Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1933-09-15 · Heft 314 (15.9.1933) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 314 (15.9.1933)
Date
1933-09-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2711899-2711936--3926-2717346
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 314 SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX., Berggasse 19, Tel. A-17-5-99 u. A-16-9-34 Lieferant f ü r Heilanstalten Abteilungen für n^-Fletsch unter Aufsicht <les Ehrwürdigen Rnbbinntis <lor Tsr. Kultiisgemeinde Wien Autozusteilung kostenlos :: IX. Berggasse 15 / XVIII., Währingerstr. 97 | kämpfung der Arbeiter, die doch manch Gutes und Großes in Palästina geleistet haben. Wir bekämpfen die Auswüchse des Klassenkampfes, die Monopolstellung der Histadruth und ihres mächtigen Beamtenapparat es, den Versuch, den Arbeitsmarkt allein zu beherrschen, den reaktionären Charakter ihrer sozialistischen Politik, ihren Bund mit der n i c h tzionistischen Plutokratie. In diesem Ziele wollen wir jedoch nicht die Methoden des Brechens anwenden, sondern auf dem Wege der Schaffung eines Gegengewichtes, Erreichung von wichtigen Positionen im Lande. In dieser mehr als taktischen Frage liegt der Unterschied zwischen uns und den Jabotinsky-Revisionisten. Sechstens: Wir können uns nicht mehr mit dem sehr wichtigen Mittel der politischen Propaganda allein begnügen, wir besitzen ein ausgezeichnetes Wirtschaftsprogramm, wir wissen nicht nur, was wix wollen, sondern auch, wie es zu machen ist. Eine zionistische Partei, die keine Wurzel in Palästina geschlagen hat, ist heute zum Untergang verurteilt. Wir wollen nur Praktisches und Konstruktives in Erez Israel schaffen, Im allgemeinen ist unsere Aufgabe im Gegensatz zur Führerschaft unserer früherer Freunde die Basis des Judenstaatszionismus, d. h. Revisionismus, wir wollen diese nicht verschmälern, sondern verbreitern, wir wollen an uns neue Menschen heranziehen und nicht abstoßen. .„Halten Sie das Abkommen von Calais noch aufrecht?" Nein! Das Abkommen von Calais wurde in dem Augenblick gebrochen, als die Austrittler Sehekahm gekauft haben. Es ist kein Platz für zwei Organisationen vorhanden, die aus denselben Menschen bestehen, die einerseits der zionistischen Organisation angehören und die andererseits eine selbständige Organisation bilden. Wir sind Schekelzahler und werden eine Doppelbürger- Schaft nicht mehr dulden. „Welohes ist das Programm der Jud.enstaatszionisten für die nächste Arbeitsperiode?" Wir haben die Absicht,, unsere Leitung nach Erez Israel zu verlegen, und unsere Organisation gründlich auszubauen.. Wir wollen auch die in Palästina gegründete Siedlungsbank allseitig unterstützen» Wirerhielten zu den letzten Kongreß wählen ungefähr 15,000 Stimmen, und das gibt uns Zuversicht für die weitere Arbeit. Wir haben auch zahlreiche Jugendorganisationen, darunter den „Brith' Hakanaim", welcher bereits gut entwickelt ist und zirka 4000 Mitglieder zählt. Wir erwarten einen Zustrom von Freunden, die immer unser Programm billigten, die aber durch gewisse Elemente vom'Anschluß an uns zurückgehalten wurden. Wir haben keine Absicht, unsere früheren Freunde in irgend einer Weise zu bekämpfen. Es wird keinen Krieg zwischen uns geben. Wir haben unser Programm und unsere Uebe.rzeug u n g e n und werden für dieses Programm werbW, Die Juden§taaf§partei auf dem Kongreß Außer den bereits veröffentlichten Erklärungen und Resolutionen in verschiedenen Fragen hat die Juden» staätspartei Minderheitsanträge eingebracht, von denen, die wichtigsten nachstehend wiedergegeben werden: Boykott gegen Deutschland Es ist das Verdienst der Judenstaatspartei, durch Einbringung einer an die Exekutive gerichteten Interpellation die Frage des schmählichen Transfervertrages mit der Hitler-Regierung aufgerollt zu haben. Nach der ganz unzureichenden Antwort der Exekutive brachte die Partei folgenden Antrag vor den Kongreß; „Der Kongreß betrachtet die Antwort der Exekutive auf die Interpellation der Judenstaatspartei als nicht befriedigend und stellt folgendes fest: Solange die Juden in Deutschland in ihre früheren Rechte nicht wieder eingesetzt werden und solange die deutsche Regierung nicht Garantien dafür schafft, daß deutsche Juden das Recht der f r e i e n Auswanderung unter Mitnahme ihres Vermögens bekommen, erachtet der Zionistenkongreß es als unzulässig, daß die Leitung der Zionistischen Weltorganisation oder ihr unterstellte Institutionen Abkommen irgend weicher Art mit der gegenwärtigen deutschen Regierung treffen." Antrag, betreffend die Zielsetzung des Zionismus „Angesichts der immer wachsenden Judennot, insbesondere angesichts des von den deutschen Machthabem entfesselten Vernichtungskampfes gegen das jüdische Volk, erklärt der 18. Kongreß, unentwegt an den Grundsätzen Theodor Herzls festzuhalten, wonach das Ziel des Zionismus die Errichtung eines Juden* Staates in den historischen Grenzen Palästinas ist, das heißt eines sich selbst verwaltenden Gemeinwesens mit jüdischer Bevölkerungsmajorität." Die Rechte der Juden in Palästina „Der Kongreß stellt fest, däß die jüdische Bevölkerung Palästinas grundsätzlich ein Anrecht darauf hat, daß das gesamte jüdische Schul- und Sanitätswesen in den Rahmen des Schul- und Sanitätswesens der Regierung eingegliedert und aus Mitteln des Regierungsbudgets finanziert wird, wobei dem Jischuw ein angemessenes Aufsichts- und Kontrollrecht eingeräumt werden soll. Der Kongreß beauftragt die Exekutive, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um diese Forderung zu realisieren." Auflösung der erweiterten Jevvish Agency, die völlig versagt hat „Der Kongreß beschließt, von dem in der Verfassung der Jewish Agency vorgesehenen Kündigungsrecht sofort Gebrauch zu machen. Während der Kündigungsperiode sollen von der Exekutive Schritte unternommen werden zwecks Abbaues der gegenwärtigen Jewish Agency, und zwar im Einvernehmen mit den Nichtzionisten in einer Weise, daß dies die normale Arbeit nicht stört. Ferner beschließt der Kongreß die Aufnahme von Verhandlungen mit den nichtzionistischen Kreisen, welche am Aufbau des jüdischen Palästina interessiert sind, zum Zwecke der Schaffung einer Körperschaft, die die Zusammenarbeit mit ihnen auf dem Gebiete der praktischen wirtschaftlichen Aufbauarbeit ermöglicht," Eane Stimme zum Kongreß Von Dr. Stephen S. Wise (New York) Der bekannte Gründer und Führer der zionistischen Bewegung in Amerika schreibt uns aus Genf, wo er die Vorkonferenz des jüdischen Weltkongresses leitete: Man hat mich vielfach um meine Meinung über den soeben beendeten Zionistenkongreß in Prag befragt. Ich will in Ihrem Blatte antworten. Was in Prag vor sich ging, war kein Zionistenkongreß. Unter dem Vorwande. eines Zionistenkongresses haben die Arbeiterführer und ihre fügsamen Nachläufer aus Amerika und Polen die Tagung in Prag in eine Parteischlacht umgestaltet. Sie führten einen Krieg gegen alles, was sich ihnen nicht blind fügen will: gegen die Revisionisten und Jabotinsky, gegen die religiöse Gruppe -Misrachi und gegen die „Allgemeinen" Ziönisten, mit Ausnahme einiger stellensuchender Pseudo-Verbündeter aus dieser Gruppe. Der XVIJI. Zionistenkongreß war •<—, insofern er die Bezeichnung Kongreß überhaupt verdient — der schlechteste aller Kongresse. Er hat in Wirklichkeit seine ganze Zeit, mit Ausnahme zweier. Tage, der Debatte über die Einsetzung einer Kommission, welche terroristische Strömungen in Palästina aufzuspüren und zu untersuchen hat, gewidmet, Dabei hat sich der Kongreß darüber hinweggesetzt, daß Juden unter der Anklage des Mordes an Pr, Ariosoroff in Palästina vor Gericht stehen und nichts unternommen werden darf, was dem Urteil vorgreifen könnte. Der Tragödie,des Hinsoheidens dieses begabten jungen Führers folgte eine andere Tragödie: die Tragödie der politischen Ausbeutung seines Todes durch seine eigene Partei. Die zionistische Bewegung steht jetzt, unter einer, Regierung der Linken, verstärkt durch „radikale" und „allgemeine" Ziönisten, welche durch Aufnahme in die Regierung für dje Preisgabe — ich will keinen stärkeren Ausdruck gebrauchen. *~ der Ideen der Gruppen, die sie zu vertreten hatten, entlohnt wurden. Man muß sich nicht darüber wundern, daß ein Delegierter in Prag zu folgender Feststellung kam: Das Resultat dieses Kongresses ist die Feststellung, daß die Zionistische Organisation nur mehr ein Minimum an Beziehungen zu jenem Zionismus hat, welcher ein jüdisches Nationalheim errichten -will. Nichtsdestoweniger hoffe ich, daß die innere stärke unserer zionistischen Idee auch den schweren Schlag überwinden wird, welche die als Kongreß bezeichnete Prager Parteischlacht gegen allgemeine Ziönisten, Revi« sionisten und Misrachisten ihr zugefügt hat, Noch e\\ solcher Sieg und wir sind verloren, sagte ein römischer Heerführer. Mit einem solchen „Siege" endete der Kongreß, der die zionistische Bewegung jenen ausgeliefert hat, welche sich und ihre Parteiinteressen vor das jüdischnationale Ideal' stellen. Die Welt messe des Orients Neues von der fcevaatemesse Tel-Awiw 1934 —• Wo bleibt Oesterreich? Von Dr. J. Adler (Tel-Awiw) De? Messegedanke hat auch im Orient gesiegt. Erstaunlich ist die Aufmerksamkeit, die bereits heute, noch reichlich ein halbes Jahr vor Messebeginn, der Levantemesse Tel-Awiw 1084 aus Kaufraannekretaen des gesamten Mittleren Ostens entgegengebracht wird'. Dominierten auf der letzten tel-Awiwer Messe, der von 1082, als Einkäufer neben Palästina hauptsächlich Aegypten und Syrien, so werden jetzt weiterhin der Irak, die Türkei, Persien hinzukommen. Un» längst ist eine Kraftwagenlinie von Perslen nach Amerikas grandiosester Expeditionsfilm In deutscher Sprache ANIAKGHAK die Hölle auf Erden Einzigartige Flfmdokumente von tropischen Tälern im Polar- Eisi Ab 15. September URANIA FOX-FILM Alexandrette und Beirut ins Leben gerufen worden. So ist auch verkehrstechnisch heute die Voraussetzung dafür geschaffen, daß die heute völlig modernisierte und sehr unternehmungslustige Kaufmannschaft Persiens auf der jungen — ja erst seit 1926 bestehenden — Weltmesse des Orients erscheint, die heute offensichtlich zum „Clearinghause" des Güteraustausches zwischen Morgenland und Okzident prädestiniert ist. Die neuen Absatzmöglichkeiten, die sich hier dem europäischen Export erschließen, werden zumal von den Südoststaaten genau beachtet. Soeben weilten die konsularischen Vertreter Jugoslawiens und Bulgariens in Palästina auf Urlaub in den Hauptstädten ihrer Länder, um über die Beteüigungsmöglichkeit an der Levantemesse Tel-Awiw zu berichten. Das Problem des jugoslawischen Pavillons wie auch des bulgarischen Pavillons ist hiedürch der positiven Entscheidung wesentlich nähergerückt. Wie hohen Wert man amtlicherseits dieser Angelegenheit beimißt, geht daraus hervor, daß im Rahmen des dem jugoslawischen Handelsministerium angeschlossenen A u ß e nhandelsförderungsinstituts ein spezielles Jugoslawien-Palästina-Komitee begründet worden ist. Auch in Ungarn ist das Interesse sehr lebhaft; ein Komitee von führenden Männern des Budapester Wirtschaftslebens bemüht sich um ein Gegenseitigkeitsverfahren; ein Ungarn-Pavillon auf der Tel-Awiwer Messe und ein Palästina-Pavillon auf der Budapester Messe! Von großem Maßstabe wird die Beteiligung Englands sein; Initiator des> Brätisohen Pavillons -ristn-dia-, „Pederation of British IndustriesM, gefördert: vom Uebersee-Departement des Handelsministeriums, dessen Staatssekretär Dr. Burgin sich kürzlich im Unterhaus sehr warm für die Sache, aussprach. Inzwischen geht der Aufbau auf dem neuen permanenten Messegelände nach der unlängst erfolgten Grundsteinlegung heute sehr flott vonstatten. Nahezu ^fertig ist schon das große Lagerhaus der Messegüter. Nun sind die drei Hauptgebäude an der Reihe, die riesige Palästina-Halle, der Britische Pavillon- und das neue Heim des Levante-Meßamtes, das zugleich die „Citö des Informations" aufnehmen wird. In monumentaler Auffassung umrahmen die Bauten den großen Platz des Ausstellungsgeländes, als „Amphitheater" komponiert, künftiger Schauplatz der Freiluftaufführungen, Konzerte und Volksfeste, die im Zusammenhange mit der Levantemesse und dem ebenfalls nächstjährigen Tel-Awiwer - S t a d t j U b i 1 ä u m geplant sind. Unmittelbar am Strande des Mittelmeeres wird die Baumesse erstehen,- verbunden mit Möbel- und Büro- Messe, für das moderne Palästina, das in den letzten zehn Jahren fast 16 Millionen Pfund Sterling in N-eubauten investierte, eine sehr bedeutsame Angelegenheit. Weiterhin sei von dem, was sich heute im Aufbau befindet, der Pavillon „Die Frau und das Heim" genannt sowie eine für den ganzen Orient sehr wiohtige Sache, der „Automobilsalon", der von der internationalen Spitzenkörperschaft des Automobiibaues, dem „Bureau Permanent des Constructeurs d'Automobiles" in Paris ausdrücklich als internationale Automobilausstellung für den Orient autorisiert worden ist. Vor zwanzig Jahren gab es in Palästina noch kein einziges Automobil — heute verkehren hier allein 150 öffentliche Autobuslinien. In solch erstaunlichem Grade „motorisiert" sich der Orient, erklär» lieh genug, daß dieser Markt darauf rechnen kann, aufs schärfste umworben zu werden, -r- Und wo bleibt Oesterreichs Außenhandels-Initiative? * Oesterreichische Vertretung der ^Levante-Messe Die offizielle Vertretung der Messe für Oesterreich wurde den Herrn Bruno Rabinowitz und Frita Richter übertragen. Anfragen sind an die provisori- Adresse Wien, I., Rotenturmstraße 25, zu richten und werden prompt erledigt. Neue Hebraisch-Kurse für raschen Unterricht. Herr D. Z, Weinstein eröffnet für die Herbstsaison seine hebräischen Sprachkurse für Anfänger und Fortgeschrittene im 3, Bezirk, Krummbaumgasse 8, Tür 2. Besonders geeignet für Sohnellunterricht! Anmeldungen Montag und Donnerstag von 6 bif 7 Uhr in der Krummbaumgasse 8 und sonst täglich bei Herrn D. Z. Weinstein, dem Kursleiter, Tel.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.