Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 317 (4.10.1933)
- Date
- 1933-10-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 317 IUTABORSTR.48 Neun legale Einreisestellen in Palästina Aus Jerusalem: In der „Official Gazetta", dem palästinensischen Amtsblatt, veröffentlicht Chefsekretär John Hathorn Hall Bestimmungen der neuen Einwanderungsverordnung, in denen ü. a. neun Hafen-, resn. Grenzstädte als einzige legale Einreisepunkte für Palästina bezeichnet werden. Dem Generalinspektor der Polizei und seinem Stellvertreter wird das Recht gegeben, Ausweisungsbefehle auszustelen und Personen, die vor der Ausweisung stehen, gefangen zu halten, ihnen Zwangsaufenthalt vorzuschreiben oder von ihnen eine Sicherstellurig zu erheben. Ferner werden die Kategorien angegeben, die von der Zahlung der Einwänderungsabgabe befreit sind. Hierher gehören Angestellte des Regierungshauses, Schwestern im Regierungs- oder Heeresdienst, Erzieherinnen im Dienste von Regierungsbeamten oder Offizieren, amtliches und häusliches Personal des Konsularkorps, Priester aller Bekenntnisse, religiöse Führer, Mitglieder archäologischer Expeditionen und Touristen, denen verlängerter Aufenthalt bewilligt wurde. Ein Plan Ruthenbergs für industrielle Kolonisation in Palästina Aus Jerusalem: Der Leiter der Palestine Eleotric Corporation Ing. Pinchas Ruthenberg ist nach sechsmonatiger Abwesenheit aus Palästina rückgekehrt. Ruthenberg will in Palästina einen von ihm aufgestellten Plan industrieller Kolonisation durchführen. Palästinafile'se verkehr Fünf Schiffe mit E i n w a n.d e r e r n und Touristen sind zwischen 15. und 17. September im Hafen von Haifa eingetroffen. Das französische Schiff „Champagne" brachte von Marseille 260 Passagiere; die meisten davon Emigranten aus Deutschland. Am selben Tag brachte da3 bulgarische Schiff „Graf Ferdinand" 45 Touristen aus Bulgarien, das griechische Schiff „Cyprus" 25 Passagiere aus Griechenland. Einen Tag später traf das große italienische Schiff „Roma" mit 900 Passagieren ein. Darunter waren 300 Touristen aus Amerika, Einwanderer mit Kapital, ungefähr 300 aus Deutschland und zirka 200 aus Polen und Oesterreich. Dann traf noch der rumänische Dampfer „Dacia" mit 313 Passagieren ein. Konservatorium für hebräische Musik in Palästina Der palästinensische Komponist Sch. Rogowski erhielt von Arnold Schönberg, den1, berühmten Komponisten, welcher Deutschland verlassen hat und gegenwärtig in Paris lebt, einen Brief, in welchem er mitteilt, daß er Rosowskis Plan, betreffend die Gründung einer musikalisch*« Fakultät zwecks Verbreitung hebräischer Musikkultur annimmt. Mehr als vierzig jüdische Musiker im Lande haben Arnold Schönberg eine schriftliche Vollmacht für Verhandlungen mit der zionistischen Organisation wegen Durchführung dieses Planes übermittelt. Eröffnung der Schiffslinie Polen—Palästina Aus Konstanza: Am 27. September wurde in Konstanza die polnische Schiffslinie nach Palästina durch den polnischen Gesandten in Bukarest Miroslaw Arciszcwski in Anwesenheit von Vertretern der rumänischen Behörden feierlich eröffnet. Für den Dienst Konstanza—Haifa, resp. Jaffa hat die polnische Schifffahrtsgesellschaft Gdynia—Amerika den 15.000-Tonnen- Dampfer „P o 1 o n i a" eingestellt. An der ersten Fahrt des Dampfers nach Palästina nahmen 700Passagiere, unter ihnen 500 Palästina-Auswanderer und 140 Palästina-Touristen, teil. Der Direktor und der Vizedirektor der Gdynia—Amerika-Linie sowie 20 Jour*- nalisten, Vertreter der bedeutendsten jüdischen und nichtjüdischen Zeitungen Polens, machen die Eröffnungsfahrt auf der polnischen Palästina-Linie mit. ELISAS Hins» H>»JfelZ petit. Point-T»f™ Rabbi Meir Berlin in Wien Rabbi Meir Berlin, der Präsident des Weltmisrachi, trifft am 8. Oktober in Wien ein und wird Montag, den 9. Oktober, abends 8 Uhr, im Festsaale des , Hotel Cotinental, Eingang Taborstraße, über das Thema: „Unsere Pflichten nach dem XVIH. Kongreß" sprechen, Eintritt frei. Kundgebung der Kultusgemeinde Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien hat in der Dienstag abgehaltenen Sitzung folgende Kundgebung beschlossen: „In tiefster Entrüstung über den auf das Leben des Chefs der Bundesregierung unternommenen ruchlosen Anschlag gibt der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde seiner aufrichtigen Freude über das Mißlingen des Attentats" und dem tiefempfundenen Wunsche für die baldige vollständige Genesung und Wiederherstellung des Herrn Bundeskanzlers Ausdruck. Zugleich faßte der Kultusvorstand den Beschluß, sämtliche Gemeinderabbiner und Exhortanten zu beauftragen, bei dem Donnerstag vormittags anläßlich des Laubhüttenfestes in allen israelitischen Gotteshäusern stattfindenden Gottesdienste Dankgebete für die Errettung des Bundeskanzlers zu verrichten." Judenstaatspartei. Nachdem der Vortragszyklus des Gg. Hans Kolb in der Jugendvereinigung, der acht mit großem Interesse aufgenommene Referate umfaßte, vor kurzem beendet wurde, beginnt die Judenstaatspartei mit einem Seminar, in dessen Rahmen die. Herren Ing. Robert Stricker, Dr. Salomon Wolf, Hans Kandl und Hans Kolb je zwei Vorträge über verschiedene aktuelle zionistische Probleme halten werden. Lloyd Triestino. Die Generaldirektion des Lloyd Triestino teilt mit, daß, Anregungen aus dem Publikum zufolge, die Verpflegung auf der Palästina-Linie in der dritten Klasse sowohl für die normale, als auch für die rituelle Küche eine erhebliche Verbesserung erfahren hat. Es liegen auch bereits Stimmen aus dem Publikum vor, welche sich über diese, im Interesse des Reiseverkehrs sicherlich begrüßenswerte Aenderung, äußerst lobenswert ausgesprochen haben. Gesellschaftsreise Die 6. Gesellschaftsreise des Reisebüros „Compaß Tours" geht am 1. November von Wien ab. Die großen Erfolge, die das weltbekannte Luxus-Motorschiff „Vulcania" bei seinen zwei Sonderfahrten nach Palästina zu Ostern und zu Schwuoth erzielt hat, veranlassen die Cosulich Line, nunmehr wieder eine Sonderfahrt mit diesem sonst auf der Strecke Triest—New York verkehrenden Schiff zu veranstalten. Dem Reisebüro „Compaß Tours" ist es gelungen, wie bei den früheren Sonderfahrten auf diesem modernen, mit allen Bequemlichkeiten ausgestatteten Schiff, eine Anzahl von Kabinen in der 2. und 3. Klasse zu reservieren. Bei dieser Reise wird wieder die Gelegenheit geboten, die Wiegestätten unserer Zivilisation: Rom, Athen, Jerusalem und Kairo zu sehen. Da dem Reisebüro „Compaß Tours" nur eine beschränkte Anzahl von Kabinen in der 2. und 3. Klasse zur Verfügung steht, wird eheste Anmeldung empfohlen. Die Kleiderstolle der Fürsorge-Zentrale bittet dringendst um Zuweisung von brauchabren Bekleidungsgegenständen jeder Art, Wäsche, Schuhe usw. für Männer, Frauen und Kinder. Telephonische oder schriftliche Benachrichtigung erbeten an die Fürsorge-Zentrale der Isr. Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 2, Tel. U-25-5-85, welche die Abholung veranlaßt. Ein Jude — Bürgermeister von Kapstadt Aus Kapstadt: Zum Bürgermeister von Kapstadt wurde der Direktor der südafrikanischen Rundfunkgesellschaft Louis G r a d n e r, ein 1882 in Bialystok geborener und im East End von London aufgewachsener Jude, gewählt. Der neue Bürgermeister, der seit zehn Jahren dem Stadtrat angehört und 1931 das Amt des Vizebürgermeisters bekleidete, betätigt sich intensiv auch auf jüdischsozialem Gebiet. Er gehörte den Vorständen fast sämtlicher jüdischen Institutionen Südafrikas an, war Präsident des jüdischen Waisenhauses und Schatzmeister des Jewish Board of Guardians und steht gegenwärtig an der Spitze des südafrikanischen Hilfsfonds für deutsche Juden. Bürgermeister Gradner ist der zweite Jude, der dieses Amt bekleidet. Zum erstenmal wurde in Kapstadt im Jahre 1904 ein Jude, Hyman L l b e r m a n, zum Bürgermeister gewählt. Bürgermeister Liberman stand bis 1908 an der Spitze der Kapstädter Gemeindeverwaltung. Eine neue Geschäftsstelle der jüdischen Volksbank Iwria Berlin, 29. September. (J. T. A.) Die Volksbank | Iwria G. m. b. H., Berlin C 25, Dircksenstraße 26/27, hat I am 28. September 1933 eine Depositenkasse im Westen i Berlins, und zwar in der Fasanenstraße 18, zwischen Kurfürstendamm und Kantstraße, eröffnet. Sie bezweckt hiermit, ihrer im Westen wohnenden Kundschaft den geschäftlichen Verkehr mit der Volksbank Iwria e. G. m. b. H. zu erleichtern. Haiti voran! Aus Genf wird gemeldet: Der Delegierte von Haiti in der Völkerbundversammlung, Frangulies, hat die Einbringung eines Resolutionsantrages in der Völkerbundversammlung angekündigt, in dem ein internationales, alle Staaten bindendes Abkommen vorgeschlagen wird, demzufolge die Aufrechterhaltung menschlicher und bürgerlicher Gleichberechtigung, insbesondere die Gleichheit vor dem Gesetze, für alle Staatsangehörigen ohne Unterschied von Rasse, Sprache oder Religion, sowie absolute Sicherheit von Leben und Freiheit gewährleistet werden sollen. In dem Resolutionsentwurf wird ferner die Einsetzung einer internationalen Körperschaft zur Regelung der Angelegenheiten solcher Personen vorgeschlagen, die sich wegen ihrer Zugehörigkeit zu Minderheitengruppen veranlaßt sehen, aus ihren Heimatländern auszuwandern. Zählung der Juden im alten „Königreich Böheim" Aus Prag: Das Statistische Staatsamt der Tschechoslowakei teilt mit, daß im alten Königreich Böhmen (Böheim) bereits seit 1754 Volkszählungen stattfanden.Im Jahre 1762 wurden hier 28.394 Juden gezählt. Darunter merkwürdigerweise nur 4 Rabbiner. Im übrigen gab es unter ihnen 40 Landesbeamte, 373 Handwerker, 5399 „Untertanen", keine Bürger, 1559 Diener, ferner 2700 Hauseigentümer, aber demgegenüber nur 971 Häuser, die Juden gehörten. Es hatte manches Haus, insbesondere in der Prager Judenstadt, mehrere Eigentümer, was sich nach und nach zu der Kuriosität entwickelte, daß es Hausanteile gab und noch gibt, die sich nur in lächerlich langem Nenner ausdrücken lassen, z. B. 13/234o- Die Zahl der Juden nimmt bis etwa 1890 zu, wo sie 94.619 erreicht, von da an fällt sie stetig und ist jetzt auf etwa 76.300 angelangt. Günstige Gelegenheit für Fabriksgründung in Palästina , Die von der „PalestineEconomicService4* neu errichtete Vertretung für Deutschland teilt uns mit, daß zur Zeit besonders günstige Chancen für die Gründung einer Ziegelei und einer Fabrik für MarmorsteiPe bestehen. Genaue Informationen und ausgearbeitete Projekte sind durch die genannte Vertretung, Berlin W 50, Tauentzienstr. 13 (Telephon Bavaria B-4-6154), mündlich oder schriftlich zu erhalten. Palä§tina0Reiseitde FINDEN IN ' TEL*AVIV 78 HATARKONSTR. ERSTKLASSIG MODERNES HAUS AM MEER MYl ALLEM KOMFORT SCHATTIGEM GARTEN VORZÜGLICHER UNGARI¬ SCHER KÜCHE, STRENGE MÄSSIGENPREISEN Hotel-Pension GAT.RIMMON Inh.: Frau Dr. Lea Vadas LESET UND VERBREITET //DIE NEUE WELT"!