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Die neue Welt · 1933-10-11 · Heft 318 (11.10.1933) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 318 (11.10.1933)
Date
1933-10-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 318 Ein Rückblick, ein Bericht und ein Abschied Zu den Vorgängen auf dem Kongreß der nationalen Minderheiten Von Dr. Emil Margulles ILTA&ORSTR.4* Fonds, um mehrere dieser Gelehrten zu beschäftigen; diese Ernennungen gelten in keinem Fall für länger als zwei Jahre und dürfen dem allgemeinen Universitätsfonds nicht zur Last fallen. Ernannt wurden im Departement für Geschichte: Dr. Martin Weinbaum-Berlin; im Departement für Mathematik: Dr. R. Baer-Halle; im Departement für Physik: Dr. Rudolf Peieris-Leipzig; im Departement für Physiologie: 'Dr. Walter .Deutsch-Düsseldorf; im Departement für Psychologie:. Prof. David Katz-Rostock. Ferner werden die folgenden drei berühmten deutschen Aerzte während der nächsten zwölf Monate am Manchester Victoria Memorial Jewish Hospital Forschungsarbeit leisten: Der Internist Hermann Zondek, der Gynäkologe Bernhard Zondek und der Bakteriologe Samuel G. Zondek, alle aus Berlin. Das Jewish Hospital hat für sie eigene Laboratorien erbauen lassen. Bas erste Auftauchen von Juden in Ungarn Aus Budapest: Bei Erdaushebungen im Garten des Fürstprimas in Gran wurde ein jüdischer Grabstein aus dem dritten Jahrhundert n. Chr. gefunden. Fachgelehrte'stellten fest, daß sich an der betreffenden Stelle des Gartens eine Beerdigungsstätte für jene Juden befand, die mit den Römern nach Pannonien, dem heutigen Ungarn gekommen waren. Es waren dies Nachkommen jener Juden, die Titus nach der Zerstörung Jerusalems als Gefangene nach Rom brachte und die sich später auf die verschiedenen Kolonien des römischen Reichs verteilten. Wie die Ausgrabungen in Gran zeigen, gab es bereits 600 Jahre vor der Landnahme Ungarns durch die Magyaren in diesem Gebiete jüdische Niederlassungen. Die jiddische Enzyklopädie erscheint Aus Paris: Die Vorarbeiten für die Herausgabe der großen Enzyklopädie des allgemeinen und des jüdischen Wissens in jiddischer Sprache mit Hilfe des anläßlich des 70. Geburtstages Professor Sjmon Dubnows in Berlin gegründeten Dubnow-Fonds stehen vor dem Abschluß. In den Arbeiten war eine Unterbrechung eingetreten, da die Mitglieder der Fondsverwaltung und der Redaktionsstab ihren bisherigen Sitz, Berlin, verlassen mußten. Naoh Uebersiedlung des Komitees und der Redaktion nach Paris wurde ein neuer Finanzplah aufgestellt, dem Fonds flössen namhafte finanzielle Unterstützungen zu, so daß das Erscheinen des ersten Bandes der Enzyklopädie für März 1934 festgesetzt werden konnte. Die nächsten Bände sollen in entsprechenden Abständen regelmäßig folgen. Die wissenschaftliche Vorbereitung des Gesamtwerkes ist ziemlich weit gediehen, die Redaktionen der einzelnen Abteilungen arbeiten intensiv an der Sichtung und Ordnung des Materials. i : ■ ■ . Der Präsident der „Jüdischen Partei" in der Tschechoslowakei und bekannte Vorkämpfer für jüdisches Minderheitsrecht stellte uns diesen Artikel zur Verfügung. Er erklärt darin auch seinen Standpunkt, welcher von dem der Majorität der Jüdischen Delegation verschieden Ist. II. (Schluß.) Das sind die Faktoren, welche dem Kongreß vorausgingen. Ich als Vertreter der jüdischen Minderheiten im Ausschuß habe dort die Auffassung vertreten, daß der Kongreß dieses Jahr zusammentreten und dort das Schicksal der deutschen Juden zur Sprache gebracht werden muß. Auch müssen die deutschen Minderheiten mit diesem Problem konfrontiert werden, um festzustellen, ob die Voraussetzungen für eine weitere Gemeinsamkeit mit ihnen noch besteht. Der Punkt „Die Lage der deutschen Juden" konnte natürlich nicht auf die Tagesordnung des Kongresses gesetzt werden, denn das wäre keine Ausweitung seines Programms, sondern ein Bruch seiner Statuten gewesen. Aber das Problem der Ablehnung der Assimilation einer nationalen Minderheit an die Mehrheit durch die letztere, welches auf die Tagesordnung kam, bot genügend Gelegenheit, im Licht einer grundsätzlichen Betrachtung alles über das jüdische Problem zu sagen, was zu sagen ist. Ich wollte nichts als einen Punkt auf d6r Tagesordnung, der die Erörterung des Problems des Schicksals der deutschen Juden gestattete. Ich war bereit, alles übrige dem Kongreß selbst und unserer Tätigkeit auf diesem Kongreß zu überlassen. Dies schien mir unter dem Gesichtspunkt des ganzen jüdischen Volkes das Wichtigste. Ich blieb im Kreise der jüdischen Delegation mit dieser Auffassung in der Minderheit. Ein Teil wollte unter dem Druck der vorerwähnten gerechten Mißstimmung im Volke und besonders in der Presse am Kongreß überhaupt nicht mehr teilnehmen. Es kam zu einem Beschluß, welcher die Beteiligung am Kongreß an die Bedingung der Zusage einer freien Aussprache und einer Entschließung, welche die Methoden der Entrechtung der deutschen Juden mißbilligt, zu binden. Hierüber wurde dann noch in Bern selbst verhandelt. Zuerst mit den Deutschen und dem Präsidenten. Eine Einigung kam nicht zustande. Dann traten die Neutralen in Aktion'. Diese waren bereit, uns entgegenzukommen sowohl in der Frage der Diskussion als auch in der Frage der Entschließung, aber nur im Rahmen der Verfassung. Unterdessen hatte die Eröffnungssitzung ohne unsere Beteiligung stattgefunden. Was., in dieser geschah, änderte die Situation. Unerwartet und ohne vorherige Ankündigung war vom Generalsekretär, wahrscheinlich in Verabredung'mit anderen, das Thema der Hungersnot in Sowjetrußland zum Gegenstand der Erörterungen gemacht worden. In Reden und Deklarationen waren ohne Störung von selten des Präsidenten ein Land und die Verhältnisse in diesem Lande mit ausdrücklicher Benennung in die Debatte gezogen und kritisiert worden. Damit war ein GrundsatzderVerfassung, auf welchen sich im Widerstand gegen uns die deutschen Minderheiten und auch der Präsident berufen hatten, durchbrochen, und alle gaben nunmehr zu, daß dies auch als Präjudiz für unsere Forderung gelten müsse. Andererseits aber hatten die deutschen Volksgruppen sich beeilt, bereits in der Eröffnungssitzung, obwohl dieser Punkt nicht auf der Tagesordnung stand, unerwartet eine Erklärung über ihre Haltung zu der grundsätzlichen Frage, zu deren Erörterung die Lage der deutschen Juden Anlaß gegeben hatte, abzugeben. Dieser Vorgang an und für sich und der Inhalt dieser Erklärung schufen eine neue Situation. Denn diese Deklaration der deutschen Minderheiten beschränkte sich darauf, den Akt der Ausgliederung einer völkischen Minderheit aus einer andersnatiönalen Volksmehrheit, wie er sich in der letzten Zeit ereignet hatte, grundsätzlich zu billigen, ohne hieran auch nur e i n Wort derleisestenKritik hinsichtlich der Methoden dieser' Ausgliederung zu knüpfen. Wohl hat ein Teil der deutschen Volksgruppen in der Ausschußsitzung erklärt, daß diese Deklaration ohne sein Wissen formuliert und abgegeben wurde. Wohl beschloß der Ausschuß nunmehr ausdrücklich, über das Schicksal der deutschen Juden freie Aussprache zu bewilligen, und diese in einer Resolution enden zu lassen, welche verlangte, daß in jedem Falle einer Dissimilation die Grundsätze, für welche der Kongreß kämpfte, und die Menschenrechte respektiert werden müßten. Und auch die Neutralen bemühten sich außerordentlich, der jüdischen Delegation den Weg in den Kongreß zu bahnen und ihren berechtigten Forderurigen Genüge zu tun. Aber in der jüdischen Delegation selbst überwog die Aufassung, daß nach dieser Deklaration von deutscher Seite, solange sie nicht ausdrücklich widerrufen wurde, für uns eine freie Diskussion nicht mehr möglich sei, weil ja die Debatte durch eine einseitige Erklärung abgeschnitten war, und daß wir uns nur durch eine Deklaration an der Debatte beteiligen dürfen. Von den übrigen Gruppen des Kongresses wurde an uns die Forderung gestellt, ob wir nun debattieren oder eine Deklaration abgeben wollten, jedenfalls am Kongreß teilzunehmen. Die jüdische Delegation erklärte sich dazu bereit, aber wieder nur unter der. Bedingung, daß in einer zu fassenden oder zu beantragenden Resolution die Bezugnahme auf den ausdrücklich zu benennenden konkreten Fall Deutschland nicht unterbleiben dürfe. Da diese Forderung nicht erfüllt wurde, so. haben die jüdischen Delegierten ihre Deklaration schriftlich Ubergeben und sind abgereist. Die Deklaration besagte im wesentlichen: „Durch die Erklärung, welche in der Eröffnungssitzung ohne Widerspruch im Namen der deutschen Volksgruppen abgegeben worden ist, wurde eine Situation geschaffen, durch welche die Vorbedingungen für die Zusammenarbeit der auf diesem Kongreß in gemeinsamer Arbeit zu gemeinsamen Zielen vereinigten Nationalitäten nicht nur in Frage gestellt, sondern eindeutig verneint wird." „Die Erklärung der deutschen Volksgruppen findet für die Entrechtung, Beraubung, Vergewaltigung und Diffamierung der deutschen Juden nur das Wort der Billigung der „Ausgliederung" eines Volkes durch das andere. Sie billigt ausdrücklich diese Ausgliederung, wie sie in Deutschland vorgekommen ist; also: die Vertreibung der jüdischen Beamten, die gewaltsame Hinausdrängung der Juden aus den freien Berufen, die Wegnahme der in langjähriger Arbeit aufgebauten Existenzen, die Sperrung des Zuganges zu den Stätten der Bildung, die öffentliche Aufreizung und Diffamierung auch in Schulen und den auf völlige Vernichtung abzielenden Boykott. Die Erklärung, die hier im Namen der deutschen Volksgruppen abgegeben" wurde, ist eine Zustimmung zu all diesen Maßnahmen vor aller Welt." „Diese Zustimmung wird durch das gleichzeitige Bekenntnis zu den sonstigen Grundsätzen des Minderheitenkongresses nicht abgeschwächt, sondern vielmehr verstärkt; ebenso wir durch den Zusatz, daß die deutschen Volksgruppen es ,für gerechtfertigt halten, wenn die so entrechteten Menschengruppen, also hier die Juden, bestrebt sind, auch für sich die durch diesen Kongreß verteidigten Rehte geltend zu machen', weil der Zusatz als Unterstreichung des Rechtes auf zwangsweise Ausgliederung wirkt, während den Juden selbst nur das Streben nach diesen Rechten zugestanden wird. Diese Erklärung macht uns die Zusammenarbeit auf dem Boden des Kongresses mit denen, die sich zu diesen Grundsätzen bekennen, unmöglich. Wir sind daher nicht in der Lage, uns an den Beratungen dieses Kongresses zu beteiligen. Wir verfolgen mit Sympathie die Bemühungen derjenigen, welche die Ideen und Grundsätze des Kongresses verteidigen. Wir werden unsere weiteren Entschließungen davon abhängig machen müssen, inwieweit es unseren Freunden gelingen wird, dem Kongreß seine ursprüngliche Grundlage, Uebereinstimmung und Zielsetzung wiederzugeben." Die entscheidende Stelle in der erwähnten Erklärung der deutschen Gruppen lautete: „Die Ausgliederungn völkisch andresgearteter und besonders andersrassiger Menschen aus einem Volkskörper — wie man sie in der letzten Zeit beobachten konnte — halten wir für grundsätzlich berechtigt, wobei wir es jedochauch für gerechtfertigt erachten, wenn die durch Dissimilierung zu Minderheiten gemachten Menschengruppen bestrebt sind, die Rechte auch für sich geltend zu machen, für die unser Kongreß bisher eingetreten ist." Nach Verlesung der Jüdischen Deklaration wurde in Abwesenheit der Juden eine Resolution angenommen, welche der Ausschuß beantragt hatte und in welcher der Kongreß im Falle einer solchen Auseinandersetzung durch Ausscheidung einer andersvölkischen assimilierten Gruppe „im Falle der Einleitung und Durchführung der nationalen Dissimilation verlangt, daß für diese ausgeschiedene Gruppe die Freiheiten und Rechte unbeeinträchtigt bleiben, für die der Kongreß seit seinem Bestehen in Kundgebungen und Beschlüssen eintritt". Dann wurde im Namen der neutralen Gruppen, darunter der Russen, Katalanen und Ungarn, von dem russischen Delegierten Prof. Kurtschinsky. Estland, eine Deklaration verlesen, welche die. „jetzt in einigen Ländern zu beobachtende Welle von Maßnahmen des Antisemitismus als eine gegen die allgemeinen Menschenrechte verstoßende und den Idealen des Kongresses widersprechende" — verurteilt. Schließlich wurde auch noch eine Erklärung der deutschen Gruppe abgegeben, worin sie versucht, freilich immer noch in abstrakter und doktrinärer Form, ihre erste Erklärung abzuschwächen. Sie sagt, daß „sie nicht nur auf dem Standpunkt stehe, jede Assimilierung sei abzulehnen, sondern auch auf dem Standpunkt, daß es keine nationalen Staaten geben kann und geben darf, die aufgebaut sind auf dem Untergang anderer Volkstümer. die in ihren Staaten leben"; und daß die deutschen Minderheiten die Anerkennung der Volkstumsrechte nichtnurfürsichin Anspruch nehmen, sondern mit aller Gewissenhaftigkeit entschlossen ist, auch denen zuzuerkennen, die „nicht unseres B utes sind". Hinzuzufügen ist noch, daß der Kongreßpräsident in seiner Eröffnungsrede unter ausdrücklicher Nennung von Deutschland auf das Vorgehen der deutschen Regierung Bezug nahm und erklärte, daß „der Kongreß die Grundlage seiner Wirksamkeit und vor Paläst enaaR e i § c n d e EIN DEN IN TELAVIV Z8 HATARKONSTR. ERSTKLASSIG MODERNES HAUS AM MEER MI1 ALLEM KOMFOR1 SCHATTIGEM GARTEN VORZÜGLICHER UNGARI¬ SCHER KÜCHE, STRENGE MASSIGEN PREISEN Hotel-Pension sGAT'RIMMON' Inh.: Frau Dr. Lea Vadas

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