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Die neue Welt · 1933-09-29 · Heft 316 (29.9.1933) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 316 (29.9.1933)
Date
1933-09-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Wolle, aUeFaiben S ** Elegante Modestoffkleider Ste Perierinifass., Mode- «9knopf putz......... Provinzversand per Nachnahme Fahrtvergütung folgschaft geleistet. Jetzt mußten sie diese Brüskierung erleben und erkennen, auf welchen schwachen Füßen die Freundschaft dieser Parteien zu den Juden im allgemeinen und zu den jüdischen Parteigenossen im besonderen steht. Ein Wink der „Front" hat genügt, um sie abtrünnig zu machen. So sind die in ihrer Mehrheit den oberen und mittleren Schichten des Bürgertums angehörenden Schweizer Juden dazu getrieben worden, offiziell und geschlossen für die Sozialdemokratie einzutreten. Das wird für beide Teile wenig gute Folgen zeigen. Man wird die Sozialdemokratie, gegen welche jetzt in der Schweiz der Hauptkampf geführt wird, als Judenpartei stigmatisieren, als Knechte des jüdischen Kapitals. Die Juden aber als Zerstörer der Gesellschaftsordnung, als Handlanger der Marxismus. Es kommen schlechte Zeiten. Die Reue des Parfümfabrikanten Der berühmte Pariser Parfümfabrikant, Zeitungskönig und Politiker C o t y führt seit drei Jahren einen gehässigen Kampf gegen die Juden. Sein Organ „Ami du Peuple" brachte fortlaufend verleumderische Anklagen gegen die Juden als die Verderber Frankreichs. Vor einigen Tagen hat nun Herr Coty die Welt durch eine an die Judengemeinde Genf gerichtete Erklärung überrascht, in welcher er sich vom Antisemitismus lossagt. Die Pariser jüdische Tageszeitung „Pariser Hajnt" ihrerseits nimmt dazu Stellung und warnt davor, die Er-« klärung Cotys ernstzunehmen. Der Antisemitismus ist, nicht zuletzt dank den» bestialischen Judenverfolgungen in Deutschland, jetzt in Frankreich unpopulär.Offenbar wollte Coty im Hinblick darauf aus opportunistischen Gründen seinen Kampf in verscheierter Form fortführen. Coty habe weder in seinem Antisemitismus noch jetzt in seiner angeblichen Reue, von der sonst recht wenig zu spüren sei, den Ernst Fords bewiesen. In dem vom „Ami du Peuple" veröffentlichten Text der Erklärung Cotys heißt es, seine "bisherige Doktrin bleibe unverändert aufrecht. Alle ihm gehörenden Blätter verfolgten mit gleicher Energie dieselbe Politik und dieselben Grundsätze, nämlich den Sozialismus in allen seinen Form zu bekämpfen, ohne Rücksicht darauf, ob er jüdisch oder christlich ist. Die r e 1 ig i ö s e Frage, schreibt Coty, hat für uns keine Bedeutung. Wir Verteidigen bloß den religiösen Gedanken als solchen, weil wir ihn für notwendig halten für die moralische und materielle Entwicklung der menschlichen Gesellschaft. Es ist nicht unsere Sache, zwischen Israeliten zu unterscheiden, anstatt sie dies selbst tun zu lassen; wir sind nicht berufen, uns hier einzumengen, ebenso wie wir nicht berufen sind, uns in kirchliche Fragen einzumengen; wir wissen, daß es orthodoxe und moderne zionistische und antizionistische Israeliten gibt, wir wissen, daß es auch unter den Zionisten selbst Unterschiede gibt. Als freiheitlich denkende Franzosen sind wir bereit, einen jüdischen Staat, ein jüdisches Heimatland, unter welcher Bezeichnung immer, mit gleicher Loyalität anzuerkennen, jedoch unter der einen Bedingung, daß sich dahinter nicht eine Körperschaft verberge, die für den Marxismus arbeitet, und daß die Interessen der if r a nzösischen Kultur und Zivilisation nicht gefährdet werden. Die griechische Regierung will ihre Juden behalten Aus Saloniki wird gemeldet: Der Generalgouverneur von Mazedonien, Minister Philipp Dragoumis, gab einem Vertreter der athenischen Tageszeitung „Hestia" folgende Erklärung über den Standpunkt der griechischen Regierung gegenüber der Auswanderung griechischer Juden nach Palästina ab: „Die Regierung wünscht nicht, daß die Israeliten das Land verlassen, und kann infolgedessen deren Auswanderung nichtbegünstigen. Dadurch, daß sie in dieser oder jener Form den Israeliten helfen würde, ihre Heimat zu verlassen, könnte die Re- *intf> naa ö^v?i dwm garantiert von jüdischen Pardegsim, direkt von dort importiert, so daß kein Zweifel darüber'besteht, daß es wirkliche OWflK W pK sind, sind in prachtvoller Auswahl und zu angemessenen Preisen bei Rabbiner Salomon Friedmann erhältlich. meine new n Da der Vorrat beschränkt ist, wird um r e c h tzeitigen Einkauf gebeten. Verkaufslokal: IL, Große Schiffgasse 19, Hotel Baron. IUI Hochschüler erteilt Nachhilfeunterricht in Mathematik, Darstellende Geometrie, Deutsch, Englisch usw. Event. Hofmeistreposten Unter „Gewissenhaft" an die Administration des Blattes, II., Untere Augartenstraße 88 gierung den Eindruck erwecken, als ob sie von anti« semitischen Gefühlen, und sei es auch in noch so geringen* Grade, beherrscht sei. Die Regierung wünscht, daß dl« Israeliten im Lande bleiben, sowohl in ihrem eigenes Interesse als in dem des Landes selbst. Dieser Standpunkt bedeutet nicht, daß die Regierung nicht warme Gefühl« für den Zionismus hege. Diese Gefühle sind zU sehr bekannt, als daß es noch notwendig wäre, zu betonen, daß die Regierung die nationale Wiedergeburt des Märtyrervolkes mit Sympathie verfolgt." Die Erklärung des Generalgouverneurs von Mazedonien, zu dessen Verwaltungsgebiet auch die Stadt Saloniki, die die größte jüdische Niederlassung in Griechenland besitzt, gehört, hat bei der jüdischen Bevölkerung Genugtuung ausgelöst, Diese für die Juden Griechenlande gewiß schmeichelhaften Aeußerungen des Herrn Ministers können nicht die Tatsache aus der Welt schaffen, daß die jüdischen Massen in Griechenland, vor allem in und um Saloniki, in größtem Elend leben und ihr einziges Heil in der Auswanderung nach Palästina erblicken. Ganz abgesehen* davon, ist festzustellen, daß die Sympathie, welche der; Herr Minister für die Juden hegt, von einem Großteil der Griechen leider nicht geteilt wird. Vor knapp einem Jahre fanden in Saloniki ernste antisemitische Ausschreitungen statt, an welchen staatliche Organe beteiligt waren. Auch die vor kurzem abgehaltenen Parlamen tswahlen fanden im Zeichen des Antisemitismus statt* Insbesondere die Uberaus starke Partei des berühmten Führers der Griechen, Veniselos, kandidierte auf ausgesprochen antisemitischem Programm. Da Elend und Antisemitismus durch noch so freundliche Worte eines Ministers nicht aus der Welt zu schaffen sind, wird der Drang der Juden zur Auswanderung nach Palästina weiterbestehen. Kirchliches aus Hitler-Deutschland Aus Weimar: Der Landeskirchenrat der Thüringer evangelischen Kirche hat ein Gesetz beschlossen, demzufolge als Pfarrer oder Hilfspfarrer, bzw. als Kirchenbeamter nicht berufen werden darf, wer nicht arischer Abstammung oder wer mit einer« Frau nichtarischer Abstammung verheiratet ist. tln dem Gesetz ist weiter vorgesehen, daß Geistliche oder Kirchenbeamte, die diesen Anforderungen nicht entsprechen, in den Ruhestand versetzt oder, sofern sie noch nicht unwiderruflich angestellt sind, entlassen werden können. Ein kirchlicher Amtsträger arischer Abstammung, der sich mit einer Frau nichtarischer Abstammung verheiratet, muß entlassen werden. * Aus Königsberg: Der1 Evangelische Pressedienst in Königsberg i. Pr. teilt mit: „Aus dem Bestreben heraus, die Liturgie des evangelischen Gottesdienstes zu verdeutschen, ist der Vorschlag gemacht worden, auch: die hebräischen Bezeichnungen „Halleluja" und „Amen" durch deutsche zu ersetzen. Für das Wort „Amen" wird „Das walte GotV* in Vorschlag gebracht, für „Halleluja" käme vielleicht „Lobe den Herrn" in Frage. Diese angestrebte Verdeutschung des kirchlichen Sprachgebrauches wird dem Willen weitester Kreise des deutschen evangelischen Kirchenvolkes entsprechen." Aus Schleswig: Der Regierungspräsident von Schleswig veröffentlicht folgende Mitteilung: „Bei Besichtigung und Prüfung des Religionsunterrichtes stellten meine Sachbearbeiter fest, daß immer noch die Geschichte von Isaaks Opferung behandelt wird. Ohne Rücksicht auf bevorstehende Aenderung des alttestamentlichen Stoffes im Lehrplan der Schulen ordne ich an, daß die genannte Geschichte schon jetzt im Lehrplan zu streichen ist, da die in ihr vertretene Gottesanschauung undeutsch ist." Eine Hitler-Partei in Amerika Aus New York: In den Vereinigten Staaten wird eine neue faschistische Bewegung propagiert, die der sogenannten „Silberhemden". Die neue Bewegung sieht in Adolf Hitler den Führer einer neuen geistigen Bewegung. Das Programm der Organisation ist ausgesprochen antisemitisch. Der Führer der neuen Bewegung ist der amerikanische Schriftsteller William Dudley Pelley. Die Partei gibt eine Zeitung heraus, die den Namen „Liberation" trägt. Hakenkreuze auf einem Tempel in Wien. Am Vorabend des jüdischen Neujahrsfestes in der vergangenen Woche wurden am Eingangstor des Leopoldstädter Tempels in der Tempelgasse Hakenkreuze in roter Farbe bemerkt. Die Polzei hat nun ein/m,,dem Tempelgebäude gegenüber wohnenden Mann, von dein erwieserrist, daß er Mitglied der nationalsozialistischen Partei iflV festgenommen und ihn mit sechs Wochen P.olizei* arreist bestraft.

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