Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 314 (15.9.1933)
- Date
- 1933-09-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 35 Groschen Jahrgang 7 f reifag/ den IS« September 1931 Nr* 114 V, Zeitung vom Verleger Journal exp6di6 par BEZUOSBEDINQUNOBN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig S4.20, Ranziähri« S16.-;Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.-, Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.-, vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierte? mm^m *m—m fänri8 Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitütsstr. 6-8,1eL B-48-504 — Erscheint jeden Freitag REVUE Zur Rettung der jüdischen Ehre \ Mit zähem Willen und nicht zu brechender Energie haben die Männer, die im Vorjahr den Gedanken eines jüdischen Weltkongresses propagierten, ihren Plan zur Reife gebracht. Die Judenfrage ist im weitesten zionistischen Sinne zur Weltfrage geworden, das deutsche Schicksal hat sie in raschem Tempo vorgetrieben. Das Gewissen der Kulturvölker ist erwacht -— es gilt, daraus die Konsequenzen, die Lehren, die praktischen Auswirkungen zu ziehen. Als der Führer des amerikanischen Judenstaatszionismus, Dr. Stephen W i s e, unter dem Eindruck der namenlosen Judennot die Idee eines jüdischen Weltkongresses als der Tribüne für alle Galuthfragen und als ständig funktionierender Repräsentanz des jüdischen Volkes propagierte, schlössen sich ihm diebedeutenden : jüdischen Persönlichkeiten aller Länder enthusiastisch an. Gleichgültigkeit fand der Gedanke dort, wo man / vermeinte, durch die Zion:istische We it organisation die Aufgaben .eines jüdischen Weltkongresses lösen zu können; .Widerstand dort, wo die Assimilation sich dem Augenblick nicht aussetzen; wollte;: öffentliche Solidarität -bekunden zu. müssen.-.:..: . > , : :;Die in .Genf abgehaltene jüdische Weltkonferenz hät-nun die.Einberufung;^^jüdischen Weltkongresses beschlossen.; In - der nächsten^eitwird das. Büro "des: Kongresses den Modus demokratischer Wahlen ausarbeiten; :'.-.V. Die schöne .Sache nimmt ihren Gangl Inzwischen hat die Genfer Konferenz, die Vorbereiterin des Welt-. Kongresses, getagt und eine Reihe von Beschlüssen angenommen, die geeignet sind, die Judenfrage wieder in das L i cht der W e 1 t zu stellen und insbesondere die' Konsequenzen aus der deutschen Judentragödie äu ziehen. •■'.<'■ ' \. > V ' . Die Generalredher in Genf, Dr. Stephen Wise, Dr. Nahum Goldmann und Dr. Emil M a r g u 1 i e s, sprachen als Zionisteh. Als Abwehrmittel gegen den nationalsozialistischen Ppgromantisemitismus wurde zum wirtschaftlichen und moralischen Boykott Hitler- Deutschlands gegriffen. Man fand sich mit diesem Beschluß in Harmonie mit allen sittlichen Faktoren der Welt, mit allen Formen menschlichen Gesellschaftslebens. Vom Prager Zioriist'enkongreß wurde nicht viel gesprochen. Denn hier haben sich bekanntlich die klassenkämpf erischen ■ Vertreter der Arbeiterschaft/ vornehmlich die Herren der palästinensischen '' Histad.ruth, gegen den B o y k o 11 Pogro mdeut sc h 1 a n d s ausge« NÄCHSTE PALÄSTINA REISE Mit dem neuerbauten Motorschiff „Calitea" Abfahrt von Kien SO. Oktober 1933 « Preis von S 395 aufwarf s Arrangement und Releeleitung Frau Berta Taubes — Auskünfte: Reisebüro Marlenbrücke (Palästinadienst), Wien I, RQtenturmetraße 26, Tel. R-24-2-86 Alle ün redaktionellen Teil befindlichen entgelt» Hüben Notizen sind durch ein beigefügtes £ bezeichnet sprochen, im schroffen Gegensatz zur 11.1 n t e rnationale, die bekanntlich eine eindeutige Boykottresolution gefaßt hat. Dieselben Führer haben auch versucht, den bösen Eindruck, den das sogenante Transferabkommen in der ganzen jüdischen Welt gemacht hat, durch nichtssagende Phrasen zu vertuschen. So wurde seitens der auf dem Zionistenkongreß dominierenden Arbeiterpartei die jüdische Ehre für ein paar Millionen deutscher Reichsmark preisgegeben. Die Genfer jüdische Weltkonferenz hat nun den Mut gehabt, tragische Sünden des Prager 18. Zionistenkongresses gutzumachen, das an jüdischer Ehre zu retten, was durch die Linke brutal preisgegeben worden ist. Die Genfer Konferenz ist ein Meilenstein auf dem Weg zur legitimen Vertretung des jüdischen Volkes in allen Fragen der Galuth. In diesem Sinne wird der kommende Jüdische Weltkongreß von allen weitblickenden Wahrern jüdischer Interessen restlos bejaht. * Im nachstehenden geben wir ein Bild der Genfer Tagung und veröffentlichen die auf ihr gefaßten Beschlüsse,' ■ "■ X -. * '} -\ ' Boykott gegen Deutschland beschlossen —r Präsident Motzkin gegen die Beschlüsse des Prager Zionlstenkongresses Wie wir bereits berichtet haben, wurde in Anwesenheit von mehr als 100 Delegierten aus 24. Ländern am 5. September in Genf die als Vorkonferenz zum geplanten Jüdischen Weltkongreß gedachte jüdische Welt konferenz mit einer Ansprache des jüdisch-amerikanl sehen Führers und Initiators, des Weltkongresses, Dr. Ste phen S. Wise, eröffnet. Dr. Stephen Wise erklärte, der Jüdische Weltkongreß solle bezüglich der allgemeinen jüdischen Probleme der Diaspora dasselbe bedeuten, was der Zionistenkongreß und die Jewish Agency für die zio nistische Bewegung und den Aufbau des jüdischen Nationalheims sind. Die Lage in Deutschland, fuhr Dr. Wise - fort, ist zu einem jüdi sehen Weltproblem geworden. Entgegen den beruhigenden Versicherungen, die von deut sehen Juden und amerikanischen Juden deutscher Herkunft auf der vorjährigen jüdischen Weltkonferenz in Genf abgegeben worden sind, hat sich die Lage der Juden in Deutschland katastrophal gestaltet. Die im vorigen Jahre behandelte Frage, ob es zweckmäßig sei, einen jüdischen Weltkongreß einzuberufen, kann angesichts dieser Verhältnisse überhaupt nicht mehr gestellt werden. Es handelt sich nur noch darum, ob der Kongreß im Winter 1935 oder im Frühjahr oder Sommer 1934 zusammentreten soll. Auch bezüglich des Kongreßortes gibt es keine Diskussion mehr. Genf ist der Gerichtshof, vor dem Weltfragen verhandelt werden müssen. Die Weltkonferenz wird sich auch mit der Frage der Beschickung jener Konferenz zu befassen haben, die der Board of Deputies einberief und zu der auch die einberufenden Körperschaften des Jüdischen Weltkongresses eingeladen wurden. Während jedoch die Londoner Konferenz der ausschließlichen Beratung eines Gegenstandes gewidmet sein soll, will der jüdische Weltkongreß Juden aller Länder zur Beratung sämtlicher jüdischen Probleme Zusammenführen. Dieser Kongreß wird nicht die Versammlung einer Handvoll jüdischer Notabein, sondern der auf demokratischem Wege gewählten Vertreter der jüdischen Oeffentlichkeit aller Länder sein. Nach der Eröffnungsrede (Dr. Stephen Wises sprachen der Führer der französischen Delegation Leonce B e r n h e i m, Präsident des Verbandes der Synagogengemeinden in London Morris H. D a v i s, Oberrabbiner von Horn und Vorsitzender des Rabbinats des jüdischen Gemeindeverbandes Italiens Dr. Angelo Sacerdoti, Großrabbiner von Alexandrien Professor David P r a t o, Präsident der vereinigten Hilfskomitees Polens Dr. M. Gottlieb, Delegierter Südafrikas I. Ochberg, Vertreter, der jüdischen Partei Rumäniens Abg. Michael Neues, erfolgreichstes Heilverfahren DRRIEDS B A D bei Rheumatismus, Gicht, Frauenleiden NUR i n d e r KURANSTALT DIANA BAD Wien» an der Marlenbrucke; Tetephon A-47-3-20 Serie Landau und Präsident der jüdischen Partei der;Tschechoslowakei Dr. Emil Margulies. Sodann erstattete Dr. Nahum Goldmann das Referat über den Jüdischen Weltkongreß* Er führt« u. a. aus: Die Entwicklung hat gezeigt, wie unerläßlich die Schaffung einer autoritativen Instanz ist, die im Namen des gesamten Judentums der Welt den Kampf für die Sicherimg der jüdischen Lebensrechte in allen Ländern und die konstruktive Tätigkeit für eine Besserung der sich von Tag zu Tag verschlechternden Situation der jüdischen Massen aufnimmt. Wenn auch Palästina das wichtigste Land für die jüdische Emigration aus Deutschland und anderen Ländern ist und bleiben wird, so kann doch Palästina jedenfalls in den nächsten Jahren nicht die gesamte Zahl der Juden, aufnehmen, die aus Deutschland auswandern müssen, so daß andere Einwanderungsländer gesucht werden müssen. Auch vom Standpunkt eines Zionisten gesehen kann der Zionistenkongreß nicht die Aufgabe des Weltkongresses erfüllen. Man muß verstehen, daß die Richtlinien der zionistischen Politik, die sich naturgemäß um die Stellung der verschiedenen Faktpren der Welt zum Palästinaproblem in erster Reihe konzentrieren muß, in vielen Fällen verschieden sein müssen von den Direktiven einer Politik, die in erster Reihe auf die Sicherung der jüdischen Lebensrechte in den verschiedenen Ländern ausgeht. Im Laufe des vergangenen Jahres hat der Gedanke des Jüdischen Weltkongresses in den weitesten jüdischen Kreisen außerordentlich an Popularität gewonnen. Die von der Genfer Konferenz proklamierte organisatorische Grundlage des Weltkongresses, nämlich die Abhaltung demokratischer Wahlen in den Ländern, um die Delegierten zum Weltkongreß zu bestimmen, wird festgehalten werden müssen. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß, wenn diese Konferenz sich entschließt, das Datum des Weltkongresses definitiv festzusetzen und die Einberufung desselben als eine unwiderrufliche Tatsache proklamiert wird, verschiedene Gruppen und Kreise, die sich heute noch nicht zu einer positiven Beziehung durchgerungen haben, sich der Bewegung anschließen werden. Die überwältigende Majorität des jüdischen Volkes begreift die Unerläßlichkeit der Schaffung des Jüdischen Weltkongresses und wird auf ihm repräsentiert sein. Die entscheidende Antwort auf die Bedrohung der Juden, auf die Anzweiflung der Gleichberechtigung des jüdischen Volkes in der Welt, muß und wird darin bestehen, sich im Jüdischen Weltkongreß zu vereinigen und der Welt damit zu sagen, daß das;üdische Volk stolz auf eine jahrtausendlange Geschichte und im festen Glauben an eine große Zukunft entschlossen ist, den ihm aufgezwungenen Kampf mit allen geistigen, moralischen und politischen Mitteln euf* f