Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 314 (15.9.1933)
- Date
- 1933-09-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 2 DIE NEUE WELT Nr. 314 aunehmen;uhd zu führen, bis seine Gleichberechtigung von der gesamten Welt anerkannt und verbürgt sein wird, den neuerlichen Kurseinbußen des Ldvre Sterling auadrück- * Am zweiten Verhandlungstag wurde beschlossen, den Jüdischen Weltkongreß für März 1034 einzuberufen. Das Mitglied der polnischen; Delegation Raßner, Vorsitzender des jüdischen Handwerkerverbandes, sprach sich fegen allgemeine Wahlen aus. Er polemisierte auch gegen die von den Zionisten auf der Konferenz verfochtene These, daß die Palästina-Probleme der Zionistischen Organisation vorbehalten und der Kompetenz des Weltkongresses entzogen werden sollen. Er wies darauf hin, daß die Zionisten auf der vorjährigen Weltkonferenz diesbezüglich anderer Meinung gewesen sind. Auch der Generalsekretär des zentralen Hilfskomitees in Polen, Redakteur Turkow, nahm aus denselben Gründen wie der Delegierte Raßner gegen die Ausschreibung allgemeiner Wahlen Stellung. Dagegen sprach sich der lettische Oberrabbiner und Abgeordnete Rabbiner Nurok für demokratische Wahlen aus. Im selben Sinne äußerte •ich der Präsident des Pariser Verbandes jüdischer Hilfsgesellschaften Jefroikin. In längerer Rede begründete Abg. Gottlieb (Warschau) die Notwendigkeit allgemeiner Wahlen. Derselbe Standpunkt wurde auch vom Vorsitzenden der Jüdischen Partei in der Tschechoslowakei, Dr. Emil Margulies, und in besonders eindrucksvoller Weise vom amerikanischen Delegierten Morris Rothenberg vertreten, der die Aufrechterhaltung der demokratischen Prinzipien als unerläßlich bei der Verteidigung der jüdischen Interessen bezeichnete. Das Schlußwort hielt Dr. Nahum Goldmann. Er stellte fest, daß sich die Konferenz in ihrer Mehrheit für die Durchführung demokratischer Wahlen ausgesprochen habe. # Dr. Stephen W i s e hielt als Präsident des jüdischamerikanischen Kongresses und als Initiator der Konferenz die Schlußrede, worin er nochmals die Tragödie der deutschen Judenheit umriß, den Weltboykott gegen Deutschland formulierte, und an den Völkerbund als die oberste Instanz internationaler Ordnung und Gerechtigkeit appellierte. . .., >. Am 8-, September wurde die Konferenz geschlossen. Sie nahm zwei Resolutionen ,an,.die sich auf die Einberufung eines jüdischen Weltkongresses und auf den allgemeinen Boykott deutscher Waren beziehen! Die erste Resolution besagt unter anderm: \ . . Die Zweite Internationale Jüdische: Konferenz . gibt der Ueberzcugung; Ä die außerordentliche Verschlimmerung der allgemeinen X<age des . jüdischen Volkes und ganz besonders die in Deutschland eingetretene Katastrophe die Notwendigkeit erhöhen,, vermittels eines jüdischen . Weltkongresses eine rechtmäßige Vertretung des jüdischen Volkes zu schaffen. Der Kampf um die VerlaamammmummmtummtBBmmmmmmmmmmm Im Namen der Republik! Das Strafbezirksgei-icht Wien I als Pressegericht hat heute in Gegenwart des Frivätanklägers Dr. Josef Löwy, seines Vertreters Dr. Emanuel Holzapfel, in Abwesenheit des Angeklagten 'Robert Stricker und in Anwesenheit des Verteidigers Dr. Gottfried Weidenfeld über die Anklage, die der Privatankläger gegen Robert Stricker, 58 Jahre alt, verheiratet, Oberbaurat i. P., erhoben hatte, nach durchgeführter Verhandlung zu Recht erkannt: Robert Stricker ist schuldig, er habe durch die von ihm Verfaßten, auf den Privatankläger bezüglichen Stellen: ä) „Er hat sich ohne zu reagieren — in der Zeitung seiner eigenen Parteigenossen unkorfokte Manipulation mit Wahlgeldern zum Vorwurf machen lassen", b) „der Jüdischen Oef f entllchkelt ist er als Denunziant bekannt", c) „In einer Eingabe an die Landesregierung hat er — natürlich fälschlich — einen W 11haer Gemeinderabbiner der Dokumentenfälschung" in der in Wien erschienenen Zeitung „Die Neue Welt" vom 29. November 1933, Nr. 272, den Privatankläger dürch Mitteilung von erdichteten Tatsachen namentlich fälschlich unehrenhafter Handlungen beschuldigt. Er hat hiedurch die Uebertretung gegen die Sicherheit der Ehre nach § 488 St. G. begangen und wird gemäß §§ 498, 266, 361 St. G. zu einer' Geldstraf e von hundert Schilling, im Nlchteinbringungsfalle zu 2 4 Stunden Arrest und gemäß § 889 St. P. O. zum Ersatz Ldor Kosten des Strafverfahrens verurteilt. — Gemäß § 48/1 Pr. G. wird der Beschuldigte Verpflichtet, dieses Urteil in der ersten oder zweiten Nummer der Zeitung „Die Neue Welt", die nach Rechtskraft des Urteiles erscheinen wird, in der im § 23 Pr. G. vorgeschriebenen Weise zu veröffentlichen, widrigenfalls diese Zeltung nicht mehr erscheinen dürfte. Gemäß § 41 Pr. G. wird der Verfall der Nr. 272 der Zeitung „Die Neue Welt" vom 29. November 1932 ausgesprochen. Die Anträge auf Veröffentlichung gemäß § 43/2 Pr. G. In den Zeitungen „Jüdische Volkszeitung", „Wahrheit", „Arbeiter-Zeitung", „Neues Wiener Tagblatt" und „Neue Freie Presse" sowie auf Verhängung einer Geldbuße Wird abgewiesen. Bezüglich des Satzes „.... und dessen Beseitigung als »Zugereister4 gefordert", wird der Beschuldigte von der Uebertretung gegen die Sicherheit der Ehre gemäß § 259/3 St P. O. freigesprochen. Der Privatankläger hat gemäß § 390 St. P. O. den auf diesen Teil der Anklage entfallenden Teil der Kosten ku tragen. Wer die hohen Feiertage in Polen, und in Krynica (Arrangement ab $ 5«— aufwärts) verbringen will, fahre mit unserem Sonderzug am 18. September. Für 2 und 4 Wochen. Keinerlei Visagebühren. Auskünfte E. Ferstet, I, Kärntnerring 12, Tel U-40-301 Nur mehr wenige Plätze teldigung der vitalen Rechte der Juden in den Ländern der Diaspora wird jeden Tag dringender, aber auoh schwieriger. Der deutsche Nationalsozialismus hat dem judischen Volk einen Kampf auf Leben und Tod angesagt. Die Desorganisation im Schöße des jüdischen Volkes ist heute gefährlicher als je. Die Stunde gebietet die Vereinigung aller Gruppen und aller Parteien sowie die Verstärkung aller politischen und wirtschaftlichen Aktionen. Aus allen diesen Gründen ist die zweite Genfer Konferenz der Auffassung, daß es unbedingt notwendig ist, die Einberufung zu beschleunigen, und sie beauftragt den Vollzugsausschuß, den' Weltkongreß für den Monat März 1984 einzuberufen. Die zweite Resolution lautet: Die Internationale jüdische Konferenz stellt fest, daß das jüdische Volk seit dem Beginn des nationalsozialistischen Regimes und seit der Einführung der nationalsozialistischen Gesetzgebung sowie der antisemitischen Handlungen von sich aus und instinktiv zum wirksamsten Verteldig.*ingsm Ittel gegriffen hat, zum wirtschaftlichen und moralischen Boykott. Das jüdische. Volk glaubt, das Recht zu haben, zu erwarten, daß Millionen von- Nichtjuden aller Länder, die die Entrüstung der. Juden gegen die antisemitische Doktrin und Praxis der . nationalsozialistischen Regierung teilen, das jüdische Volk unterstützen werden. Es hängt nicht von dem jüdischen Volk, sondern von der deutschen Regierung ab, wann der jüdische Boyko11 Deutschlands ein Ende finden soll. Die Juden haben nur notgedrungen und nach , einigem Zögern zu. diesem Kampfmittel des moralischen und wirtschaftlichen - Druckes gegriffen. Sie werden., jedoch nicht darauf , verzichten, solange die gegenüber: den. deutschen. Juden begangene große Ungerechtigkeit nicht wieder gutgemacht wird.. . : rXa '^g.^V^^Mta^^iv^ gibt:-die, Konferenz d^r(»,^0^P^^^|;'^im||^^V.^|^' $j*|V öi-lce r b u n d* mit aJlen;^tteiji:^ ^^Bnach P alaS t f n% ^eichtern^un% g^Msam^mlt>dem.^te^ nationalen Arbeitsamt ' ciie Mäßnahmen zur Unterbringung in anderen Ländern ergreift, in denen ihre Ansiedlüng möglich ist. Alle drei Resolutionen wurden einstimmig angenommen. ' - '• '"' ' Bis zur Tagung des jüdischen Weltkongresses soll die politische Tätigkeit"' zugunsten der deutschen Juden durch das „Komitee Jüdischer Delegationen" in Paris geführt werden. * .' ' In der Sitzung vom 7. September hielt Leo M o tzk i h eine Rede, worin er sich sehr scharf gegen das T r a n s f e r - A b k o m m e n iqit Deutschland wahdte. Das 3-Millionen-Abkommen sei ein Fehler, der gutgemacht werden müsse. Ferner sagte Motzkih: „In der politischen Kommission des Zionistenkongresses konnte man die wahren Motive hören, die das Abkommen als eine der Formen, jüdisches Vermögen aus Deutschland zu retten, berechtigten. Das jüdische Volk aber hat dieses Abkommen als Bruch der Boykot tbe weguhg gegen Hitler- Deutschland empfunden, und die Stimme des Volkes ist die richtige. Ich persönlich bin gegen das Abkommen. Was den zweiten Vertrag, den sogenannten Orangen- Vertrag, anlangt, gibt es darüber nichts zu sagen, weil dieser Vertrag nicht geschlossen worden ist." „Der Zionistenkongreß", erklärte, Leo Motzkin, „war ein tragischer Kongreß; Stellung zu' ihm nehmen dürfen wohl nur Zionisten und nicht'die jüdische Weitkonferenz, welche hierin nicht kompetent ist. Ich habe mich zur Ueberzeugung durchgekämpft, daß wir kein anderes Mittel der Bekämpfung Hitler-Deutschlands haben als den wirtschaftlichen Boykott. Gegen einen Feind, der uns vernichten will,, können wir nicht bloß mit ethischen Mitteln und moralischem Appell an die Welt und ihr Gewissen kämpfen. Das einzig wirksame Mittel, über das wir verfügen, ist — Boykott." ' Zum. Schluß sagte Motzkin: „Aus Furcht vor eventuellen ungünstigen Auswirkungen des Hitler- Regimes auf die Lage der deutschen Minderheiten außerhalb Deutschlands halten die Führer dieser Minderheiten es für ihre Pflicht, ihre Stellung bezüglich der Judenfrage in Deutschland klarzulegen. Dies werden sie auf dem Minderheitenkongreß tun, der in Kürze in Bern stattfinden wird." j . . *. Das „Komitee der jüdischen Delegationen'', weiches bis zum Weitkongreß die nötigen Arbeiten durchführien wird, besteht aus den Herren Leon Beruhe im (Paris),, P. Kar.tas (Paris), Dr. Balass (Paris), Pr, Nahum> Goldmann, J. Naiditsoh, Dr. N- Feinb.erg; (Genf), Dr. Wischnjak (Paris), Dr. Victor Jacob«; son (Zion. Exekutive) und Dr. Fischer (Paris). JUdlscher Interessenschutz bis zum Zusammentritt des Weltkongresses •Aus Genf: Die Genfer jüdische Weltkonferenz hat für die Zeit bis zum Zusammentritt des Jüdischen Weltkongresses und der Einsetzung seiner ordentlichen Instanzen ein Interimskomitee mit der Aufgabe betraut, den Schutz ^der jüdisch je nlnteressenwahrzunehmen. Dieses Komitee \ besteht im wesentlichen aus dem Comite" des Dellgations Juives in Paris, das durch Hinzuziehung folgender neue* Herren-, die durch die Konferenz gewählt wurden, erweitert wird: Rechtsanwalt Leonce Bernheim und Rechtsanwalt Cor cos (beide Paris), Dr. Balot (Paris), Dr. Nahum Goldmann, Jizchak Naiditsch, Dr. -Nathan Feinberg (Genf), D[r. Wiszniak (Paris), Dr. Viktor Jacob söhn, Mitglied der Zionistischen Exekutive, und Dr. Fischer (Paris). Außerdem werden noch weitere sechs Mitglieder iü das Komitee kooptiert werden als Vertreter der Länder niit großer jüdischer Bevölkerung. Das Zentralbüro für die Fragen des Jüdischen Weltkongresses wird seinen Sitz in Genf haben. Zweigstellen des Zentralbüros werden in Paris und in Warschau eröffnet. In Amerika wird das Genfer Zentralbüro durch das Büro des American Jewish Congress vertreten werden. Die Aguda lehnt den Jüdischen Weltkongreß ab Aus "Genf wird gemeldet:' Einer der Führer der in der „Agudas Jisroel" organisierten Trennungs-Orthodoxie, der Präsident der Warschauer Judengemeinde, A. Mazur, gab hier vor Pressevertretern folgende Erklärung ab: Wir haben uns an der Aussprache über die Frage der Einberufung eines Jüdischen Weltkongresses nicht beteiligt und. haben an der Beschlußfassung gilbet! diese Frage aus .folgenden, grundsätzlichen Erwägungen heraus nicht teilgenommen: ■ a) Wir vertreten den Standpunkt, daß bezüglich einerso wichtigen Frage wie der des Jüdischen Weltkongresses, dessen Arbeit auf Freiwüligkeit gegründet sein muß, die Zustimmung der führenden jüdischen Organisationen einzuholen ist, in erster Reihe die der Welt« Organisation Agudas Jisroel, die die jüdische Orthodoxie der Welt repräsentiert, bei uns in Polen große jüdische Massen umfaßt und eine sehr ernste und vielverzweigte jüdische Arbeit auf allen Lebensgebieten leistet« b) Für die Agudas Jisroel als solche und für jedeif ihrer Mitglieder kommt die Mitarbeit in einer Körperschaft so lange nicht in Beträcht, als ihre konkreten Ziele und ihre Aufgaben nicht von vornher^m'bökaant sind und festgestellt ist, daß diese mit den Grundgedanken der Ag'üdas Jisroel, die für alle ürcel Mitglieder verpflichtend sind, Mctflr Ün ^dei^ruci0»l^i«te; In der Ablehnung des Jüdischen Weltkongresses hat sich eine gemischte Gesellschaft zusammengefunden. Zuerst haben die liberalen „Reformjuden" Deutschlands und Englands, dann die jüdisch-sozialdemokratischen Führer; aller Schattierungen abgesagt. Jetzt stellt sich die Treu« nüngsorthodojde ein. Diese Herren Führer werden aber eine bittere Enttäuschung erleben. Die Massen werden Über sie hinweg' zum Kongresse kommen, weil er eine Notwendigkeit ist. Die Forderungen der jüdi'sdien Minderheiten , ■ Aus Genf wird vom 11. September gemeldet: Im Zusammenhang mit dem Kongreß der europäischen Minderheiten, der Samstag, den 16. März, in Bern beginnt, hat Leo Motzkin dem Vorsitzenden des Minderheitenkongresses, Dr. Wittant, mitgeteilt, daß die jüdischen Minderheiten sich nur unter gewissen Bedingungen am Kongreß beteiligen werden. In einer Besprechung unter Teilnahme der Vorsteher der jüdischen Minderheiten von Polen, Rumänien, Lettland, Litauen, Tschechoslowakei uijd. Bulgarien in Genf wurden folgende zwei Bedingungen formuliert: 1. Zusicherung an die jüdischen Minderheiten, daß sie die Möglichkeit haben werden, eine uneingeschränkte Diskussion über die jüdische Lage in Deutschland zu fuhren; 2. Zusicherung des Rechtes, dem Kongreß eine. Resolution vorzulegen, worin in klaren Worten die Verfolgungen der Juden in Deutschland verurteilt werden. Leo Motzkin betonte hiebe!, daß diese Bedingungen ein Kompromiß darstellen, da ein Teil der Delegierten der nnniiiiinniin Größte Durchschlagskraft General vertrieb von Royal- Schreibmaschinen Dir. Louis Tiefenbacher Wien IX, Alserplati 3 (Phönixhaus), Tel. B-42-4-44 Standard Portable Signet die vollkommensten, modernsten und elegantesten Schreibmaschinen Leichtester Anschlag, daher nie ermüdend Unbegrenzte Dauerhaftigkeit I Bequem« Zahlungserleichterungen! Kostenlose, unverbindliche Vorlührung MIlllM^^