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Die neue Welt · 1933-10-11 · Heft 318 (11.10.1933) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 318 (11.10.1933)
Date
1933-10-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite $ DIE NEUE WELT Nr. 318 ItyTABORSTR. — wie immer es ausfallen mag — auf einen psychologischen Widerstand stoßen. Die Untersuchung basiert bisher, wie man weiß, auf der, subjektiven Beschuldigung der einzigen Tatzeugin, Frau Sima Arlosoroff, deren einzelne Aussagen sich in mehreren Fällen als unstichhältig, als nichtig erwiesen: Stavsky und Rosenblatt sind nicht die einzigen, die sie als Täter zuerst „agnoszierte", um dann alsbald den Rückzug antreten zu müssen. Unter solchen Umständen wird kein Urteil die öffentliche Meinung des jüdischen Jischuvs befriedigen. Ein Schuldspruch wird bei den einen, ein Freispruch bei den andern Widerspruch hervorrufen. , Aber, über die Tatbestände hinaus wird seitens nurzionistischer Kreise die Frage laut, wie die von der Linken aufgewirbelte Hetzstimmung abgebaut werden könnte. Die Tatsache, daß eine sogenannte zionistische Partei unter Anwendung höchst fragwürdiger Mittel, unter Mißbrauch ihres Machtapparats eine Kongreßwahl gemacht und sich in den Besitz, der wichtigsten politischen und administrativen Positionen gesetzt hat, wird als allzu drückend empfunden. 'Schon die nächste Entwicklung muß hier Wandel schaffet * * . . Im Nachstehenden, veröffentlichen wir die Berichte, die die Jüdische Telegraphenagentur aus Palästina über den weiteren Verlauf der Untersuchung ausgibt. Der Lokalaugenschein Im fortgesetzten Zeugenverhör sagte der Hörer der Hebräischen Universität Jerusalem Meyer Schlunk aus, er habe an einer in Haifa zur Zeit des Schewuoth- Festes abgehaltenen Versammlung teilgenommen, in der der Angeklagte Achi Meir eine Rede gehalten und sich über die revisionistische Studentenvereinigung Schachmona lustig gemacht h&beß deren Mitgliedern er vorwarf, nicht von wahrem nationalistischen Geist beseelt zu sein. Achi Meir habe vorgeschlagen, eine allgemeine Versammlung der Mitglieder des Brith Trumpeldor von Haifa, Tel- Awiw und Jerusalem einzuberufen, um über Vergeltungsmaßnahmen gegen Arbeiterparteiler zu beraten, die er beschuldigte, Mitglieder des Brith Trumpeldor angegriffen zu haben. Der Zeuge erklärte schließlich, weder Rosenblatt noch Stavsky zu kennen. Achi Meir lehnte es ab, Fragen an den Zeugen Schlunk zu stellen, und erklärte, seine Aussage sei nichts als Provokation gewesen. Polizeiinspektor Schiff erklärte auf Grund des gerichtlich angeordneten Lokalaugenscheins an der Mordstelle, daß die Narben an Stavskys rechtem Daumen den Abständen der Stacheln an dem Stacheldraht des. Zaunes entsprechen, der sich auf dem Hügel in der Nähe der Mordstelle befindet. Der Polizeibeamte Weißberg berichtete über die Abdrücke, die von den Fußspuren an der Mordstelle gemacht worden waren und über die Ergebnisse des Vergleichs der Abgüsse mit den Schuhen der Angeklagten. Bei diesem Vergleich hätten sich Abweichungen von wenigen Millimetern ergeben, doch könnten diese Abweichungen dadurch erklärt werden, daß die Tritte beim Lauf besonders kräftig v/aren. Auf eine Frage-Stavskys gab der Zeuge zu, daß die Spuren auch von änderen Schuhen gleicher Größe herrühren können. i Attentäter nicht zu erkennen Nachher wurde der von einem Krankenurlaub zurückgekehrte Polizist Keßler einvernommen. Er erzählte, daß Stavsky, den er mit Sicherheit wiedererkenne, zur Zeit des Bauarbeiterstrelks in Petach Tikwah Ende März in einen Betonblock eine Grabinschrift für Dr. Chalm Arlosoroff eingemeißelt hatte. Am nächsten Tage fand er einen Betonblock mit einer ähnlichen Inschrift für Ben Gurion. Von den übrigen fünf Zeugen erklärte der Polizist Karpf, daß Dr. Arlosoroff, mit dem er im Hadassah- Spital sprach, ihm gesagt habe, er habe die Angreifer nicht erkennen können, weil sie ihn mit der Taschenlampe geblendet hätten. Eine weitere Befragung Doktor Arlosoroffs durch die Polizei hätten die Aerzte verboten. Der stellvertretende Leiter der britischen Polizei in Palästina Riggs berichtete über die Untersuchung der Fußspuren an der Mordstelle. Außerdem wurden noch Frau Käthe Dan, die Besitzerin des Hotels, in dem Doktor Arlosoroff abgestiegen war, die Nachtschwester der Ambulanz des Roten Magen David, Frau Chaja Rosin, und der Polizist Ostrowski, der von Frau Dan zur Rettungsstation geschickt worden war, einvernommen. Stavskys und Bosenblatts Alibi Bei der Fortsetzung des Verhörs wurde der Zeuge Jakob Zelivansky einvernommen, jener junge Mann, der sich zur Zeit der Tat in der Nähe der Mordstelle am Strande von Tel-Awiw aufhielt. Er erklärte, er sei, als der Schuß fiel, herbeigeeilt und habe geholfen, Dr. Arlosoroff fortzutragen. Der verwundete Arlosoroff habe gesagt, er wisse nicht, wer die Attentäter waren. Staatsanwalt Shitrit verlas eine 51 Seiten umfassende Erklärung, in der Stavsky sein Alibi nachzuweisen sucht. Es wird angegeben, daß Stavsky am Tage des Mordes in Jerusalem war, abends in einem Restaurant speiste und die Nacht in einem Jerusalemer Hotel zubrachte. Am folgenden Tage sei er im polnischen Konsulat gewesen, um sich ein Visum zu besorgen. Von dem Morde habe ererstmittag erfahren und sei dann nach Tel-Awiw zurückgekehrt. Der hierauf einvernommene Beschuldigte Moses Habas stellte jede Beteiligung an der Mordsache in Abrede. Rosenblatt teilt in einer Erklärung mit, er habe am Tage des Mordes einer Zusammenkunft des Brith Trumpeldor in Kfar Saba beigewohnt und die Nacht dort in einem Zelt zugebracht. Am 8. Oktober wurde das Verhör im Verfahren gegen die des Mordes, bzw. der Anstiftung zum Morde an Dr. Chaim Arlosoroff beschuldigten Abraham Stavsky, Zwi Rosenblatt und Abba Achi Meir fortgesetzt. Das Verhör leitete Hauptpolizeirichter Bodilly. Inspektor Shitritt brachte vor, daß die von dem vor einem Monat an einem Herzschlag verstorbenen Jerusalemer Hotelbesitzer Raphael Turjeman gemachten Bekundungen, daß Stavsky in der Mordnacht in seinem Hotel übernachtet hat, Bekundungen, die Turjeman übrigens in späteren Erklärungen abschwächte, nicht als Beweismaterial für eine gerichtliche Verhandlung dienen können, da erstens diese Aussagen nicht beschworen wurden und zweitens Turjeman nicht mehr in ein Kreuzverhör gezogen werden kann. Gegen diese Erklärung wandte sich Stavsky sehr heftig. Er betonte, die .seinerzeitigen Bekundungen Tutjemans'hätten sjpin, Stavskys, Alibi erbracht, Stavsky erklärte weiters, Frau Arlosoroff sei keineswegs in der Lage gewesen, ihn oder jemand anderen zu identifizieren. Aus der Verlesung der Bekundungen Turjemans ging hervor, daß dieser zuerst erklärte, Stavsky sei bestimmt der Mann, der am Freitag, den 16. Juni, 8 Uhr abends, im Hotelzimmer Nr. 5 sein Bett aufsuchte und bis Samstag, morgen 6.30 Uhr, da er, Turjeman, in die Synagoge ging, dort geblieben war. In der zweiten Aussage konnte er seine Bekundung nicht ganz aufrechterhalten. Turjeman hatte bekundet, daß zwei Arbeiter aus Tel- Awiw, Moses Mandelbaum und Jakob Friedmann, in derselben Nacht auf Zimmer 5 genächtigt hatten, aber am Samstag morgens traf er einen arabischen Chauffeur, den er im Zimmer 7 untergebracht hatte, auf dem vierten Bett im Zimmer 5 sitzend. Während seitens der Verteidigung Mandelbaum und Friedmann zum Alibinachweis geführt werden, fehlt ein wesentliches Bindeglied, nämlich jener arabische Chauffeur, dessen Name unbekannt ist. Turjeman sagte noch, er habe Stavskys Haar nicht sehen können, da er, eine Kappe auf dem Kopf, auf dem Bett ausgestreckt lag und eine Zeitung über das Gesicht gebreitet hatte. Das Verhör wird am 6., 9. und 10. Oktober fortgeführt. Stavsky hat sich 70 Fragen notiert, die er dem Polizeianwalt stellen will und die sein Alibi betreffen. Er hat bereits der Polizei einen schriftlichen Bericht im Umfang von 51 Folioseiten übergeben, in dem er detailliert alle seine Gänge am Freitag, da er nach Jerusalem ging, um sich ein Visum für Polen zu beschaffen, schildert. Um 6 Uhr morgens habe er Tel-Awiw verlassen, um 8.30 Uhr abends habe er Turjemans Herberge in Jerusalem aufgesucht, wo er die ganze Nacht schlief und erst am Samstag, 9 Uhr vormittags, erwachte. Am Samstag besuchte er wiederum verschiedene Konsulate zur Beschaffung von Transitvisen. Den Umstand, daß er die Gebühren, die er für ein Palästinarückreisevisum eingezahlt hatte, zurückverlangte, erklärt er damit, daß ihm die 160 Mil für die Rückreise nach Tel-Awiw fehlten. (Im Einwanderungsamt, wo Stavsky die Summe für das Rückreisevisum zurückverlangte, wurde er von einem jüdischen Angestellten als derjenige erkannt, auf den die Beschreibung des Mörders durch Frau Arlosoroff paßte.) Am Samstag 12 Uhr mittags, erklärt Stavsky in seiner Schrift weiter, sei er in Turjemans Herberge zurückgekehrt. Da hatte ihn die Frau Turjemans gefragt, ob Palästina - Gesellschaftsreise 24. Oktober bis 13. November 1933 Reichhaltiges Reiseprogramm. Haifa-Besuch während der feierlichen Hafeneröffnung Außerordentlich billige Preise Auskünfte und Anmeldungen in der Reifeu. Verkehrt-Get eilt chaft, Wien I, Rotenturmstraße 20 (1, Fleischmarkt 1), Tel. R-24-5-25 (Palästina-Abteilung) er wisse, wer den Mord an dem „großen Zionisten in Tel-Awiw" begangen hat. Das war das erstemal, daß er, Stavsky, von dem Mord an Arlosoroff gehört hatte. Er war sehr bestürzt, ging in die Wohnung des Anwalts Avniely, Mitglieds des Revisionistischen Zentralkomitees, wo er Dr. Yevin, Steimatzky, Achi Meir und andere traf. Er, Stavsky, sagte zu ihnen: Der Mord sei ein schwerer Schlag für die Nation und „für uns Revisionisten". Er glaubte, es handle sich um einen kommunistischen Anschlag mit dem Zweck, die Kluft zwischen den Arbeiterparteilern und den Revisionisten zu erweitern, um so den Fdrtschritt der Arbeit in Palästina zu hemmen. Auch der zweite Angeklagte, Rosenblatt, versucht, ein Alibi daurch zu erbringen, daß er erklärt, er habe Kfar Saba am Mordabend nicht verlassen, er habe die Nacht in einem Zelt mit seiner Freundin Zipora (Fania) Dingold verbracht. Wie es heißt, hat sich Fräulein Dingold bereit erklärt, vor Gericht die Aussage Rosenblatts zu bestätigen. Das letzte Verhör Beim weiteren Verhör von Stavsky, Rosenblatt und Achi Meir vor dem Richter Bodilly erklärte Stavsky, daß eine Aehnlichkeit zwischen dem Arlosoroff-Prozeß und dem Leipziger Gericht über den Reichstagsbrand bestehe. Als Richter Bodilly die Frage Stavskys, ob Arlosoroff das Recht hatte, eine Waffe zu tragen, ablehnte, verzichtete Stavsky auf weitere Fragen. Achi Meir legte dem Gericht eine Reihe von Dokumenten vor, worin er sich gegen terroristische Methoden wendet. Hierauf wird das weitere Verhör wiederum vertagt. AUS PAUKSTINA Industrielle Neugründungen in Palästina Die Berliner „Palästina-Wirtschaftsstelle" gibt bekannt: Eine Metallfabrik wird in Tel-Awiw gebaut, die Drahtzieherei aller Art, Drahtprodukte, galvanisierten Draht, verzinkten Draht, Kupferdraht, Nägel, Federn, Briefklammern usw. produzieren wird. Die Produktionsfähigkeit wird 10 Tonnen bei achtstündiger Arbeitszeit betragen. Es wurde eine Fabrik zur Herstellung von Hohlzimmerdecken, die schallundurchlässig und leichter als die gewöhnlichen Zimmerdecken sein sollen, gegründet. Eine neue Gesellschaft zur Produktion von O e 1 e n und Fetten mit einem Kapital von 2000 Pfund wurde durch die Regierung registriert. Auch die Produktion einiger pharmazeutischer Artikel ist ins Auge gefaßt worden. In der Nähe von Petach-Tikwah bei Bne Brak wird die vierte Fabrik fürCitrusprodukte gegründet. Der Export der Citrussäfte steigt von Jahr zu Jahr. (1932 4500 Pfund.) Eine Fabrik für Petroleumkocher wird in der Nähe von Haifa gegründet. Außer Petroleumkochern soll eine Reihe von Metallartikeln durch Stanzarbeit produziert werden. Zwischen Tel-Awiw und Jaffa wurde eine Fabrik für verschiedene Nahrungsmittel, die bisher aus dem Auslande importiert wurden, eröffnet. Der erste Artikel, der von der Fabrik auf den Markt gebracht wurde, ist Puddingpulver. Die Registrierung einer Gesellschaft' mit einem Kapital von 10.000 Pfund wird gemeldet, die Fruchtsäfte produzieren soll. In Baith Wagan beginnt eine neue Spiritusfabrik zu arbeiten. Es sollen noch zwei weitere Spiritusfabriken gegründet werden, eine in Haifa und eine in Petach-Tikwah. Eine Kooperative, die Orangenkisten herstellt, hat ein eigenes Gebäude errichtet und neue Maschinen montiert. Es wird auch eine neue Maschine für Druck auf Holz eingeführt, um die Handelsmarke auf den Holzkisten anzubringen. Die Fabrik hat eins Produktionsfähigkeit von 4 0 0.000 Kisten im Laufe von acht Monaten,. 2825 Personen trafen in Haifa in einer Woche ein Aus Haifa: Vom 14. bis 21. September trafen in Haifa per Schiff 2825 Personen ein. Unter diesen waren 1168 Neueinwanderer, 1300 Touristen und 357 wiedereinreisende Palästinaeinwohner. Die Ankömmlinge waren hauptsächlich Juden. Der Aufschwung der palästinensischen Wirtschaft Aus Jerusalem: Das Regierungsorgan „Palestine Gazette" teilt mit, daß in den letzten Septembertagen 14 heimische und 2 ausländische Handelsgesellschaften, ferner 2 kooperative Gesellschaften — ejne für Häuserbau, eine für Bewässerung —- und 9 Teilhabergesellschaften in Jerusalem registriert wurden. Bei einigen der Neugründungen handelt es sich um Filmproduktion, Ladenbau, Errichtung von Miethäusern und Fabriken, Schokoladenindustrie, Siedlungsförderung, Errichtung von Wasserwerken, Ausbau des Versicherungswesens, Farbindustrie, Bankhäuser, Holzbearbeitung u. a. m. Zwei Todesurteile Aus Haifa: Von den fünf Arabern, die des Mordes, bzw. der Teilnahme am Morde an dem jüdischen Kolonisten Josef Jacobi und seinem zehnjährigen Sohn in Nahalal angeklagt waren, wurden vom Haifaer Kreisgericht zwei als der Mordtat überführt zum Tode verurteilt, zwei wurden wegen unzureichender Beweise, einer wegen nachgewiesener Unschuld freigesprochen. Der Witwe Josef Jacobis wurde eine Entschädigung von 400 Pfund zugesprochen. Der Prozeß, über dessen Beginn wir bereits berichtet haben, wurde in ganz Palästina mit stärkstem Interesse verfolgt. Die Angeklagten, die zum Teil ge» ständig waren, erklärten, sie hätten aus politischen Beweggründen gehandelt} dadurch hofften sie auf

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