Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 315 (20.9.1933)
- Date
- 1933-09-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 313 Seite 7 Brief ans der Tschechoslowakei Brünn, 12. September. Mit den Ergebnissen des Kongresses ist hier niemand xufrieden. Vielen alten Zionisten ist geradezu die Lust vergangen, sich an der zionistischen Arbeit weiterhin zu beteiligen. Nur die Erwartung, daß die jüdischen Massen —- durch den Mißbrauch des Kongresses als Instrument des Hasses der Linken gegen die Opposition aufgeklärt — bei der nächsten Wahl die richtigen Konsequenzen ziehen Worden, kann die alten Kämpfer für die zionistische Bergung veranlassen, ihre Arbeit fortzusetzen. Besonders empört ist man über die taktlosen Bemerkungen des Mitgliedes der Exekutive und linken Führers Bert Locker, welche sich auf die Nationalfondsarbeit der revisionistischen Gruppen beziehen, da die Tätigkeit dieser Gruppen für den Fonds in der Tschechoslowakischen Republik geradezu vorbildlich war. Die Genossen und Mitläufer Lockers haben in ihrer Wahlpropaganda beständig behauptet, daß die revisionistischen Gruppen die Fonds gefährden. Offenbar hatten auch sie daran vergessen, daß man vor kurzem ihre Leute auffordern mußte, ihren Pflichten gegen den Nationalfonds nachzukommen. Das Protokollbuch der Brünner Nationalfonds-Kommission kann jederzeit als Beweis dienen! Ueber die Haltung der Judenstaatspartei gibt es nur eine Stimme: Man ist mit ihr restlos zu* frieden. Dieses Lob kann man von Zionisten verschiedenster Richtung hören und es besteht daher kein Zweifel, daß diese Partei in der Tschechoslowakischen Republik ihre Anhänger finden wird. Die linke Presse hat beim Kongreß nichts gelernt 8o wie sie vorher die Arlosoroff-Affäre zu Pauschal- Verdächtigungen mißbrauchte, so tut sie es auch nach dem Kongreß. Man glaubte, daß die Einsetzung einer Untersuchungskommission ein anständiges Benehmen dieser Presse zur Folge haben werde. Man hat sie tiberschätzt. Die Hetze geht weiter, allerdings mit dem Erfolg, daß die Stimmung gegenüber der linken Presse und der Linken selbst von Tag zu Tag ablehnender wird. Die Herren Sieger im Wahlkampfe liegen einander übrigens tüchtig in den Haaren. Zunächst behauptete die Poale Zion, sie hätte die Schlacht gewonnen. Dann stellte die „Arbeitsgemeinschaft der Zionisten-Sozialisten" die gleiche Behauptung für ihre Gruppe auf. Es ist bekannt, daß sich in dieser Gruppe noch viele Menschen befinden, welche sich einst der den Klassenkampf ablehnenden Hitachduth zuzählten, und die dann, gegen ihre Ueberaeügung, durch den Ic&ud-Beschluß_von Danzig in. die Mesalliance mit der Poale Zion gedrängt wurden. So erklärte in Prag der Parteisekretär Dr. Tartakower bei einer Zusammenkunft der Zionisten-Sozialisten, daß die vereinigte Partei die „Arbeitsgemeinschaft" als ihren Integrierenden Bestandteil erachte. Die Poale Zion habe sich als organisatorisch unfähig gezeigt. Sie, sei bedeutungslos, sowohl im Leben unseres Staates als auch im tschechoslowakischen Zionismus. Ein zweiter Redner erklärte sich — so berichtet die linke Presse — für eine einheitliche Arbeit mit allen national jüdischen Elementen. Das entspreche nicht dem Geiste des Danziger Ichud! Es ist ja nichts Neues, daß die Poale Zion in nationalen Dingen versagt. Neu ist . nur die Tatsache, daß sie es so offen zugibt. Die Riesenblamage der Linken in der deutschen Boykottfrage kommt in einem Artikel „Mut zur Feigheit" des „Genossen" Joel Brenner in eindeutiger Weise zum Ausdruck. Es heißt dort: „Es handelte sich um zwei Fragen: Protest oder nicht, Boykott oder nicht. Bei der zweiten Frage war es erklärlich, daß bei ihrer Beantwortung auch das Problem der Ausfuhr jüdischer Vermögen aus Deutschland im Kompensationswege gegen Abnahme deutscher Waren durch Palästina mitentscheidend war. Die Arbeiterschaft trägt im Herzen gewiß den stärksten WiderwUlen gegen solche Verhandlungen mit der Hitler-Regierung. Aber die Geschichte wird einmal ihren Mut zur Feigheit gutheißen usw." Die zionistische Oeffentlichkeit wird diesen „Mut zur Feigheit" niemals zur Kenntnis nehmen, geschweige denn gutheißen. Die Namen der Unterhändler werden Uber kurz oder lang ans Tageslicht kommen und sie werden Rechenschaft darüber abzulegen haben, daß sie gegen den einmütigen Willen der jüdischen Massen gehandelt haben. Die linke Presse, in Verlegenheit, wie sie über „ihren" Kongreß Gutes berichten könnte, meint, wenn er nichts geleistet hätte, als gewisse Disziplin arparagraphen durchzusetzen, so wäre dies allein ein hinreichender Erfolg. Die „demokratischen" Linken, welche die Freiheit des Denkens gepachtet haben, freuen sich also darüber, daß der Sinn des Zionismus durch die Annahme Von Hausknechtsparagraphen gefälscht worden Ist. Uebrigens haben Motzkin, Nahum Goldmann und Stephen Wise, um nur einige Namen zu nennen, bei der jüdischen Weltkonferenz in Genf für den Boykott gestimmt, obgleich die Majorität des Zionistenkongresaes den Boykott ablehnte. Werden die neuen, strengen Disziplinarbestimmungen vielleicht gegen diese drei Führer zum erstenmal in Anwendung gebracht werden? Oder sind sie nur gegen eine gewisse Opposition anwendbar? Zipp. Die Vereinigung der zionistisch-revisionistischen Jugend gratuliert herzlichst ihren Freunden und Gönnern im Altersheim des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft Seltene Gelegenheifslf aufe: für sparsame Hausfrauen, Wirte, Hoteliers etc. Verkauf — soweit Vorrat Kaffeemühle mit Messingtrichter . . . . S 2.90, Bröselmuhle m. Doppelreiher, weiß oder blau lackiert . S Wassereimer, feuerverzinnt 26 cm.......S Mop (Wollbesen) mit langem Stiel S 3.90, Handmop S Fleischmaschine, Standard Nr. 5, verzinnt . . . . 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Der Premier MacDonald hingegen hat nooh nicht ein protestierendes Wort gefunden gegen die schändlichen Taten, die nicht nur an Juden, sondern auch an Liberalen, Katholiken und an allen jenen verübt werden, welche anders denken als die bewaffneten Banken, die jetzt Deutschland regieren. „Wir sehen eine Verleugnung des Christentums, und eine Wiederaufrichtung, des Götzen Odin, und wir schweigen. Frankreich, Amerika und England müßten jenen, die die Freiheit mit Füßen, treten, jede Freundschaft kündigen. Die demokratischen Völker der westlichen Zivilisation stehen vor der größten Krise seit der französischen Revolution.'* Verfolgung jüdischer Flüchtlinge in England Aus London: Vor kurzem wurden von einem Londoner Polizelgerioht drei Juden aus Deutschland zu je drei Monaten Gefängnis und nachfolgender Landesverweisung verurteilt, weil sie ohne formelle Einwanderungserlaubnis nach England gekommen waren. Gegen dieses Urteil wurde nunmehr Berufung eingelegt. Der Präsident des Jewish Board of Deputies Neville Laski und der Präsident der Anglo- Jewish Association Leonard G. Montefiore haben die Bürgschaft für die verurteilten Flüchtlinge übernommen. Neville Läski gab die Erklärung ab, daß kein jüdischer Flüchtling aus Deutschland der öffentlichen Wohlfahrt zur Last fallen würde. Die jüdischen Einwanderer würden selbst für ihren Unterhalt aotfteft.