieten der Tschechoslowakei in erschreckendem Maße um sich gegriffen hat, auch die Billigung des neuen politischen Gebildes finden wird. Um Herrn Henlein ist es in den letzten Tagen wieder still geworden. Aber wer auch immer an seine Stelle treten und sich um eine Neuorientierung der sudetendeutschen Politik bemühen sollte, wird bald auf jene — wie das Zentralorgan der deutschen Christlichsozialen ironisch meint — „Gretchenfrage" stoßen« Auf die Frage nämlich, ob man zu gleicher Zeit sich auf Menschenrechte berufen und sie anderen absprechen kann. Nur diese ist also gemeint, wenn Herr Henlein oder Herr XY über seine Stellung zu den Juden befragt wird." Das Hakenkreuz in Amerika Aus New York: Das Mitglied des amerikanischen Kongresses Samuel Dickstein, Vorsitzender der Einwanderungskommission des Repräsentantenhauses, macht in der Oeffentlichkeit darauf aufmerksam, daß eine Invasion deutscher diplomatischer und anderer Attaches nach den Vereinigten Staaten eingesetzt hat, die man sich nur dadurch erklären kann, daß der deutsche Reichspropagandaminister Dr. Goebbels' in dieser Tarnung seine Agitatoren nach den Vereinigten Staaten schickt. Nicht weniger als 300 nationalsozialistiatische Agitatoren, erklärt Dickstein, sind auf diese Weise in der letzten Zeit nach den Vereinigten Staaten gekommen, wo sie eine wohlorganisierte und umfassende Propaganda für Hitlertum und Antisemitismus betreiben. Dickstein fordert eine Untersuchung dieser Angelegenheit mit dem Ziele, diejenigen Nationalsozialisten, die getarnt, also illegal, nach den Vereinigten Staaten gekommen sind, auszuweisen, Zionistische Bezirkssektion Innere Stadt j Dienstag, den 31. Oktober, 9 Uhr abends I Ein Abend jüdischer Kunst 1 JÜDISCHE LIEDER 1 JÜDISCHE VORTRÄGE I :- JÜDISCHE MUSIK | im Festsaale des N.-Oe Gewerbevereines, | I, Eschenbachgasse 11 I Zum Schluß bemerkt Dickstein noch, daß Dr. Goebbels mehrere Millionen Mark für die Propaganda in Amerika bereitgestellt hat. Aus Berlin: Der „Völkische Beobachter" ergeht sich in wüsten Beschimpfungen dea amerikanischen Kongreßmitglieds Samuel Dickstein, der im' Körigreß' de? Vereinigten Staaten einen Antrag auf Unterbindung der nationalsozialistischen Propaganda eingebracht hat. Die Zeitung schreibt: Wir hoffen, daß. der Kongreß der Vereinigten Staaten bei der Behandlung des Antrages dea Juden DJckstejn die gebotene Würde zeigen und diesem Juden klarmachen wird, was er von solchen Umtrieben denkt. Aus Washington: Die Enthüllung des Kongreßmitgliedes Samuel Dickstein, daß etwa 300 nationalsozialistische Agitatoren unter der Tarnung von Konsularattaches nach den Vereinigten Staaten gekommen,sind, hat in Kreisen des Kongresses viel Aufsehen erregt. Mehrere Kongreßmitglieder forderten Dickstein, als den Vorsitzenden der Einwanderungskommission auf, be-' schleunigt eine Untersuchung Uber den Umfang der Nazipropaganda anzustellen und dem Kongreß zu berichten. Sollte sich die Vermutung als richtig erweisen« dann werde der Kongreß in seiner Dezember-Tagung ein Gesetz annehmen, durch welches die Einreise nationalsozialistischer Agitatoren und die antisemitische deutsche Propaganda verboten werden, ....... Die Einwanderungskommission hat als Zeugen für das Bestehen einer Nazipropaganda den Herausgeber der „New Yorker Staatszeitung", Bernhard R i d de r, vernommen, der mitteüte, bei ihm sei im Auftrage der, deutschen Regierung ein gewisser Heinz Spann« k n Ö b e 1 erschienen, der ihn aufforderte, den Nationalsozialismus in seiner Zeitung wohlwollend zu behandeln, falls er Wert darauf lege, bei einer eventuellen Reise in Deutschland nicht unfreund 1 ieh aufgenommen zu werden. Er hatie ihn'hinausgeworf en. Aber, es sei ihm bekanntgeworden, daß Spannknöbel bedeutenden Einfluß auf gewisse deutsch-amerikanische Kreise gewonnen habe, wobei er zinneist das erpresserische Mittel anwandte, die Leute für den Fall des Widerstandes gegen die nationalsozialistischen Werbungen mit- Repressalien gegen ihre Angehörigen in Deutschland zu bedrohen. Spannknöbel, der gleichfalls vernommen wurde, hat . seinen Besuch bei Ridder eingestanden und außerdem zugegeben, daß Hitler bereits über ein Organ in Amerika verfügt, das sich „Neues Deutschland" nennt, Der deutsche Botschafter und ehemalige Reichskanzler Luther bestreitet in einer Erklärung, daß 300 Agitatoren als Konsularattach.es aus Deutschland nach Amerika gesandt worden seien; er versucht aber nicht» die plötzliche Invasion von Attaches zu erklären. Aus New York: Am 29. Oktober soll in New York unter der Führung der Nationalsozialisten ein sogenannter „Deutscher Tag" stattfinden. Da die Nationalsozialisten für diese ' Veranstaltung r a s s e nantisemitische Parolen ausgegeben haben, ersuchten die maßgebenden jüdischen Organisationen die New Yorker Polizei, die Erlaubnis zur Abhaltung der Kündgebimg zurückzuziehen. Nachdem diese jüdischen Bemühungen bisher ergebnislos waren, planen die jüdischen Organisationen die Veranstaltung von Gegenkundgebungen. Die Feier, die im Arsenal des 69. Regiments in New York stattfinden wird, wird ganz im Zeichen dea Hakenkreuzes stehen. Der offizielle Vertreter der NSDAP, in den Vereinigten Staaten Heinz Spannknöbel hat eine Schutztruppe von 400 Mann für die Festversanjmlung organisiert.. Zu der vorbereitenden Versammlung für den „Deutschen Tag" waren auch die deutsch-jüdischen Vereine eingeladen worden. Der Präsident des Verbandes deutsch-jüdischer Vereine Robert Rosenbaum forderte eine Verdammung des Antisemitismus. Der Ehrenpräsident der Vereinigten Deutschen Verbände Pastor Dr. William P o p c k e erklärte aber, die Beratung sei einzig der Vorbereitung des „Deutschen Tages" gewidmet. Die jüdischen Delegierten verließen daraufhin unter Protest den Saal. Während der Versammlung wurden im Saale Flugblätter mit hetzerischem Inhalt gegen die Juden, den Papst und die Demokratie verteilt und an die Wände geklebt. In Newark (New Jersey), sollte am 17. Oktober eine nationalsozialistische Kundgebung stattfinden. Etwa 3000 Personen blockierten den Eingang zum Saal und verhinderten die Kundgebung. Bei den Zuiammear

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