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Die neue Welt · 1933-09-29 · Heft 316 (29.9.1933) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 316 (29.9.1933)
Date
1933-09-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 316 « '<>......M»MM>»»M.....MMMMtMMMMMMMMMH' \ SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI j; Zentrale; IX., Berggasse 19, Tel. A-17-3-99 u. A-16-9-54 Lieferant für' Heilanstalten Abteilungen für ~ty;-FleIsch ]; unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemeinde Wien Autozustellung kostenlo» :; IX. Berggasse IS ✓ XVIII., Währingerstr. 97 worden sind, zwingen den Misrachi von der Kongreßtribüne zu einem scharfen Protest. Er fordert vom Kongreß, die Aenderung dieses Znstandes durch Annahme folgender Beschlüsse zu sichern: Der Sabbat und die jüdischen Feiertage sind Ruhetage für den gesamten Jischuw in Palästina, an denen keine Arbeit, kein Handwerk und kein Handel betrieben werden darf. Infolgedessen macht es der Kongreß der Leitung des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth) zur Pflicht, in die Verträge mit den Ansiedlern auf Keren- Kajemeth-Boden einen besonderen Paragraphen wegen Einhaltung der Sabbatruhe und des Verbotes jeder Arbeit auf den Feldern und im Weingarten am Sabbat und an den Feiertagen als wesentliche Vertragabestimmung aufzunehmen. Der Kongreß verpflichtet alle zionistischen Gruppen, daß die von ihnen erhaltenen oder ihren Namen tragenden öffentlichen Küchen in der Stadt und in den Dörfern und Kollektiven koscher, d. h. nach den Vorschriften der jüdischen Religion, verwaltet werden. Der Kongreß macht es der Zionistischen Exekutive aur Pflicht, von der Palästina-Regierung zu verlangen, daß sie die Juden, die in der Regierung als Beamte tätig sind oder bei öffentlichen Arbeiten der Regierung beschäftigt sind, am Sabbat und an den jüdischen Feiertagen von der Arbeit befreit werden." Es folgten dann noch eine Reihe von Forderungen, welche sich nicht auf das Leben in Palästina, sondern auf die Einhaltung der Sabbatruhe in der Diaspora beziehen. Das der Inhalt der Forderungen. Auch der nichtreligiöse Zionist, der jeden Eingriff in sein Privatleben ablehnt, muß zugeben, daß die meisten" dieser Forderungen im wesentlichen ihre Berechtigung haben. Ganz besonders, sofern sie sich auf Palästina beziehen. Dort sind sie gewiß ohne Benachteiligung des Individuums und Verletzung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Interessen zu befriedigen. In Palästina, wo *es keine Zwangs-Sonntagsruhe und keine durch die Sabbatruhe gefährdete Einteilung der landwirtschaftlichen und industriellen Arbeit gibt, stehen der Fixierung des Sabbats als gesetzlichen und gesellschaftlichen Ruhetages keine großen Hindernisse entgegen. Jedenfalls keine so großen, daß man mit Rücksicht auf sk* die religiösen Gefühle jüdischer Massen zerstören oder verletzen müßte. Unter allen Umständen aber muß man anerkennen, 4aß diese Vorschläge der würdigsten und gründlichsten Behandlung durch den Kongreß und seine Organe wert waren. Aber sie haben keine würdige Behandlung erfahren? Die Verlesung der Anträge durch Rabbi Brodt — eine der ehrwürdigsten Gestalten auf dem Kongresse — wurde mit wenig respektvollen Zwischenrufen von links her begleitet. Im Permanenzausschuß rief ein linker Delegierter: „Wenn ihr das von uns verlangt, dann verlangen wir von euch, daß ihr der Zweiten Internationale beitretet!" Im Plenum des Kongresses rief einer: „Die zionistische Fahne braucht ihr, aber die zionistische Arbeit wollt ihr nicht haben!" Eine sachliche Behandlung der Anträge lehnte sowohl die Majorität des Permanenzausschusses als auch die des Kongreßplenums ab. Mit den Stimmen der Linken und Radikalen wurde der Uebergang; zur Tagesordnung Uber diese Anträge beschlossen. Als Antwort folgte, wie zu erwarten war, eine Kampfansage. Rabbi Meir Berlin gab eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Wir Misrachi-Delegierte haben schon zu Beginn des Kongresses unsere Besorgnis nicht nur Uber die politische Lage, sondern auch Uber die geistige und moralische Verderbnis ausgedrückt, die sich in Broch der Tradition, Aufgeben der jüdischen Art, des Friedens zwischen Mensch und Mensch und Partei und Partei ausdrückte. Unser Land ist zu einem Lebensquell geworden, aber auch zu einem Quell gegenseitigen Hasses. Leider zeigte sich schon in den ersten Tagen des Kongresses, daß der Partelen- und Personenhaß übermächtig ist. Jetzt, vor Schluß des Kongresses, sind wir Zeugen der Wahl der Exekutive, die in den nächsten zwei Jahren an der Spitze der Bewegung stehen soll. Und sie setzt sich zusammen aus einer Reihe von Zionisten, die zwischen Klassen und Klassen unterscheiden, die In ihrer Weltanschauung nichts Helliges, nichts Traditionelles haben. Diese Exekutive hat fast die Hälfte dieses Kongresses von sich gestoßen, darunter den Misrachi, den Vertreter des orthodoxen Judentums, den man von der Teilnahme an der Arbeit und von der Verantwortung für alles, was in dieser Zelt geschehen wird, ferngehalten bat Die große Sunde der Gewaltherrschaft und der Usurpation Hegt auf der Linken, die die größte Partei auf diesem Kongresse ist und, mit einer kleinen Gruppe verbündet, nicht davor zurückschreckt, die Verantwortung für die zionistische Tätigkeit auf sich zu nehmen, trotz des energischen Protestes aller jener, die gegen diese Wahl sind. Der Misrachi erklärt hiemit, daß er kein Vertrauen zu dieser Exekutive hat und die Verantwortung für ihre Tätigkeit und deren Folgen ablehnt. Es ist klar, daß diese Erklärung den Beginn eines Kampfes in der Organisation bedeutet, der schwere Folgen mit sich bringen muß. Der Keim der Spaltung ist in die Organisation getragen und wird traurige Resultate zeitigen, wenn nicht radikal Wandel geschaffen wird. Schon jetzt, unmittelbar nach dem Kongresse, zeigen sich bedenkliche Symptome. So wird in inisrachistischen Kreisen bereits das gefährliche Wort vom Austritte aus der Zionistischen Weltorganisation benutzt. Die Wiener Zeitung „Misrachi", ein offizielles misrachistisches Organ, Schreibt, daß der Kongreß den Keim des Zerfalles in die Bewegung getragen hat, und führt aus: „Die großen und schweren Aufgaben, die sich vor den Zionismus und seine Bewegung stellen, werden durch die neue „rote" Exekutive trotz ihrer disziplinierten Iiistadruth-Anhänger nicht gelöst werden. . . . Für den verantwortlichen Misrachisten bleibt die Frage der Reorganisation unseres Kongresses brennender denn je. Es wird unsere Aufgab" sein, sofern uns die Haßpolitik, welche den Verlauf des ganzen Kongresses kennzeichnete, nicht zwingen wird, aus der Organisation auszutreten, in den kommenden zwei Jahren die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um die jüdische Welt in Zukunft vor den schlechten Erfahrungen der letzten Kongresse zu bewahren, sofern das „linke" Histadruth-Regime ein Wiederaufblühen der Organisation nicht endgültig unmöglich gemacht hat. Es kann nicht Ziel und Zweck des Judentums sein, jetzt, nach fast 2000 Jahren, wieder einmal die Welt zu „beglücken" und in „unserem" Erez Iisrael ein marxistisches Staatswesen aufzubauen!" Das sind unheilvolle Worte, denen auch schon entsprechende Beschlüsse gefolgt sind. Aus Warschau kommt die Meldung, daß in einer Sitzung der E x e k titive des Misrachi Entschließungen gefaßt wurden, welche das Verhältnis zum Palästina-Aufbaufonds (Keren Hajessod) betreffen. Es wurde verfügt, sämtliche inisrachistischen Vertreter aus den Kommissionen des Keren Hajessod zurückzuziehen. Der Beschluß ist ohne Beispiel in der zionistischen Geschichte und zeigt, wie ernst sich die Situation gestaltet hat. Wenn jetzt die poale-zionistische Presse erbittert gegen die inisrachistlsche Opposition, losgehtrund über „misr achistische Sabotage" klagt, so nützt das' wenig:. Die Gruppen, welche heute die , zionistische Organisation, beherrschen, hätten früher bedenken sollen, daß man in einer freiwilligen Organisation — und die zionistische Organisation ist ..eine solche.—, mit brutaler Ueberstimmung und- .Schwingen der Disziplin-Peitsche das Auslangen nicht findet. ' Die auf dem Kongresse siegreichen Poale-Zionisten sind einem verhängnisvollen Fehler verfallen. Sie glauben, mit Hilfe einer durch raffinierte, Propaganda und rücksichtslose Ausnutzung gewisser Stimmungen eroberten Mandatszahl die zionistische Bewegung beherrschen zu können. Sie, haben übersehen, daß man eine Bewegung — und gar die zionistische — nicht beherrschen, sondern nur im Einverständnis mit ihren Teilen leiten kann. Zur Leitung der Bewegung in diesem Sinne Ist aber die Poale-Zion unfähig. Sie ist auf Kultur- und Klassenkampf und das Prinzip der Parteiherrschaft eingeschworen. Sie ist auf gewisse gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Programmpunkte festgelegt, die mit Judentum und Zionismus niohts zu schaffen haben und die man dem Zionismus nie wird aufzwingen können. Der Fall des Misrachi beweist'die Verständnislosigkeit für das Wesen des Zionismus, in welche die Poale-Zion hineingeraten ist. Sie glaubt zwingen zu können. Für die Zionisten kann es aber nur eine zwingende Idee geben: die Idee vom Judenstaat. Nur von dieser Idee ausgehend, kann man einerseits die zur Leitung nötige Autorität und andererseits das zur Leitung nötige Verständnis fUr die verschiedenen geistigen Strömungen in der Organisation aufbringen. Die Poale-Zion vermag das nicht, denn sie Ist keine von der Idee des Judenstaates getragene Partei. Es war ein verhängnisvoller Fehler, der Poale-Zion den ausschlaggebenden Einfluß In der Leitung einzuräumen. Wie der Fall des Misrachi beweist. inntfcsuerband der Zlonlsten-Reulslonlsten VORTRAG Montag, den 2, Okiober) 8 Uhr abends, spricht Im Cafe fei*er, II, Pratersirafje 8 DR- WILLY PERE Uber das Thema: „SCHACH DER ZIONISTISCHEN ZERSPLITTERUNG," Anschließend Diskussion Palästinensische Schomre Schabbos (Sabbat-Wächter)] vor Gericht Aus Tel-Awiw: Vor dem Polizeirichter hatte sich eine Anzahl von Mitgliedern der Schomrc-Schabbos- Organisation in Tel-Awiw wegen Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung zu verantworten. Die Beschuldigten hatten an einem Sabbattage den Warenverkehr in der Allenby Street in der Nähe der Großen Synagoge gewaltsam aufgehalten. Die Betreffenden hatten sich außerdem wegen Widerstandes gegen die Polizei und tätlichen Angriffen auf Polizeibeamte zu verantworten. Eines der Automobile, die damals aufgehalten worden waren, war von dem stellvertretenden Distriktskommissär Crosby und von dem assyrischen Patriarchen Mar Shimun besetzt gewesen, der auf der Reise ins Exil nach Cypern Palästina besuchte. Sechs Angeklagte wurden zu je einem Pfund Geldstrafe verurteilt und mußten einen Revers unterschreiben, in dem sie sich verpflichteten, sich jeder Propaganda innerhalb der nächsten sechs Monate zu enthalten. Der Führer der Gruppe, Rabbi Berman, wurde zu sechs Pfund Geldstrafe verurteilt und mußte einen auf einen längeren Zeitraum laufenden Revers unterschreiben. Anfangs hieß es, daß die Verurteilten den Erlag der Geldbuße verweigern und die für diesen Fall vorgesehene Strafe von zehn Tagen Gefängnis auf sich nehmen würden. Einer der Beschuldigten, der Lehrer Noah Scheinfeld, schilderte, wie der Sabbat damals öffentlich entweiht worden war und die gereizte Stimmung der dadurch in Ihrem religiösen Empfinden getroffenen Bevölkerung. Er erklärte auch, Polizisten hätten eine Anzahl von Besuchern der Großen Synagoge, in deren Nähe es zu den Ruhestörungen kam, beleidigt. Kommissär Pollock erklärte in seiner Urteilsbegründung, das aggressive -Vorgehen der Beschuldigten bei ihrem Versuch, die Beobachtung der Sabbatruhe zu erzwingen, habe zu einer Verletzung der Landesgesetze geführt. Aus der vom Komitee der Großen Synagoge veröffentlichten Kundmachung habe der Kommissär ersehen, daß durch den übereifrigen Eingriff der Schomre Schabbos der Gottesdienst gestört wurde und unterbrochen werden mußte. Rabbi Berman habe außerdem durch seinen Angriff auf den jüdischen Polizeioffizier Inspektor G off er Artikel 214 des Strafgesetzbuches übertreten. Juden! Wirtschaftliche Aussichtslosigkeit, seelische Depression, das ist die Situation der Juden in Wien. Palästina ruft nach Arbeitskräften, in Erez Israel leben die Juden froh und in Hoffnung auf eine schönere, freudigere Zukunft. Viele österreichische Juden haben die Möglichkeit, in allernächster Zeit nach Palästina einzuwandern. Es fehlt ihnen aber an Reisemitteln und an den primitivsten Ausrüstungsgegenständen. Juden, gebt diesen Palästina-Wanderern die Möglichkeit, sich eine Existenz zu schaffen, gebt ihnen die Möglichkeit, nach Erez Israel zu gehen. Gebt, soviel ihr könnt! Gebt schnell! Spendet Kleiderj Schuhe, Wäsche und Geld! Palästina-Amt Wien, Dr. Simon Horowitz — FUrsorgeverein für jüdische Palästina-Emigranten, Dr. Alois Rothenberg — Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich, Dr. Oskar Grünbaum — Ppale Zion-Hitachduth, Mendel Sin, g e r — Misrachi, österreichischer Landesverband, Rabbiner Friedmann — Judenstaatspartei, Oberbaurat Ing. Robert Stricker — W. I. Z. O., Sofie Löwenherz — Verband radikaler Zionisten, Dr. Leopold Plaschkes. Spenden sind an den FUrsorgeverein für jüdische Palästina-Emigranten, Wien, L, Kärntnerstraße 28, Postsparkassenkonto C-26.901 zu richten. Palästina-Gesellschaftsreise 24. Oktober bis 13, November 1933 Reichhaltiges Reiseprogramm. Haifa-Besuch während der feierlichen Hafeneröffnung Außerordentlich billige Preise Auskünfte und Anmeldungen in der Reiteit. Verkehrs-Gesellschaft, Wien I, Rotenturmstraße 20 (!, Heischmarkt 1), Tel. R-24-5-25 (Palästina-Abteilung)

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