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Die neue Welt · 1933-09-20 · Heft 315 (20.9.1933) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 315 (20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 315 DIE NEUE WELT Seite 3 Sie wird nach den strengen Prinzipien eines gesunden kommerziellen Unternehmens geführt und wahrt die Interessen jener, welche ihr als Aktionäre oder Einleger Geld anvertraut haben. Sie gibt Kredite nur gegen ausreichende Garantie. Die Tatsache, daß die Gründung der Bank unter Mithilfe und Beteiligung von vier der führenden palästinensischen Gc ho ssen schaftsbanken erfolgt ist, beweist dje Notwendigkeit dieses Instituts und gibt die Gewähr für streng sachliche Leitung. Die Volks-Siedlungsbank wird möglichst kleine Zinsen nehmen (ungefähr 7 Prozent pro anno) und langfristige Anleihen (bis zu zehn Jahren) gewähren. Sie wird jedes Gesuch Individuell prüfen. Die Einzeldarlehen werden in den ersten Jahren den Höchstbetrag von 250 Pfund nicht übersteigen. Konstruktion und Kapital der Volks-Siedlungsbank Die Volks-Siedlungsbank in Palästina ist durch die Palästina-Regierung am 21. Juni 1933 registriert worden. Ihr Büro befindet sich in Tel-Awiw, Rothschild-Allee 12. Es wurden vorerst 20.000 Aktien zu je 1 Pfund ausgegeben. Die Erhöhung des Aktienkapitals in den nächsten Jahren auf mindestens 100.000 Pfund ist geplant, 25 Prozent der ersten Serie wurden bei der Gründung fest übernommen. Die Aktien sind in drei Kategorien geteilt: Grunderaktien, gewöhnliche Aktien und Vorzugsaktien. Auf die Vorzugsaktien entfällt eine fixe Dividende von 4 Prozent. Die Dividende der gewöhnlichen Aktien ist unbegrenzt und kann auch mehr als 4 Prozent betragen. Diese Dividende wird erst dann ausbezahlt, wenn die Besitzer der Vorzugsaktien befriedigt sind. Nur 50 Prozent der Gründungsaktien dürfen im Ausland verkauft werden. Ein Drittel der Gründungsaktien wurde an sechs der größten Genossenschaftsbanken in Palästina, welche zusammen Uber 100.000 Mitglieder zählen, abgegeben. Die Volks-Siedlungsbank hat gemäß ihren Statuten das Recht, alle Bankgeschäfte durchzuführen. Sie wird folgenden Geschäftszweigen ihr Hauptaugenmerk zuwenden: a) Geschäfte einer Hypothekenbank zu fuhren, b) Ausgabe von Obligationen auf unbewegliche Güter, c) Kauf und Verkauf von Boden in Palästina und Vorbereitung des Bodens für die Kolonisation. Die Bank hat das größte Betätigungsfeld vor sich, denn sie ist das Produkt gesunder konstruktiver Initiative. Sie kann daher mit Sicherheit auf die Beteiligung breiter Schichten in Palästina und in der Galuth rechnen. Gibt es doch keine bessere Form, um dem kleinen Farmer in Palästinn zu helfen, als ein Institut dieser Art. Die Bank gibt aber vielen Juden in der Galuth die Möglichkeit einer Verbindung mit dem jüdischen Palästina, die sie bisher vergeblich angestrebt haben. Wer Aktien der Bank erwirbt, der schenkt nicht, gibt keine Spende, sondern beteiligt sich an einem gesunden, nützlichen Unternehmen in Palästina, das eine nationale Aufgabe erfüllt, gleichzeitig aber auf rein geschäftliche Art geführt wird. Wer Aktien der Volks-Siedlungsbank erwirbt oder seine Depositen dieser Bank anvertraut, hilft nicht nur anderen, in Palästina zu baüen. Er schafft damit sich, fUr seine Zukunft, für die Zukunft seiner Kinder im Lande. Die Leitung der Bank Der provisorischen ersten Leitung der Bank gehören u. a. an: Als geschäftsführender Direktor Meir Großmann, Obmann der Judenstaatspartei, der Führer der allgemeinen Zlonisten Palästinas Jehoschuah Supraski, I. Rabhiowitsch (Hypothekenbank in Palästina), S. Rappaport (Volksbank), D. Sirkis (Misrachibank), J. L. Kahanowititsch (Handwerkerbank). Geschäftsstellen in Palästina und in der Galuth Die Zentrale der Bank befindet sich in Tel-Awiw, Rothschild-Allee 12. Geschäftsstellen werden demnächst in den wichtigsten Städten Europas und Amerikas eröffnet. Bis zur Bekanntgabe dieser Adresse erteilt die Verwaltung unseres Blattes gerne Auskünfte an alle, die Aktien erwerben oder in sonstige Beziehungen zur Bank treten wollen. K OCHSCHULE TAGES- UND ABENDKURSE O F R A N E K Wien I, Schotteng. 3. Tel U-25-708 RUNDSCHAU Der Hebe Gott und der Herr Rektor Die Juden Ungarns sind hocherfreut. Ministerpräsident Gömbös, dereinst. Führer ider radikalantisemitischen Rassenschützer, dessen Ernennung zum Regierungschef gemischte Gefühle auslöste, rUckt in Worten von seiner antisemitischen Vergangenheit ab. So hat er kürzlich in einer Rede mit Bezug auf den Hitler-Antisemitismus folgendes gesagt: „Dürfen wir uns jetzt, da unser so große nationale Aufgaben harren, den Parteihader gestatten? Dürfen wir es uns gestatten, zwischen Ungar und Ungar nach konfessionellen Gesieht.spunkten Unterschiede zu machen, wo ja jeder Ungar Gott dem Herrn gleich liebist? Man versucht, in unserem Lande mit dem offiziellen Abzeichen einer fremden, von mir hochgeschätzten Nation Propaganda zu machen. Uns kann eine Politik, die aus der Fremde gebracht wird, nicht lieb sein und nicht zusagen, aus dem einfachen Grunde, weil wir sie ja gar nicht begreifen." Die Freude über diese schöne Nachricht wurde aber durch eine gleichzeitig veröffentlichte etwas getrübt. Die zweite Nachricht besagte, daß die Budapester medizinische Fakultät von 60 jüdischen Bewerbern nur 7 für das kommende Semester neu aufgenommen hat. Gleichzeitig wurden 158 nichtjüdische Hörer an der Fakultät inskribiert. Man hat also jetzt viel weniger Juden aufgenommen als in früheren Jahren, weit weniger als dem Numerus clausus, der Verhältniszahl, entspricht. Vorläufig gilt also in Budapest nicht der Wille des lieben Gottes, der nach Gömbös auch die ungarischen Juden liebt, sondern der Wille des Herrn Rektors, der die ungarischen Juden weniger lieb hat. Parias fürs Geschäft Daß der freie Geist des Menschen und des Künstlers liazi-Deutschland meidet, dafür gibt die Tagesgeschichte Beispiele. Man erinnert .sich daran, daß der bekannte deutsche Dirigent Wilhelm Furtwängler als neuernannter preußischer Staatsrat den Versuch machte, die großen Virtuosen arischen und nichtarischen Geblüts nach Deutschland einzuladen und dabei Schiffbruch litt. Vornehmlich die Absagen der deutsch-arischen Kapazitäten Adolf und Fritz Busch und Toscaninis machten Sensation. Nun erfahren wir, daß Furtwängler sich an den Juden Bronisiaw Hubermann gewendet hat, er möge den Anfang machen und als erster die „trennende Wand" durchbrechen. Aber Hubermann, der kein Bekenntnis zum nationalen Judentum abgelegt hat, daher keinen volkhaften Gegensatz fühlt, schon Hubermann, der Pazifist und Paneuropäer, lehnt ein Auftreten im heutigen Deutschland ab. In der Einladung hieß es, „jeder wirkliche Künstler soll in Deutsch!and tätig sein". (Man weiß, daß die Konzertsäle für die hakenkreuzlerischen Dilettanten nicht gefüllt werden konnten.) Jetzt, heißt es sieb nach dem Geschäft umsehen, und da müssen jene herhalten, die man zu Menschen minderen Grades stempeln will. Hubermann hat in einem Brief an Furtwängler abgelehnt. Er denkt nicht daran, seinen Kollegen, den geistigen Führern Deutschlands, die heute im Ausland. leben müssen, in den Rücken zu'fallen. Er hat. prinzipielle, sächliche, menschliche, ethische Motive angeführt — vor allem das eine, daß ein Künstler, „der sich in seiner Menschenwürde mit Füßen getreten fühlt und offiziell zu einem Paria degradiert wird", die nötige künstlerische Hingabe an das Werk nicht aufbringen kann. Ja: Zuerst den freien, jüdischen und nicht jüdischen Künstler bespeien und ihn dann wieder zu sich zu bitten, damit er das Geschäft belebe — diese edle Vorgangsweise blieb den deutschen Pogromantisemiten vorbehalten. Der „Völkisdie Beobachter" und und die ziomsti§die „Rundschau" Die Münchener Ausgabe des „Völkischen Beobachters" befaßte sich in einem Artikel mit dem Problem der Auswanderung von Juden aus Deutschland. In dem Artikel wird ausgeführt: „Die Gesamtzahl der .deutschen* Emigranten wird auf 60.000 bis 70.000 geschätzt. Diese Zahl erscheint nicht hoch in Anbetracht der Auswandererzahlen früherer Jahre. Während unser Volk in früheren Zeiten durch die Auswanderung zahlreiche tüchtige Volksgenossen an das Ausland verlor, hat in diesem Jahre eine Auswanderung von Elementen eingesetzt, die für das wirtschaftliche und kulturelle Leben des deutschen Volkes ohne Bedeutung sind. Wenn die Emigration von 70.0 00 Juden und Judengenossen keinen anderen Vorteil böte, als an Stelle dieser Geflüchteten 70.000 tüchtige deutsche Volksgenossen in Lohn und Arbeit zu erhalten, dann wäre selbst eine gewaltsame Austreibung berechtigt gewesen. Warum sollen übervölkerte Staaten immer nur ihre Besten an das Ausland verlieren und überflüssige Existenzen behalten? Es wäre eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn die Vereinigten Staaten im Hinblick auf die Millionen tüchtiger Einwanderer aus Deutschland, die an der Entwicklung des Landes rühmlich Anteil genommen haben, auch einmal den „Ausschuß" übernehmen würden, zumal man dort von den Juden und Judengenossen noch eine gute Meinung hat. Man sollte amtlicherseits prüfen, ob sich die Anrechnung deutscher Einwanderungsquoten auf „deutsche" Juden und Judengenossen an . Stelle deutscher Auswanderer nicht durchführen ließe, womit allen Beteiligten gedient wäre." Hiezu bemerkt die «zionistische Berliner „Jüdische Rundschau": Diese Anregung des „Völkischen Beobachters" ist nach unserer Meinung sehr bemerkenswert. Wenn tatsächlich in Anbetracht der jüdischen Situation eine Einigung darüber erzielt werden könnte, daß die deutsche Emigrationsquote in die Vereinigten Staaten für Juden zur Verfügung gestellt wird, so wäre dies eine wichtige Erleichterung für die jüdischen Auswanderungsbedürftigen, Es wärerichtig, diese Anregung auf ihre „JÜDISCHE ELTERN!- Kauft Schulbücher für eure Kinder nur in der Jüdischem Buchhandlung Hermann Tudiner ECKETaborslr,>2 Lehrbücher für alle Lehianstalten in den richtigen Auflagen - auch antiquarisch - zu sehr mäßigen Preisen Spesenfrei« Ziitendung überallhin Verzeichnisse kostenlost Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 Durchführbarkeit zu prüfen. Wenn amerikanische Juden dieser Möglichkeit nachgingen, so würden sie den deutschen Juden einen besseren Dienst leisten als durch Proklamationen über Boykott, und andere Kampfmaßnahmen." Die Haltung der Berliner „Jüdischen Rundschau" wurde von uns wiederholt als würdig hervorgehoben. Die oben wiedergegebenen Auslassungen lassen aber leider die von uns gerühmte Würde vermissen. Es ist verständlich, daß ein unter grausamem Zwange stehendes Blatt die antisemitischen Schmähungen des „Völkischen Beobachters" übergeht und seinen Vorschlag rein sachlich behandelt. Was aber soll die Zurechtweisung der ame rikanischen Juden, die in diesem Zusammenhang so aussieht, als würde sie mit einem Seitenblick auf die Judenpeiniger um den „Völkischen Beobachter** erfolgen, förmlich, um ihnen zu gefallen. Die Juden in Deutschland haben in der entsetzlichen Situation, in der sie sich befinden, das Recht, zu schweigen. Und jeder achtet dieses Recht. Aber sie haben nicht das Recht, vom jüdischen Volke zu verlangen, daß es die Schmach des Hakenkreuzes schweigend tragen, schweigend und ohne Kampf über sich kommen lassen soll. Weil deutsche Juden — übrigens ganz unberechtigt — glauben, ein Protest des Weltjudentums könnte ihre Situation verschlechtern, soll dieses Weltjudehtum vor Hitler die Waffen strecken? Das hieße doch die arideren Völker direkt dazu anregen,: das Beispiel Hitler-Deutschlands zu befolgen, ihre Juden so zu behandeln, wie dieses Deutschland seine Juden; . weil es ja doch ganz gefahrlos ist, weil jüdischer Widerstand nicht zu befürchten, weil Judenschinden straffrei ist. Den deutschen? Juden ist nicht geholfen, wenn die jüdische Welt auf den Kanipf um Ehre und Sicherheit verzichtet. Damit ist ihnen nur geschadet. Aber wenn sie das'nicht einsehen wollen, sollten die«;jenigen, die so sprechen wie die „Jüdische Rundschau", zumindest bedenken, daß sie nicht allein auf der Welt sind. Es wäre würdelos und töricht, wenn die Juden-in anderen Ländern nicht kämpfen würden um ihre Ehre und ihre Sicherheit, gegen Hitler-Deutschland, gegen diese entsetzliche Seuche, die um sich greifen muß, wenn, ihr keine Grenzen gesetzt werden. Der Gedankengang, den die „Jüdische Rundschau" hier geht, ist nicht national, ist nicht zionistisch. Er führt zu assimilatorischem Denken und Handeln. COM PA S S TO URS NEW YORK WIEN IX, Spitalgasse 3 PARIS •6 Gesellschaft^ reise nach Pal äs t in a 1. November 1931 Sonderfahrt mit,dem Luxus-Expreßdampfer »Vulcama « (36.000 Tonnen) über Rom, Neapel, Athen Auskünfte und Anmeldungen: Wien IX, Spitalgässe 3 Telephon B-42-5-38

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