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Die neue Welt · 1933-10-11 · Heft 318 (11.10.1933) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 318 (11.10.1933)
Date
1933-10-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 318 DIE NEUE WELT Seite 5 1 Jüdische Selbsthilfe Immer schwerer wird der Druck, dem das jüdische Wirtschaftsleben aasgesetzt ist, immer fühlbarer werden die Folgen der jndenf eindlichen Agitation im gewerblichen und geschäftlichen Leben. In solcher Zeit ist wirtschaftliche Zusammenarbeit aller Juden ein Gebot der Stunde. Vor allem ist es notwendig, die jüdische Kaufmannschaft und das jüdische Gewerbe, die jetzt so hart um ihre Existenz ringen müssen, nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Daran soll der jüdische Mann, daran soll die jüdische Hausfrau immer denken. Jüdische Selbsthilfe auch auf wirtschaftlichem Gebiete — das erfordert die harte Zeit, in der wir leben. Empfehlenswerte Firmen S. Abrahamovicz, Schuhhaus, II., Taborstraße 33, Tel. A-48-1-62. Birnbaum Leo, Schuhreparaturwerkstätte, II., Franzensbrückenstraße 9; XX., Karl-Meißl-Straße 3; XX., Pappenheimgasse 66. E. Blaser, Schuhhandlung, II., Taborstraße 56. Bornstein, Damenkonfektion, II., Hollandstraße 1, Telephon A-45-6-49. L. Brodbad, Bäckerei, II., Schiffamtsgasse 17. JV. Brodetzky, Spezereiwaren, II., Leopoldsgasse- 43, Tel. A-46-1-90. B. David, Weißwaren, II., Negerlegasse 5. JL. Drimmer, Elektro-Installateur, II., Obere Donaustraße 1, Tel. A-41-8-32. G. Eisner, Textilwaren, I., Zelinkagasse 11, Telephon U-29-3-70. Glanzmann, Epstein & Co., Damen-Konfektion, II., Obere Donaustraße 35, Tel. A-49-0-86. I. Erster, Ledergalanteriewaren, II., Praterstraße 21, Tel. R-44-1-33. M. Fisch, Schneider, II., Praterstraße 53, Telephon R-44-5-25. S. Fried, Delikatessengeschäft, II., Wittelsbachg. 3. Fein & Landsmann, Lederbekleidung, XX., Gauß- Platz 6, Tel. A-^2-0-10. I. Greismann, Strumpfbandel, II., Schüttelstraße 29, Tel. R-43-9-72. Halpern S., Palästina-Produkte, II., Förstergasse 6. J. Hirschler, Fleischhauergeschäft, II., Wolfgang- Schmälzl-Gasse 4, Tel. R-41-7-69. J. Karniol, Textilwaren und Wäsche, I., Gonzagagasse 7, Tel. U-22-9-51. S. Halpern, Gemischtwaren, II., Förstergasse 6, Tel. A-45-8-40. Knoll & Co., Motoren und Apparate, II., Taborstraße 8 b, Tel. R-45-5-90. A. Kurz & Co., Optische Anstalt, II., Gradlerstraße 4, Tel. A-43-2-86. I. W. Kurz, Gemischtwaren, II., Volkert-Platz 5, Tel. R-44-102. M. Leder, Butter- und Eierhandel, II., Tandelmarktgasse 11, Tel. A-48-0-43. O. Lustig, Seifen, Putzmittel, Parfümerien, Kerzen, II., Hollandstraße 12, Tel. A-45-6-89. Signa. Plaschkes Fleischhauerei, II., Hollandstraße 6. B. Posaner, Schreibmaschinen, IL, Obere Donaustraße 105, Tel. A-41-3-77. A. S. Rabiner, Spenglermeister, IL, Untere Augartenstraße 31, Tel. A-45-0-29. G. Schlesinger, Spezerei und Delikatessen, II., Hollandstraße 11, Tel. A-48-3-58. D. Steigmann, Butter- und Eierhandel, IL, Zirkusgasse 41, Tel. R-44-0-73. A. Strich, Stahlwaren, L, Eßlingg. 7, Tel. U-20-9-58. S. Turtil, Gemischtwaren, IL, Engerthstraße 194, Tel. 48-6-64. J. Weintraub, Textil und Wäsche, IL, Krummbaumgasse 2, Tel. A-44-0-45. S. Wildmann, Sprechmaschinenteile, IL, Vorgartenstraße 207, Tel. R-44-6-15. S. Zuckermann, Haus- und Küchengeräte, IL, Im Werd 1, Tel. A-49-205. ,,Vegetaria", Restaurant, Diätküche, Milchspeisen, IL, Obere Donaustraße 89 a; IX., Währingerstraße 21. Anfragen und Wünsche, welche diese Rubrik betreffen, sind an die Verwaltung des Blattes, IL, Untere Augartenstraße 38, Tel. A-45-6-34 (10 bis 2 Uhr), zu richten. üu§ Jugoslawien (Von unserem jugoslawischen Berichterstatter) Die jugoslawischen Zionisten waren auf dem Prager Kongreß durch zwei Allgemeine und zwei Delegierte der Arbeiterpartei vertreten. Die größte jugoslawische zionistische Ortsgruppe (Jüdischer Nationalverein) in Zagreb zeigte den guten Willen zur Objektivität und lud je einen Delegierten beider Gruppen zum Referat über den Kongreß ein. In seinem sachlichen, auf hohem Niveau stehenden Referat legte Herr Dr. Tolnauer (Allg. Zion.) den Standpunkt seiner Gruppe dar und schilderte den Verlauf des Kongresses, wie er ihn sah. An dieser Stelle wollen wir einige Stellen des Referats hervorheben, welche vom Referenten unklar oder irrtümlicherweise unrichtig ger bracht wurden. Der Referent stellte die Behauptung auf, daß der Kongreß keine konstruktive Arbeit leisten konnte, weil der Vertreter der Judenstaatspartei, Meir Groß- W!)Bk Größte Durchschlagskraft Generalvertrieb von Royal- Schreibm aschinen Dir. Louis Tiefenbacher Wien IX, Alserplatz 3 (Phönixhaus), Tel. B-42-4-44 Standard Portable Signet 1 die vollkommensten, modernsten und elegantesten Schreibmaschinen Leichtester Anschlagt daher nie ermüdend Unbegrenste Dane rhattlg keit Bequeme Zehliingserlelchterungen Kostenlose, unverbindliche Vorltthrung mann, gleich zu Beginn mit der Interpellation über das Transferabkommen mit Hitler-Deutschland die Arbeit lahmlegte. Doch bietet der weitere Verlauf des Kongresses den besten Beweis, daß nicht die „Indiskretionen" Herrn Großmanns, sondern das vom Referenten als schweren Fehler der Arbeiterpartei bezeichnete Verlangen, die Revisionisten vom Präsidium fernzuhalten, den Kongreß störte. Irrtümlicherweise hat auch der Referent die Behauptung aufgestellt, daß die Judenstaatspartei für die Deutschland-Resolutionen der Kommission stimmte. Im übrigen erwähnte der Redner die würdige Haltung der Judenstaatspartei auf dem Kongreß, womit er den Beweis erbrachte, daß man auch über ideologische Gegner objektive Urteile abgeben kann, frei von jedem Vorurteil und Gehässigkeit. Diese lobenswerte Eigenschaft fehlt dem zweiten Referenten des Abends, Herrn Drago Steiner (Arbeiterpartei). Schon zu Beginn des Referats konnte er sich nicht enthalten, Meir Großmann die Absicht zu unterschieben, die Interpellation über das Transferabkommen aus dem Grunde eingebracht zu haben, um den toten Dr. Artosoroff zu kompromittieren. Er sagte, daß Großmann sehr gut wußte, daß es Dr. Artosoroff war, der die Verhandlungen mit Hitler-Deutschland in die Wege leitete. Sonst wäre über das zweite Referat nichts Bemerkenswertes zu sagen. Es war sehr schwach, Juden Wiens/ beteiligt euch in Massen am HerzbGrahgang! Sonntag, den 15. Oktober 1933, um 10 Uhr vormittags findet der Herzl-Grabgang statt. Alle Zionisten versammeln sich vor dem Eingang zum Döblinger Friedhof um 3/ j10 Uhr. der Form und dem Inhalte nach, vom Niveau nicht zu reden, und stand weit hinter dem ersten zurück. Es war eben von Parteileidenschaft diktiert. A. P. Judenstaatszionisten im Landesverbände der Zionisten Jugoslawiens Aufruf. Wir teilen allen unseren Gesinnungsgenossen mit, daß unsere Fraktion die Arbeit aufgenommen hat und daß wir jetzt an die definitive Organisierung unserer Landesgruppe schreiten. Wir bitten alle unsere Gesinnungsgenosseni m Lande, sich zum Zwecke der Besprechung der weiteren Arbeit bei uns zu melden. Adresse unseres Sekretariats ist: Alfred Platzner, Zagreb, Klavniöka ll/m. Für den provisorischen Ausschuß: David Spitzer, Alfred Platzner. Tagung, des Parteirates der jugoslawischen Zionisten. Sonntag fand in Zagreb eine Sitzung des Parteirates der jugoslawischen Zionisten statt. Die „Judenstaatspartei" war auf dem Parteirate nicht vertreten. Ueber diese Tagung wird in der nächsten Nummer berichtet. IflNOPROGRAMME I* DIESER WOCHE I, Wollzeile 17 Tel. R-24-2-16 KREUZ-KINO Vom 13. bis 20. Oktober: Gespenster am Hudsonfluß Sonn- und Wochentags: 4, 5.45, 7.30, 9.15 Uhr SCHWEDEN- KINO „Die schwimmende Stadt" Am 17. Oktober Premiere „Hotel International" Beginn Wochentags 8/4 5, 7, V, 10 Uhr, Sonntags ab 3 Uhr Brief aus der T§eheeho* §Iowakei Von den Hochschulen — Auflösung der NSDAP. — Konrad Henlein und die Juden Graf Bethusy-Huc, deutscher Konsul in Brünn, erblickte eines Tages in der Auslage einer Buchhandlung die Wochenschrift „Der Aufruf", welche einen scharfen Kampf gegen Hitler-Deutschland führt. Er verlangte, daß die Buchhandlung diese Zeitung aus der Auslage entferne, widrigenfalls die technische Hochschule in Brünn in Hinkunft diese Firma beim Bezug von Büchern nicht in Betracht ziehen werde. Der Herausgeber des „Aufruf" erstattete gegen den Herrn Grafen die Anzeige nach dem Terrorgesetz. Es ist bezeichnend, daß der Konsul Deutschlands in der Lage ist, in dieser Weise Uber eine tschechoslowakische Hochschule zu verfügen und man kann sich denken, was für ein Geist an dieser Anstalt herrscht. Ueber den Ausgang des Prozesses werden wir berichten. Seine Magnifizenz der Herr Rektor Dr. Gesem a n n von der Deutschen Universität in Prag verbot die Kolportage eines von den sozialistischen Akademikern herausgegebenen Studentenführers, indem er am schwarzen Brett eine Kundmachung anschlagen ließ, derzufolge das Kolportageverbot auf Weisung des Herrn Unterrichtsministers erfolgt sei. Diese „Weisung" stellte sich als eine glatte Erfindung des Herrn Dr. Gesemann heraus, denn der Unterrichtsminister Dr. Dörer erklärte in der halbamtlichen „Prager Presse", daß weder eine schriftliche nur in der JUdlschan .JÜDISCHE ELTERN« Kauft Sdiulbüdier für eure Kinder Buchhandlung Hermann Tlldiner ECKETaborstv«52 Lehrbücher für alle Lehtanstalten in den richtigen Auflagen - auch antiquarisch - zu sehr mäßigen Preisen Speianfrala Zusendung überallhin Verzeichnisse kostenlosI Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 noch eine mündliche Weisung an das Rektorat ergangen wäre. Man kann sich denken, was für ein Geist auch an dieser Anstalt herrscht, wenn der Herr Rektor seine Ob« jektivität gegen alle Studenten mittels solcher Methoden; dokumentiert. In den letzten Wochen ist man die Nazi hier scharf angegangen. Der Mord an Prof. Dr. Lessing hat in der Auslandspresse berechtigtes Entsetzen ausgelöst und man hat eingesehen, daß die Duldung ähnlicher Zustände die Republik, welche auf ihre Demokratie stolz ist, diskreditiere. Dies gab den letzten Anstoß zur Auflösung der Nazipartei durch die Regierung. Die Wirkung dieser Maßregel bleibt eine unverminderte, wenngleich die Partei 24 Stunden vorher ihre Auflösung selbst beschlossen hat, Für die Juden in der tschechoslowakischen Republik ist die Sache insoweit von Interesse, als die Uebergriffe der. Nazi und deren Presse gegenüber der jüdischen Bevölkerung, namentlich in der Nähe der deutschen Grenze,, wohl nicht mehr geduldet werden, respektive ihre Ann» dung finden werden. Um die Naziparteigenossen wieder zu sammeln, hat Herr Konrad Henlein, Turnlehrer in Asch und bis vor wenigen Tagen Verbandsturnwart des Deutschen Turnverbandes, einen Aufruf im Stile Hitlers erlassen, in welchem er für eine überpärteiische „Sudetendeutsche Heimatsfront" wirbt. Diese Heimatsfront sei loyal gegenüber dem Staat, stehe mit Hitler-Deutschland absolut nicht in Zusammenhang, bekenne sich zur christlichnationalen Weltanschauung usw. Die Tschechen, die in politischen Dingen ganz hervorragend informiert sind, haben die Beteuerungen des Herrn Henlein nicht ernst genommen. Soweit ginge uns Juden die Sache ja nichts an« Aber Herr Henlein hielt am Sonntag einen Presse-Empfang: in Prag ab und erklärte u. a. folgendes: Die Jüdische; Frage wird in der neuen Partei keine Rassenf rage sein. Die Hilfe der Judenschaft würde er annehmen, wenn man sie ihm anbieten würde. Daß ein Mann, hervorgegangen aus der Turnerbewegung mit ihrer allerwütendsten antisemitischen Einstellung, es wagen kann, von solchen „Offerten" zu sprechen, ist beschämend. Wir sind von imseren Assimilanten starke Stücke gewöhnt. Erst kürzlich hat die Deutschdemokratische Freiheitspartei (ehemals liberal genannt) die beabsichtigte Gründung einer sudetendeutschen Volksfront, in der sie mit den Nazi hätte zusammensitzeä müssen, begrüßt. Aber so würdelos wird hoff entlich keinen sein, daß er Herrn Henlein zu Hilfe kommt. Der neu« Führer möge seine christliche Weltanschauung behalten, Unsere Juden mögen wiederum ihr Geld behalten und es nicht für eine Partei opfern, die über kurz oder lang ihre Tarnung aufgeben wird. Sie werden ohne Mühe einen besseren Zweck finden, falls sie ein Opfer für eine gut* Sache zu bringen in der Lage sind. Ztpp, i Jörn Kippur in Moskau Aus Moskau: Während der verflossenen hohen jüdischen Feiertage standen den Moskauer Juden nicht mehr als drei Synagogen zur Verfügung. Diese.drei Synagogen waren während der Gottesdienste stark überfüllt, es mußten doppelschichtige Gottesdienste, auch am Kol-Nidre-Abend und zu den Tagesandachten am Jörn Kippur, eingerichtet werden. Viele der Andächtigen kamen in Arbeitskitteln zu den Gottesdiensten, um nicht Aufsehen zu erregen und sich bei den „Apikorsim" (Atheisten) verdächtig zu machen. Die Gottesdienste waren meist von Personen vorgeschrittenen Alters besucht, man sah wenig Jugend in den Synagogen. Während der Kol-Nidre-Andaoht fand in den Räumen des der Großen Synagoge benachbarten Arbeiterklubs, die früher zu der Synagoge gehörten, eine antireligiöse Veranstaltung mit Konzert statt. Die Töne des Orchesters mischten sich mit den Gesängen des Kantors in der Synagoge. In mehreren anderen Teilen der Stadt fanden antireligiöse Veranstaltungen des jüdischen Klubs „Kommunist" statt, die aber einen ziemlich schwachen Besuch aufwiesen. Asyl für jüdische Gelehrte aus Deutschland an der Universität Manchester Aus London: Die Universität Manchester teilt mit: Als die gegenwärtige deutsche Regierung zahlreiche Professoren wegen ihrer judischen Abstammung oder „politischen Unzu verlässigkeit" aus den Staatsdiensten entließ, bildeten sich in England und in anderen Ländern Organisationen zur Aufbriugung von Mitteln, um diesen Gelehrten ein Asyl bieten zu können. In England wurde der Academic Assistance Council gebildet, gleichzeitig hat eine Gruppe von Bürgern aus Manchester einen Fonds geschaffen mit dem Ziele, die Universität Manchester in die Lage zu versetzen, einigen der vertriebenen jüdischen Gelehrten ein Heim zu bieten. Die Universität benützte äiejtfl

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