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Die neue Welt · 1933-10-20 · Heft 319 (20.10.1933) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 319 (20.10.1933)
Date
1933-10-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Bette 4 DIE NEUE WELT Nr. 319 genossenschaft zu richten. Unterlassung würde Sei tos tausSchluß bedeuten. * Der Adelige, dem Spielschulden und Lumpereien nur die Wahl ließen, Bich eine Kugel in den Schädel zu Jagen oder eine reiche Saujudih in sein wappengeschmücktes Ehebett steigen zu lassen, war keine erfreuliche Er« echeinung. Der reiche jüdische Spekulant, der sich an eahlungsunfähig gewordene Aristokraten heranschlich, Ihnen die Tochter aufdrängte, war auch keine erfreuliche Erscheinung. Und die Sprößlinge aus dieser Kopulation Von adeliger Pleite und Streberei verkommener Juden Waren es schon gar nicht. Die Ahnen des erlauchten Herrn Fürsten zu Bentheim-Tecklenburg scheinen Glück im Spiel und Vorliebe für billige Mätressen gehabt zu haben. So ist sein Stammbaum rein geblieben^ Er braucht sich vor seinen Pferden und Munden nicht zu schämen und kann seine „gemischten" Standesgenossen ausmerzen. Gott segne sein Werk! Mißhandlung ausländischer Juden in Deutschland Die Demarche der Vereinigten Staaten Aus Washington wird amtlich berichtet: Die Regierung der Vereinigten Staaten hat Kenntnis von wenigstens 27 Fällen von Angriffen gegen.in Deutschland reisende jüdische amerikanische Bürger. Mit Ausnahme von sieben Fällen waren die Angreifer stets Hitler- Leute. Die deutschen Behörden erklärten regelmäßig ihr .Bedauern und versprechen die Verfolgung der Schuldigen, die aber nie erfolgt. Nur in zwei Fällen sind Verhaftungen durchgeführt worden. In einem dieser Fälle wurde eine Geldstrafe von 50 Mark verhängt, nachdem der Richter erklärt hatte, der Angreifer sei ein deutscher Arier und der Angegriffene ein amerikanischer Jude. Der Botschafter der U. S. A. in Berlin wird der deutschen Regierung mitzuteilen haben, daß sich die amerikanische Regierung nicht mehr mit offiziellen Entschuld ig ungen begnügen könne, sondern verlangen müsse, daß die Angreifer strenge bestraft und die amerikanische Botschaft von der Art der Bestrafung unterrichtet Werde. Die amerikanische Presse gibt ihrer Genugtuung darüber Ausdruck, daß das Staatsdepartement, das bisher die Angriffe .auf Amerikaner in Deutschland leicht na hm, weil, sie sie als Begleiterscheinungen der Revolution ansah,- nunmehr energisch den Dingen auf den Grund gehen Will. Die Presse :teilt mit, der Staatssekretär Hüll habe den Botschafter Doddin in Berlin angewiesen, in seiner Besprechung mit dem, Reichskanzler den Nachweis über die gerichtlicher Verfolgung von 27 Mißhandlungen von Bürgern , der Vereinigten - Staaten zu fordern und ferner zu verlangen, daß. die •deutsche Presse die gerichtlichen Urteile meldet. Sollte sich herausstellen, daß die Reichsregierung ihr Versprechen, die Schuldigen zu strafen, nicht erfüllt hat, so würde sich die Regierung in Washington gezwungen sehen, zu erklären,, daß es "notwendig sei, amerikanische Bürger während ihres Aufenthalts in, Deutschland vor Belästigungen durch Nationalsozialisten zu schützen. Hüll hat hinzugefügt, er. habe den, Eindruck, daß die deutsche Regierung in dem Falle des Amerikaners Feltz, der kürz? lieh unter den Augen der Polizei von SA.-Leuten mißhandelt wurde, ihre Pflicht nicht getan hat,..... Botschafter Dodd hat bereits am 13. Oktober im Berliner Auswärtigen Amt vorgesprochen. * Aus L o n d o n: Der. südafrikanische Staatsangehörige König, ein Jude, wurde in Frankfürt a. M. wegen Verweigerung des Hitler-Grußes von SA.-Leuten schwer mißhandelt. Auf Einschreiten des britischen Konsulats drückte der Polizeipräsident Frankfurts sein Bedauern aus.- und versprach die Entlassung, der schuldigen SÄ.-Leute sowie Vergütung der ärztlichen Kosten an dem Mißhandelten. ,-.•*■• : Aus Prag: Die dem heutigen Deutschland nicht unfreundlich gegenüberstehende Zeitung „Bohemia" bringt den deutschen. Behörden den dokumentarisch belegten Fall der schweren Mißhandlung des in Chikago geborenen jüdischen Matrosen und Boxers Zisu Feinstein, der rumänischer Staatsbürger ist, zur Kenntnis. Feinstein nächtigte in der Nacht zum 8. September im Berliner Männerheina in der Gormannstraße. Als er morgens vor der Tür stand, nahte sich dem Heim ein . Zug Hitler- Jugend. In diesem Augenblick schlug der Leiter des Helms, dem bekannt war, daß Feinstein Ausländer ist, diesem mit einem großen Brotmesser über den Köpf, so -daß Femstein eine klaffende Stirnwunde davon trug und vom 8. bis 18. September im Städtischen Krankenhaus daraiederlag. „Bohemia" sagt den Behörden, es sei ihnen ganz leicht, in diesem klarliegenden Fall das Nötige zu veranlassen. * Berne?knng der Redaktien;- Es gibt gewiß Fälle, in welchen ausländische Juden genötigt sind, nach Deutschland zu fähren. Aber in vielen Fällen liegt kein ahjolut zwingender. Grund vor. Wüxdelpsigkeit, Uebermut und kleinliche Gewinnsucht sind oft die Motive, ja, man kann sagen, in den meisten Fällen. Breit setzen sich dann diese Helden hin und erzählen, in Deutschland „sei es nicht so arg", ihnen sei nichts geschehen. Stolz fügen sie hinzu, man habe ihnen „den Juden nicht angesehen". Diesen Leuten ist eine Tracht deutscher Hiebe von Herzen zu gönnen und nach der Rückkehr die gefatirige Antwort von jüdischer Seite. Jüdische Nationalität und Antisemitismus Die Erkenntnis ist durchgedrungen Der schwerste Vorwurf, den die antizioniatisch, antintional eingestellten Juden — liberale, orthodoxe oder sozialistische — gegen Theodor Herz! erhoben hatten, lag in der Behauptung, daß er dem Antisemitismus in die Hände arbeite. Nur Antisemiten können der Errichtung eines Judenstaates zustimmen, und nur Antisemiten erblicken in der jüdischen Gesamtheit eine Nation, in den Juden der einzelnen Staaten nationale, rassische Minderheiten. Sie haben mit dieser Behauptung auch erreicht, daß Nichtjuden, welche nicht in den Geruch des Antisemitismus kommen wollten, der jüdischnationalen zionistischen Idee zurückhaltend, meist ablehnend gegenüberstanden. Es gehörte auch in nicht jüdischen liberalen und sozialistischen Kreisen zum guten politischen Ton, keine Juden zu sehen, höchstens „israelitische" Mitbürger, Deutsche, Franzosen, Engländer usw. mosaischer Konfession. Die Zeit hat mit dieser Anschauung in nichtjüdischen Kreisen gebrochen. Zuerst in Hinsicht auf das jüdische Palästina, das jüdische Nationalheim, den Judenstaat. Die Vertreter der Kulturnationen, und vor allem jener Nationen, welche dem jüdischen Volke wohlwollend gegenüberstehen, erkennen den Zionismus als würdigste und vernünftigste Form der Lösung der Judenfrage an. Der Völkerbund hat die Verpflichtung für die zionistische Lösung der, Judenfrage übernommen. Daneben ist festzustellen, daß die Antisemiten aller Nationen gegen das jüdische Palästina Stellung nehmen. Sie hatten für den Zionismus gute Worte übrig, solange das jüdische Palästina ein Phantom schien. Sie bekämpfen es, da es eine Realität geworden ist. Sie stehen jetzt in einer Front mit den arabischen Chauvinisten, welche die' Juden von Palästina fernhalten wollen. Der gleiche Prozeß hat sich hinsichtlich der Begriffe „jüdische Nation", „jüdischnatinale Minderheit" vollzogen. Die letzten Debatten im Völkerbund haben das anr schaulich bewiesen. Der Vertreter der a n t i s e m t ischesten Macht der Welt, Hitler-Deutschlands, hat sich gegen die Zuerkennung des Charakters einer „Nation", einer „nationalen Minderheit" an die Juden heftig ausgesprochen. Gegen ihn ist der Vertreter Englands, der als Juden- und Zionistenfreund bekannte Ormsby-Gore, aufgestanden' und hat im Namen der großen, als Hort des Liberalismus geltenden Nation die« Anerkennung der J u d e n ai s N a t i 6 n ausgesprochen. Er erklärtem v >..■-.;„ rsu*..-..'>; ... ■ -■> ,'. - ■■ 1 1 „Der deutsche Vertreter1 hat in seiher Rede dem Zweifel Ausdruck gegeben, ob man die Juden als eine Minderheit betrachten kann. Er bemerkte, daß die Juden in Deutschland' weder eine sprachliche noch eine n a t i o n a 1 e Minder h e i t sind und daß sie. in der Ausübung ihrer Religion niemals irgend einer Einschränlcung unterzogen worden sind. Ich möchte gleich erklären, daß Deutschland eine lange Tradition reli giöser Toleranz hinter sich hat und dort niemals staatliche Eingriffe die freie Ausübung der Religion hindert haben. Aber wir müssen die Juden nicht nur in Deutschland, sondern auch in den anderen Ländern endgültig als eine rassenmäßige Minderheit betrachten. Der Vertreter Deutschlands hat, bezugnehmend auf . die Deutschen : in der Tschechoslowakei und in anderen benachbarten Ländern, auf die ethnische Grundlage und auf die bewußte r a s s e n m ä ß i g e Homogenität hingewiesen. Nun geht es nicht an, zwei v e rschiedene Maßstäbe an dasselbe Problem: anzulegen. Wenn der Vertreter Deutschlands den rassenmäßigen Charakter des arischen Deutschen ins Licht rückt, so muß er zugeben, daß an oh der Jude überall eine rassenmäßige Homogenität aufweist und mit allen Juden der Welt durch das gemeinsame Blut, durch die gemeinsame Geschichte und durch Fammenzusammenhang gebunden ist. . . NÄCHSTE PALÄSTINA REISE Mit dem Lloyd - Dampfet „Teveie" 04*000 Tonnen) übet Rom und Neapel» Abfahrt von Wien SMS» Oktober 1933 Preis von 8 399 aufwärts Arrangement und Releeleltung Frau Berta Tau lies - Auskünfte: Reisebüro MertenbrQoke (Pajastlnadlenatj, Wien I, Roteoturmstrafte 36, Tel., R-24*2*89> tagllob von 10 bli 1 Uhr Es unterliegt keinem Zweifel, daß bei den Juden ein Gefühl ihrer historischen Kontinuität besteht und daß sie eine rassenmäßige Minderheit darstellen, die Uberall die gleiche Behandlung verdient, wie alle anderen Minderheiten in allen Ländern. Ueberall, wo die Juden gut und liberal behandelt wurden, haben sie sich als die allerloyaisten und allerntttzlichsten Mitglieder der staatichen Gesellschaft erwiesen." So steht ein Zeuge nach dem anderen für Theodor Herzl, den Erwecker des Gedanken? von der jüdischen Nation, auf. Herzl stellte den Satz vor sein Werk hin: „Wir Juden sind ein Volk, ein Volk", und sagte, daß nur von dieser Erkenntnis ausgehend die Lösung der Judenfrage zu finden sei. Sein Ge- | danke hat gesiegt, die Geschichte ist Uber den Gedanken seiner Widersacher, über die jüdische Assimilation, hinweggegangen. Von der ludenstaafsparfei Das Organisationsdepartement Wien, IX., Universitätsstraße 8, teilt mit: Das laut Beschluß der Prager Konferenz nach Wien verlegte Organisationsdepartement hat die Arbeit in vollem Umfange aufgenommen und steht bereits mit fast allen Landesorganisationeh der Judenstaatspartei in engem Kontakt. Aus den eingelangten Berichten geht hervor, daß in allen Ländern die Werbearbeit intensiv eingesetzt hat. Es wurden neue Ortsgruppen gegründet, insbesondere Gruppen der Jugendorganisation „Brith Hakanaim". Die überaus wichtige Arbeit für die „Volkssiedlungsbank in Palästina" wurde begonnen, zu deren Unterstützung das Organisationsdepartement eine Broschüre hat erscheinen lassen. In allernächster Zeit folgen Broschüren über „D a s Programm und der Weg der Judenstaatspartei" und über den „Brith Hakanaim". ' Das Mitglied des Exekutivkomitees He r r M. Groß.mann, ist von Warschau nach Galizien gereist, wo er in Jarosaw, Rzesow, Tarn ow und Krakau Vorträge halten wird. Während seines Aufenthaltes in Kongreßpolen hielt Herr Großmann eine Reihe von Vorträgen und Besprechungen ab und. legte einer Pressekonferenz wichtige Erklärungen über die Judenstaatspartei vor.'Die polnische Landesorganisation teilt mit, daß sich die Arbeit erfolgreich entwickelt und vor allem die Arbeit für den „Brith Hakanaim" schöne Erfolge zeitigt. Eine besondere Unterstützung erwarten unsere Freunde vom Wiedererscheinen des j,Najen Weg", der unter der redaktionellen Leitung M. Großmanns nunmehr regelmäßig erscheint. Mit der Landesleitung für West galizien .wurde Herr O; P ä ta s e herj Jaroslaw. betraut; Die Landeskonferenz der Judenstaatspartei in Ostgalizien findet am 15. November in Stryi statt. Herr B. Weinstein, der das Sekretariat der Judenstaatspartei in Er.ez Israel provisorisch leitet, ist bereits dort eingetroffen und hat die Arbeit begonnen. Die - Adresse des Sekretariates für Palästina lautet bis auf weiteres: Igud Hamdinataim, Tel-Awiw, Rechow Achad Haam 13. Alle in Erez Israel eintrefiffenden Mitglieder und Freunde der Judenstaatspartei werden aufgefordert, sich dort zu melden. Besondere Rührigkeit entwickelt die Landesorganisation in Altrumänien, die unter der Leitung von Herrn Direktor Phil Up Rosenstein, Bukarest, steht. Es erschienen zwei Aufrufe über das Programm der Judenstaatspartei, über ihre Tätigkeit und ihre Haltung auf dem Kongreß. Ueber die erfolgreiche Kreiskonferenz der Landesorganisation in der Tschechoslowakei wurde bereits berichtet. Ergänzend sei mitgeteilt, daß mit der provisorischen Leitung folgende Herren betraut wurden: Heinrich B-ar-ber, Marcell Färber, Oskar Herlinger, Ing. Jonkler, Dr. Hugo Mandl und Otto Sternlicht. Die Adresse lautet: Judenstaatspartei, Mor. Ostrava, Tf. Republ. 67. Aus dem eingelangten Bericht geht hervor, daß die Leitung der Veransaltung eine Reihe von Propagandavorträgen und eine große Werbeaktion für die .„Ne.ue Welt" beschlossen hat. In Jugoslawien haben die Herren A. Platzn.er und E. Goldner (Zagreb) die provisorische Leitung übernommen und wurde, wie in der Tschechoslowakei, beschlossen, für die Verbreitung der „Neuen Wel t" Sorge zu tragen. Die provisorische Adresse lautet: Alfred Platzner, Zagreb, Klaonicka 11/HI. Die Arbeit in B e s s a r a b i e n wird jetzt von Herrn Zwi Blrmann, Chisianu, geleitet, der eine Reihe wichtiger Aktionen eingeleitet hat. In Litauen und Lettland hat die Arbeit mit großem Schwung eingesetzt. Auch wird der Organisierung des „Hechaluz Haleumi" große Aufmerksamkeit zugewendet. Ueber die Tätigkeit in diesen beiden Ländern wird in den nächsten Mitteilungen ausführlich berichtet. Das Mitglied des Exekutivkomitees, Herr Dr. J. Machower (London), ist zu längerem Aufenthalt in Erez-Israel eingetroffen. Die Anschrift der englischen Prganisation lautet: M. Porowitz, 6, Queensdown Rd., Clapton, London E.5. ..... Die Judenstaatspartei in Deutschland teilt mit, daß auch sie bereits die Arbeit aufgenommen hat. In einigen Tagen erscheint in jiddischer Sprache ein Sammelheft „Der Weg des Barkai", das von der Mifkada Eljona des Brith Hakanaim herausgegeben wurde und Artikel von M. Graßmann, Dr. H. Rosenblum, Dr. Ben-Schern und Dr. Jakob Kahan enthält. Da diese Broschüre für die Werbearbeit grundlegend Ist« werden alle Landesorganisatiorten ersucht, die Broschüre bei der Mifkada Eljona des Brith Hakanalm, Warszawa, Dluga 26/6, anzufordern. Preis der Broschüre Zloty 0.30. yr- Unsere geschätzten Leser werden auf die jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besonders, aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten «ämtliche Schulbücher (auch antiquarisch),zu ermäßigten Preisen erhältlioh sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Groschen täglich. Keine Nebengebühren. Für Anfragen Telephon R-41-4-20. g

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