Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 319 (20.10.1933)
- Date
- 1933-10-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 319 DIE NEUE WELT Seite %A Einsteins Absage an Moskau Brief unseres Londoner Korrespondenten London, 15. Oktober. In den letzten Tagen herrschte um den hier weilenden Prof. Albert Einstein große Aufregung. Vorerst verdichtete sich das Gerücht, daß die Hitler-Regierung einen Preis, man schrieb von 40.000 Mark, für den Kopf des großen Gelehrten ausgesetzt habe. Man sah daher der großen Kundgebung in Albert Hall, mit dem jüdischen Gelehrten als Hauptreferenten, etwas ängstlich entgegen. Es fanden sich Juden, vor allem gewisse Leute aus der Finanzwelt, welche Einsteins Freunde bewegen wollten, sein Auftreten in der Oeffentlichkeit zu verhindern. Anderseits nahm ein Teil der englischen Presse Stellung gegen Einstein, und zwar mit Hinweis auf seine politische Orientierung, die als bolschewistisch und kommunistisch bezeichnet wurde. Tatsächlich wurde nachgewiesen, daß auf Aufrufen verschiedener bolschewistischer Auslandsorganisationen, wie „Rote Hilfe", j,Antikriegsliga", „Liga der Freunde Sowjetrußlands in Deutschland", „Liga gegen den Imperialismus" usw., Einstein als Präsident oder Vizepräsident unterzeichnet war. Besonders „Daily Mail", die große Londoner Tageszeitung mit einer Millionenauflage, griff Einstein als Werkzeug Moskaus heftig an und forderte die englischen Politiker, welche mit Einstein in Albert Hall sprechen sollten, auf, sich an der Einstein-Demonstration nicht zu beteiligen. Demgegenüber sah sich Einstein, welcher die Vorgebrachten Fakten nicht leugnen konnte und wollte, zu einer Erklärung genötigt, welche im Wesen ein Reuebekenntnis war. „Manchester Guardian" brachte ein Schreiben an die Redaktion, welches so schließt: „... Wie andere Intellektuelle, die es als ihre Pflicht empfinden, nach besten Kräften der Sache der Humanität zu dienen, bin auch ich ein Opfer eines Mißverständnisses geworden über die wahren Ziele gewisser Organisationen, die in Wirklichkeit nichts anderes als getarnte Propagandaorganisationen des russischen Despotismus sind. In Unkenntnis ihrer wirklichen Absichten habe ich nichts getan, um den Gebrauch meines Namens durch die „Internationale Arbeiterhilfe" und die „Antikriegsbewegung" oder ähnliche Organisationen zu verhindern; doch möchte ich jetzt feststellen, daß ich niemals den : Kommunismus begünstigt habe und dies auch jetzt nicht tue... Nach meiner Ueberzeugung ist jede Macht, die das menschliche Individuum durch Terror und Gewalt versklavt, eine Feindin der Menschheit — gleichviel, ob sie unter faschistischen oder kommunistischen Fahnen marschiert. Alles, was wertvoll ist in der menschlichen Gesellschaft, hängt von den Möglichkeiten ab, die dem Individuum für seine Entwicklung gegeben sind." Man muß feststellen, daß diese Erklärungen und Gegenerklärungen eine sehr peinliche Stimmung hervorgerufen und die anfänglich herrschende Begeisterung für die große Demonstration gegen Hitler- Deutschland stark beeinträchtigt haben. Das Meeting, welches unter enormem Polizeiaufgebot stattfand, war massenhaft besucht, aber der Schwung fehlte. Einstein schien gedrückt und eingeschüchtert. Auch die Bemühungen der mitwirkenden bekannten englischen Politiker, wie Sir Austin Chamberlain, Lord Rutherford u. a., hatten keinen großen Erfolg. Allgemein herrschte das Empfinden, daß e3 besser wäre, den als Gelehrten großen, aber als Politiker kleinen und leicht zu mißbrauchenden Einstein nicht in den Mittelpunkt politischer Demonstrationen zu stellen. Das Einstein-Meeting war kein Erfolg, obzwar sich einige Zeitungen, vor allem jüdische, bemühten, einen Erfolg zu konstatieren. Bemerkung des Herausgebers: Meine Achtung vor Einstein vertiefte sich, als ich ihn persönlich kennenlernte. Ein reiner, großer Mann, naives Genie, nationaler, stolzer Jude. Trotzdem mußte ich Einstein wiederholt in diesem Blatte bekämpfen, und immer dann, wenn er politische Aeußerungen von sich gab. Unglüchlicherweise ist Einstein bis nun von der widerwärtigen Clique der Salonbolschewiken und Salonmarxisten umgeben gewesen, die den politisch willenlosen Gelehrten zu Sensationen mißbrauchten. Es ist an sich empörend, einen großen Menschen in Gesellschaft von kleinen Genießern und fetten Schmarotzern zu wissen, die in roter Mode machen. Zu dieser Empörung gesellt sich aber die Bestürzung über das Unheil, welches dadurch angerichtet wird, daß man einen Repräsentanten des jüdischen Volkes, und das ist Einstein, der Welt als Marionette Moskaus vorführt. Hoffentlich ist die Absage Einsteins an seine bisherige Politik eine endgültige. Judenstaatspartei Oesterreichs Dienstag, am 24. Oktober um Vv9 Wir abends im Restaurant Kovarik, V., Margaretenplate 7 der Herren Oberbaurat Robert Strickern Dr. Salomen Wolf Thema: Was will dleJudenstaatspartel! Begiebeitrag Jüdische Kinder werden gemartert! Aus, London: Ein erschütterndes Bild der Verrohung, die in Deutschland als Folge der hemmungslosen Judenhetze eingerissen ist, entwirft der deutsche Korrespondent des „Manchester Guardian" in einem Brief aus Oberschlesien. Die Träger der Rassenideologie sind in den Schulen Oberschlesiens nicht etwa die Lehrer, sondern die Kinder. In der Volksschule von Beuthen nahmen die „deutschen" Kinder eine Resolution an, in der sie erklärten, daß sie nicht gewillt seien, mit den jüdischen Kindern auf einer Bank zu sitzen. „Wir wollen uns nicht mit Juda vermischen", hieß es in der Resolution. Tatsächlich sind in Beuthen wie in anderen Volksschulen Oberschlesiens die Judenkinder von den arischen Kindern durch eine leere Bankreihe getrennt. Arische Knirpse terrorisieren die Lehrerschaft; ein Lehrer, der es wagen würde, für einen mißhandelten jüdischen Schüler Partei zu ergreifen, müßte eine Anzeige seitens der deutschen Buben und den Verlust seines Postens befürchten. Sogar in den Kindergärten treibt die antisemitische Vergiftung der Kinderseelen ihre Blüten. Der Berichterstatter des „Manchester Guardian" erzählt, daß beim Absingen der Strophe des Kinderliedes „Kinder mit deutschem Herzen", wo es heißt: „Kommt und reicht die Hände euch, ob arm ob reich! Wenn das Herz nur deutsch ist, sind wir alle gleich", fünf« und sechsjährige Kinder sich weigern, den jüdischen Kindern im Reigen die Hand zu reichen. Die Lehrerinnen trauen sich nicht, die Kinder zurechtzuweisen, In den Schulen kommt es alle Tage vor, daß die „arischen" Kinder ihren jüdischen Schulgenossen mit dem Federmesser Hakenkreuze in die Kleider schneiden. Die Bücher der Judenkinder werden mit Hakenkreuzen beschmiert. Kleinen Judenmädchen in Hindenburg wurden die Schürzen von den Klassengenossinnen in Hakenkreuzform zerschnitten. In Oppeln ergriffen sechs arische Knaben einen 18jährigen jüdischen Kollegen, schleppten ihn in einen Schuppen und zwangen ihn, auf ein mit spitzigen Nägeln benageltes Brett niederzuknien. In dieser Stellung mußte der Junge „Heil Hitler!" schreien, bis er von einem zufällig vorübergehenden Christen, der die Schreie gehört hatte, aus den Händen seiner halbwüchsigen Peiniger befreit wurde. In Gleiwitz beging ein jüdischer Schüler wegen der Verspottungen und tätlichen Mißhandlungen, denen er in der Schule ausgesetzt war, einen Selbstmordversuch. Er wurde gerettet, doch stellten die Aerzte bei dem Knaben Verfolgungswahn als Folge der ausgestandenen seelischen Leiden fest. Angesehene Aerzte sagten dem Berichterstatter, daß die judischen Kinder die Hölle in deutschen Schulen nicht ohne schweren Schaden für ihre Gesundheit und ihr Nervensystem werden aushalten können. * Aus Nürnberg: Welchen Gefahren ein Lehrer in Deutschland ausgesetzt ist, der es wagt, an der Mißhandlung und Peinigung jüdischer Schulkinder nicht teilzunehmen, oder gar die Quälereien verhindern will, kennzeichnet folgende Episode: Im hiesigen offiziellen Blatte der Nationalsozialistischen Partei, also im Regierungsblatt, „Der Stürmer" erschien eine von deutschen Eltern aus Stuttgart dem Blatt eingesandte Zuschrift, in der gegen einen nationalsozialistischen Lehrer Klage geführt wird, weil er ihren „Jüngsten", der einem jüdischen Schüler eine „saftige Ohrfeige" verabreichte, mit Arrest drohte und sagte, „auch Juden seien Menschen". Dieser selbe Lehrer habe, heißt es in der Zuschrift weiter, als die arischen Schüler der Klasse gegen die drei jüdischen Mitschüler Front machten und das Lied sangen „Volk, ans Gewehr!", in dem die Stelle vorkommt: „Und Judaden Tod!", eine Rede gehalten, in der er die „Judenbenge 1" in Schutz nahm und es auf das strengste verbot, die Juden in der Klasse zu hänseln. Die Redaktion des „Stürmer" greift unter der Ueberschrift „Zum Teufel mit solchen Lehrern!" den Lehrer, obwohl er ein .JÜDISCHE ELTERN % Kauft Sdiulbudier für eure Kinder nur in der jUdUchan Buchhandlung Hermann Tlldiner ECKETaborstr.52 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen - auch antiquarisch - zu sehr mäßigen Preisen 5p«f«nfrti« Zusendung überallhin Verzeichnisse kostenlos I Für Auskünfte: Tel. IM1-4-20 SA.-Mann ist, scharf an, nennt ihn einen „Judenknecht" und fordert ihn auf, wenn er noch einen „Funken des Gefühls der Anständigkeit in sich trägt", freiwillig aus der NSDAP, auszutreten und auf seinen Lehrerberuf zu verzichten. Man kann sich leicht vorstellen, wie es diesem in dem Blatte der herrschenden Partei gebrandmarkten Lehrer ergehen wird. So werden die Lehrer, die sich noch einen Rest von Menschlichkeit gewahrt haben, gezwungen, ihn preiszugeben und Henkersdienste an jüdischen Kindern zu verrichten. Das nennt sich ritterliche deutsche Nation! Judenlcnedtt Dollfuß Aus Nürnberg: Die in Nürnberg unter der Redaktion des nationalsozialistischen Führers Julius Streicher — im Frühjahr 1933 von Reichskanzler Hitler zum Leiter der antijüdischen Boykottzentrale ernannt — erscheinende Zeitschrift „Der Stürmer" ist von Anfang bis Ende mit judenhetzerischem Material gefüllt. Das erste Oktoberheft der Zeitung bringt die Balkenaufschrift: „Wer bei Juden kauft, ist ein Volks Verräter!" und veröffentlicht eine Namens¬ und Adressenliste sämtlicher jüdischer Kurgäste la Garmisch-Partenkirchen (nahe an der österreichischen Grenze gelegen) mit der Bemerkung, daß „dieses ganze Judengeschmeiß deshalb in Garmisch zusammengezogen wurde, um im Notfalle dem Judenknecht Dollfuß ein Regiment treuer Kämpfer zu stellen". Das Heft bringt eine Prangertafel von mit Jüdinnen verheirateten Ariern, veröffentlicht die Zuschrift eines Landstreichers, der erzählt, wie zwei mit Namen benannte Juden ihn und seine Frau, als sie sich auf dem Bettelwege befanden, in ihrem Auto mitnahmen und an ihn das Ansinnen stellten, ihneix die Frau zu ' verkauf en. Weiter wird eine Zuschrift aus Aachen veröffentlicht, daß dort Juden so „frech" sind, ein öffentliches Kaffeehaus zu besuchen. Zwei „Judenweiber" wagen es sogar, einen Fensterplatz einzunehmen. Die Zuschrift schließt mit der Ankündigung: „Eines Tages kommt es doch zum Krach; Dann fliegen die Judenweiber samt ihrem Anhäng in hohem Bogen in die Gosse. Es ist Zeit, daß sich auch in Aachen etwas rührt." Mit Namen genannten jüdisch e n Aerzten, die gezwungen werden, ihre alte Praxis aufzugeben und fortzuziehen, wird ein höhnisches „Auf Nimmerwiedersehen" zugerufen. Gegen' viele andere Juden, deren Namen und Adressen angegeben werden, werden Beschuldigungen erhoben, daß sie zum Schaden Deutschlands arbeiten. Erfreuliches aus Hi'fler-Deulsdiland Aus Berlin wird gemeldet: D*er Adelsmars c h a 11 der Deutschen Adelsgenossenschaft, Fürst zu Bentheim-Tecklenburg, hat an den reinblütigen deutschen Adel einen Aufruf gerichtet, in dem er ihn zur Mitarbeit am neuen Staat unter Führung Adolf Hitlers aufruft. Der deutsche Adel soUe, soweit er r e i nb 1 ü t i g, das heißt von jeder Mischung'mit jüdischem frei und in Haltung und Lebensführung des Adels würdig ist, in der deutschen Adelsgenossenschaft und in Listen des reinblütigen deutschen Adels zusammengefaßt werden. Aufnahmeanträge unter Beifügung des Ahnennachweises sind an die Orts- oder Landesgruppe der Adels- COMPASS TOURS WIEN NEW YORK PARIS IX, Spitalgasse 3, Tel, B"42«5»38 6. Gesellschaftsreise flach Palästina 1. November 1933 - Sonderfahrt mit dem Luxus-Expreßdampfer »VULCANIA« (36.000 Tonnen) über Rom, Neapel, Ath«n Auskünfte und Anmeldungen: Wien IX, Spitalsasse 3 Telephon B-42-5-38 . .