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Die neue Welt · 1933-09-29 · Heft 316 (29.9.1933) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 316 (29.9.1933)
Date
1933-09-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 316 DIE NEUE WELT Seite S Unterstellten Arbeitsbereiches die Genehmigung zur Anfertigung von Lichtbildaufnahmen nurnocharischen Presseillustrationsfirmen erteilt werden darf. Fristlose Entlassung jüdischer Angestellter ist gestattet Aus Berlin: Ein Urteil des Landesarbeitsgerichtes Berlin (104 S. 848/33) stellt fest, daß unter den heutigen Verhältnissen grundsätzlich davon auszugehen sei, daß die Zugehörigkeit eines Angestellten zur jüdi- •P jyien—Krakau und Retour S 52.—. Keinerlei Paß- und Visagebühren: außerdem R0 Prozent Ermäßigung auf allen polnischen Eisenbahnen. Nähere Auskünfte: Reisebüro E. Ferstel, I., Kärntnerring 12, Tel. U-40-301. Reservieret rechteltig Plätze. Auskünfte auch Sonntag unter Telephon U-40-301. sehen Rasse einen Grund zur fristlosen Aufhebung des Dienstverhältnisses „bilden kann". Das gleiche Landesarbeitsgericht hat (102 S. 802/33) festgestellt, daß die fristlose Entlassung eines jüdischen Angestellten dann gerechtfertigt sei, wenn es einem Warenhaus als' Christ lichem Unternehmen „angesichtsdergeänderten Zeitverhältnisse unmöglich" sei, einen jüdi sehen Angestellten bei sich weiter zu beschäftigen. Die Fortsetzung des Dienstverhältnisses sei dann unzumutbar. Juden dürfen keine Fischerei betreiben Aus Berlin: In Bergzabern hatte ein Pächter die Ausübung der Fischerei an die Inhaber einer jüdischen Firma abgetreten. Gegen diese Uebertragung hat jetzt das Bezirksamt Einspruch erhoben mit der Begründung, daß Juden im heutigen nationalen Staat keine Jagdrechte auszuüben haben. Marktkommission zur Fernhaltug von Ostjuden Aus Berlin: In Göppingen hat der Gemeinderat die Einsetzung einer Marktkommission beschlossen, um Ostjuden vom Markt fernzuhalten. Arierparagraph für Unternehmer von Privatlotterien Aus Berlin: Der preußische Innenminister hat die Oberpräsidenten ersucht, die Bestimmungen des Gesetzes für die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums sinngemäß auch auf die zur Durchführung von Privatlotterien zuzulassenden Unternehmer anzuwenden. Hinsichtlich der staatlichen Lotterieeinnehmer hat bekanntlich eine Nachprüfung über das Vorliegen der Voraussetzungen dieses Gesetzes bereits stattgefunden. Das heißt, daß von nun ab Juden an Lotterieunternehmungen nicht beteiligt sein dürfen. Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Hopfenhandel Aus Nürnberg: In dem Hopfenbaugebiet von Hersbruck (westliches Mittelfranken) wird auf Anordnung des Hersbrucker Bürgermeisters und Landtagsabgeordneten Sperber, der gleichzeitig Kreisleiter der N. S. D. A. P. ist, die Ausschaltung jüdischer Hopfenhändler eingeleitet. Die Ortsgruppenführer sind aufgefordert worden, zu verhindern, daß jüdische Einkäufer bei den Bauern Hopfen kaufen können. In diesem Zusammenhang wurde der Auffassung Ausdruck gegeben, daß „die deutschen Geschäfte vollauf in der Lage sind, den Ernteertrag aufzukaufen, so daß kein Hopfenbauer um den Absatz seines Hopfens in Sorge zu sein braucht". Während der Hersbrucker Bürgermeister innerhalb seines Einflußbereiches den Hopfen ein kauf jüdischer Firmen unterbindet, bemüht sich der Deutsche Landhandelsbund, diese Firmen aus dem Hopfenverkauf auszuschalten. In seinem Rundschreiben an die Brauindustrie heißt es: „Während bisher der Handel mit Hopfen von jüdischen Firmen beherrscht wurde, deren Vormachtstellung dadurch unterstützt worden ist, daß die Brauereien diesen die Abschlüsse zukommen ließen, auf Grund deren sie sich einen ausschlaggebenden Einfluß auf die Marktgestaltung sicherten, erfordert die mit dem Durchbruch nationalsozialistischen Denkens und Fühlens in der Wirtschaft begonnene neue Epoche eine Abkehr von den alten Prinzipien. So wenden wir uns an Sie mit der Aufforderung, in diesem Bestreben der Gesamtheit des deutschen Volkes und besonders des in dem Deutschen Landhandelsbund zusammengeschlossenen deutschstämmigen Handels, der Wirtschaft das Gepräge unserer Zeit zu verleihen, nicht abseits zu stehen, sondern bewußt die von unserem Volkskanzler Adolf Hitler vorgezeichnete Entwicklung zu fördern. Die Brauereien haben es durch ihre Einkaufspolitik bei der Eindeckung mit Hopfen in der Hand, den Einfluß des arischen Elements innerhalb der deutschen Wirtschaft zu stärken, indem sie sich bei den Käufen in größtem Maße an arische Firmen wenden und sich der Vermittlung der im Deutschen Landhandelsbund zusammengeschlossenen Makler bedienen, um damit den praktischen Beweis reger Mitarbeit der für die Wirtschaft aufgestellten Ziele zu liefern." Bas Nürnberger Leihamt für Juden gesperrt Aus Nürnberg: Das Stadtratskollegium in Dürnberg hat einstimmig den Ausschluß der Juden aus dem Städtischen Leihamt beschlossen, das heißt, es dürfen den Juden weder Darlehen gewährt werden, noch ist ihnen die Teilnahme an Versteigerungen im Leihamt gestattet. „Juden und Judenfreunde ausgeschlossen" Aus Berlin: Die Generalversammlung der südwestdeutschen Molkereigenossenschaft hat beschlossen, alle Juden aus der Genossenschaft auszuschließen. Außerdem ist beschlossen worden, auch alle diejenigen Mitglieder von der Milchlieferung auszuschließen, die mit Juden geschäftlichen Verkehr unterhalten. Die Generalversammlung war von 500 Genossenschaftsmitglledern besucht. „Juden ist der Zutritt verboten!" Aus Nürnberg: Die Gemeinderäte der mittelfränkischen Ortschaften Bertholdsdorf, Wollersdorf und Veitsaurach haben beschlossen, an sämtlichen Ortseingängen Tafeln mit der Inschrift anbringen zu lassen: „Juden ist der Zutritt verboten!" Für Juden gesperrte Ortschaften Aus München: Wie die „Eayrische Staatszeitung" berichtet, hat die Ortsgruppenleitung Elbersroth der NSDAP, folgendes verlautbart: Juden ist der Zutritt zur Ortschaft und den zur Ortsgruppe gehörenden Ortschaften verboten. Ebenso ist der Handelsverkehr mit Juden strengstens untersagt. Wer bei Juden kauft oder an Juden verkauft, ist ein Volksverräter, kann infolgedessen nicht mehr als Volksgenosse betrachtet werden und hat die daraus entstehenden Konsequenzen selbst zu tragen. Nur Arier im Reichsverband deutscher Schriftsteller Aus Berlin: Das Präsidium der Reichsleitung des Reichsverbandes Deutscher Schriftsteller beschloß, nur arische Schriftsteller als Mitglieder zu führen. Privatschulkonzessionen nur für Arier Aus Berlin: Nach einem Erlaß des Preußischen Kultusministers soll bei Anträgen auf Erteilung von Unterrichtserlaubnisscheinen oder deren Verlängerung sowie bei Anträgen auf Erteilung einer Privatschulkonzes- Rasiere dich besser! 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Ferner sind in sämtlichen Abschlußprüfungen diese Stoffe für jeden Schüler zum pflichtmäßigen Prüfungsgebiet gemacht worden, von dem niemand befreit werden darf. Der Minister behält sich vor, sich durch besondere Beauftragte bei den Reifeprüfungen von der geleisteten Arbeit und dem Prüfungsergebnis zu überzeugen und bei unzureichendem Ergebnis nötigenfalls die Prüfung dieser Gebiete wiederholen zu lassen. Dieser Erlaß besagt u. a., daß auch jüdische Kinder, sofern sie noch die Schulen besuchen können, Rassenunterricht hakenkreuzlerischer Art werden durchmachen und Prüfungen in diesem Gegenstand werden absolvieren müssen. Das jüdische Kind wird über Befragen erklären müssen, daß seine Eltern und Vorfahren einer minderwertigen, schmutzigen Rasse angehören und daß verseuchtes Blut in seinen Adern fließt. So steht es in den Lehrbüchern und so sagt der Lehrer. Wenn das Judenkind anders antwortet, fällt es bei der Prüfung durch . » « Die religiösen Zionisten in Aufruhr Misrachi in schärfster Opposition zur zionistischen Exekutive — Misrachistische Vertreter treten aus der Leitung des Keren Hajessod (Aufbaufonds) aus — Der Austritt aus der zionistischen Organisation in Erwägung gezogen Die freidenkenden Schöpfer des politischen Zionismus, Theodor Herzl und Max Nord au, bekannten sich zu dem Grundsatze, daß es für den Zionismus lebensnotwendig ist, in inniger Verbindung mit den religiös fühlenden Massen zu bleiben. Um diese Verbindung aufrechtzuerhalten, ist es erforderlich, alle Einrichtungen der zionistischen Organisation so zu gestalten, daß der Jude ohne Preisgabe seines religiösen Empfindens an ihnen teilnehmen kann. An diesem Grundsatze haben die verantwortlichen' Zionisten bisnun festgehalten und demgemäß die Fraktion der thoratreuen Zionisten „Misrachi" als Uberaus wertvollen Bestandteil der Weltorganisation betrachtet und behandelt. Unter den vielen Sünden, die der letzte Kongreß, beziehungsweise seine Majorität gegen den Zionismus begangen hat, ist eine der schwersten die, daß das Verhältnis zum Misrachi schwer erschüttert. wurde. Die poale-zionistische Klassenkampfpartei, welche den Kongreß beherrschte, hat unter Mithilfe der ihr völlig ergebenen Gruppe der „radikalen" Zionisten dem Misrachi eine Behandlung angedeihen lassen, die von diesem als unerträglich empfunden wurde. Vor allem wurde dem Misrachi mitgeteilt, daß der Fuhrer der misrachistischen Weltorganisation und ihr bisheriger Vertreter in der Exekutive, H. Färb stein, nicht mehr gewählt werden dürfe, weil die Poale-Zionisten und ihre engsten Freunde mit diesem Manne nicht zusammen sitzen wollen. Es ist schwer, dieses gegen alle parlamentarischen Regeln verstoßende Vorgehen genügend zu charakterisieren, um so schwerer, als es gegen die große misrachistische Partei und gegen einen der ältesten und bewährtesten Vorkämpfer des Zionismus gerichtet war. Jedenfalls hat dieser Zwischenfall allein genügt, den anderen Parteien die Lust zu benehmen, mit den Linken und ihrem Anhang in eine Leitung zu gehen. Der Führer der Allgemeinen Zionisten Polens, Abgeordneter Dr. Oslas Thon, schreibt zur Begründung der Ablehnung im Warschauer „Hajnt": „Der Kongreß wurde von den Linken teilweise zu einem Tribunal und teilweise zu einem Adelskasino gemacht . . . Die Parlamentarier der Linken wollten sich, wie in einem Gesellschaftsklub, die Kollegen heraussuchen, mit denen sie zusammensitzen wollen . . . Letzten Endes konnten die Linken auf dem Kongresse , siegen', well die anderen Partelen offene Skandale auf dem Kongreß verhüten wollten." Und der Präsident der Allgemeinen Zionisten Oesterreichs schreibt in der Wiener „Stimme"; »Hier scheiterte die Einigung, weil die Linke erklärte, unter keinen Umständen Farbstein als Mitglied der Exekutive zu wählen. Färbstein war eben der Mann, der sich mit Entschlossenheit für den Mittelstand einsetzte, und das haben offenbar die Poale-Zionisten nicht vertragen." Wenn allgemeine Zionisten so urteilen, so ist es gewiß nicht verwunderlich, wenn der direkt betroffene Misrachi empört Ist und jede Verbindung mit der neuen Leitung ablehnt. Aber über diesen Vorfall, welcher die personelle Zusammensetzung der neuen Regierung betraf, hinaus, hat die Art der sachlichen Behandlung der von misrachistischer Seite gestellten grundsätzlichen Anträge zu einem bösen Ende führen müssen. Vor Eingang in die Diskussion über die Bildung der Leitung brachten die Misrachlsten erst im Permanenzausschusse und dann in der Vollversammlung des Kongresses eine Reihe von Anträgen vor, mit der Erklärung, daß die Erledigung derselben als Bedingung für die weitere Mitarbeit des Misrachi und seiner Beteiligung an der neuen Leitung anzusehen sei. Die Erklärung des Misrachi und seine Anträge beinhalten im wesentlichen folgendes: „Die religiöse Zügellosigkeit in Erez Israel und die Entweihung des Sabbath und der jüdischen Feiertage, die eine tägliche Erscheinung in unserem heiligen Lande ge- COMPASS TOURS WIEN NEW YORK PARIS IX, Spitalgasse 3, Tel, B-42-5-38 6. Gesellschaftsreise nach Palästina 1. November 1933 - Sonderfahrt mit dem Luxus-Expreßdampfer »VULCANIA« (36.000 Tonnen) über Rom, Neapel, Athen Auskünfte und Anmeldungen: Wien IX, Spitalgasse 3 Telephon B-42-5-38

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