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Die neue Welt · 1933-09-20 · Heft 315 (20.9.1933) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 315 (20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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' Seit« * DIE NEUE WELT Nr. 315 trüJer Schiffmann IL Täborsttaße 48 fratu/t'eren äffen Kundin, Verwandten und Bekannten tum neuen Jahr Zwei Kultursymptome Dr. Stephen Wise, der Vorsitzende der Genfer Jüdischen Weltkonferen«, konnte während der Schlußsitzung zwei Kultursymptome festhalten, die von Hitler« Deutschland und seinen Jungem einerseits und von nationaljüdischer Haltung andererseits Wesentliches aussagen. Dr. Stephen Wise stellte in seiner Hede fest: „Ich habe in meinem Besitz einen Brief, den ein Mitglied des Reichstages an einen der vornehmsten Geister Deutschlands gerichtet hat, an einen Mann, dessen Bedeutung für Deutschland unvergänglich Ist. Dieser große Emigrant befindet sich mir Zeit in Frankreich. Der in Rede stehende Brief zirkuliert dieses Jahr In hunderten großen Kirchenversammlungen Amerikas und enthält u. a. folgenden Passus: „Hitler ist unser großer, wahrer Messlas, mit dem der kleine dumme Juden- Junge, der Messias der Juden, überhaupt nicht zu Vergleichen ist." Nun das zweite Kultursymptom: In der Schlußsitzung der Jüdischen Weltkonferenz kam es zu einem eigenartigen Zwischenfall. Dem Präsidium wurde mitgeteilt, daß sich im Saal ein Vertreter der nationalsozialistischen Zeitung „Völkisoher Beobachter" befinde. Es war ein Herr Herbert, der ständige Berichterstatter des „Völkischen Beobachter" in Genf, früherer österreichischer Offizier, gebürtig aus Transeylvanien und jetzt rumänischer Staatsbürger. Infolge der schwachen Kontrolle am Saaleingang hatte er sich ohne Eintrittsbillett in den Saal eingeschmuggelt. Darauf erklärte Stephen Wise von der Tribüne: „Wenn ich mich unbemerkt auf dem Nürnberger Parteifest der Nationalsozialisten eingeschmuggelt und man mich dort gefunden hätte, so wäre ich gelyncht worden, man hätte mich in Stücke gerissen. Bei uns ist es anders. Sie können ruhig sein, Sie sind hier in Sicherheit, es wird Ihnen nichts geschehen. Aber eines fordern wir von Ihnen: Sagen Sie die Wahrheit über das, was Sie hier, gesehen haben." Nach diesen Worten verließ Herbert den Saal, ohne daß er von irgend jemand beleidigt oder belästigt worden wäre. Die Blätter, welche den Vorfall meldeten, enthielten sich jedes Kommentars, Wir folgen diesem Beispiel. Die Patabel von den drei Ringen In Berlin wurde mit Genehmigung der preußischen Regierung der „Kulturbund deutscher Juden" gegründet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die künstlerischen und geistigen Bestrebungen der Juden in Deutschland zu pflegen. In einer unter dem Vorsitz des geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes Dr. Kurt Singer, ehemaligen Intendanten der Berliner städtischen Bühnen, abgehaltenen Pressebesprechung setzten der Vorsitzende und der ebenfalls dem Vorstand angehörende Kritiker und Dramaturg Julius B ab die allgemeinen Ziele und nächsten Aufgaben des Bundes, auseinander. Es sei beabsichtigt, zunächst in Berlin eine Theatergemeinde zu schaffen, deren Mitglieder Anspruch auf monatlich einmaligen Besuch einer Theateraufführung, eines Konzertes und eines Vortragsabends haben sollen. Es soll ein eigenes Schauspiel- sowie ein Opernensemble, durchwegs aus jüdischen Künstlern bestehend, sowie ein Orchester geschaffen werden. Die Theateraufführungen (Schauspiel und Oper) sollen in einem zu pachtenden Theater täglich stattfinden. Bei der Auswahl der zur Aufführung gelangenden Stücke sollen neben allgemein künstlerischen Gesichtspunkten auch die Notwendigkeit der Förderung jüdischer Künstler und das Bedürfnis des jüdischen Publikums nach Darstellungen, in denen jüdische Stoffe behandelt werden, Berücksichtigung finden. Für die musikalische Leitung der Oper wurde ..der ehemalige Generalmusikdirektor des Mannheimer Nationaltheaters, Josef Rosen stock, gewonnen, der auch als Komponist bekannt ist und fünf Jahre lang an der Metropolitan Opera In New York tätig war. Zwei Propaganda-Veranstaltungen, in denen das jüdische Publikum Uber die Ziele des Kulturbundes informiert wurde, haben gezeigt, daß dieser auch gesellschaftliche und soziale Motive hat. Es konnte aber auch ichon die Verlegenheit über den Begriff „jüdisch" festgestellt werden. Herr Julius B ab, einer der Leiter, aus der liberal-assimUatoriscben Sphäre kommend, hat telbst den Sinn des Kulturbünde» mißverstanden. In seinem Referat erzählte er von den einstigen und frühen Leistungen des jüdischen Geistes auf deutlichem Gebiet, als ob es darauf ankäme, sich auf Vergangenes zu berufen. Nein, jüdisch heißt hier: Sich als Juden zusammenschließen und als Juden Kulturgüter empfangen, ob sie nun von Juden oder NichtJuden geschaffen wurden. Wenn Herr Bab Lewings „Nathan der Welse" als Eröffnung der Jüdischen Bühne angekündigt hat, so können wir nur sagen, daß es uns hier nur um ein dichterisches Schauspiel geht, nicht etwa um die — Parabel von den drei Ringen, die wir etwa den heutigen Deutschen unter die Nase reiben wollen. Es kann nicht nach der großen Erschütterung und — hoffen wir — Besinnung der deutschen Judenhelt darum gehen, daß der Kulturbund etwa wieder zu Illusionen führen will, mit denen das nationalbewußte Judentum aufgeräumt hat. Der Kulturbund muß alle liberal-assimilatorischen Tendenzen und Mäntelchen abstreifen, muß bewußt jüdische Haltung zeigen, wenn er lebensfähig bleiben will. Antireligiöse Kampagne in Sowjetrußland Aus Moskau wird berichtet: Der Oberste Rat der Handwerkerkooperative für die Sowjetunion hat be«. schlössen, anläßlich der bevorstehenden hohen jüdischen Feiertage eine umfangreiche antireligiöse Kampagne durchzuführen. Es sollen in diesen Tagen überall Handwerkerversammlungen veranstaltet werden, in denen Fragen der Verbesserung der technischen Produktion und der gewerblichen Kooperative besprochen sowie der Kampf gegen das „religiöse und chauvinistische Gift" proklamiert werben sollen. Am ersten Tag des jüdischen Neujahrsfestes sollen die Versammlungen in den einzelnen Ortschaften beginnen, innen sollen Kreisversammlungen und Delegiertenversammlungen für ganze Republiken folgen. Diese sind für den Versöhnungstag angesetzt. Die Tageszeitung „E m e ß" bemerkt hiezu, daß sich die ehemaligen jüdischen religiösen Funktionäre mehr als jemals unter die Handwerker und Mitglieder der Produktivgenossenschaften mengen. Man müsse daher die, Zehntausende jüdischer Handwerker und Genossenschaftsmitglieder über das wahre Wesen dieser Leute aufklären. In Moskau steht die Durchführung der antireligiösen Kampagne anläßlich der jüdischen Feiertage unter der unmittelbaren Leitung des städtischen Komitees der kommunistischen Partei. Es wurde ein Programm aufgestellt, demzufolge in allen Betrieben mit einer größ eren Zahl jüdischer Arbeiter antireligiöse Vorträge und Diskussionen, zunächst für jede Belegschaft besonders, und sodann in allgemeinen Betriebsversammlungen abgehalten werden sollen. Gleichzeitig wird eine großzügige antireligiöse Propaganda von Mann zu Mann durchgeführt. An den Tagen der hohen jüdischen Feste werden Exkursionen im a n t i r e 1 i g i ö s e n M u seu'm veranstaltet. In sämtlichen zehn Bezirken der Stadt %erden 'Massenfelern mit antireligiösem Prograrcan abgehalten. Zu' K o l N i d r e sind Massenversammlungen in den beiden größten Sälen der Stadt vorgesehen. Ferner soll für die massenhafte Verbreitung einer besonderen antireligiösen Proklamation und antireligiöser Literatur gesorgt werden; * Im Zuge der antireligiösen Kampagne hat das weiß russis che Zentralkontrollkomitee scharfe Maßnahmen gegen die jüdische Gemeinde Neu-Belize ergriffen. Das herkömmliche Erheben von Beerdigungsgebühren durch die Chewra Kadlscha wurde vom Zentralkomitee dahin interpretiert, daß man von Arbeitern Geld erpresse und die Angehörigen Verstorbener zwinge, ihre Toten nach den religiösen Vorschriften beerdigen zu lassen. Auf Anordnung des Zentralkomitees wurden die drei Vorstandsmitglieder der Chewra Kadischa. Ber Krawzow, Leib Felgin und Mosche Kutikow verhaftet und sollen vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden. Der jüdische Friedhof wurde enteignet und der Stadtverwaltung übergeben. Eine jttdische Zeitung, die zu Bosch Haschanah und Jörn Klppur erscheint Aus Warschau: Die in Warschau erscheinende „Volkszeitung", das Organ des jüdisch-sozialdemokratischen „Bund", kündigt' an, daß sie in diesem Jahre auch zu Rosch Haschanah und Jörn Kippur erscheinen wird. Es ist dies der erste Fall außerhalb Sowjetrußlands, daß eine jüdische Zeitung an den hohen Feiertagen Ausgaben veranstaltet. Nahum Sokolow als Gast des Präsidenten Masaryk Aus Prag: Der Präsident der Zionistischen Organisation Nahum Sokolow wurde vom Präsidenten Masaryk in dessen Sommerresidenz Topolcianky in längerer Audienz, die sehr herzlich verlief, empfangen. Von Topolcianky begab sich Sokolow zum Kuraufenthalt nach Bad Pistyan. Am folgenden Tage ließ Präsident Masaryk an Sokolow die Einladung ergehen, bei ihm das Weekend im Familienkrelse zu verbringen. Sokolow folgte mit seinen Töchtern, unter ihnen Dr. Ceilna Sokolow, der Einladung und wellt gegenwärtig in Topolciahky, wo sich zur Zeit auch der tschechoslowakische Gesandte In London, Jan Masaryk, der Sohn des Präsidenten, und der tschechoslowakische Gesandte in Paris, Stephan Ocinsky, aufhalten. Sokolow hatte Gelegenheit, mit Präsident Masaryk verschiedene wichtige Fragen des Judentums und des Zionismus zu erörtern. Gratulation der //lüdisdien KumfsMIe" Die Jüdische Kunststelle, Wien, IL, Aspernbrückengasse 2, Tel. R-48-3-M, wünscht allen Mitgliedern, ein genußreiches Theaterjahr. . BRITH TOUHPEIPOP OlSTiPPiKH Samstag, den 23. September 8 Uhr adends im Festsaale des alten Rathause« Wien I; Wipplingerstraße 8 öffentliche der Landeskonferenz des österr. Betar Es sprechen: Dr. S. Lazarowicz Mitglied des zion. A. C. (Czemowltz) J. GOldStein Naziw Betar 1. „Nach dem Kongreß" 2. „Sinn und Weg des Betar« Von der Judenstaatepartei Die Leitung der Judenstaatspartei in der Tschechoslowakei (Sonderverband der demokratischen Zionisten-RevlaionlBten) gibt bekannt: Am Ä4. d. M. findet in Frößnitz eine Zusammenkunft der Freunde der Juden Staatsp artet In der C. S. R. statt. Die Besprechungen beginnen um 10 Uhr vormittag im Bethhaam und dürften den ganzen Tag dauern. Tagesordnung: 1. Begrüßung und Eröffnung. — 2. Melr Großmann: Die Aufgabe der Judenstaatspartei. — S. Oskar Herl Inger: Bericht und Organisationsreferat. — 4. Wahl der Kommissionen. — 5. Jugendreferat. — 6. Bericht der Kommissionen. — 7. Wahlen. An dieser Landesberatung werden alle Vertrauens« leute des Sonderverbandes der demokratischen Zionisten- Revisionisten in Böhmen, Mähren-Schlesien« Slowakei und Podltarpatska Ras, und eine Reihe von Gesinnungsgenossen, welche sich nach dem Kongreß der neuen Juden« staatspartel angeschlossen haben, teilnehmen. Gäste mögen sich melden bei Gg. Oskar Herlingor, Mor.- Ostrava, VH., Tf. republikanska 67, oder Gg. Dr. S. Knebel, Prostejov, Komenskeho 4, und sind herzlichst willkommen. Um 8 Uhr abends spricht Herr Melr Großmann» Vizepräsident des Aktionskomitees der Zion. Organisation, Mitglied der Exekutive der Judenstaatspartei, Generaldirektor der Bank Lehityasvuth Amarait Beoretz-Israel In Tel-Awlw, im Rahmen der Konferenz im großen Saale des Beth-Haam Uber den 18. Z i o n i s t e n k o n g r e ß und Uber die neue Judenstaatspartei. — Aus Wien werden die Herren Oberbaurat Ing. Robert Stricker und Fritz Richter an der Konferenz teilnehmen. Außerordentliche Generalversammlung Samstag, am 23. September halb 9 Uhr abends, findet im Heime, II., Untere Augartenstraße 38, eine außerordentliehe Generalversammlung der Union der Zionisten-Revisionisten statt* Tagesordnung: Aenderung der Vereinsbezeichnung. Erscheinen der Mitglieder ist Pflicht! Lichtheim geht nach Palästina Aus Berlin: Der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Zionisten-Revisionisten (Judenstaatspartei), Herr Richard Licht heim, hat vor einigen Tagen Deutschland verlassen, um nach Palästina zu fahren und sich dort ständig niederzulassen. Er wird Ende des Monats dort eintreffen. GESClß^ m 0/6 fttfffi UAfJf( ELSA mN >~ft£Z p**k.P*w*ia — Ein Besuch Im Atelier Else Ackermann bereitet erlesensten Genuß. Die im Palais Dräsche (Heinrichshof, vis-ä-vis der Oper) mit ausgewähltem Geschmack eingerichteten, musealen Charakter tragenden Säle bezeugen den hervorragenden Kunstsinn der Inhaberin. Schon in den ersten Jahren nach dem Kriege, als insbesondere Amerika alle Erzeugnisse des Wiener Kunstgewerbes aufkaufte, hat sie es verstanden, sich durch die Propagierung der Petitpointtasche auf allerfeinster Gaze in Uberaus geschmackvoller Zusammenstellung der Farbenschattierungen einen Uber die Grenzen Europa« reichenden Namen zu schaffen. Regierende Häuser, fuhrende Persönlichkeiten Amerikas haben Gobelins und Gobelinmöbel aus dem Atelier Ackermann bezogen. Konjunkturen des Tages verschmähend, die Kommerzialisierung und Entwertung der so begehrten V/iener Petit» pointtasohe verschmähend, hat es diese Firma verstanden, auch noch in der schweren Krisenzeit den Ruf vom erlesenen Geschmack ihrer Erzeugnisse zu wahren. Und immer wieder Überrascht dieses Atelier durch Neuschöpfungen. Hat früher die bestickte Kashatasche — allerdings vielfach kopiert, aber ohne daß die Feinheit des Originals erreicht worden wäre —, den Siegeszug aus dem Atelier Ackermann angetreten, so ist es jetzt der Abendhandschuh in feinstem Filet und clea herrlichsten Farbentönen, der sich den Beifall aller Kenno»

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