Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 318 (11.10.1933)
- Date
- 1933-10-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 318 DIE NEUE WELT Seite 3 trizltät an Juden Rechnungen In doppelter Höhe der normalen Tarife geschickt werden. Das Reichsgesetzblatt Nr. 108 veröffentlicht das Reichserbhofgesetz vom 29. September 1933, dessen erste Grundbestimmung lautet: Land- und forstwirtschaftlicher Besitz in der Größe von mindestens einer Ackernahrung und von mindestens 125 Hektar ist der Erbhof. Der Eigentümer des Erbhofes heißt Bauer. Bauer kann der sein, der deutscher Staatsbürger, deutschen oder stammesgleichen Blutes und ehrbar ist. Die Reichregierung hat ein Schriftleitergesetz in Kraft gesetzt, das bestimmt: Schriftleiter, das heißt Journalist, kann nur ein deutscher Reichsangehöriger sein, der fähig ist, öffentliche Aemter zu bekleiden, arischer Abstammung ist und nicht mit einer Person von nichtarischer Abstammung verheiraet ist. Die Zulassung zum Schriftleiterberuf wird durch Eintragung in die Berufsliste der Schriftleiter bewirkt. Verleger, die in dieser Liste nicht 4<M>»M»M<MMMMMMM>MMM«HMMMIMMMM«H Das Programm der Judensfaafspartei Die Judenstaatspartei bekennt sich zu folgenden Grundsätzen: Für die Judenstaatspartei bedeutet Zionismus das Streben nach Errichtung des Judenstaates in seinen historischen Grenzen, das heißt: eines sich selbst verwaltenden Gemeinwesens mit jüdischer Bevölkerungsm ehrheit. Die Judenstaatspartei ist ein integrierender Bestandteil der Zionistischen Weltorganisation. Sie will diese Organisation nicht sprengen und nicht verlassen. Sie will sie wieder mit dem Judenstaatsgedanken erfüllen. Sie will die volle Souveränität der Organisation und des Kongresses, welche durch die Einbeziehung nichtzionistischer Elemente in die Leitung der Jewish Agency verletzt worden ist, wiederherstellen. Die Judenstaatsdebatte bekennt sich zu den Grundsätzen der Demokratie. Sie'lehnt jede Diktatur ab, sei es die Diktatur von Klassen, Parteien oder Personen. Die Judenstaatspartei anerkennt den Vorrang des nationalen Einheitsgedankens vor jeglichen Sonderinteressen. Von dem Gedanken getragen, daß der Judenstaat von allen Juden und für alle Juden errichtet werden muß, lehnt die Partei alle Bestrebungen ab, welche die nationale Solidarität erschüttern. Sie lehnt auch die wirtschaftliche Bevorzugung irgend einer Partei oder Klasse ab. Sie bekämpft die Ideologie des Klassenkampfes, well diese eine Zusammenfassung aller jüdischen Kräfte unmöglich macht und den für den Aufbau des Judenstaates unerläßlich notwendigen Frieden Im jüdischen Volke, Insbesondere In Erez Israel, stört. Die Judenstaatspartei fordert von der Mandatarmacht, daß ihre Politik die Repatriierung des jüdischen Volkes in Erez Israel im Sinne des Mandats aktiv fördere. Insbesondere fordert die Partei von der Mandatarmacht und der Palästina- Regierung zur Sicherung der jüdischen Siedlung, die Aufstellung jüdischer Einheiten In der Polizei, Gendarmerie und Armee in Palästina. Es ist eine Hauptaufgabe der Judenstaatspartei, die jüdische Jugend im Hrzischen Geiste und zu nationaler Disziplin zu erziehen, sie vor den Lockungen der Assimilation und vor dem jüdischen Geiste fremden Kampfmethoden zu bewahren. Die Partei wird ihr Augenmerk darauf richten, aufrechte, jüdische Menschen zu erziehen, die nicht nur in Erez Israel treu dem jüdischen Staatsgedanken, sondern auch In der Galuth der Ehre und dem Wohle des Judentums dienen. Die JUdenstaatspartel wird bestrebt sein, die Errichtung solcher Institutionen in Angriff zu nehmen oder zu fördern, die dem wirtschaftlichen Aufbau des Judenstaates von Nutzen sind und der Ueberftthrung jüdischen Kapitals, jüdischer Arbeltskraft und jüdischen Unternehmungsgeistes nach Palästina dienen. Die Judenstaatspartei bekennt Bich zum Grundsatze jüdischer Arbeit In Palästina, auf der Grundlage s o z i a 1 e r G e r e c h 11 g k e J t. Beitrittserklärungen sind an das Sekretariat Wien, II., Untere Augartenstraße 88, zu richten. Judenstaatspartel Oesterreichs Mittwoch, am 18. Oktober, um V39 Uhr abends im Heime, II, Untere Augartenstraße 38 Vortrag Die Herren Th. Grubner und M. Lutzky, soeben aus Palästina zurückgekehrt, sprechen über »Die wirtSQhQftliQhQ. Lage, die Möglichkeiten und die politischen Verhältnisse in Palästina" Diskussion und Anfragen Frei zugänglich Regiebeitrag 20 g Sowohl der Haupttreffer von S 300*000«— wie die Prämie von S 500*000.— bei der Geschäftsstelle Leonhard Lemn gewonnen I Bei der am 9. d. beendeten Ziehung der Klassenlotterie fielen die Prämie von S 500.000.—, sowie der Haupttreffer von S 300.000.— anf Lose, die von der Geschäftsstelle Leonhard Lewin, Wien, I., Wollzeile 27, bekannt als „Glücksecke in der Wollzeile", verkauft worden. Lose zur 1. Klasse der 30. Lotterie daselbst erhältlich. Lospreise: Vs S 6.—, Vi S 12.—, V* S 24.—, Vi S 48.—. eingetragene Mitglieder beschäftigen, sind zu bestrafen. Peinigungen und Selbstmorde Der in Karlsbad erscheinende „Neue Vorwärts" bringt eine Schilderung eines aus dem preußischen Konzentrationslager Colditz entkommenen Sozialisten, aus der hervorgeht, daß dort wie in allen anderen Lagern die jüdischen Insassen besonderen Quälereien ausgesetzt sind. Als eine ausländische Journalistengruppe das Lager besuchen wollte, würden zwei Juden namens Meyer und Strauß, die infolge von Schlägen auf das Ohr das G ehör vollständig verloren hatten, auf das Land abkommandiert. In Landesberg wurde ein bekannter jüdischer Arzt mit seiner arischen Frau und Schwiegermutter zur Schau durch die Straßen geführt, wobei sie Plakate mit entsprechenden Inschriften trugen. Der Romanschriftsteller Artur Landsberger, bekannt durch seinen 1925 erschienenen Roman „Berlin ohne Juden", hat in Berlin Selbstmord begangen. — Der 30jährige Berliner Rechtsanwalt Wilh. Kohn hat sich aus dem dritten Stock seiner Wohnung, Charlottenburg, Wielandstraße 15, gestürzt und war sofort tot. Handwerkerwoche ohne Juden Aus Berlin: Vom 15. bis 21. Oktober findet in ganz Deutschland eine H a n dw erker-Werbewoche statt. Obwohl den Innungen zahlreiche Juden angehören, wurde beschlossen, jüdische Handwerker von der Teilnahme auszuschließen. Der Leichnam eines gefolterten Juden aus der Donau gezogen Ein grauenerregender Leichenfund ist Sonntag in der Gemeinde E f e r d i n g bei Innzell in Oesterreich gemacht worden. Aus der Donau wurde die Leiche eines gut gekleideten, etwa 30jährigen Mannes gezogen, der gemäß der gerichtlichen Obduktion zu Tod, gefoltert worden ist. Die Handteller waren wie bei einer Kreuzigung durchstochen, die Haut wies Spuren von Rasiere dich besser! Hi die einzige schwedische Weltmarke Zigarettenverbrennungen sowie Blutunterlaufungen auf. Da im Anzug das Firmenzeichen einer Nürnberger Firma eingenäht war, nimmt man an, daß es sich um einen Reichsdeutschen — offenbar einen Juden — handelt. Es scheint, daß der Mann sterbend in die Donau geworfen und etwa 30 Kilometer abgetrieben wurde. Ausscheiden der Juden aus den deutschen Kriegervereinen Aus Berlin: Im amtlichen Teil des Bundesorgans des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyffhäuser" ist der Wortlaut der Führeranordnung des Bundespräsidenten erschienen, derzufolge die jüdischen Kriegsteilnehmer den Kriegervereinen nicht mehr angehören dürfen. Die betreffende Stelle lautet: 1. Nlchtarier. — Ich bestimme, daß Nichtarier den Kriegervereinen nicht mehr angehören dürfen. Um jede entehrende Form des Ausscheidens zu vermeiden, ist den Betreffenden der freiwillige Austritt und Uebertritt zum Bund jüdischer Frontsoldaten nahezulegen. Die Anordnung muß bis 1. November d. J. durchgeführt sein. Vermerkung der Religionszugehörigkeit auf den Steuerkarten Aus Berlin: Wie der Parlamentsdienst der T.-U. meldet, hat der Reichsfinanzminister den Landesfinanzämtern das Muster für die Steuerkarte 1934 übersandt. Neu ist gegenüber den Vorjahren, daß bei den Personalien des Inhabers der Steuerkarte die Frage nach seiner Zugehörigkeit zu einer Religionsgesellschaft gestellt wird. Eine „schwere" Beleidigung Aus Passau (Bayern): Das Amtsgericht Passau hatte sich kürzlich mit einer Privatklage aktuellen Inhalts, nämlich ob die Familie Sanitätsrat Dr. Deidesheimer, Passau, jüdischer Herkunft sei, zu beschäftigen. Der Beklagte, Direktor M., hatte diese Behauptung nach Bekundung von Zeugen im Restaurationsraum eines Hotels aufgestellt. Das Gericht verurteilte den Beklagten, dem gegenüber es als nachgewiesen erachtete, daß er die nichtjüdische Herkunft der Privatkläger kannte, wegen verleumderischer Beleidigung zu 300 Mark Geldstrafe, ersatzweise 30 Tagen Gefängnis und Tragung aller Kosten. In der Urteilsbegründung legte der Richter dar, daß gerade heute der Vorwurf, jüdischer Abstammung zu sein, für einen deutschstämmigen Staatsbürger eine schwere Beleidigung darstelle. jüdischer Streikfonds für— Araber ' ™ ■. 1 ■ - . •;•.•».. ■ istiV.?--*. ' ■ : *':" :x ' •- . . ' >, , •. ■' - Die Jüdische Telegraphen-Agentur meldet aus Palästina: „Die Leitung der sozialdemokratischen jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas (Histadruth) teilt mit, daß vom 1. Jänner bis 1. September 1933 dem permanenten Streikfonds der Histadruth insgesamt 3200 Pfund zugeflossen sind, davon 2000 Pfund an Mitgliedsbeiträgen und 1200 Pfund an Spenden, Aus diesem Streikfonds wurden die streikenden Arbeiter in der Yazur-Ger ber ei zu Jaffa, die alle Araber sind, unterstützt. Der Tel-Awiwer Arbeiterrat hat Überdies unter den Lederarbeitern eine Geldsammlung zugunsten der Streikenden eingeleitet, nachdem die Besitzer der Gerberei in Alexandrien das Abkommen zwischen den Streikenden und dem Leiter der Fabrik nicht akzeptiert hatten." * Die Meldung zeigt die Gefahr auf, welche darin liegt, daß von zionistischer Seite aus die Klassenkampf-Ideologie nach Palästina eingeführt wird. Und zwei Momente sind es, welche für die Größe dieser Gefahr kennzeichnend sind. Vorerst ist festzustellen, daß es sich hier nicht um eine impulsive, unüberlegte Aktion handelt. Die Unterstützung des Klassenkampfes der Araber durch zionistische Juden ist die notgedrungene Folge des Grundsatzes, daß die Solidarität der Klasse vorangeht, also auch, vor der Solidarität der Nation. Dann ist festzustellen, daß hier nicht der Vorstoß einer kleinen extremistischen Gruppe, wie etwa der von Moskau geleiteten kommunistischen Partei, in Palästina vorliegt. Die Zionistische Arbeiterpartei, welche hinter der Histradruth steht, ist heute die herrschende Partei in der Zionistischen Weltorganisation und in Palästina. Die Verantwortung für ihre Aktionen wird daher von der Außenwelt der ganzen zionistischen Bewegung angelastet. Es ist klar, daß das Eingreifen der Zionistischen Arbeiterpartei in einen arabischen Streik als Verhetzung der arabischen Gesellschaft gedeutet werden wird. Die in ihrer Mehrheit ohnedies antizionistisch eingestellten arabischen Grundbesitzer und Unternehmer werden diesen Fall gewiß dazu benutzen, um den Zionismus zu beschuldigen, daß er unter nationalem Deckmantel gesellschaftliche Verhetzung der Araber und des Orients besorgt Das Argument vom „zersetzenden judischen Marxismus14 bietet sich allzu greifbar dar, als daß es nicht von antizionistisch eingestellten Kreisen in Paiästna und anderswo mit größtem Nachdruck verwendet würde. Daß diese Einstellung zionistischer Juden auf die arabischen Grundbesitzer und Unternehmer, welche die Träger der arabischen Politik sind und noch lange sein werden, aufreizend wirken muß, Ist klar. Aber auch das Verhältnis der arabischen Arbeiter zum Zionismus wird durch sie nicht, verbessert; Aus dem Umstände, daß streikende Araber von Juden bereitwillig ins Haus gebrachtes Geld gnädig annehmen, sind keine haltbaren günstigen Schlüsse auf das gegenseitige Verhältnis zu ziehen. Die Lehre der jüdschen Diaspora-Geschichte, daß man vom Juden Geld nehmen und ihn dann wegstoßen kann, findet auch in Palästina ihre Bestätigung. Vergeblich hat die Histadruth bisher um die Freundschaft der arabischen Arbeiter geworben und sie zur Bildung einer gemeinsamen Klassenkampforganisation bewegen wollen. Die arabischen Arbeiter haben dieses Liebeswerben, das dem vergeblichen Liebeswerben der Assimilationsjuden in Europa auf ein Haar gleicht, abgewiesen. Wenn sie sich organisieren, dann in jenen kommunistischen und arabischnationalen Verbänden, welche dem Zionismus unversöhnlich gegenüberstehen, welche die Pogrome von 1929 inszeniert haben. Aus dieser fatalen Streikfondsgeschichte ist zu erkennen» wohin die Histadruth-Politik im Zionismus treibt« Verhetzung in Palästina, Bedrohung des Aufbaues des jüdischen Nationalheims, Rückfall in die assimilatorische, liebedienerische Einmischung in fremde Angelegenheiten. Theodor Herzl hat mit allem Nachdruck darauf hingewiesen, daß diese liebedienerische Einmischung unheilvoll ist, daß es ein Unglück bedeutet, wenn die Juden andere Nationen gegen ihren Willen und mit Gewalt glücklich machen und „erlösen" wollen. Die Streikfondsgeschichte zeigt, wie weit die Klasenkampfideologie den Zionismus vom Wege zum Endziel abbringt und wie. notwendig ea Ist, dieser den Zionismus zerstörenden Ideologie entgegenzuwirken. COHPASS TOURS WIEN NEW YORK PARIS IX, Spltalgasie 3, Tel, 6. Gesellschaftsreise nach Palästina 1. November 1933 - Sonderfahrt mit dem Luxus-Expreßdampfer »VULCANIA« (36.000 Tonnen) Uber Rom, Neapel, Athen Auskünfte und Anmeldungen: Wien IX, Spltalgaue 3 Telephon B-42-5-38