Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 317 (4.10.1933)
- Date
- 1933-10-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 317 DIB NEUE WELT Seite 5 Jüdische Selbsthilfe Immer schwerer wird der Druck, dem das jüdische Wirtschaftsleben ausgesetzt ist, immer fühlbarer werden die Folgen der judenfeindlichen Agitation im gewerblichen und geschäftlichen Leben. In solcher Zeit ist wirtschaftliche Zusammenarbeit aller Juden ein Gebot der Stunde. Vor allem ist es notwendig, die jüdische Kaufmannschaft und das jüdische Gewerbe, die jetzt so hart um ihre Existenz ringen müssen, nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Daran soll der jüdische Mann, daran soll die jüdische Hausfrau immer denken. Jüdische Selbsthilfe auch auf wirtschaftlichem Gebiete — das erfordert die harte Zeit, in der wir leben. Empfehlenswerte Firmen S. Abrahamovicz, Schuhhaus, II., Taborstraße 33, Üel. A-48-1-62. B. Blaser, Schuhhandlung, II., Taborstraße 56. Li. Brodbad, Bäckerei, II., Schiffamtsgasse 17. N. Brodetzky, Spezereiwaren, II., Leopoldsgasse 43, Tel. A-46-1-90. B. David, Weißwaren, II., Negerlegasse 5. Ii. Drimmer, Elektro-Installateur, II., Obere Donau- Straße 1, Tel. A-41-8-82. G. Eisner, Textilwaren, I., Zelinkagasse 11, Telephon 17-29-3-70. Glanemann, Epstein & Co., Damen-Konfektion, II., Obere Donaustraße 35, Tel. A-49-0-86. I. Erster, Ledergalanteriewaren, II., Praterstraße 21, Tel. R-44-1-33. M. Fisch, Schneider, II., Praterstraße 53, Telephon R-44-5-25. S. Fried, Delikatessengeschäft, II., Wittelsbachg. 3. Fein & Landsmann, Lederbekleidung, XX., Gauß- Flatz 6 Tel. A-42-0-10. I. Greismann, Strumpfhandel, II., Schüttelstraße 29, Tel. R-43-9-72. J. Hirschler, Fleisc'hhauergeschäft, II., Wolfgang- Schmälzl-Gasse 4, Tel. R-41-7-69. J. Karniol, Textilwaren und Wäsche, I., Gonzagagasse 7, Tel. U-22-9-51. S. Halpern, GemiH-.'Hwaren, II., Förstergasse 6, Tel. A-45-8-40. Knoll & Co., Motoren und Apparate, II., Taborstraße 8 b, Tel. R-45-5-90. A. Kurz & Co., Optische Anstalt, II., Gradlerstraße 4, Tel. A-43-2-86. I. W. Kurz, (Jonischtwaren, II., Volkert-Platz 5, Tel. R-44-102. M. Leder, Butter- und Eierhandel, II., Tandelmarktgasse 11, Tel. A-48-0-43. O. Lustig, Seifen, Putzmittel, Parfümerien, Kerzen, II., Hollandstraße 12, Tel. A-45-6-89. Sigro. Plaschkes Fleischhauerei, II., Hollandstraße 6. B. Posaner, Schreibmaschinen, II., Obere Donaustraße 105, Tel. A-41-3-77. A. S. Rabiner, Spenglermeister, II., Untere Augartenstraße 31, Tel. A-45-0-29. G. Schlesinger, Spezerei und Delikatessen, II., Hollandstraße 11, Tel. A-48-3-58. D. Steigmann,, Butter- und Eierhandel, II., Zirkusgasse 41, Tel. R-44-0-73. A. Strich, Stahlwaren, I., Eßlingg. 7, Tel. U-20-9-58. B. Turtil, Gemischtwaren, II., Engerthstraße 194, Tel. 48-6-64. J. Weintraub, Textil und Wäsche, II., Krummbaumgasse 2, Tel. A-44-0-45. S. Wildmann, Sprechmaschinenteile, II., Vorgartenstraße 207, Tel. R-44-6-15. S. Zuckermann, Haus- und Küchengeräte, II., Im Werd 1, Tel. A-49-205. Anfragen und Wünsche, welche diese Rubrik betreffen, sind an die Verwaltung des Blattes, II., Untere Augartenstraße 38, Tel. A-45-6-34 (10 bis 2 Uhr), zu richten. AUS DEUTSCHLAND Schutzhaft für Verkehr mit Juden Aus Dortmund wird gemeldet: Die nationalsozialistische Zeitung „R o t e Erde" gibt folgenden Erlaß der Staatspolizeistelle Dortmund bekannt: „In letzter Zeit ist es in Lokalen wiederholt zu Auseinandersetzungen gekommen, weil Mädchen arischen Blutes sich von Juden hatten avisführen lassen oder mit Juden tanzten. Die übergroße Mehrheit des Volkes hat GottseiDankdieungeheureGefahr erkannt, die in einer weiteren Vermischung deutschen Blutes mit jüdischen Elementen liegt. Auch liefen bei der Staatspolizeistelle Beschwerden aus Elternkreiseu ein, die sich darüber beklagten, daß ihre Söhne und Töchter Verkehr mit Jüdinnen oder Juden pflegten. Es erhebt sich also wiederum die Gefahr, daß die weltanschauliche Geschlossenheit der deutschen Familie, die, der siegreiche Durchbruch des nationalsozialistischen Gedankens endlich gewährleistet hat, erneut zerstört wird. ■ Die Staatspolizeistelle hat die Aufgabe, für Ruhe und Ordnung zu sorgen sowie über Wahrung und Weiterbildung der nationalsozialistischen Weltanschauung zu wachen. Sic ist deshalb nicht gewillt, den oben geschilderten Zuständen tatenlos zuzusehen. Wer sich durch seine Handlungsweise an den Grundgesetzen vergeht, die der Nationalsozialismus als Voraussetzung zur Schaffung einer willensmäßigen ER FOLGREICH/TER KLAVIERUNTERRICHT Spezialistin für Unbegabte, Schwerlernende 5 3.-__ Uebungsgeiegenhe'it Nach bester, modernster Methode Rii Hahn, Wien II, Obere Donausträße 79/35 Einheit des deutschen Volkes erkannt hat, muß mit staatlichen Machtmitteln zu einem anderen Verhalten gezwungen werden. Die Staatspolizeistelle wird in Zukunft solche verantwortungslose Volksgenossen in Schutzhaft nehmen, um ihnen die Schwere ihres Vergehens gegen deutsches Volkstum zum Bewußtsein zu bringen." Arierparagraph für Apotheker Aus Berlin: Auf Anfrage einer Stadtverwaltung legte der preußische Gemeindetag dem preußischen Minister des Innern die Frage vor, ob gegen die beabsichtigte Ausschließung derjenigen Apotheken, die im B e s i t z v o n Nichtariern sind, von der Lieferung für Wohlfahrtspatienten etwas einzuwenden sei, sofern die Arzneiversorgung dieser Wohlfahrtspatienten dadurch nicht beeinträchtigt werde. Der anfragenden Stadtverwaltung ist nunmehr mitgeteilt worden, daß der preußische Gemeindetag folgende Antwort erhalten hat: „Der baldige Ausschluß von Apotheken, die erwiesenermaßen zugunsten von Nichtariern betrieben werden, beim Bezug von Arzneimitteln auf Rechnung der Stadtverwaltungen erscheint mir dringend notwendig und zulässig. Für die Herbeiführung einer einheitlichen Regelung im Reichsgebiet bleibe ich bemüht." Demzufolge werden voraussichtlich nunmehr in Preußen alle diejenigen nachweisbar zugunsten von Nichtariern betriebenen Apotheken von den Wohlfahrtslieferungen ausgeschlossen werden. Wie die Standesorganisation deutscher Apotheker dazu erfährt, wird in absehbarer Zeit nur noch denjenigen Nichtariern Besitz und Führung einer deutschen Apotheke erlaubt sein, die den Frontkriege rparagraphen für sich in Anspruch nehmen können. Der Arierparagraph im Patentanwaltsgesetz Aus Berlin: Im Reichsgesetzblatt wird jetzt das Patentanwaltsgesetz veröffentlicht. Das Gesetz enthält u. a. die Bestimmung, daß die Eintragung in die beim Reichspatentamt eingerichtete Liste der Patentanwälte Personen, die im Sinne der für Reichsbeamte geltenden entsprechenden Bestimmungen nichtarischer Abstammung sind, versagt werden kann. K OCHSCHULE TAGES- UND ABENDKURSE O F R A N E K Wien I, Schotteng. 3. Tel U-25-708 Kein Jude auf dem Gießener Pferdemarkt Berlin, 26. September. (J. T. A.) Wie das Wolff- Büro aus Gießen meldet, werden auf dem dort am 27. September stattfindenden Herbstpferdemarkt Juden nicht mehr teilnehmen, da nach der Anordnung der Bürgermeisterei Nichtarier ausdrücklich vom Besuch des Marktes ausgeschlossen sind. Keine Juden in Kriegervereinen Aus Berlin: In einer soeben im amtlichen Teil des Bundesorgans „K y f f h ä u s e r" bekanntgegebenen Führeranordnung bestimmt der Präsident des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyffhäuser", General der Artillerie a. D. v. Horn, daß Juden den Kriegervereinen nicht mehr angehören dürfen. Gleichschaltung des Deutschen Esperanto-Bundes Aus Berlin: Der Deutsche Esperantobund hat in seinen Reihen die Gleichschaltung vollzogen, das heißt, er hat die Juden ausgeschlossen. Hiezu schreibt das „Israelitische Familienblatt": „Abgesehen davon, daß es im Wesen des Esperanto, der „linguo internacia" liegt, den Geist der Völkerverständigung, den Verkehr mit allen Völkern der Erde zu pflegen, bedeutet hier die Gleichschaltung einen - Widerspruch1 in sich, denn Esperanto als solches ist ja Produkt jüdischen Geistes. Und die Ausschaltung der zahlreichen deutsch-jüdischen Esperantisten empfinden wir als Undankbarkeit gegenüber dem Erfinder des Esperanto, dem jüdischen Augenarzt Dr. L. L. Z amenhof aus Polen. Dabei zählte Zamenhof zu den größten Bewunderern des Deutschtums. Wissenschaftliche Gegner machen ihm sogar den Vorwurf, daß er in seiner Hochschätzung der deutschen Sprache zu weit gegangen sei, denn die heute in mehr als 100 Ländern gesprochene Weltsprache sei in ihren wichtigsten Elementen d e u t s c h, bedeute sprachlich die Weltherrschaft des Deutschen!" Und weiß man auch, daß Dr. Zamenhof die größte deutsche Dichtung aller Welt zugänglich machte, indem er u. a. Goethes „Faust" ins Esperanto übertrug? Weg mit den Judendenkmälern! Aus Berlin: Der Stadtrat in Erlangen hat einen nationalsozialistischen Antrag angenommen, wonach das im Jahre 1875 auf dem Luitpoldplatz für den jüdischen Universitätsprofessor Dr. med. Jakob Herz errichtete Denkmal sofort entfernt werden soll. * Aus Kolberg: Das Hirschfeld-Denkmal in Kolberg ist im Auftrag des Magistrats abgetragen worden. Begründet wird dieser Schritt damit, daß der Magistrat damit einem langgehegten Wunsche der nationalsozialistisch empfindenden Bevölkerung der Stadt Kolberg nachgekommen ist. Dr. Hirschfeld war Vorstand der Kolberger jüdischen Gemeinde. Er und Dr. Goldschmidt waren die hauptsächlichen Gründer des jüdischen Kurhospitals in Kolberg, das in seinem langjährigen Bestehen Tausenden Linderung oder HcUung gebracht bat, Auch um die Hebung des Badea Man muß sidi wundern/ dal.? es heute noch luden gibt, die deutsche Waren kaufen und mit HitlervDeutschland wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Verbindungen pflegen. Wer interessiert ist, daß die wirtschaftlidie und gesell* schaftlidie Abivehraktion gegen HitlervDeutschland so durchgeführt wird, wie es Ehre und Interesse der luden gebieten, schreibe uns sofort. Für alle diesbezüglidien Beobachtung gen und Ratsdiläge sind wir dankbar. Mit den Einsendern wollen wir per* sönlichc Fühlungnahme anstreben. Zuschriften sind an die Verwaltung des Blattes unter der Chiffre ,V, D. V.' zu richten. hat er sich außerordentlich verdient gemacht, und manche noch heute bestehenden Einrichtungen, Anlagen oder Verschönerungen hat das Bad ihm zu verdanken. Als er 1884 starb, folgte ihm ein Trauerzug, wie ihn die Stadt Kolberg in der Folge nur selten gesehen hat. Gerade christliche Bürger waren es damals, die das edle und selbstlose Wirken dieses Wohltäters und Menschenfreundes für würdig befanden, es der Nachwelt durch ein Denkmal zu überliefern. Festnahme wegen verbotenen Schächtens Aus Berlin: Wie der „Berliner Börsen-Courier" meldet, wurde in dem württembergischen Städtchen Niederstetten ein Fuhrwerk festgestellt, das mit geschächtetem Geflügel beladen war. Der Kutscher und sein Begleiter wurden festgenommen, ebenso der Schächter selbst, der in Hönebach ermittelt wurde. AUS PALÄSTINA Rosch Haschana in Palästina Aus Jerusalem: Das Rosch-Haschana-Fest wurde in diesem Jahre in Palästina unter stärkster Beteiligung aller Bevölkerungskreise mit besonderer Inbrunst begangen. Alle Synagogen und die zahlreichen für den Feiertagsgottesdienst befeitgehaltenen Säle waren überfüllt. Die Zahl der Teilnehmer an den Gottesdiensten Ubertraf die früherer Jahre um Tausende. Außerordentlich stark war die Beteiligung der vor kurzem in Palästina eingetroffenen deutschen Juden und ihrer Angehörigen. Die Klagemauer wies einen an (Tischa b'Aw und den Vorabend des Versöhnungstages erinnernden Massenbesuch auf. Beamte der Distriktsverwaltung überwachten hier die Ordnung, die, wie überall im ganezn Lande, musterhaft aufrechterhalten wurde. Die Zahl der Personen, die anläßlich des Rosch« Haschana-Festes nach Jerusalem gekommen waren, wird auf etwa zehntausend geschätzt. Alle Züge und Ueberlandautobusse waren am Tage vor Rosch-Haschana voll besetzt. Die Autobushauptlinie Tel-Awiw—Jerusalem hatte einen Dauerverkehr mit Fahrtabständen von einer Minute zwischen den einzelnen Wagen eingerichtet. In Jerusalem waren alle Hotels und Privathäuser überfüllt.. Ein durchaus einheitliches Festbild bot die jüdische Stadt Tel-Awiw, Die Straßen waren nach den Massengottesdiensten von Fußgängern überfüllt.' Der Wagenverkehr ruhte. Der Anblick des am Samstag und Sonntag nachmittag dicht besetzten Strandes wirkte wie ein Symbol der in der alt-neuen Heimat wiedergefundenen Lebenskraft und Lebensfreude des jüdischen Volkes. 3825 Personen im Laufe einer Woche in Haifa eingetroffen Aus Jerusalem: In der Woche vom 14. zum 21. September sind, wie aus einer von der Palästina- Regierung soeben veröffentlichten Statistik hervorgeht, in Haifa 2825 Personen auf dem Seewege eingetroffen. Von diesen waren 1168 Einwanderer, 1300 Touristen und 357 rückreisende Palästina-Einwohner. Die überwiegende Mehrheit der Angekommenen waren Juden. Unsere jüdischen Leser werden auf die jüdische Buchhandlung Hermann T u c h n e r (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher (auch antiquarisch) zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Groschen täglich. Keine Nehengebünren. Für Anfragen Telex *