Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 319 (20.10.1933)
- Date
- 1933-10-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit* 2 DIE NEUIS' WELT Nr. 319 Zionismus ist neu aufgeflammt. Mit zionistischem Oelde in der Tasche demonstrieren die arabischen Arbeiter zusammen mit arabischen Unternehmern gegen den Zionismus und vor allem gegen die jüdische, Arbeit und gegen die Niederlassung jüdischer Arbeiter in Palästina! Das ist der Dank, den die Zionistische Arbeiterpartei erntet. Das der Nutzen, der dem Zionismus aus der Politik der Partei, der man die Führung überlassen hat, erwächst. Memorandum der Araber Palästinas an den Völkerbund Aus Jerusalem: Die Araber haben beim Völkerbund ein Memorandum eingereicht, worin'den Juden Vorgeworfen wird, daß sie mit den Vorgängen in Deutschland ein Geschäft treiben. Diese Vorgänge seien für die Juden der Anlaß zu einem Appell an das Weltmitleid, und die allgemeine Gegnerschaft gegen Hitler soll für diesen Zweck geschickt ausgenützt werden. Warum wollen die Juden nicht eine Kolonie in Afrika annehmen, wo niemand wohnt und wo sie ohne Störungen einen Staat aufbauen könnten. Die religiöse Anhänglichkeit an Palästina, der Wiege aller Religionen, respektieren wir. Aber welche Beziehungen haben diese Gefühle zu dem Aufbau eines jüdischen Staates und der Vertreibung der Araber aus Palästina? Das Land kann keine Einwanderung mehr vertragen und da 14 bis 15 Millionen Juden in Palästina keinen Platz haben, bedeutet dies nicht eine drohende Expansion nach Syrien und dem Irak? Die Juden sind kein agrarisches Element, Beweis, daß jede jüdische Kolonie noch heute ein Defizit von mindestens 4000 bis 5000 Dollar jährlich hat. Antizionistische Eingabe an die Palästina-Regierung Aus Jerusalem: Der Präsident der Organisation der arabischen Jugend überreichte dem High Gommissioner ein Memorandum, in welchem gegen die jüdische Einwanderung protestiert wird. Däs Memorandum stützt sich auf teils falsche, teils übertriebene Zahlen, welche die arabischen Zeitungen über die jüdische Einwanderung bringen. U. a. wird gesagt: „Ich bedauere, Ihnen bekanntgeben zu müssen, daß das arabische Volk sehr erregt ist über die Politik der Regierung, welche Tore Palästinas der jüdischen Einwanderung so weit öffnet. Diese Einwanderung birgt eine große Gefahr, an der man nicht stillschweigend vorübergehen darf. Auch Eure Exzellenz haben gewiß dasselbe Gefühl, trotzdem läßt man zu, daß in Haifa allein 1168 Zionisten in einer Woche landen. Wir fordern, daß die richtigen Einwandererzahlen der letzten sech» iMonate; ^bekanntgegeben werden. Wir fragen,, warum läßt man den (zionistischen Strom über uns ergießen, ohne mit der Lage des Landes zu rechnen? Wir haben erfahren, daß die Jewish Agency die Bewilligung für eine Einwanderung von 80,000 Menschen in den nächsten drei Monaten verlangt hat und im Laufe dieses Jahres 400.000 Einwanderer, ins Land bringen will. Die Araber Palästinas werden sich selbst dagegen zu schützen wissen, aber vorher verlangen sie noch, die jüdische Einwanderung einzustellen und die Tore zu schließen. Das Land kann nicht länger leiden und schweigen. Wir erwarten eheste Antwort." In einem Aufruf „An das arabische Volk" heißt es: „Der Regen vom Himmel hat aufgehört, dafür regnet es jüdische Einwanderer. Die Erde gibt keine Frucht mehr, dafür werden menschliche Pflanzen eingesetzt... Wir verlangen, daß das Volk der Regierung seine starke Stimme des Protestes hören lasse! Durch Protestversammlungen, Demonstrationen und sämtliche gesetzliche Mittel muß* die" jüdische Einwanderung behindert werden." Antizionistische Streikdemonstration der Araber Aus Jerusalem: Ungeachtet dessen, daß die Regierung den von der arabischen Exekutive für den 13. Oktober als Protest gegen j ü d i s c h e Ei n w a n d erung und Bodenkauf durch Juden proklamierten Streik verboten hatte, forderten die Mitglieder der Exekutive die arabische Bevölkerung auf, den Streik durchzuführen und sich zu Massenkundgebungen in Jerusalem zu versammeln. Streik und Demonstration fanden trotz des Verbotes statt. Die Regierung hatte viel Polizei aufgeboten, um die Demonstration zu verhindern und die Ruhe aufrechtzuerhalten. Man schätzt, die in Jerusalem zusammengeströmte Menge auf etwa 6000. Infolge . Einschreitens der Polizei kam' eine einheitliche Demonstration nicht zustande, Bondern es marschierten einzelne Trupps durch verschiedene Straßen. Die Jaffa- Straße war durch berittene Polizei, Polizei zu Fuß und Militär abgeriegelt. Etwa 1000 Demonstranten, die durch das neue Tor zogen, wobei verschleierte Frauen ihnen voranschritten, wurden von der Polizei auseinandergetrieben. Nur einem kleinen Teil Moslems unter Führung einiger Mitglieder der arabischen Exekutive gelang es, zum Regierungsge bäude zu kommen.; Die Regierung aber weigerte sich, die Mitglieder der. Exekutive, als Führer einer verbotenen Kundgebung, zu empfangen. Die Polizei zerstreute schnell die vor dem Gebäude Versammelten. Der greise Präsident der arabischen Exekutive Muza Kazlm Pascha brach vor dem Regierungegebäude ohnmächtig zusammen. Obwohl die jüdischen Einwohner sich durchaus frei in allen Teilen der Stadt bewegten, kam es an keiner Stelle zu ernsteren Zusammenstößen. An verschiedenen Stellen der Stadt kam es zu Plänkeleien, bei denen mehrere Personen geringfügige Verletzungen davontrugen. JUdlsche Volkspartei Oesterreichs If ADTDAIS Mittwoch, den 25. Oktober, um l/29 Uhr abends, im Saale der Zionistischen ■ vKlnHV Sektion Leopoldstadt, II, PrateiStraße 13, spricht der Obmann Oberbaurat Robert Stricker über ,0ie Lage der Juden in Oesterreich und im Ausland'/ und ffieder Arabische Drohungen (Von unserem Jerusalemer Korrespondenten) Jerusalem, 11. Oktober. Auf das herrliche Bild des wirtschaftlichen Aufschwunges im Lande fallen Schatten: Die wachsende antizionistische Agitation unter den Arabern. Eine Gefahr, welche durch den Mangel einer besonnenen und energischen zionistischen Leitung verstärkt wird. Die arabische Leitung rührt sich. Unsere neue „Unke" Leitung tut so gut wie nichts. Insofern sie aber etwas tut, trägt es zur Steigerung der Aufregung bei. So etwa .Ihr politisches Spiel mit dem Arlosoroff-Mord und ihre plumpe Einmischung in den innerarabischen Kampf durch Verteilung von Geld an streikende arabische Arbeiter. Aus dem arabischen Lager Ist zu melden: Hassan Zidky, der Sekretär der arabischen „Partei des Volkes" hat demissioniert. In einem Brief an den Präsidenten Ragaw Bey Nashashlwi begründet er seine Demission wie folgt: „Da das Vaterland infolge beunruhigenden jüdischen Einwander rungsstromes, der jüdischen Bodenkäufe. und der verfehlten Gesetze der Mandatsregierung in Agonie ist, die Lage der Muselmänner sich täglich verschlechtert, unsere Partei sich mit Protesten in Worten, die für die Regierung keine Bedeutung haben, begnügt, trete ich von meiner Stelle zurück, weil ich die Verantwortung nicht tragen will." , Das arabische Aktionskomitee beschäftigt sich ständig mit der Einwanderungsfrage, zufolge der fortwährenden Hetze in den arabischen Zeitungen, welche von hunder t tau senden jüdischen Einwanderer sprechen, sind all e arabischen Organisationen in Aktion getreten. In Nablus hat man Mi'. Hu 11, Stellvertreter des High Commissioner, ein Memorandum mit vielen Unterschriften überreicht, welches folgende Drohungen enthält: Die Araber sind jetzt Zeugen der Zerstörung ihres nationalen Bestandes durch die große Einwanderung der Juden nach Palästina, welche ohne Rücksicht auf die Araber betrieben wird. Die Araber sind zum Selb stach u t z genötigt Und werden s e 1 b s t verschiedene Mittel ergreifen, um der jüdischen Einwanderung Einhalt zu tun. Jeder Versuch, sie davon abzubringen, wird als Raub Ihres Rechtes betrachtet werden. Dies ist der psychologische Znstand, welche^ gegenwärtig ' in Palästina unter den Arabern hen5^fc*%ir finden? es für'nötig, dies der -Regierung offen zu erklären. Die Einwanderung nimmt dermalen zu» daß der Araber verpflichtet ist, sich selbst zu schützen. Ferner wird der High Commissioner aufgefordert, dem Kolonialamt In London und dem Völkerbünde Abschriften dieses Memorandums zukommen zu lassen. DIESER WOCHE KREUZ-KINO VWoSÄ-2:i6 Vom 20. bis 27. Oktober: „Mädchenschmuggle rM iupe Velez, Edmund Lowe und Viotor MacLaglen Sonn- und Wochentags: 4, 5.45, 7.30, 9.15 Uhr SCHWEDIN - KINO «ÄJ Vom 20. bis 27. Oktober: „Hotel International" Beginn Wochentags g/45, 7, V.10 Uhr, Sonntags ab 3 Uhr Führer der arabischen Terroristengrappe verhaftet. Aus Jerusalem: Vier arabische Scheichs, unter ihnen der in' dem Jacobi-Mordprozeß freigesprochene Khalil Issa, sind unter "der Beschuldigung verhaftet worden, der terroristischen arabischen Geheimgruppe anzugehören, die es sich angeblich zum Ziele gesetzt hat, Mordanschläge auf Juden zu verüben. Die Untersuchung wird wahrscheinlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Nahum Sokolow in Wien Wien, den 18. Oktober. Der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency Nahum Sokolow sprach in einer Pressekonferenz über jüdische Fragen, wie sie sich nach dem Prager Zionistenkongreß im allgemeinen und nach dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund ergeben. Sokolow stellte zunächst fest, daß die neue weltpolitische Lage nichts an den Bestrebungen zur Lösung der deutschen Judennot ändern könne, und daß die moralische Arbeit, Aufklärung und Initiative nicht ruhen dürfen. ..in seinen weiteren Ausführungen verteidigte Präsident Sokolow die Zionistische Exekutive bezüglich ihrer Haltung auf dem Prager Kongreß und geg<m die Angriffe, die sich mit der angeblichen Untätigkeit der neuen Leitung betreffs der völkerrechtlichen Sicherung der jüdischen Gleichberechtigung beschäftigen. Die große Judendebatte, sowohl im englischen Parlament als auch in Genf wäre in ihrer umfassenden Art ohne zionistische Aufklärungsarbeit nicht möglich gewesen. Zu den aktuellen Aufgaben Ubergehend, erklärte Die österreichischen Juden und die // „Vaterländische Front Die Leitung der judischen Volkspartei Oesterreichs übermittelt uns folgende Erklärung: An die Leitung der Jüdischen Volkspartei Oesterreichs wurde von verschiedener Seite die Anfrage gerichtet, wie die Jüdische Volkspartei zur „Vaterländischen Front" steht und ob sie den Juden den Eintritt in die „Vaterländische Front" empfiehlt. Hierauf sei erwidert, daß die Jüdische Volkspartei die auf Erhaltung eines unabhängigen Oesterreichs und auf Unterstützung der Regierung Dollfuß-Fey gerichteten Bestrebungen der „Vaterländischen Front" durchaus billigt, selbst bereit ist, der „Vaterländischen Front" jede Unterstützung angedeihen zu lassen und allen Juden die Unterstützung der „Vaterländischen Front" ans Herz legt. Nach reiflicher Prüfung aller Umstände ist jedoch die Leitung der Volkspartei nicht in der Lage, den Österreichischen Juden den Eintritt in die „Vaterländische Front" zu empfehlen, da diese Vereinigung, wie aus ihren Enunziationen hervorgeht, auf deutsch-ohristlicher Grundlage steht; Der Eintritt von Juden in eine solche Organisation könnte weder der Organisation noch den Juden förderlich sein, im Gegenteil er könnte nur zu Unstimmigkeiten führen und das. gute Verhältnis zwischen der „Vaterländischen Front" und der österreichischen Judenschaft, stören. Der innige Wunsch, dieses Verhältnis gut zu gestalten und gut zu erhalten, veranlaßt die Jüdische Volkspartei zu der hier gekennzeichneten Stellungnahme. Von der Jüdssdien Volks* Partei s Das Sekretariat teilt, mit: Sekretariatsstunden im Büro, DT., Untere Augartenstraße 38, täglich von 10 bis 2 Uhr. Tel. Nr. 45-6-34. Die Mitgliedskarten werden im Laufe des Monats Oktober zugestellt. Jene Mitglieder, welche ihren Beitrag für das Jahr 1988 noch nicht entrichtet haben, werden ersucht, ihn Im Sekretariat zu erlegen oder Erlagscheine anzufordern. Die Mitglieder werden ersucht, sich zur Mit« arbeit in ihren Bezirken zur Verfügung zu stellen und ihre Meldung zur Arbeit dem Sekretariat freundlichst zu erstatten. Sokolow, daß man einerseits mit Interventionen bei der deutschen Regierung seitens der Kulturstaaten fortfahren, andererseits das tragische Schicksal der deutschen Juden durch Organisierung der Hilfsfonds und durch An« aiedlung der wertvollen jüdischen Jugend in Palästina mildern müsse. Zur Ermöglichung einer großzügigen Siedlungsaktion sei ein mit 100.000 Pfund limitierter Fonds, der sogenannte MifalArlosoroff (Arlosoroff-Werk); geschaffen worden, von dem ein Drittel dem Keren Kajemeth und zwei Drittel dem Keren Hajessod zufließen sollen. Unter der Voraussetzung intensiver Arbeit sah Sokolow die Gesamtlage optimistisch, an. « Für ein großes Forum sprach Nahum Sokolow im Großen Konzerthaussaal über das Thema „Der Zionis« musunddieLagederJudenlnder Welt", wobei er die in der Pressekonferenz entwickelten Gedankengänge in breiterer Form niederlegte. Judenstaatspartei Oesterreichs Mittwoch, am 25. Oktober, um .y29 Uhr abends im Heime, II, Untere Augartenstraße 38 Vortrag Gegenstand: Erziehung der jüdischen Jugend Redner: Dr. Z, Kanner Diskussion und Anfragen Frei zugänglich r Regiebeitrag 20 g i