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Die neue Welt · 1933-10-20 · Heft 319 (20.10.1933) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 319 (20.10.1933)
Date
1933-10-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite S DIE NEUE WELT Nr. 319 fallen sollten, wird kein Mensch uns zu Hilfe kommen. Jetzt ist Mut erforderlich. „Mach« ein Gesicht, als hättest du keine Angst", sagte ich meiner Frau. „Wenn sie uns fragen werden, so werde ich ihnen meine englischen .Papiere' und meinen Doktortitel zeigen." ...... , .. Wir standen einen Augenblick lang und schauten mutig zu-den Arabern, die sich oben befanden. Links von der Treppe gab es eine Oeffnung, die nach unten führte;, dort lagen viele Papierzettel: die Zettel, welche die besuchenden Juden hineinwarfen, um sogleich wegzugehen. Ein Araber kam und fragte, wer ich sei. Icn antwortete, daß ich Arzt sei. Diese Antwort machte Eindruck: auf ihn. Er sagte, wir sollen warten, und lief hinauf. Es erschien plötzlich ein arabischer Scheich und ein europäisch gekleideter Mann. Der „Europäer" trat auf mich zu und fragte, ob ich englischer Arzt sei. Ich antwortete, daß ich mich noch von meiner Jugendzeit her an die Geschichte der Höhle Machpela erinnere und jetzt, nachdem ich meine Studien beendet habe und auf kurzen Besuch nach Palästina gekommen sei, ich die „Maarah" (Höhle) sehen möchte. Er hörte mir mit Interesse zu und erklärte, daß auch er Arzt sei Und mir behilflich sein möchte. Aber der Besuch der Höhle sei nicht von ihm abhängig, sondern vom Scheich und dieser werde die Erlaubnis nicht geben. Doch will er mit ihm sprechen. Es war eine große Ueberraschung, als der Scheich die Bewilligung erteilte. Man gab uns Sandalen und der Scheich führte uns durch einen dunklen steinernen Vorraum. Der römische Kaiser hatte diesen Vorraum erbaut, um den Zutritt zu den Gräbern zu verbessern. Wir gingen schweigend ungefähr fünf Minuten. Unsere Herzen waren voll Angst und Bangen. Plötzlich blieb der Scheich stehen und zeigte uns einen Eingang. Wir traten ein. Ein runder Raum aus Stein. Einige Araber hockten gesenkten Hauptes auf dem Boden und beteten. Der Scheich wies uns nach links. Dort hing ein großer roter Vorhang mit einer blauen Krone und mit einer arabischen Aufschrift in der Mitte: „Wer diesen Ort entweiht, wird sofort getötet". Der Scheich schob den Vorhang weg und sagte still: „Treten Sie ein". Wir fühlten, daß wir jetzt das größte Heiligtum betraten. Der Scheich fuhr fort: „Hier stehen wir beim Grab Sarahs." Ein mit einem Eisengitter umzäunter Platz, ein tiefes Grab und in der Tiefe ein Stein. Um den Stein hingen an Ketten kleine Oellämpchen. Tag und Nacht brennen sie und dürfen auch nicht für eine Sekunde ausgelöscht werden. Dies erklärte uns der Scheich, aber eine eigentümliche Trauer erfaßte ihn und ließ ihn las Gespräch abbrechen. Auch der Arzt war benommen. Man kann sich leicht vorstellen, wie erregt wir waren, Ein würziger Geruch stieg auf, denn die Araber schütten teure Oele hinab. Mit einer Handbewegung zeigte der Scheich nach links — das Grab Abrahams. Wieder Eisengitter. Ein tiefes Grab. Ein Stein. Beide Grabsteine waren mit roten Teppichen bedeckt, auf denen der Koran und die Geschichte der Höhle in Goldbuchstaben geschrieben waren. Dann führte uns der Scheich zu einer Moschee. Wir sahen viele Araber knien und beten. Hier, in der Mitte der Moschee, befinden sich die Gräber Jizchaks und Rebekkas. Auch diese Gräber sind von Eisengittern umzäunt, die Steine jedoch nicht mit Teppichen bedeckt. Der Scheich führte uns an ein tiefes Grab, das von einem Oellämpchen beleuchtet ist. Dort sahen wir eine Menge von kleinen Zettelchen, die von den Arabern beim Beten zu ihren Eltern hineingeworfen werden. Beim Grab Jizchaks befindet sich eine schöne Der Leiter des Zentralbüros des Jüdischen Weltkongresses, Dr. Nahum Goldmann, übersendet uns den nachstehenden Artikel, der sich; mit dem für März 1914 einberufenen Weltkongreß beschäftigt. Der Autor wendet sich in seinen Ausführungen sowohl gegen diejenigen, welche den Termin des Kongresses als verfrüht bezeichnen, als auch gegen jene zionistischen Kreise, die befürchten, daß durch den Weltkongreß dem Zionismus die Führung der jüdischen Politik entwunden werden könnte. Verschiedene Artikel, die nach der 2. Jüdischen Weltkonferenz in der jüdischen Presse erschienen sind, veranlassen mich, darauf zu erwidern und Mißverständnisse sowie falsche Vorstellungen hinsichtlich des Jüdischen Weltkongresses, mit denen die Kritik in diesen Artikeln operiert hat, zu beseitigen. Ich will zunächst einige Worte über das immer wieder vorgebrachte Argument sagen, daß der Zeitpunkt, für den an sich notwendigen Jüdischen Weltkongreß noch nicht gekommen sei. Wenn weite Kreise eines Volkes oder gar der Menschheit die Notwendigkeit einer bestimmten Aktion spüren, so ist es keine Frage der theoretischen Klügelei, ob der Zeitpunkt bereits da ist oder nicht, diese Aktion herbeizuführen, sondern eine Frage derjenigen, die Mut und Energie genug besitzen, um die Sache in die Hand zu nehmen. Man hätte mit viel zwingenderen Argumenten, als man jetzt nachweisen will, daß der Weltkongreß zu frühzeitig, sei, seinerzeit beweisen können, daß die Zeit für den von Theodor.Herzl einberufenen ersten Zionis tenkongreß noch nicht „reif" gewesen sei. Wenn dies schon von dem Zionistenkongreß gilt, der ein bestimmtes Ziel von vornherein zur Basis hatte, so gilt es in viel höherem Maße von dem jüdischen Welt- - kongreß,1 dessen Charakter darin besteht, sich nicht auf : ein ganz bestimmtes konkretes Ziel festzulegen. Der Gedanke des jüdischen Weifkongresses ist so einfach, daß man es nur der Eigentümlichkeit des jüdischen Intellekts, die einfachsten Dinge zu komplizieren, zuschreiben muß, daß immer wieder die Frage nach dem oder jenem Programmpunkt des Weltkongresses zur Voraussetzung seiner Einberufung gemacht wird. Der Jüdische Weltkongreß soll für den politischen und ökonomischen Kampf des jüdischen Volkes um die Sicherung seiner Positionen und seiner Rechte in den Galuthländern die notwendige Tribüne, Repräsentanz und Organisation schaffen. Welche Mittel diese Organisation und Vertretung in der Verteidigung der jüdischen Lebensrechte und Positionen wählen und benutzen wird, dies zu bestimmen ist naturgemäß Sache des Kongresses selbst, und eine der Hauptzwecke seiner Einberufung besteht ja gerade darin, daß eine repräsentative Instanz des Volkes darüber einmal beschließt. Welchen Sinn, um ein Beispiel aus den Artikeln der letzten Wochen zu geben, hat die Argumentation etwa des Abgeordneten Dr. Rottenstreich (Lemberg), daß man sich erst klar werden müsse über die Stellung des jüdischen Volkes in dem neuen ökonomischen und sozialen System, welches in Europa im Werden begriffen sei, bevor man den Weltkongreß einberuft. Ich will nicht in eine Polemik darüber eintreten, ob es schon wirklich so absolut feststeht, daß das liberalistisohe Zeitalter beendet sei. Gesetzt sogar den Fall, daß es so wäre, so wird es sicherlich eine Frage von Jahrzehnten sein, bis sich der Charakter des neuen Zeitalters herauskristallisieren wird, welches die liberale Epoche ablösen wird. Will Dr. Rottenstreich, daß der jüdische Weltkongreß erst einberufen wird, wenn das neue Zeitalter fix und fertig ist? Und wann übrigens weiß man so genau, wann ein neues Zeitalter beginnt und ein altes beendet ist? Und glaubt Dr. Rottenstreich wirklich, daß es möglich wäre, daß vorher die „Weisen des Volkes" ein genaues Programm der Sicherung der jüdischen Positionen in der beginnenden neuen Epoche ausarbeiten und dann erst den Weltkongreß einberufen? Ich glaube, dieses eine Beispiel genügt, um auch die Haltlosigkeit aller anderen klugen Argumente zu beweisen, die zeigen wollen, daß der Weltkongreß zu früh sei. Ich würde es eher verstehen, wenn man erklären würde, er sei bereits zu spät. In einer solchen v Zelt, die gefährlicher ist für die jüdische Existenz als Hochschüler erteilt Nachhilfeunterricht in Mathematik, Darstellende Geometrie, Deutsch, Englisch usw. Event. HofmeisSerpesten Unter „Gewissenhaft" an die Administration des Blattes, It., Untere Augartenstraße 38 Kanzel, auf welcher der Scheich zweimal jährlich sitzt und zu den Muselmanen spricht. Etwas entfernt — wieder eine Steinhöhle. Dort sitzen die Araberinnen und beten laut. Die Gräber Jakobs und Leas liegen nebeneinander. Beim Grab Jakobs beten die Frauen, die ihn sehr verehren* Wir verließen die Höhle mit einem Gefühl, als müßten wir uns von etwas Ewigem trennen. irgend eine andere seit vielen Jahrhunderten, die Schaffung dieser Gesamtvertretung des jüdischen Volkes als zu früh zu erklären, entbehrt, wie ich glaube, jeglicher realen Beweiskraft. Andere Kritiken der Weltkongreßbewegung und insbesondere der Genfer Konferenz bezogen sich auf den Inhalt dieser Konferenz. Die einen kritisierten, daß sie sich nur mit der deutschen Judenfrage beschäftigt hat.-Ich kann eine solche Kritik verstehen, obwohl ich glaube, daß es durchaus berechtigt war, daß diese Konferenz, die in erster Reihe das Datum des Weltkongresses . proklamieren sollte, sich im Augenblick, gerade weil sie noch der Weltkongreß selbst ist, darauf beschränkte, die aktuellste Frage unseres Galuthlebens, das deutsch-jüdische Problem, zu behandeln, um die grundsätzliche Behandlung aller anderen großen Fragen, dem Weltkongreß selbst vorzubehalten. Natürlich ist klar, daß der Jüdische Weltkongreß in gleicher Weise wie mit der deutschen Judenfrage sich auch mit der Situation des polnischen, des rumänischen, des russischen, ja des amerikanischen Judentums, und von kleineren Judentümern nicht zu reden, wird beschäftigen müssen. Letzten Endes gibt es nur eine gesamtjüdische Frage in der Welt, von der die verschiedenen territorialen Probleme nur verschiedene Äusdrucksformen darstellen. Die bewußte Beschränkung der Genfer Konferenz, die die prinzipielle und entscheidende Behandlung all dieser Fragen dem Weltkongreß überließ und sich im; Augenblick nur auf die deutsch-jüdische Frage reservierte, weil sie uns unter den Fingern brennt und nicht aufgeschoben werden kann, war, wie ich glaube, hur bej rechtigt: und daraus ein Argument gegen den Welt- > kongreß herzuleiten, ist wirklich etwas an den Haaren 5 herbeigezogen. Ich muß auch einige Worte über diejenigen Kritiken sagen, die von zionistischer Seite kamen und die es als unangenehm empfanden, daß die Genf er Konferenz den zionistischen Kongreß kritisierte. Ich glaube, nicht nötig zu haben, meinen zionistischen Patriotismus zu beglaubigen, aber ich kann wirklich nicht verstehen, warum Zionisten so überempifndlich sein sollen, sofort zu erschrecken, wenn eine andere jüdische Tribüne manche Vorgänge des Zionistenkongresses kritisiert. Ich habe schon auf dem Zionistenkongreß in Prag bei der Diskussion in der Deutschland-Kommission gesagt, daß der; Zionistenkongreß, der bestimmte Positionen zu verteidigen, bestimmte konkrete Aufgaben in bezug auf die; deutschen Juden zu erfüllen hat, eine andere Sprache sprechen muß als eine gesamtjüdische Konferenz, die von ganz anderen Standpunkten an die Frage herangehen muß und kann. Der Zionismus im heutigen Stadium seiner Verwirklichung muß sich in erster Reihe auf die Förderung und Notwendigkeiten Palästinas orientieren, deswegen ist die Zweiteilung in einen Zionistenkongreß für Palästina und einen Weltkongreß für Galuth unvermeidlich geworden. Solange der Weltkongreß sich' darauf beschränken wird, die faktische Führung de« Paläs,tina-Politik und des Palästina-Aufbaus dem Zionistenkongreß zu überlassen, besteht keinerlei Gefahr für; die Zionistische Organisation darin, auch wenn auf dem Weltkongreß kritische Bemerkungen über die Zionistische Organisation und den Zionistischen Kongreß gemacht werden. Es wurde von mancher Seite gesagt, die Genfer Konferenz sei nicht genügend repräsentativ gewesen. Niemand bedauert es mehr als ich, daß verschiedene jüdische Organisationen und Strömungen auf der Genfer Konferenz noch nicht vertreten waren. Aber wenn man mit der Einberufung des Weltkongresses warten will, bis vorher die Beteiligung aller Teile des Judentums gesichert sein wird, wird er niemals zustande ER FOLG R El CH/TE R KLAVIERUNTERRICHT Spezialistin für Unbegabte, Schwer^ lernende S 3.—_ Uebunflsqelegennelt _ Nach bester, modernster Methode Ria Hahn, Wien II, Obere Donaustraße 19/35 ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■^ Die Genfer Konferenz und der Weltkongreß Von Dr. Nahum Goldmann (Genf)

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