Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 318 (11.10.1933)
- Date
- 1933-10-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 2 DIE NEUE WELT Nr. 318 -€>—— FOX BRINGT Gespenster am Hudson fluß SPANNENDER KRIMINAL¬ ROMAN AUS DEM SPIRITISTEN-MILIEU AB HEUTE KREUZ-KINO I, WOLLZEILE 17 mit den Prinzipien des Minderheitenschutzes nicht vereinbar sind. Mit Rücksicht auf diese Tatsache müsse der Völkerbund von Deutschland die Erklärung fordern, wie Deutschland seine Gesetze mit den Prinzipien des Minderheitenschutzes in Einklang bringen wolle. Berengers Erklärung fand starken Beifall. Auch der schwedische Delegierte Sandler, befaßte sich mit der Petition Bernheims und erklärte, daß der Völkerbundrat durch seine bekannte Entschließung bestrebt war, nicht allein im Falle Bernhelm, sondern auch gegenüber dem gesamten jüdischen Problem in Deutschland seine Pflicht zu erfüllen. Der Völkerbundrat dürfe die Lebensinteressen der. über, die ganze Welt verstreuten jüdischen Rasse nicht aus dfem Auge lassen. Die polnische Delegation unterbreitete,der Politischen Kommission einen Entschließungsentwurf, in dem das ungleiche Recht der Minderheiten in den verschiedenen Staaten festgestellt und gefördert wird, der Völkerbundrat möge eine besondere Kommission bilden, die für die nächste Tagung. der VÖlkerbundverr Sammlung den Entwurf einer allgemeinen Konvention für den Minderheitschutz Ausarbeiten soll. Die Wirtschaftskommission befaßte sich mit dem Bericht des Sonderausschusses 'fiir die Errichtung eines Amtes zum Sch-ut z e< der - - :;: : " v «» " : Flüchtlinge" a\is Deutschland. Sic" sprach-den Grundsatz aus, ' daß das" Problem der Flüchtlinge aus iSeuteehtend ins Wege der Internationalen Zusammenarbeit gelöst und sofort erledigt werden müsse. Es ist auch eine Re* Solution in Vorbereitung, gemäß der der Völkerbundrat mit der Schaffung dieses Amtes betraut wird. Als Flüchtlingskommissftr wurde Sir Austen Chamberlaln genannt. Die letzte Meldung aus Genf bezüglich des jüdischen Hilfswerkes besagt: Der für die Behandlung des holländischen Flücht- Hngsantrages eingesetze Unterausschuß der Wirtschafte kommissiön des Völkerbundes hat sich Über die Gestaltung des Hilfswerkes für die Flüchtlinge geeinigt. '' Der Hohe Kommissär, der da* Hilfswerk leiten wird, soll als, eine vom Völkerbund unabhängige Persönlichkeit arbeiten. Bei den zur Verfügung stehenden Geldern wird es sich um Hilfsmittel privater Herkunft handeln. Der Völkerbund hat dem Hilfsamt vorläufig 25.000 Schweizer Franken als Vorschuß zur Verfügung gestellt. Mit den Beschlüssen des Völkerbundes ist die deutsche Juden- und Flüchtlirigsfrage in ein aktuelles Stadium getreten. Es steht bereits fest, daß alle jüdischen Flüchtlingskomiteea eine Arbeitsgemeinschaft, bilden werden. ><•'-■' Die in Genf'anwehenden jüdischen und zionistischen Vertreter haben den Delegierten, ein Memorandum überreicht, worin die rechtliche und wirtschaftliche Lage der Juden in Deutschland dargestellt wurde. Das Mitglied der Exekutive Prof. 3. Brodetzky, Präsident Leo JStotzkin' und der Bevollmächtigte des englisch-jüdischen Joint Foreign Committee, Prof. Norman Bentwich, gaben der Presse. Informationen über die»; Arbeit und die Ziele der jüdischen Repräsentanten in Genf. \jjuawmilii MMMWMMtMMlMMMtMSl Ohne Arzt Ocularium r Ecfa; KlnrtMrafar. ¥ Wien I« Annagatie 1 Unief^uchung 'der Augen u* Ver-..... Ordnung paasender AugensUiter ..... kostenlos ifitfer laKaifg in AHgtnifzfa4«rHi0r. Pubwrtl (T«I. R-»7-»,«) Ununterbrochen von S Uhr moroen's bi« 8 Uhr atandt deOffrtt /" Brillen von Schwing 4;— äofvrtrt« JlTi>M|rj.iir . ii-i.ii.i ifi ■■iitiil»il|lifinlTi ■ I n ■ ■ < m i CD OTJ ,.:-*/. »,;t»iKU- Die Boykofiaktion gegen Hitler*Deuf§tliIand Aus London: In einer Versammlung des Jewish Representative Cöuhcll zur Organisierung des antideutschen Boykotts erklärte der Vorsitzende, Herr P. Horowitz: Es ist unser Ziel, die am 5. November in London stattfindende Boykottkonferenz zu einer Repräsentanz der gesamten englischen Juden" heit zu gestalten. Jede jüdische Körperschaft in England und alle nicht jüdischen Boykottorganisationen, wie die Gewerkschaften u. a. m., sind zur Entsendung von Delegierten eingeladen. Es Wird klärgemacht werden, daß der Boykott nicht gegen Deutsehland und das deutsche Volk,, sondern gegen die von der. jetzigen deutschen Regierung geübte Entrechtung der.Juden gerichtet sei. Hört diese Entrechtung auf, wird der Boykott sofort abgeblasen. Sir Robert Mond, der am Erscheinen verhindert war, sandte eine Botschaft, .in der er die folgende Formel für den Boykott vorschlägt: „Es ist nur der Wunsch der Nationalsozialisten aar Durchschneidung aller Beziehungen zwischen dem deutschen und jüdischen Volke, den wir erwidern." Auf der Konferenz am 5. November werden Ratsherr Davis, der frühere Präsident der englischen Zlonisten, Sir Philipp Guedalla, Dr. Moses Gaster, Sir Robert Mond u. a. m. sprechen. Unter dem Präsidium der Frau Guedalla hat sich eine Käuferinnenliga zur Unterstützung und Ueberwachung des Boykotts gebildet. *.-•..• Aus New York: Sarauel Unterroyer, der bekannte Anwalt, Präsident der Jewish World Economic Federation, der die antideutsche Boykottbewegung leitet, teilt in einer Erklärung mit, es seien bei den zuständigen Behörden der Vereinigten Staaten Klagen gegen die Tätigkeit neueingewanderter nationalsozialistischer Agitatoren eingelaufen. Untermyer kritisierte scharf die Taktik, solche Agitatoren, in $e Vereinigten Staaten f .bereIn? zulassen, Während d|e Opfer des nationalsozialistischen Fanatismus, unter ihnen ausgezeichnete Menschen, nicht einwandern dürfen. Die Frauengruppe der amerikanischen antideutschen Boykottorganisation hat alle Ihre Mitglieder verpflichtet, ihre Konten, bei denjenigen Warenhäusern zurückzuziehen, die immer noch Waren aus Deutschland beziehen. Der exekutive Rat der amerikanischen Arbeiter'öde ratio n hat der . gegenwärtig in Washington tagenden Konvention der A'rbeiterftfderation, die eine Mitgliedschaft von vier Millionen Gewerkschaftlern repräsentiert, eine vom Präsidenten der Föderation, Williaro Green, ausgearbeitete Resolution unterbreitet, in der der wirtschaftliche Boykott Deutschlands empfohlen wird; der Boykott soll so lange andauern, bis die deutsehe Regierung ihre Unterdrückungspolitik gegen die Juden aufgibt. Die Resolution fand einmütige Annahme. .* ' Aus Warschau: Das Zentralkomitee für an11»' deutseben wirtschaftlichen Boykott teilt in einem der Presse zugestellten Kommunique mit» daß eine immer, größer werdende Zahl von Handels« und Industriefirmen iu Polen sich an das Zentralkomitee um den Nachweis von Bezugsquellen sm aufterdeutache.n .LAnderja wendet, am sich von dem Warenbezug aus Deutschland unabhängig zu machen. Das. Zentralkomitee war. in der Lage, diesen wie allen anderen Firmen Bezugsquellen für Waren nachzuweisen, die, was Preise und Qualität anbetrifft, den deutschen Waren nicht nur nicht nachstehen, sondern sogar sich besser und billiger stellen als diese. Das Zentralkomitee richtet an gewisse jüdische Firmen» die noch immer Waren aus Deutschland beziehen, die Frage, Wann endlich sie sich Rechenschaft darüber geben werden, daß ihre Handlungsweise, der jüdischen. Würde nicht entspricht, da es ja die deutschen Faktoren sind, die das Bana zwischen' 's i dir und dera^ Jüdischen ' Volk zerschnitten haben. - # ■ \ Unter dem' Drucke der zionistisch-sozialistischen Arbeiterpartei,- welche den letzten Zionistenkongreß zahlenmäßig beherrschte, ist es,dazu gekommen, daß der Kongreß sich geweigert bat, den Abbruch der wirtschaftlichen Beziehungen zu Hitler-Deutschtand a u s z u s p r e o h e n. Ja, noch mehr. Auf dem Kongreß hat der Sprecher der Judenstaatspartei dagegen Stellung nehmen müssen, daß unter Mitverantwortung dieser Partei Handelsbeziehungen zwischen Palästina und Hitler-Deutschland angebahnt werden. Die oben geschilderten Kundgebungen beweisen, , wie sehr die Handlungsweise der sozialistischen .Kongreßmajorität nicht nur dem Empfinden der jüdischen Masseh, sondern auch dein Empfinden der organisierten Arbeiterschaft der ganzen Welt widerspricht. ,; Unblutiger Pogrom — Stille Greuel Engländer Uber die Leiden der deutschen Juden 1 In Genf sieht man in Völkerbundkreisen der bevorstehenden Erörterung der Frage der jüdischen Minder h e it im Abstimmungsgebiet von Deutsch-Oberach 1 e s i e n mit großem Interesse entgegen. Die deutsche Delegation hat bekanntlich angeregt," daß diese Frage itt geheimer Sitzung behandelt und einer Öffentlichen Disküssion entzogen werde. Auch der Bericht der deutschen Reichsregierung zu dieser Frage, der dem Vernehmen nach auf eine Reihe von" amtlichen Verfügungen gegen eine unterschiedliche Behandlung der Juden in Oberschlesien hinweisen soll, wird nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Im Zusammenhang damit veröffentlicht „Manchester Guardian'* die Artikelserie eines Sonderkorrespondenten über die rechtliche und faktische Lage der Juden in Oberschlesien. In einem der Artikel wird ausgeführt: Die Juden selbst fürchten sich zu sprechen? sie fürchten ihren eigenen Schatten. Ein Jude, der mit „einem Fremden gesehen wird — und in kleinere^ Stuten wird jeder NtuwkttmmJiPg, bemerkt ~t yßiü., Jüdenstaatspartei Vereinigung der zionist.-rev. Jugend gratulieren ihren bewahrten Mitgliedern Paul Heliczer und Elli Rosenzweig anlifliieh ihrer Verlobung * ' ante herzlichste l sofort unter der Beschuldigung der Greuelpropaganda ins Gefängnis gesteckt. Eines aber ist sicher: die' jüdische Minderheit in Oberschlesien erwartet — freilitfh ohne es sich selbst einzugestehen — Hilf «vom Völkerbund. Wie die Dinge heute liegen, ist die Genfer Konvention, die die Rechte auch dieser Juden garantiert,; freilich nur ein „Fetzen Papier". Denn in Deutsch-OberscÜlesien untergräbt der antijüdische Boykott die E x i s t e n z der jüdischen Minderheit nicht minder, als dies im übrigen Deutschland der Fall ist. Der Boykott wird in Oberschlesien mit dem E i n v e rs t ä h«d n1 s, ja der aktiven U n.t e r s t ü t z u n g der Behörden durchgeführt; an ihm beteiligen sich die Regierung und die lokalen Körperschaften. Die jüdischen Ladenbesitzer sind am Rande des Ruins, die; jüdischen Arbeiter sind beschäftigungslos und dem Hunger preisgegeben. Von den mehr als 3000 Juden in Beuthen sind zwei Drittel jeder Möglichkeit beraubt, ihren Lebensunterhalt zu erwerben. In mehreren kleineren Städten sind die handeltreibenden Juden genötigt, 'ihre Tätigkeit vollkommen einzustellen. D e U t s c h ö Arbeiter wurden entlassen, weil sie in jüdischen Geschäften einkauften. Die jüdischen Läden sind stets menschenleer, Viele vön" ihnen" wurden seit Monaten von keinem Käufer" betreten. Fast alle , Juden in Deütsch-Oberschlesien sind' vön den staatlichen und den städtischen Banken benachrichtigt wörderi, daß ihnen die H y p öt'h'e k eh h i c h t p r Ol o h g i e r t w¥fden und daß ihre Warenhäuser beziehungsweise Warenlager zur'Versteigerung gestellt 'werden müsseri; Dabei', werden den Juden höhere'Steuern äbverläiigt. ■■' 1: Ferner ist in Deutsbh-Oberächlesien ' die EXistenis' von etwa '2ÖÖÖ jüdischen Ma'rIc'tifatndief'n''• 'zei»störtV',: sie"'sind Opfer 'rücksichtsloser Verfolgungseitens der"Behörden, der Polizei und der BtädHei^^ungen^'ln, allen Stadtmärkten peutsch-Öberschlesiehs Ist',In irgend' einer' entlegenen Ecke des Marktplatzes ein ^Jüd'enm"äf kf" Händler' bei "deir "PolkeiwHirdef ihnen 'erwidert,' dies i;gC* schehe'W ihrer eigenen! 'Sicherheit." " " Dieser Schilderung' seines'' Sonäerkörres^6nde:ntettr Widmet der ».Manchester' 'Guardian'* "einen Leitartikel, in 'dem ausgefüiirt'wird: Unter den Jüdeh Deutschlands be-' sitzen allein die Juden »''Öb^chlesien' die Rechte einer; in ä t i o n a 1 e n M i n d e r h' e i t, die geschützt' sind 'durch" das polnisch-deutsche Abkommen von 1922, das uriter -deii1 Sctyitz. des Völkerbundrates gestellt würde. Was aber ist geschehen? Die öberscblesischeh Juden haben jetzt nicht weniger als die Juden im übrigen Deutschland unter der (vorbedächten Aktion der' deutsehen Regierung zu leiden. :t>er Vertreter der deutschen Regierung hat im Juni Ö. J. gegenüber dem Völkerbund erklärt, Deutschland werde seinen internationalen Verpflichtungen aacju^p)nmen. Die Schilderung unseres Sonderkorrespondenten zeigt, wie Deutschland diese seine Verpflichtungen bricht.. Des Völkerbundes Recht,, für den Schutz der, Jud^n in Oberschlesien zu intervenieren, ist ünbestritt p.a. Darüber hinaus,hat die g,a n z,e" W.e I trln o r a 11 s c h dag Recht, an der.' Behandlung der Juden im Übrigen Deutschland Kritik zu üben, Deutschland hat bisher von . dem Mmderheitenverfahreh des. Völkerbundes zur Unterstützung von Beschwerden früherex,deutscher Staatsangehöriger in anderen Ländern,, dauernd Gebrauch gemaoht, Ist es sich heute darüber klar, daß es dulpch die * Behandlung, die es den. Juden znteil werden läßt, jedes moralische Recht verwirkt hat, diese Deutschen in Schutz jzu nehmen? Die Entrechtung der Juden in Deutschland geht weiter Mit dem 30; September1 sind"" die letzten jüdischen lAerzte aus dem -B e r I iin e r R e 11 ü n g s W e s ehausgeschieden. „•; .,,_ ,;; Die Zeitungen .zollen der' Stadt Marburg^ Lob, "wctU es dort heute keinen jüdischen Advokaten mehr gibt Ein jüdischer1 Advokat warals Kries'gteiinehmer zugelassen, nachträglich 'wurde ihmr aus unbekannten Gründen die Weitere Advokaturtätigkeit verboten. < Der Magistrat der Stadt Kassel beschloß, jüdischen Händlern keinen Zutritt mehr zu den städtischen Märkten und Messen zu gewähren. „ Wie Reuter aus Dortmund meldet, dürfen dort Arider nicht mehr mit Juden spe.isen. Die Polizei kündigte an, sie werde arische Männer .und r Frauen, die in Restaurants in Gesellschaft von Juden' und Jüdinnen angetroffen werden, verhaften, um ihnen den „Ernst ihres Verstoßes gegen die Ehre der germanischen Rasse" darzutun. In einigen Prcvinzstädten, vor allem in Ostpreußen, geht man dazu Uber, Juden den Besitz von Autos behördlicherseits zu verbieten, während für Gas und Elek- , . Brklärangl Ich erkläre, daß ich in meiner* AuTregüng dem Herrn Moses Lustig gegenüber Worte feejpauohte, die als Beleidigung aufgefaßt werden könnten. Ich bedaure,; diese Worte gebraucht zu haben und bitjEe den Herrn Lustig um Entschuldigung. HochacJn tuagaypUX.ÄL^JIjrt , . a x * V - - J