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Die neue Welt · 1933-10-20 · Heft 319 (20.10.1933) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 319 (20.10.1933)
Date
1933-10-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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preis 35 Groschen Jahrgang tf fretag/ den M« Oktober It33 186 > \ Nr. 31* V«»«h cger versendet nar Tediieo?« Titt. VJniver ,sitÄisbibUotttek Wien.!• BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig S4.20. ganzjährig S16.-; Poleni monatlich Zloty 2.-, vterteHährtf? Zloty 6.-. fschechöslowakel monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Tschecnosw^^ vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.-, ytertelUftHg Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 5.-. vierteljahrig Lire 14.-; Schweiz und die übr Igen Län der monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel- Jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion n. Verwaltung: Wien IXt Universitätsstr, 6-8, 7 et. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag REVUE Werden die Juden von Genf lernen? Der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund, so überraschend er auch gekommen sein mag, hat einen Zustand realisiert, der innerlich längst schon bestanden bat — die Auslösung eines Fremdkörpers aus der Gesellschaft der Nationen, die sich unter sittlichen und humanen Prinzipien zu einem Bund zusammengefunden haben. Das Hitler-Regime hat, vom Augenblick seiner Installierung an, alle fundamentalen Grundsätze einer gerechten Ordnung zerstampft. Was sich nicht dem Hakenkreuz beugte, wurde brutal der Vernichtung preisgegeben. 600.000 jüdische Staatsbürger mußten ihre „nichtarische" Herkunft mit Erniedrigung, Entwürdigung, Verfemung, Terror, ja Hungertod büßen. Noch nie hat, soweit man die Menschheitsgeschichte zu überblicken vermag, ein Regime mit niedrigeren, verwerflicheren Mitteln einen Teil seiner Staatsbürger zu Parias gemacht. Diese Wahrheit ist bei allen Kulturvölkern populär. Deswegen können sie Hitler-Deutschlands Ausscheiden aus dem Völkerbund nicht als moralischen Prestigeverlust werten. Es Ist eine Lücke entstanden, aber es wurde keine Bresche geschlagen. Wenn sich nun das Hakenkreuz mit der Tugend brüstet, den Völkerbund ignorieren zu können und nur die eigene völkische Kraft in die.Waagschale zu werfen, so hat diese Geste für die deutsche Judenheit tragische Bedeutung. Die Genfer Judendebatte zeigte deutlich, wie Deutschland und wie der Völkerbund die Judenfrage im ^gemeinen und die deutsche Judenfrage im besonderen gesehen wissen wollten. Das Hakenkreuz in Deutschland bekam einen argen Stoß. Die Vertreter der Kulturmächte ließen Hitler-Deutschland über ihre Ansichten betreffs der Lösung der Juden- und Flüchtlingsfrage nicht im unklaren. Deutlich wurde ausgesprochen, daß das jüdische Element in Deutschland eine nationale Minderte i t sei und kraft völkerrechtlicher Auffassung mit den Attributen — Hechten und Pflichten — solch einer Minderheit ausgestattet zu werden beanspruchen könne. Hitler- Deutschland, als Mitglied des Völkerbundes, versuchte sich den Klammern von Recht und Ordnung zu entwinden. Seine Vertreter versuchten einer (allerdings nicht zustimmenden) Welt zu versichern, daß es für sie keine Judenfrage gebe, da die in Deutschland lebenden Juden keine nationale oder religiöse Minderheit darstellten, und ein nationalsozialistischer Führer, also eine im Hakenkreuz-Deutschland autoritative Persönlichkeit, brüstete sich offen mit der Feststellung, daß die deutschen Juden eine Verbrecherbande seien, die man demgemäß behandeln müsse, und daß daher von einer in die Kompetenz eines außenstehenden Forums fallenden Behandlung nicht die Rede sein könne. Hatte das Hitler-Regime den deutschen Juden bisnun schon jede Rechts- und Existenzgrundlage entzogen, so kann sich dieser Zustand jetzt nur noch verschärfen. Die bisher wenigstens platonisch geübte Kontrolle durch den Völkerbund hört jetzt auf. Deutschland kann sogar die scheinheilige Geste, mit der es seine Maßnahmen gegen die Juden begleitete, fallen lassen. Die Macht des Völkerbundes dringt nicht durch die Tore, die das Hakenkreuz nun für unabsehbare Zeit hinter sich geschlossen hat. Der Grad des Leidens kann sich für die deutschen Juden noch erhöhen. Man wittert Pogromluft. Leider, zum tiefsten Bedauern gerade von uns Nationaljuden, haben nicht unbedeutende Teile der deutsohen Judenheit ihr Schicksal auf die Karte der alles gleichmachenden Emanzipation gesetzt. Ein Jahrhundert lang haben sie unter Freisgabe wertvollster jüdischer Traditionen die Schicksalsgemeinschaft mit den anderen Juden der Zerstreuung vernachlässigt, bagatellisiert, Ja gemieden, um sieh dem Wahn hingeben zu können, daß Ihnen das deutsche „Staatsvolk" hundertprozentigen Ersatz bieten würde. Keine Juden mehr und immer noch keine Deutsohe — so konnten.sie dem Sturm des pogromistischen Hakenkreuzes nichts entgegenstellen Und büßten bitter für ihre Verblendung. Heute noch/In letzter Stunde, gibt es in Hitler-Deutschland ein Häuflein Von Juden, die ostentativ jeden Zusammenbang mit dem Jüdischen Volk ablehnen und die würdeloseste Reverenz jenen Machthabern erweisen, unter deren Knute sie selbst z.u kuschen haben. Lumpen? Narren? Sie mögen sich selbst die ihnen geziemende Bezeichnung auswählen. Wenn wir alle Erscheinungen des öffentlichen Lebens, die seit dem Hitler-Regime In Deutschland sieht* bar wurden« auch ohne persönliche Betroffenheit betrachten, so ergibt sich als natürlicher Reflex ein Blick auf Hitler-Deutschlands Nachbarn Oesterreich, auch ein Land, das ausersehen war, in den hakenkreuzlerischen Blutkreislauf eingeschaltet zu werden. Die politische Welt kennt die Kämpfe, die die gegenwärtige österreichische Regierung für die Selbstständigkeit Oesterreichs geführt hat, sie kennt vielleicht auch die atemberaubenden Sorgen, unter denen der österreichische Mensch dieses Ringen zu durchleiden hatte. Jetzt erst, da HitlerDeutschland seinen Austritt aus dem Kulturbund der Völker auch offiziell vollzogen hat, wird die Größe und Bedeutung der Konzeption offenbar, die den Grundriß für die Aufrechterhaltung der österreichischen Unabhängigkeit bildet.'Die Gefahren, in die ein gleichgeschaltetes Oesterreich gerissen worden wäre, lassen sich im gegenwärtigen Zeitpunkt gar nicht übersehen. Aber gerade jetzt muß wieder einmal angemerkt werden, daß die österreichische Regierung sich die allseitigen Sympathien in erster Linie um der Bekämpfung des Hakenkreuzfaschismus willen erworben hat. Dieses Situationsbild vorausgeschickt— wollen wir in bezug auf Oesterreich-"'keine Befürchtungen hegen. Wenn die Kontinuität in der bisherigen Hältung der maßgebenden Faktoren gewahrt wird, dann kann in einer jeden Zweifel ausschließenden Weise die österreichische Judenfrage,; \yenn, sie etaer/aktuellen Lösung bedürfen . soUtei^nurim v b^S?Vr b u lidll che n Sinne angepackt werden. Der Völkerbundrat in Genf hat erst in der VoW woche wieder eindeutig das Judenproblem als das Problem der nationalen Minderheiten statuiert und nur in diesem Sinne sind alle von der Wirtschafts- und politischen Kommission des Völkerbundes ins Werk gesetzten Maßnahmen zugunsten der deutschen Juden und der jüdischen Emigranten zu verstehen und zu begründen. In diesem Sinne also hat Genf nicht versagt. Es war wichtig, daß diejenigen österreichischen Juden, die ihr Leben lang in der Gartenlaube der Assimilation, des Sichnichtzuerkennengebens glaubten sitzen zu können, nun auch von nichtjüdischer Seite die Judenfrage als eine nationale aufgerollt bekamen; es war wichtig, daß eine Autorität wie der Völkerbundrat nochmals die Minderheitsrechte für die Juden, in allen Ländern fordert, nicht um die staatsbürgerlichen Rechte der Juden zu schmälern, sondern um sie auf eine völkerrechtlich kontrollierbare Basis zu stellen; und es war schließlich wichtig, daß bei allen Maßnahmen für die Linderung der Judennot Palästina, das jüdische Nationalheim, in LA N L i I H S; FÜR DEN GEWINNER EINE MILLION SCHILLING FÜR DIE GESAMTHEIT ARBEIT VERDIENST BRINGT DIE ÖSTERREICHISCHE TREFFER-AN LEIHE ZEI CHNUNG: BIS 21. OKTOB ER den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Mittelpunkt gestellt wurde. N Mit noch größerem Nachdruck als bisher können wir — im Aspekt der weltpolitischen Lage, die durch den Austritt Hitler-Deutschlands aus dem Völkerbund geschaffen wurde — unsere mahnende Parole „Juden, lernet von Genf!" wiederholen. Zwangsläufig vollzieht sich in allen Galuthländern ein Prozeß, in dessen Verlauf sich die Judenfrage herauskristallisiert. Die Judenfrage als nationale Frage, als Frage der nationalen Minderheit, verschwindet nicht mehr von der Tagesordnung. Es heißt, ihr, so wie sie ist, ins Auge zu sehen und sie ehrlich, würdig, kompromißlos, historisch bedingt zu lösen. Genf hat den Fingerzeig gegeben. Herzls jeden Tag neu bestätigte Lösungsform bildet den Schlußstein. Keine Halbheiten, keine Kompromisse, keine Schaffung einer neuen Minorität, eines neuen Ghettos in Asien, sondern das jüdische Palästina als Juden Staat. Zu ihm fuhrt der Weg von Genf. o. r. Neue arabische Hel?e gegen den Zionismus Eine allzu rasche Antwort auf die verfehlte Politik der Linken in Palästina In der letzten Nummer unseres Blattes wurde an die Nachricht, daß die jüdische Arbeiterpartei in Palästina den streikenden Arabern große Geldsummen zur Verfügung stellt, eine Warnung vor der Fortführung dieser verfehlten Politik geknüpft. Es wurde als Gefahr bezeichnet, daß die heute den Zionismus beherrschende Arbeiterpartei die in Europa bankrott gewordene Klassenkampf-Idee nach Palästina überträgt. Die Unterstützung arabischer Streiks durch Zionist en vergiftet die Stimmung im Lande, reizt die arabischen Unternehmer auf, bricht die jüdischnationale Front und bringt die arabischen Arbeiter nicht um einen Zoll dem Zionismus näher. Im Gegenteil! „Aus dem Umstände, daß streikende Araber von Juden bereitwillig ins Haus gebrachtes Geld gnädig Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt» liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet annehmen, sind keine haltbaren günstigen Schlüsse; auf 'das gegenseitige Verhältnis zu ziehen. Die Lehrer der jüdischen Diaspora-Geschichte, daß man vom, Juden Geld nehmen und ihn dann wegstoßen kann, findet auch in Palästina ihre Bestätigung. Vergeblich hat die Histadruth bisher um die Freundschaft der arabischen Arbeiter geworben und sie zur Bildung einer gemeinsamen Klassenkampforganisation bewegen wollen. Die arabischen Arbeiter haben dieses Liebeswerben, das dem vergeblichen Liebeswerben der Assimilationsjuden in Europa auf ein Haar gleicht, abge- wiesen. Wenn sie sich organisieren, dann in jenen kommunistischen und: ' arabischnationalen Verbänden, welche dem Zionismus unver« s ö hn Ii c.h gegenüberstehen, welche die Pogrome von : 1929 inszeniert haben." So schrieb unser Blatt vor einer Woche und nur allzu rasch kommt aus Palästina die Bestätigung, wie berechtigt diese Warnung vor der verfehlten Politik der zionistischen Linken ist. Die arabische Hetze gegen den // Three Stars // Kohle Koks Anthrazit mmmmmma höchster Qualitäten Basdi/ IV/ Argentiniers!raße 22 ♦ Tel. Serie 11-47-5-40 f I II V ii }' *t- '({} (>; <L\!|i Ii .'.;! I «äSfcl

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