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Die neue Welt · 1933-10-11 · Heft 318 (11.10.1933) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 318 (11.10.1933)
Date
1933-10-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 318 Montag, d«n 16. Oktober, 8 Uhr ablädt, spricht Im Großen Konzerthaussaal Mlllilllkf CAlf AI railf Präsident clor Zionistischen Weltorganisation HftflMITI iVlIVliVW und der Jewlsh Agsmty, Uber DerZeoniimut und die Lage der Juden in der Welt«, , farten VOR 1 bif 8 Sohllllltg «rhUltlleh m Zion. Landetxomltee. I, KHrntnoutraß« 21, Ttt. R-27-4-8S/83; BUoherttuN M. Rath, Taljoratraae 20a; BexlrksaekHön Ltopoldstadt, II, PiaUrstrafla 13, Tel. R-44-3-45 und an tsr Konieithaus-Kasia RUNDSCHAU Lumpen? Narren? Oder beides? Aua Berlin wird uns berichtet: Dr. Max Naumann, der Begründer und Führer des Verbandes nationaldeutscher Juden, hat im Namen seines Verbandes der Regierung einen Gesetzentwurf überreicht, der darauf hinausgeht, daß seine Gesinnungsgenossen als „DeutschJuden" anerkannt und den Ariern gleichgestellt werden, Als „Deutschijuden" gelten: 1. Frontkämpfer mit Ausnahme derjenigen, die sich im kommunistischen, marxistischen, zionistischen oder pazifistischen Sinne betätigt haben; hinsichtlich sonstiger Formen der „antinationalen Betätigung" werden von Naumann Einzelbestimmungen vorgeschlagen. 2. Mitglieder alteingesessener Familien; als Stichtag ist von Naumann der 1. Jänner 1903 vorgeschlagen. Auch aus dieser Gruppe sollen Marxisten und Zionisten ausgenommen werden. 3. Alle Personen, die von einer seitens der Regierung einzurichtenden Spruchstelle zugelassen werden. In der Spruchstelle sollen drei seitens der Regierung bestimmte Mitglieder und zwei besonders qualifizierte D e u t s c hj u d e n zusammenwirken. Diese Bestimmung zielt dahin, -Härten, auszugleichen, hinsichtlich der für Jugendsünden erforderlichen Milderungen Einzelbestimmungen vorzuschlagen, und vor allem der „deutschfühlenden Jugend'* den Weg in die Zukunft zu öffnen. In einer Kundgebung, in der er von der Einreichung dieses Gesetzentwurfes bei der Regierung Mitteilung macht, erklärt Dr, Naumann: „Wir haben Uns bemüht, mit diesem Gesetzesvorschlag den Trennungsstrich so zu Ziehen, daß der von uns vorgeschlagenen Regelung sowohl vom Standpunkt aller Peutschjüden wie vom Standpunkt der nationalen Regierung aus zugestimmtwerdet» kann. Wir nationaldeutsph§n -Juden haben jdie-n$tiona 1 e Erh e b u n g aus i n n e r s t e r Herzensüberzeugung begrüßt und wir haben schon lange vor dem 30. Jänner .1933 in aller Qeffent}ichkeit für diese nationale Erhebung einen .Kampf geführt. Wir glauben deshalb daö Recht zu haben, der nationalen Regierung,, der.wir auch heute noch unsere ganze Kraft zur Verfügung stellen, zu sagen: Schiebt die endgültige und gerechte Regelung der Judenfrage nicht länger hinaus!" Diesen Schritt seines. Verbandes bei der Hitler- Regierung begründet Dr. Max Naumann in einem im Oktoberheft des Verbandsorgans „Der nationaldeutsche Jude" erschienenen Aufsatz, der den Titel führt „Der einzige Weg: die Ungleicnachaltung!" Unter Ungleichschaltung versteht er die Ausschaltung aller den heutigen deutschen Staat und dessen nationale Regierung nicht bejahenden Juden. Er gibt die Parole aus: „Deutsch zu Deutsch, Fremd zu Fremd!" Er begrüßt im Namen der nationaldeutschen Juden aufs wärmste den Erlaß der Regierung, betreffend Auswanderung „deutscher Staatsbürger - jüdischen V o 1 k 81 u m 8,r nach Palästina, verlangt aber dabei volle Wahrung der wirtsqhaftlicben Belange Deutschlands. Für uns deutsehe Juden, schreibt er, kann es nur erfreulich sein, wenn sich die Zahl der undeutschen Juden in Deutschland möglichst rasch und möglichst ausgiebig vermindert. - Naumann bezeichnet auch die heugebildete Ra i c h svertretung der deutschen Juden und die in ihr vertretenen Gruppen/ wie Zionistische Vereinigung für Deutschland, Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Liberales Judentum und Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, als „undeu tecn" undaagt vom Vorsitzenden der Reichsvertretung, Rabbiner/ Dr, Baeck, er sei ein „getarnter gionigt". Naumann begrüßt es, daß durch die Bildung der neuen Reichsvertretung nunmehr die Formationen aufgestellt sind, in die sioh die Deutschen judischer Abstammung einerseits und die „deutschen Staatsangehörigen jüdischen Volkstums" ander» «eits einsuguedem bapen. Er wirft dem Centraiverein vor, daß seine Führung in der letzten Zeit ausgesprochen jüdischnational sei. Aehnlich seien die Verhältnisse bei de» „Liberalen". Aus Naumanns Ausführungen ist zu schließen, daß sogar Angehörige des Centraivereins und der Liberalen Vereinigung, zu einem großen Teil auch Angehörige des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, keinen Anspruch auf Gleichberechtigung haben. Einzig und allein in seinem Verbände sieht er den „KristalUsationspunkt derjenigen Peutschjuden, die nicht unter das zionistische Joch geführt zu werden wünschen'», Während aber Naumann Bürgerrechte für die „peutschjuden", d. h. für diejenigen Juden, die sieh um leinen Verband gruppieren, verlangt« lehnt er den Grundsatz der „nationalen Minderheiten" für die „F r e m djuden", d. h. für die in der Reichsvertretung organisierten Juden, entschieden ab und schreibt! „Die praktische Durchführung der Minderheitsgrundsätze des Völkerbundes sind von Wichtigkeit für die Behandlung der deutsohen Minderheiten im Ausland, aber eine Anwendung dieser Grundsätze auf die ganz anders gearteten Verhältnisse in Deutschland ist völlig unmöglich. Für die Juden gibt es nur zwei Möglichkeiten: Bürgerrecht oder Fremdenrecht. Der Deutschjude darf nicht behandelt werden wie der Fremdjude. Der Fremdjude gehört . unter Fremdenrecht, er gehört in die Stellung eines Staatenlosen," Der Schritt des Verbandes nationaldeutscher Juden und die Erklärungen seines Führers Dr. Max Naumann haben unter den Juden aller Richtungen in Deutschland schärfste Indignation hervorgerufen. Hinsichtlich der möglichen praktischen Auswirkungen des Naumannschen Schrittes bei den Regierungsstellen ist man außerordentlich skeptisch. Man weist darauf hin, daß die nationalsozialistische Presse und Führer der Hitler- Bewegung öfter die Anbiederungsversuche der Naumann* Gruppe schärfstens zurückgewiesen und sie als „Anschmeißereien" bezeichnet haben. Wenn somit die Versuche der Naumann-Gruppe im voraus zum Mißerfolg verurteilt sein dürften, so liefern sie doch durch ibre Aktion bei den Behörden und ihre Erklärungen in der Oeff entlichkeit den Gegnern jeder irgendwie rechtlichen Lösung der Judenfrage in Deutschland Waffen in die Hand. H rter feodil koscher Hitler-Deutschland hat seinen Juden gegenüber vielerlei Methoden angewendet: materielle, physische, moralische Verfolgung, mit dem Endziel^ sie zu vernichten. Der Kulturwelt hat das deutsche Hakenkreuz die scheinheiligsten Gründe ins Treffen geführt, und, in die Enge getrieben, wie beispielsweise jetzt in Genf, verlegt es sich einfach .aufs Leugneri,'\?GreueUegenden", jammert, die Nazipresse. . Aber Hitler-Deutschland Hann auch anders, wenn es — ums Geschäft geht, Da kennt es keine rassischen und religiösen Vorurteile. Da ßind ihm die Juden genau so lieb wie seinerzeit dem zaristischen Fogröm-Rußlahd, als es das Manifest „An meine.lieben Juden" erließ. Pa infolge der Boykottbewegung auch der deutsche Schiffsverkehr leidet, hat die Hamburg—Südamerika-Linie beschlossen, einen direkten Schiffsverkehr zwischen Hamburg und Palästina einzurichten, Sie will diejenigen Juden, die sich aus Pogrom-Deutschland retten wollen, nach Palästina befördern, sie will an diesen Opfern des Hitler-Regimes — treudeutsch — verdienen. Das ist schließlich eine kaufmännische Angelegenheit. Der erste Dampfer der neuen Route, die „Bspana", wird ganz einfach jüdische Passagiere befördern. Aber das ist nicht alles. Eine Meldung aus Berlin besagt wörtlich: „Es werden die größten Anstrengungen gemacht, die jüdischen Auswanderer «ach Palästina zu veranlassen, auf deutschen Schiffen zu reisen". Ob diese jüdischen Passagiere gezwungen werden, die Hakenkreuzflagge mit langhingestrecktem Arm zu grüßen, wird in dieser Meldung nicht gesagt. Das ist immer noch nicht alles. Bekanntlich hat die Hitler-Regierung das rituelle Schächten verboten. Die frommen Juden Deutschlands sind hier also in ihren religiösen Brauchen gehindert, Aber auf den Sohiffen der deutschen Hamburg—-Haifa.-Linie ist's etwas anderes. Pie Berliner Meidung besagt näxniich weiter; „Die Schiffsgeseilschaft hat Anstalten zur Versorgung der Passagiere mit Kosonerkost unter der Auf eicht des Hamburger Rabbinats getroffen". Und damit die auf einem Hakenkreuzschiff reisenden Juden sich wie zu Hause fühlen, „wird ein Raum zur Abhaltung jüdischer Gottesdienste zur Verfügung gestellt", So endet die offizielle Berliner Meidung. Wenn die Fürsorge der deutschen Scniffsgesellschaften für die jüdischen Palästinareisenden sich noch steigern sollte, werden diese vielleicht mit dem Ruf „Schalöm, Hitler!" von Deutschland Abschied nehmen. Rtli'tisdies und finanzielles Defizit , Was jüdische Initiative in Palästina geschaffen hat, wird von niemand mehr bestritten: Energje, Unternehmungsgeist, nationaler Wille, Opferfreudigkeit, Bereitstellung finanzieller Mittel wirkten zusammen, um das große Werk entstehen zu lassen, das heute im Mitteipunkt des Weitinteresses steht und das vor allem zionistische Endzielhoffnung bedeutet. Tel-Awiw hat sein Schaffeustempo eher vergrößert m .verm|flaertv»Pi9 Kurv« ist »och, im «eigen/V w&rejben, , m SIEGM. KORNMEHL aROSSPLEISCHHAUBREI Zentrale: 1%., Berggasse I9f Tel. A-17-3-99 ti, A-16-9-34 ][ Lieferant für Heilanstalten AanlsS unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinate der isr. Kultusgemeinde Wien Autozusteilung kostenlos »X. Bergaasse 19 ' XVIII.. Währlngerslr. 97 die Tel-Awiwer, „es fließt der Strom der Einwanderung Uber drei Häfen in die Städte und Kolonien, belebt, verändert, vergrößert..." Kurz, es gebt vorwärts, aufwärts. Und YOn der Arbeit, die der Jude in Palästina leistet, vom Geld, das er dort in Umlauf setzt, fällt ein schöner Prozentsatz in die Kassen der britischen Mandatarmacht, bzw. der Palästina-Regierung unter der Leitung des braven Hochkommissärs Sir Artur Wauchope. Die britische Mandatarmacht gibt sich bekanntlich für das Wohlergehen des ihr anvertrauten Landes sehr besorgt. Der berüchtigte „French-Bericht", über den die Leser unseres Blattes mehrmals informiert worden sind, schlägt für die Erschließung Palästinas eine Anleihe von 2,0 Millionen Pfund vor. Von diesem Gelde wollte die Stadtverwaltung Tel-Awiw für sich einen Teil als Anleihe haben, als Anleihe für Investitionszwecke. Aber das Geschäft kam nicht zustande. Tel-Awiw bekam die Anleihe nicht. Wohlgemerkt: die Anleihe, nicht etwa eine Subvention. Die Palästina-Verwaltung, die über eine Million Pfund Ueberschuß jährlich aus dem Land holt, ihre ärarischen Einkünfte zum größten Teil aus jüdischen Händen bezieht, hat für Tel-Awiw nicht einmal einen Tropfen Wohlwollen übrig. Tel-Awiw war also gezwungen, eine Investitionsanleihe von 350.000 Pfund im eigenen Rahmen aufzunehmen. Anders steht es um die Araber im Jüdischen Nationalheim. Diese sind nach wie vor die Schoßkinder des so sehr gelobten Herrn Wauchope« Die J, T, A. meldet nämlich aus Jaffa: Die Palästina»Regierung hat einen Zuschuß von 10.000 Pfund zum Budget der Stadtverwaltung von Jaffa für das Jahr 1933/34 bewilligt. Pas Budget enthält unter anderem einen Ausgabeposten von 10.800 Pfund für öffentlichen Gesundheitsdienst, 9000 Pfund für außerordentliche öffentliche Arbeiten, 4175 Pfund für laufende öffentliche Arbeiten und 6200 Pfund für Sicherheitswesen. Ungeachtet der Regierungsbilfe weist das Budget ein Defizit von 800 Pfund auf. Die Palästina-Regierung gibt den arabischen Stadtverwaltungen Zuschüsse und immer npoh weisen deren Budgets Defizite -auf-. Die jüdischen Städte füllen den englischen Verwaltungssäckel, die arabischen leeren ihn wieder. Ein Spiel, gegen das die Exekutive der .er* weiterten Jewish Agency scheinbar nicht viel einzu* wenden hat... Berlin» die angenehmste Fremdenstadt der Welt Aus Paris; Ein Journalist schildert in der Tages» zeitung „Les demiöres nouvelles" sein Berliner Erlebnis. Er betrat ein Kaffeehaus am Kurfürstendamm und verlangte eine Tasse Kaffee, Per Geschäftsführer trat auf ihn zu und verlangte Vorweisung seines Passes oder anderer Dokumente, um sich zu überzeugen, ob er ein Jude sei oder nicht, Der Journalist konnte sich als Christ legitimieren. Paraufbin entschuldigte sich der Geschäftsführer und teilte dem Journalisten mit, daß er von ihm die Papiere verlangt habe, weil er ein prononciert jüdisches Aussehen habe, Pie Kaffeehausbesitzer hätten in den letzten Tagen von der Leitung der nationalsozialistischen Partei den offiziellen Auftrag erhalten, an jüdische Besucher keine Konsultationen mehr zu verabreichen, in zweifelhaften Fällen müsse der Kaffeehausbesitzer oder sein Stellvertreter von den Besuchern die Vorweisung eines Passes verlangen und im Falle es sich erweise, daß es sich um einen Juden handle, ihn auf höfliche Weise auf» fordern, das Kaffeehaus zu verlassen. NÄCHSTE PALÄSTINA R E I S E Mit dem Lloyd - Dampfer „Tevere" (l4«000 Tonnen) Aber Rom und Neapel/ Abfahrt von Wien 86» Oktober 1933 Preis von $ 395 aufwärts Arrangement und Relieleltung Frau Berti Taubei ~ Auskünfte: Reisebüro MerlenbrUcke (Palästinadienst), Wien I, Retenturmstraße 26, Tel. R-24-2-86, tlglfoh von IQ bie 1 Uhr

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