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Die neue Welt · 1933-09-15 · Heft 314 (15.9.1933) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 314 (15.9.1933)
Date
1933-09-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 314 DIE NEUE WELT Wohin fuhrt der Weg? Das Budget der Zionistischen Organisation - Eine trostlose Bilanz Auf dem XVIII. Zionistenkongreß wurde die Neugründung einer Fraktion innerhalb der Zionistischen Weltorganisation vollzogen. Eine Gruppe von Delegierten hat von der Kongreßtribüne herab verkündet, daß sie mit dem seit mehr als zehn Jahren herrschenden polltischen und wirtschaftlichen System der bestehenden Gruppen endgültig brechen und für das politische und wirtschaftliche System Theodor Herzls wirken und kämpfen will, daß sie zu diesem Zwecke die „Jude nstaatspartei" gründet. Als erste Reaktion auf diese Erklärung ertönte von allen Seiten der Ruf: „Schon wieder eine neue Partei! Haben wir der Parteien nicht genug? Soll die Zersplitterung noch weiter gehen?" Alle, die so sprechen, sollen den politischen und wirtschaftlichen Zustand der zionistischen Bewegung prüfen, nüchtern und sachlich. Sie werden erkennen, daß eine gründliche Aenderung, eine Neuorientierung erfolgen muß, denn der Zustand der Organisation, an welchem alle bestehenden Parteien im Zionismus mehr oder weniger, aktiv oder passiv, schuldig sind, ist der Zustand vor einem Bankrott. Es kann nicht so weiter gehen. Es muß eine neue Gruppierung erfolgen. Darum haben es Männer auf sich genommen, die „Judenstaatspartei" zu gründen. Keine Neulinge sind sie, keine Streber und Projektemacher. Jeder kennt sie, denn sie arbeiten seit dreißig Jahren und länger an verantwortlichen Stellen in der zionistischen Bewegung, Nicht Leichtfertigkeit, sondern tiefste Besorgnis hat sie veranlaßt, den schweren Schritt zu tun. Die Erkenntnis der katastrophalen Lage, in welche die Organisation geraten ist. * Hier sei die finanzielle Situation geschildert. Es ist dies umso notwendiger, als diesmal auf dem Kongreß über die Finanzen der Organisation so gut wie gar nicht gesprochen wurde. Während auf früheren Kongressen der Streit um die Posten des Budgets den Hauptpunkt der Verhandlungen bildete, ja alles andere überwucherte, schwieg man sich diesmal gründlich aus. Aber es war kein Schweigen der Befriedigung, der Ruhe und Sicherheit. Es war das Verschweigen von Dingen, die unrettbar verloren scheinen. Die Ziffern mögen sprechen. Schuldenstand der Zionistischen Organisation zu Beginn des Rechnungsjahres 5694 (September 1933) Der Schuldenstand der Zionistischen Organisation (Jewish Agency) und ihres Finanzinstrumentes Keren Hajessod betrug Anfang September 1938 Pfund 562.000 (zirka 16,5 Millionen österr. Schilling). Vom Kongreß festgesetzes Budget der Zionistischen Organisation für das Jahr 5694 (Septembere 1933 bis August 1934) Hinnahmen: engl. Pfund 170.000 5.000 Keren Hajessod (Palästina-Aufbaufonds) Sammlungen in Palästina . . . . . . Summe Ausgaben: . I.. Kurzfristige Verpflichtungen des K. H. . . . II. Spesen der Zentrale des K. H...... III. Verwaltungsspesen in London ..... . IV, Ausgaben in Palästina: 1. Landwirtschaftliche Kolonisation . . . 2. Versuchsstation......., . 8. Einwanderung und Arbeit . . . , . . 4. Schulen 5. Technikum 6. Für religiöse Zwecke 7. Politischer Fonds . . ... . . ... 8. Städtische Kolonisation , . ... . 9. Verwaltung in Palästina . , . . „ . 10. Pensionen........... 11. Zinsenzahlungen ......... 12. Im Jahre 5694 fällige, unaufschiebbare Verpflichtungen des K. H. und der Jewish Agency (Zion. Organisation) 175.000 35.446 17.000 4.500 19.500 6.500 8.500 20.000 750 500 4.500 2 400 8.250 1.000. 6.000 156.000 Summe 290.846 Schuldenstand Ende 5694 (August 1934) Es ergibt sich somit ein Fehlbetrag von Pfund 115.846, welcher durch. eine neuerliche Anleihe gedeckt, werden muß, so daß der Schuldehständ zu Ende des Betriebsjahres rechnungsgemäß auf die Summe von Pfund 667.846 (über 20 Millionen österr. Schilling) erhöht sein wird. Wie man sieht, ist die Ueberschuldung so enorm, daß von einer Sanierung, geschweige denn von einem Abbau der Schulden, keine Rede sein kann. Es ist unter solche/t Umständen ganz unvorstellbar, wie neue Darlehen, welche der Fortführung der notwendigsten Geschäfte dienen sollen, zu erlangen sind. Die angenommenen Einnahmen in der Höhe von Pfund 175.000 stehen in einem zu krassen Mißverhältnis zu den Verpflichtungen, als daß von Kreditwürdigkeit die Rede sein könnte. Aber auch die verhältnismäßig niedrige Einnahmepost von Pfund 175.000 bedarf einer Prüfung. Diese Pfund 175.000 bilden ja den Reinertrag der Sammlungen in den einzelnen Ländern. Die Spesen der Aufbringung in den einzelnen Ländern sind nicht inbegriffen. Nach den vorliegenden Erfahrungen betragen diese Spesen mancherorten über 80 Prozent. Sie sind durchschnittlich — im günstigsten Falle — mit 20 Prozent anzusetzen. Das heißt: um Pfund 175.000 ins Budget einsetzen zu können, müssen die Juden für den Keren Hajessod im nächsten Jahre zirka Pfund 220.000 hergeben. Angesichts der Weltwirtschaftskrise und der Ansprüche, welche die deutsche Judennot an das Judentum stellt, muß diese Summe als schwer erreichbares Maximum angesehen werden. Noch bedenklicher sieht dieses Budget von Pfund 220.000 aus, wenn man seine sachliche Gliederung prüft. Wieviel entfällt von den gesammelten Pfund 22 0.000 auf tatsächliche Aufbauarbeit in Palästina? Für Zahlung von Schulden und Zinsen sind zusammen Pfund 81.600 eingesetzt. Das sind rund 3 7,5 P r oz e n t. Für Verwaltung (Gehälter, Spesen, Pensionen usw.) sind allein in den zentralen Aemtern Pfund 30.750 eingestellt. Dazu kommen die Verwaltungsspesen der Landessammelstelle von rund Pfund 45.000. Zusammen Pfund 75.750 oder 34 Prozent des durch Sammlungen aufzubringenden Betrages von Pfund 220.000 entfallen auf Spesen. Auf die tatsächliche zionistische Arbeit, auf die reale Aufbauarbeit in Palästina entfallen im ganzen Pfund 62.520, das sind 2 8,5 Prozent von Pfund 220.000 unter den Juden gesammelten Geldes. Davon sollen die Ausgaben für landwirtschaftliche und städtische Kolonisation, Schulen, politische Arbeit, Transport und Versorgung von Einwanderern, religiöse Zwecke, technische Ausbildung usw. bestritten werden. Das ist absolut genommen völlig unzureichend. Das Bild wird aber einfach trostlos, wenn man einzelne Posten herausgreift. Für Verwaltungsspesen fast viermal soviel als für landwirtschaftliche Kolonisation, mehr als dreißigmal soviel als für städtische Kolonisation usw. Kann es so weitergehen? Darf dieser Zustand, der das Resultat jahrelanger egoistischer Parteiwirtschaft ist, weiter bestehen? Auf diesem Wege weitergehen, bedeutet den wirtschaftlichen Zusammenbruch der Organisation herbeiführen. Die Ziffern dieses Budgets ertöten jede Lust zur Arbeit und zum Opfer. Dieses Budget allein beweist die Notwendigkeit einer Umgruppierung in der Zionistischen Organisation, der Abkehr von jenen Fraktionen und Parteien, welche an dieser Wirtschaft verantwortlich beteiligt sind und waren, der Zusammenfassung aller, die zum reinen Quell des Herzischen Zionismus zurück wollen. Unter dem Regime der bestehenden Parteien ist die Zionistische Organisation in einen teuren bürokratischen Apparat umgewandelt worden, dessen Erhaltung alle Energien und Mittel aufzehrt. Der Herzische Idealismus ist geschwunden. Die Folgen zeigten sich nicht nur auf politischem, sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiete. Der Abstand zwischen dem großen Aufwand für den Apparat und den geringen Leistungen auf dem Gebiete der realen zionistischen Arbeit wurde immer größer, bis dieses letzte unglückselige Budget des wirtschaftlichen Niederbruches zustande kam. Die Gründung der Jtidenstaatspartei, welche endgültige Abkehr von diesem System, das wirtschaftlich und politisch versagt hat, bedeutet, war nicht überflüssig, sie war notwendig. Für Festgerichte das reine KuneroL Kunerol ist 100% reines Fett aus Kokosnüssen und deshalb für Fleisch- und Miichspeisen ganz besonders geeignet. Kunerol wird in mustergültigen Betrieben auf einwandfrei hygienische Art erzeugt — es kommt während der Herstellung nie mit Menschenhand in Berührung. Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Eh re nf e I d zu Mattersburg hergestellt. KUNEROL 100%REINES KOKOSNUSSFETT Nur echt in Originalpackung! Von der Juden§f aatspartei Meir Großmann über das Programm In einer Unterredung mit dem Pressevertreter Schweizer Blätter Jak. Josefsberg gab Meir G r o ß m a n n, der Leiter der aus dem Revisionismus hervorgegangenen „Judenstaatspartei", folgende Aufklärungen über das Wesen der Judenstaatspartei und ihr Verhältnis zur Union der Revisionisten: „Worin unterscheidet sich grundsätzlich die Judenstaatspartei von den Revisionisten der Jabot'insky- Grupp e?" In sechs wesentlichen Punkten. Erstens: Weil wir uns als integralen Teil der zionistischen Weltorganisation betrachten, in der zionistischen Organisation stehen und bleiben, daß wir bereit sind, mit anderen zionistischen Gruppen zu kooperieren, und den Kongreß als höchste Instanz der zionistischen Bewegung anerkennen. Für uns ist die zionistische Organisation keine Konjunkturangelegenheit. Wir kommen nicht und gehen nicht weg, wir gehören der zionistischen Bewegung in guten und schlechten Zeiten an, wir glauben an die Möglichkeit, diese Organisation zu reformieren und einmal groß und stark zu machen. Das Gegenteilige gilt für die von Herrn Jabotinsky geführten Revisionisten. ■ ..:> .Zweitens: Wir sind gegen jedes Führer« P r i n z i p in unserer Bewegung, gegen D i k t a t u r der Anschauungen, gegen jede Art von Putschismus, wir «sind auf richtige Demokraten, für die die demokratischen Prinzipien ein gewisses Bekenntnis sind. Was,'im Revisionismus geschehen ist, hat; uns Nochmals Uberzeugt, daß jede Imitation der rein, mechanischen Zwangsmethoden, die bei anderen Staatsvölkern angewendet worden sind, in unserem jüdischen Leben lächerlich und schädlich sind. Wir sind für eine aus Ueberzeugung stammende Disziplin, wir sind gegen marschierende Maschinenmenschen. Drittens: Wir empfinden die Proklamierung jedes Prima.t s einer Klasse über das ganze Volk, einer Partei über die Gesamtorganisation als schädlich, ungerecht und unpatriotisch, der ursprüngliche Revisionismus hat es niemals bezweckt, er wurde letztens in diese Richtung hineingedrängt. Den Primat des Revisionismus, den man uns aufzwingen wollte, haben wir bekämpft, das war eine der Ursachen der Spaltung. Ueber alles hat bei uns das Volksinteresse die Priorität, und falls ein Konflikt entsteht, folgen wir unserem zionistischen Gewissen. Vierten s: Wir grenzen uns von jedem E xtremismus, der in Erez Israel genau so schädlich ist wie der Klassenkampf der sozialdemokratischen Poale-Zionisten, ab. Wir haben seit Jahren die Ausschaltung von Leuten verlangt, die durch ihre M a ß 1 o s i gkeit in der Sprache dem Revisionismus viel Schaden zugefügt haben. Wir glauben natürlich an die Beschuldigung der Poale-Zionisten nicht, die doch selbst Methoden der Faustherrschaft benützen, jedoch sind wir der Meinung, daß man nicht unnötigerweise die Beziehungen in Palästina verschärfen und verbittern soll. Eine Partei wie die unserige, die doch die national© Front predigt, soll entsprechend handeln.; Fünftens: Wir sind keine Gegner der Arbeiter- Parteien, das Pathos unserer Arbeit liegt nicht iö &** B#»

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