Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 318 (11.10.1933)
- Date
- 1933-10-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Prelf 35 Groschen Jahrgang f Mfttwodi/ den 11 Okt*f ' 1/ nivers; Nn SIft V. b.bs -u» vom Verlege* versendet Mjloarni expeMie" par lwfteai*« R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterrelet! monatlich S Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig , vierteljährig Lei 120.-; Deutschland i Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig fährig Schweizer Francs 4J50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, üniversitätsstr, 6-8, 7el. B-48-504— Erscheint jeden Freitag Juden! Lernet von Genf! Vor Blattschluß wird uns aus Genf die Entgchließung der vom Völkerbund in Fragen der V-e rfolgung der deutschen Juden eingesetzten Kommission berichtet. Die Meldung lautet: Genf, 10. Oktober. Die drei gestern vom Unterausschuß ausgearbeiteten Entschließungsentwürfe über die Minderheitenfrage sind heute nachmittag im politischen Ausschuß ohne erhebliche Aussprache angenommen worden. Die - Entschließungen, die noch der Zustimmung der Vollversammlung bedürfen, haben folgenden Wortlaut: 1. Die Versammlung spricht unter Bezugnahme auf ihre Empfehlung vom 21. September 1922 die Hoffnung aus, daß die Staaten, die gegenüber dem Völkerbund durch keine rechtlichen Verpf 1 Ichtungen hinsichtlich der Minderheiten gebunden sind, dennoch bei Behandlung ihrer j Minderheiten der Rasse, Religion oder V S(pr*ache mindestens das gleiche* Maiß j der Gerechtigkeit und Toleranz beachten } werden, das von den Verträgen und nach der ständigen j Praxis des Völkerbundes gefördert wird. " '_**"' 2. Die Veraammlung ist der Meinung, daß die 1^ Entschließung Nr. 1 aufgestellten Grundsätze. p h. n e 1, .','Pjite.rsehied auf ~'alle Kategorien van 1 ":Staatsa'h'gehörigen, die sich von dsr Mehrheit der. Bevölkerung durch die Rasse, die Sprache öder die \. ^Religion unterscheiden, Anwendung finden müssen. 3. Die Versammlung ersucht den General- «ekretär, dem Völkerbundrat die Aussprache in der sechsten Kommission über die Gesamtheit der "Minderheitenfragen zur Kenntnis zu bringen. " ■ ' ■.;• .. Deutschland gegen die Entschließung Nr. 2. Den Entschließungen 1 und 3, die nur formelle X Bedeutung haben, hat die d e u t s c h e D e 1 e g a t i o n *durch eine Erklärung des Gesandten v. Keller zugestlmmt. Dagegen hat sie der Entschließung Nr. 2 Z~ mire Zustimmung bereits heute versagt und wird auch morgen in der Versammlung gegen sie stimmen. Die deutsche Delegation, so erklärte Gesandter v. Keller, ist der Ansicht, daß der Anwendungsbereich der Entschließung sich auf die ,,e i g e n t I i che n" Minder h e i t e n zu beschränken hat. Aus der Verhandlung im sechsten Ausschuß [ und im Unterausschuß hat sich jedoch ergeben, daß mit der Entschließung Nr. 2, die die erste Entschließung auslegen soll, in der Hauptsache bezweckt wird, die Behandlung der Juden in Deutschland in den Anwendungsbereich der Entschließung eirizubezlehen. Dies widerspricht der grund- ' sätzlichen Auffassung der deutschen Delegation, wie sie der deutsche Vertreter in seinen Ausführungen im Laufe der, Aussprache des Ausschusses dargelegt hat und nach denen die Frage in den Bereich der . inneren Gesetzgebung Deutschlands fällt. Diese Meldung ist einerseits geeignet, die Juden mit Genugtuung zu erfüllen. Die in Genf versammelten •Nationen haben einstimmig ihre Absicht kundgegeben, dem Hitler-Antisemitismus entgegenzutreten und die Haltung der deutschen Regierung gegenüber den!juden'als "barbarisch, als mit den Geboten der Zivilisation unvereinbar zu brandmarken. Anderseits geht aus der Meldung hervor, daß Deutschland , seinen jüdischen Staatsbürgern nicht die Eigenschaft und Rechte einer Minderheit I zuerkennen will, das heißt, daß es die Entrechtung; und Mißhandlung seiner Juden als innere, deutsche Angelegenheit betrachtet, in welche niemand eingreifen darf. Sehr betrübend ist der Umstand, daß der deutsche Vertreter in Genf sich bei seiner Weigerung auf das Z e u gnis der deutschen Juden stützen kann und tatsächlich stützt. Die deutschen Juden waren es, welche nie etwas vom Bekenntnis zum jüdischen Volke wissen wollten und jede Art von Minderheitsschutz für die Juden heftig bekämpft haben. Sie wollten Deutsche sein, nichts als Deutsche, und empfanden das Minderheitsrecht als Beleidigung ihrer „deutschen" Würde. Mit teuflichem Behagen stützt sich der deutsche Vertreter darauf und ruft höhnisch: Die deutschen Juden selbst leugnen ja, eine Minderheit zu sein, aläo gebührt ihnen kein Minderheitsschutz. Wir können mit ihnen machen, was wir wollen, und niemand darf uns etwas dreinreden. Wieweit Hitler-Deutschland in seinem Widerstand verharren wird, ist nicht abzusehen. Tatsache ist, daß die Haltung der assimilatorischen Juden in Deutschland dem hilfsbereiten Volksbund seine Aufgabe sehr erschwert. Eine gute; Lehre für die Juden aller Länder, vor allem für olO;f de'M das nächste Ziel Hitier-Deutschlands Jst. In Oesteweich, haben die national organisierten Juden immer und immer wieder den S c h u t z als Min de r h e i t gefordert. Die liberalen und sozialdemokratischen Juden haben sie immer wieder abgelehnt! Juden, lernet von Genf! Judenfrage vor dem Völkerbund Außer den Fragen, die in der letzten Septemberwoche und in der ersten Oktoberhälfte in Genf vom Völkerbund behandelt wurden und die Blicke der gesamten politischen Welt auf sich zogen, stand das Judenproblem im Vordergrund. Es wurde von verschiedenen Gesichtspunkten aus beleuchtet. Die politischen Repräsentanten der einzelnen Staaten waren sich darin einig, daß zumindest die deutsche Judenfrage einer raschen und mehr als provisorischen Lösung bedürfe, und legten die Linien ihrer Ratschläge bezüglich der Hilfe für die deutschen Juden als Emigranten und bezüglich ihrer Seßhaftmachung in Palästina fest. Als Grundgedanken kamen die Minoritätenrechte auf alle Staaten und die Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft des Hilfskomitees in den verschiedenen Ländern zum Ausdruck. Wir haben bereits berichtet, daß der holländische Außenminister verlangte, die Völkerbundversammlung möge einen besonderen Posten für die deutschen Flüchtlinge in das Budget einsetzen. Auch haben wir die Vorschläge der anderen Delegierten in bezug auf die deutsche Judenfrage. wiedergegeben. All diese Vorschläge fanden tiefgehende Beachtung. In den letzten Tagen verlautete, daß der frühere Präsident der Vereinigten Staaten, Herbert Hoov.er, mit der Leitung der Aktion des Völkerbundes für die deutschen Emigranten betraut werden soll. Der Delegierte Australiens, Rabbi Dr. Friedmann, erklärte, die australische Delegation, werde-"im Verlauf der Völkerbundberätung die Sympathie des australischen Volkes für die verfolgten deutschen Juden in eine bestimmte Form kleiden. // Three Stars" Koks Anthrazit HÖCHSTER QUALITÄTEN Bäsch, IV, Argenliiuerslraße 22 ♦ Tel. Serie U-47-5-40 BEHANDLUNG VON RHEUMATISMUS GICHT, ISCHIAS UND FOLGEN VON SPORT¬ VERLETZUNGEN HÖF »OHE IUI (SCHNELLKUREN, JONTOPHORESE, ORIGINAL PISTYANER SCHLAMMPACKUNGEN ETC.) IN DER KURANSTALT DIANABAD FÜR ALLE PHYSIKALISCHEN HElLMETHOpEN GRÖSSTER KOMFORT ZEITGEMÄSSE PREISE Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Judendebatte unter einem günstigen Stern gestanden ist und daß Deutschland sich genötigt sah, unter dem Druck der Völkerbundmeinüng Stellung zur Minderheitenfrage zu nehmen.- .. ■> -■/.->^ ,,. ••* Allerdings leistete sich hiebe! der deutsche Vertreter die abwegige Ansicht, daß die deutsche »luden* frage nicht unter dem Gesichtswinkel einer Minder^ heitenfrage behandelt werden könne, daß sie vielmehr bloß eine Rassenfrage sei. Wichtige Reden hielten der norwegische Vertreter Lange über das Palästina-Mandat und die Einwanderung der Juden, der tschoslowakische Außenminister Dr. Beneä über Englands Pflichten als Mandatannacht und der Delegierte Polens über das Jüdische Nationalheim als jüdisches Emigrationsland. Der englische Delegierte Ormsby-Gore gab zuerst einen Bericht über Palästina und machte schließlich den Vorschlag, daß die deutsche Flüchtlingsfrage gemäß internationalen Richtlinien behandelt werden solle. Ueberaus energisch trat der französische Delejgierte Berenger auf. Er kam unter anderem auf die Petition des aus Oberschlesien geflüchteten Juden Bernheim zu sprechen und erklärte, der Völkerbundrat sei vor den Fall einer direkten Verletzung der Minderheitenverjxäge und'vor eine Durchführung von Prinzipien gestellt worden, die in direktem Widerspruch zu den Minderheitenverträgen stehen. Der Rat mußte sich schließlich nicht allein mit dem Schutze der Minderheiten in einem bestimmten Gebiete, sondern direkt mit den in ganz Deutschland gültigen Gesetzen befassen. Der Rat mußte feststellen, daß Deutschland die Minderheltenverträge in Oberschlesien verletzt, daß somit die deutschen Gesetze Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt* liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet Wieder zwei Haupttreffer nut Sdielhammer - Lo§en gewonnen In der am 9. Oktober beendeten 29. österreichischen Klassenlotterie wurde beim Bank- und Wechselhaus Schelhammer & Schattera am Stephansplatz in der V. Klasse ein Haupttreffer von 60.000 Schilling mit Los Nr. 38786 und viele Treffer zu 20.000,10.000, 8000, 6000, 4000 und 2000 Schilling gewonnen. Außerdem entfiel in derselben Lotterie der Haupttreff er II. Klasse von 60.0000 Schilling auf das Schelhammer-Los Nr. 46566. Die neue 30. österreichische Klassenlotterie beginnt am 21. November d. J. und sind Lose für diese Ziehung im Bank- und Wechselhaus Schelhammer & Schattera, Wien, 1. Bez., Stephans« platz Nr. 11, und in dessen Filiale, Wien, 13. Bez., Hadikgasse Nr. 60 a, zum Preise von Vi S 48, V« S 2\ Vi S 12, V« S 6 schon erhältlich.- - . ■,. $