Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 316 (29.9.1933)
- Date
- 1933-09-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 316 DIE NEUE WELT Seite 5 K OCHSCHU1E TAGES» UND ABENDKURSE O F R A N E K Wien l,Sohotteng. 3, Tel.U-2Q.708 Von der ludemtaatspattei Kreiskonferenz in der Tschechoslowakei Vom Sonderverband der Zionisten-Revisionisten für die Tschechoslowakei wurden eine Reihe von Mitgliedern und Freunden, die sich schon nach dem Kongresse gemeldet hatten, zu einer Besprechung nach P r o ß n i t z für den 24. d. eingeladen. Diese Besprechung, an der als Gäste Herr Großmann, Vizepräsident des A.-C. und der Judenstaatspartei (Sonderverband der Zionisten-Revisionisten) und die Herren Fritz Richter, Sekretär des Organisationsdepartements, und Körner (Wien) teilnahmen, nahm einen ausgezeichneten und alle Teilnehmer befriedigenden Verlauf. - Am Vormittag sprach Herr Groß mann über den XVIII. Zionistenkongreß und über die Ziele der Judenstaatspartei. Nachher sprach für die bisherige Leitung des Sonderverbandes der Zionisten- Revisionisten in der Tschechoslowakei Herr Oskar Herlinger über die bisher geleistete Arbeit und die Entwicklungsmöglichkeiten. An diese Referate knüpfte sich eine längere Debatte, an der sich besonders aktiv die Nichtmitglieder des Sonderverbandes, die als Gäste aus verschiedenen Orten der Tschechoslowakei anwesend waren, beteiligten. In der Nachmittagssitzung referierte Herr Fritz Richter über die Arbeit des Kontinentalbüros der Judenstaatspartei in Wien. Anschließend wurden eine Reihe Organisationsfragen diskutiert. An diese anschließend, sprach Herr Großmann über die von ihm gegründete Siedlungsbank in Palästina (Bank Lehithyashvuth Amamith be Erez Israel Ltd.). Es wurde beschlossen, der bisherigen Leitung des Sonderverbandes der Zionisten-Revisionisten für die Tschechoslowakei den besten Dank auszusprechen, ebenso den Vertretern des demokratischen Revisionismus beim XVIII. Zionistenkongreß, die durch ihre konsequente Haltung und sachliche Kritik sich Sympathien in allen zionistischen Lagern erworben haben. Weiters wurde beschlossen, die Beschlüsse der Prager Konferenz des Sonderverbandes der Zionisten-Revisionisten vollinhaltlich zu akzeptieren. Daher wird der Name des Sonderverbandes der Zionisten-Revisionisten für die Tschechoslowakei in „Judenstaatspartei, Sonderverband in der Tschechoslowakei" geändert. Die gewählte Leitung führt sofort die Anmeldung der Namensänderung bei den staatlichen und zionistischen Instanzen durch. Die Zentralstelle der „Judenstaatspartei", Sonderverband in der Tschechoslowakei, wird in Mor.-Ostrava errichtet, die innerhalb einer Woche ihre Tätigkeit aufnimmt. Ein Organisationssekretariat wird speziell für die Slowakei und P. K. R. geschaffen werden. Der Zentralstelle in Mor.- Ostrava wird ein eigenes Departement für Jugendarbeit angegliedert werden, dessen Aufgabe in der Organisierung der nationaljüdischen Jugend im Brith-Hakanaim besteht. Es wurde beschlossen, sofort mit der überparteilichen und konstruktiven Arbeit zu beginnen. Die Judenstaatspartei, Sonderverband in der Tschechoslowakei, begrüßt, die von Hei* ii . Großmann in Palästina gegründete Volkssiedlungsbank für den Mittelstand und ist bereit, diese Bank mit allen Kräften zu unterstützen. Herr Faerber wurde beauftragt, sofort mit der Arbeit für diese Bank zu beginnen. Um den tschechoslowakischen Juden, die sich für Palästina interessieren, mit Rat zur Verfügung stehen zu können, wurde beschlossen, der Östrauer Leitung der Judenstaatspartei eine eigene Abteilung für Palästina-Fragen anzugliedern (Auskunftsstelle), die den tschechoslowakischen Juden kostenlos zur Verfügung stehen wird. Gleichzeitig wurde die Ostrauer Leitung der Judenstaatspartei beauftragt, sich unverzüglich mit ihrer Exekutive ins Einvernehme zu setzen, um sich das genaue Material für die Ueberwanderungskooperativen für den Mittelstand zu verschaffen. Dieses Material wird dann von einer eigenen Kommission geprüft werden, die feststellen wird, in welcher Art und Weise diese Kooperativen in der Tschechoslowakei aufgebaut werden sollen. In bezug auf die innerzionistischen Streitigkeiten wurde die Ostrauer Leitung beauftragt, sich mit dem Zionistischen Landesverband ins Einvernehmen zu setzen, um eine Art Arbeitsgemeinschaft aller zionistischen Fraktionen und Gruppen zu schaffen und durch gemeinsame Arbeit eine Plattform zu schaffen, die den Parteienkampf auf parlamentarische Formen zurückführt. Gleichzeitig soll ein Modus geschaffen werden, um auch den vielen Anhängern der Judenstaatspartei, die heute die Einheitsaktion nicht unterstützen können, diese Möglichkeit zu schaffen, da sie ebenso wie alle anderen Zionisten die Notwendigkeit der Unterstützung von Institutionen, die allen Juden dienen, anerkennen. In Hinsicht auf die innerpolitischen Fragen wurde festgestellt, daß die Juden3taatspartei es als selbstverständliche Pflicht aller Zionisten betrachtet, jüdische nationale Politik zu unterstützen. Die Leitung wurde beauftragt, eine Landeskonferenz vorzubereiten, die spätestens im Jänner stattfinden soll. Zum Tagungsort wurde Brünn gewählt. Außerordentliche Generalversammlung der österreichischen Judenstaatspartei. Am 23. September fand in Wien eine außerordentliche Generalversammlung des Sonderverbandes der Zionisten-Revisionisten statt, in der nach einem Referat Ing. Robert Strickers der einstimmige Beschluß gefaßt wurde, den Parteinamen gemäß dem Beschluß der Prager Konferenz in „Judenstaatspartei" abzuändern. BmeS mm der Tschechoslowakei In der Tschechoslowakei erregt ein Vorfall Auf' sehen, der für uns Juden von großer Bedeutung ist: Die „Bohemia", das offizielle Blatt der deutschdemokratiachen Freiheitspartei, ist einwandfrei überführt worden, ihre Schreibweise so einzurichten, daß man in Hitler- Deutschland daran keinen Anstoß nimmt. Dabei sind die Hälfte ihrer Redakteure und mehr als drei Viertel der Aktionäre und Geldgeber nichtarisch! Unter den Mitgliedern des Verwaltungsrates befindet sich auch der Redakteur und Abgeordnete Dr. Bacher, der erst vor kurzem durch die liberale Presse feststellen ließ, das Gerücht, er sei aus dem Judentum ausgetreten, sei unwahr! Die Regierung ist der Sache scharf nachgegangen, hat Funktionäre der Zeitung in Strafuntersuchung gezogen, Hausdurchsuchungen vorgenommen usw. Es ist daher nicht nur beschämend, daß Juden hinter einer getarnten Nazizeitung stehen, sondern es ist geradezu gefährlich, daß sie Geld für ein Unternehmen gaben, dessen Haltung den Staat zu so energischem Durchgreifen veranlaßt hat. Die teutschen Juden mosaischer Konfession hätten schon längst der „Bohemia" den Rücken kehren sollen. Schon im März, als der deutsche Rundfunk die Juden im höchsten Grade schmähte, konstatierte die „Bohemia", er sei das beste Mittel für die Auslandsdeutschen, den Zusammenhang mit dem nicht zu verlieren, was ihnen das Heiligste ist, mit der deutschen Kulturgemeinschaft. Als die ganze Welt, soweit sie nicht verhitlert war, den unter so grausamen Formen durchgeführten Boykott vom 1. April als ein Ereignis brandmarkte, wie es bisher niemals vorgekommen sei, schrieb die „Bohemia" einen Artikel: „Wem haben die Juden in Deutschland den Boykott zu verdanken?" Wohl sind in der letzten Zeit einige Redakteure aus der „Bohemia" ausgetreten, weil sie darauf verzichteten, für ein Blatt zu arbeiten, das für Nazi innerhalb und außerhalb der Grenzen lesbar ist. Aber wieviel jüdisches Geld, wieviel jüdische Energie arbeitet noch immer für die Zeitung, die in so eklatanter Weise ihre antijüdische Stellungnahme deklariert hat! Die Juden in Prag sind zu einem Großteil unbelehrbar. Von 30.000 Juden haben 1421 Schkalim gekauft und nur 37 Prozent der Schekelkäufer haben von ihrem Wahlrecht zum 18. Zionistenkongreß Gebrauch gemacht. Unter den zehn Städten, welche am meisten Schkalim kauften, weist Prag den niedrigsten Prozentsatz der Wahlbeteiligung auf. Das heißt, daß der Zionismus in Prag nur sehr geringe Erfolge aufzuweisen hat. Und dabei erscheinen in Prag zwei zionistische Blätter, eines in deutscher, das andere in tschechischer Sprache. Offenbar ist der Einfluß, den diese beiden Organe der Allgemeinen Zionisten auf die Juden Prags ausüben, von geringer Bedeutung. Und darum und wegen der wirkungslosen zionistischen Propaganda durch die dazu berufenen Stellen Billige Sonderfahrt »ad. 3. bis 17. Oktober Wien-Krakau und retour um 9 Sämtliche Paß* und Vl8a-6ebühren g r a t i s I DieTellnehmer obiger Reise genießen außerdem 50#/oifle Ermäßigung auf allen polnischen Bahnen. Auskünfte und. Anmeldungen: » BD it ftj fADAI ~ POLNISCHES VEBKEHBSBÜHO "rKMIYJUJKVL« III. Rennwefll, Tel. IM6-4-90 Reservieret rechtzeitig Plätze I ^mamrn Kleiner Hann, was nun? Hermann Thlmlg / Hertha Thiele Nath dam vMgalasanan glalehnamlgan Roman von Hans Falada Regie: Dr. Fritz Wendhausen Uraufführung ah heute: Burg-Kino, I. Elite-Kino, I. Schottenring-Kino, I. Lustspieltheater, II. Sascha-Palast, III. Flotten-Kino, Vi. __Atlantis-Film__,_ gibt es wohl auch in dieser Stadt eine so große Zahl andersnationaler Assimilanten, deren deutscher Teil, soweit er die „Bohemia" gestützt hat, das Judentum in so beschämender Weise diskreditierte. Wenn die Herren jetzt, in letzter Minute, nicht zu Verstand kommen und ihr Geld weiterhin so unwürdig verwenden werden, dann müssen wir Zionisten in allerschärfster Weise gegen diese Schädlinge einschreiten. Wir laufen sonst Gefahr, mit ihnen verwechselt zu werden. Die „Bohemia" hat eine kongeniale Schwester in Brünn, denn das liberale Tagblatt dieser Stadt, der „T a g e s b o t e", hat sich ähnliche hitlerfreundliche „Entgleisungen" zu schulden kommen lassen wie die „Bohemia". Die Brünner Juden haben damals mit einer Massenkündigung des Abonnements geantwortet, aber ein Teil von ihnen kauft den „Tagesboten" in den Trafiken, weil man gewisse Nachrichten angeblich nur im „Tagesboten" findet. Als seinerzeit eine Anzahl hitlerfreundliche Artikel des „Tagesboteh" die helle Empörung der Brünner Juden hervorrief, wurde vielfach der Wunsch nach einer jüdischen Tageszeitung laut. Leider ist es beim Wunsch geblieben. Aber jetzt wird die Frage wieder aktuell. Es gibt genug jüdisches Geld und genüg jüdische Köpfe, um eine von Juden für Juden geschriebene Zeitung herauszugeben. Sie würde nicht nur einem wirklichen Bedürfnis entsprechen, sondern sie würde auch geschäftlich prosperieren. Jedenfalls müssen die Juden in der Tschechoslowakei die Gleichschaltungsmanöver der deutschliberalen Presse energisch ablehnen. Der würdigste Weg zur Erreichung dieses Zieles wäre die Herausgabe einer jüdischen Tageszeitung in Mitteleuropa. Solch ein Organ könnte das beste Kampfmittel für jüdische Interessen werden. Zlpp; RUNDSCHAU Ein gefährlicher Vorstoß Brief unseres Schweizer Korrespondenten Zürich, 26. September. Die Schweizer Juden haben in den letzten Wochen die harte Lehre erfahren, daß das Schicksal der Juden in aller Welt auch ihr Schicksal ist, daß sie keine bevorzugte Stellung vor den Juden anderer Länder genießen. Mit ganz geringen Ausnahmen haben die Schweizer Juden — ähnlich wie die deutschen Juden — das Bekenntnis zur jüdischen Nation, zu jüdischer Politik und zur Solidarität mit den Juden in aller Welt abgelehnt. Das schienen ihnen Dinge, gut für russische, polnische, rumänische Juden, aber unannehmbar für freie Schweizer Bürger mosaischer Konfession. Sie glaubten sich gut geborgen und ausreichend geschützt im Schöße der bestehenden Parteien. Sie waren Freisinnige, Demokraten und Sozialdemokraten und haben jeden, der von einem jüdischen politischen Problem zu sprechen wagte, als Narren abgetan. So hatten sie, als vor zirka zwei Jahren die nach Hitlerschem System arbeitende antisemitische „Fron t- Bewegung" in der Schweiz einsetzte, nur Spott und Geringschätzung für diese Erscheinung übrig. Hitlerismus in der freien Schweiz? Ausgeschlossen! Als die Sache immer bestimmtere Formen annahm, als hier und dort Hakenkreuzzeitungen erschienen und Broschüren und Plakate judenhetzerischen Inhalts verbreitet wurden, begannen die Juden aufzumerken. Aber eine wirkliche Gefahr sahen sie noch nioht und glaubten durch Anrufung der Polizei genügend vorgesorgt zu haben. Erst die letzten Wochen haben Klarheit und die Erkenntnis gebracht, daß in der Schweiz eine antisemitische Gefahr besteht In dieser Zeit fanden nämlich politische Wahlen im ganzen Lande statt, deren Verlauf und Resultate überaus charakteristisch sind.. Bei diesen Wahlen trat zum ersten Male die „Nationale Front" — so nennt sich hier die Hakenkreuzpartei — in den Kampf ein und brachte ganz ansehnliche Stimmenzahlen auf. Aber viel bezeichnender als die erreichte Zahl der Stimmen und Mandate ist ein anderer Umstand, nämlich das Verhältnis der al t e n Parteien zur „Nationalen Front". Alle Parteien standen der „Front*• auagesprochen feindlich gegenüber und lehnten irgend eine Verbindung mit ihr ab.. Dieses Bild hat sich plötzlich und radikal geändert. Die „Front" ist bündnisfähig geworden! Am deutlichsten trat diese Wandlung bei den Wahlen in der größten und judenreichsten Stadt, in Zürich, zutage. Bei den Wahlen ins Stadtparlament von Groß-Zürich gingen vier Parteien in den Kampf: Freisinnige, Demokraten, Sozialdemokraten und die „Front". In den jüdischen und freisinnigen Zeitungen wurden die Juden aufgefordert, für eine der* drei erstgenannten Parteien zu stimmen. Da tauchte zur Bestürzung der Juden die Nachricht auf, daß die „Freisinigen" mit der „Front" eine Listengemeinschaft abgeschlossen haben. Mit der „Front", deren Spitzenkandidat Dr. Toblei', ein eifriger Verbreiter des Blutmärchens und der „Weisen von Zion", ist. Sofort wurde die Parole ausgegeben, daß Juden nur demokratisch oder sozialdemokratisch wählen dürfen. Aber auch dabei blieb es kaum vierundzwanzig Stunden. Denn dann kam die Nachricht, daß sich auch die Demokraten der Gemeinschaftsliste mit der hakenkreuzlerisehen „Front" angeschlossen haben. „Juden dürfen nur sozialdemokratisch wählen!" Das war die letzte Parole, der letzte Rest der politischen Weisheit der Schweizer Juden. Jahrzehntelang haben die Schweizer Juden der freisinnigen und der demokratischen Partei treue Ge« h> W,£N '' /HrtC Petit-P°i»t^iZ